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Fantasy, Magie und Religion Gedichte über Religion, Mythologie, Magie, Zauber und Fantasy.

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Alt 03.02.2026, 22:09   #1
männlich Evren
 
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Dabei seit: 09/2021
Beiträge: 117

Standard Das Ritual

Zeit des Todes
Zeit der Geburt
Zeit des Aufstands
Zeit der Sehnsucht

Tief im Boden,
Tränen eines Exils.
Der Schmerz,
vergoren im Geist des Lebens,
strömt aus den Rinnen
über uns herab:
uralter Wein
verlorener Epochen.

Die Weiblichkeit der Natur
giftig,
sündig,
hungrig
fruchtbar,
und kennt keine Trauer.

Ein Same in der Dunkelheit.
Im Schmerz verborgen ein Schatz.
Besitzlos,unheimlich,
stilles Warten.
Der verbannte
kehrt heim in sein Land.

Auf unseren Lippen

der Geschmack des Unbekannten.
Die Herrschaft der Lust
versklavt die Seelen,
flicht eine Peitsche aus Begierden
und schlägt
auf unsere nackte Haut.
Das Blut,
das unseren Lenden siedet,
stürmt in unsere Wunden.
Unser Blut,
die rote,klebrige Wahrheit.
Verflucht.

Die Körper beben
im archaischen Zauber der Musik.
An den Höhlenwänden
tanzt die geschmeidige Flamme
existenzträchtiger Liebesspiele.
Die Ketten zerreißen.
An unseren Wunden
Klammern wir uns aneinander.
Hinter den Masken
Tauschen die Plätze:
Verlust und Sieg
Gott und Opfer
Ekstase und Kummer.

In der Erde Geburtswehen.
In der Seele Todesqualen.
Der Ruf des Unbekannten
verschmolzen
mit dem Ungewissen.
Evren ist gerade online   Mit Zitat antworten
Alt 04.02.2026, 03:18   #2
weiblich Ilka-Maria
Forumsleitung
 
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Dabei seit: 07/2009
Ort: Arrival City
Beiträge: 33.225

Ein Panorama, das erschauern lässt, an manchen Stellen des Textes besonders, wie z.B. hier:

Zitat:
Zitat von Evren Beitrag anzeigen
Die Weiblichkeit der Natur
giftig,
sündig,
hungrig
fruchtbar,
und kennt keine Trauer.
Für mich klingt das nach dem kirchlichen Dogma der verdammenswürdigen Eva, stellvertretend für das Frauenbild schlechthin. Alles Verwerfliche auf dieser Welt hat seinen Ursprung in Evas Verführung zur Triebhaftigkeit.

Diesen Eindruck verstärken die folgenden Verse:

Zitat:
Die Herrschaft der Lust
versklavt die Seelen,
flicht eine Peitsche aus Begierden
und schlägt
auf unsere nackte Haut.
Alles Schlechte kommt vom Weiblichen: die Lust, die Peitsche, die Begierde ...

Religiöse Dogmen, die durch Wokeness und Genderismus nicht aus der Welt zu schaffen sind.

Ein wahrlich nachdenkenswerter Text. Offensichtlich befinden wir uns immer noch in einer archaischen Welt.

Besten Gruß
Ilka
__________________

Workshop "Kreatives Schreiben":
http://www.poetry.de/group.php?groupid=24
Ilka-Maria ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 04.02.2026, 09:13   #3
männlich Evren
 
Benutzerbild von Evren
 
Dabei seit: 09/2021
Beiträge: 117

Hallo Ilka
Danke für dein Kommentar
Es hat mich selbst erst gegruselt als ich das fertige Gedicht nachdem Schreiben gelesen habe.
Es gefällt mir dass du die Verbindung zum Dogma der sündigen Eva ziehst. Sie ist giftig und sündig nur aus der Sicht einerzivilisierten Welt. In diesem Ritual jedoch ist sie die Kraft, die zerstört, um neu zu gebären, jenseits von Gut und Böse.

Manche Instinkte und Mythen sitzen tiefer. Vielleicht befinden wir uns wirklich noch in dieser archaischen Welt, sobald die Musik spielt und die Masken der Moderne fallen.
Freundliche Grüße
Evren ist gerade online   Mit Zitat antworten
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