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| Kolumnen, Briefe und Tageseinträge Eure Essays und Glossen, Briefe, Tagebücher und Reiseberichte. |
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#1 |
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Dabei seit: 02/2020
Ort: Niederrhein
Beiträge: 117
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Noch sucht es Form und Wölbung, dieses kleine, gerollte Blatt, dessen helles Grün am Vortag noch in brauner Knospe ruhte. Wie leise es doch weht. Es scheint im milden Morgenwind zu träumen. Doch da, ein rundlicher Käfer, der auf der Suche nach einem Frühstück ist, nähert sich dem Blatt. Ich staune über seine Gefräßigkeit. In Windeseile hat dieses kleine Insekt die Hälfte des jungen Blattes verspeist. Klar, dass es jetzt erst einmal eine Pause einlegen muss, sein Magen wird bestimmt voll sein. Zwei seiner Artgenossen haben sich zu ihm gesellt und den Rest des jungen Blattes verspeist. Auch sie, gesättigt vom Frühstück, machen jetzt ein Verdauungspäuschen. Unten am Fluss haben die Frösche ihr Morgenkonzert angestimmt. Diese tagaktiven Tiere bevorzugen Insekten, Schnecken oder Würmer als Speisen. Ich habe schon beobachtet, wie sie im Sprung nach Insekten jagten und auch Erfolg hatten. Drüben, am anderen Ufer, sind die Schwäne damit beschäftigt, ihr Nest herzurichten. Fünf Junge hatten sie im letzten Jahr, wovon nur eines übrig blieb. Seine Geschwister waren den Füchsen zum Opfer gefallen.
Ein aromatischer Duft, der von der kleinen Halbinsel zu mir herüberweht stammt von dem Kalmus, der sich oft an nährstoffreichen Gewässern ansiedelt. Er wird wegen seiner Bitterstoffe und Alkaloide als Heilmittel bei Zahnfleischerkrankungen und Magenleiden verwendet. Ich sitze hier in einem alten Kahn, der mir bei meinen Beobachtungen oft als einigermaßen bequeme Sitzgelegenheit dient. Er liegt am Nordufer des Sees und ist umgeben von einem Teppich aus Wasserlinsen. Diese grüne Pflanze wurde früher als Entengrütze bezeichnet. Angeblich wurden Entenküken damit gefüttert, da sie das Wachstum steigern würde. An so manchen Frühlingsabenden habe ich hier gesessen und den Anblick genossen, wenn im Rot des Sonnenuntergangs der Wald in der Dämmerung versinkt und über das buschumwachsene Gewässer die Fledermäuse ihre Kreise ziehen. Die Lieder der verschiedensten Vogelarten, das Gequake der Frösche, die im Schilf plätschernden Fische und den wunderbar Seelenfrieden bringenden Duft habe ich in meine Träume eingeschlossen. Tief in mir lebt noch der Knabe, welcher einst diese unauslöschlichen Wunder empfangen hat. Mit dem Verständnis vieler Menschen rechne ich nicht aber ich weiß, dass es einige gibt, die mich verstehen, ja sogar ähnlich empfinden wie ich. |
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#2 | |
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Forumsleitung
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Lieber Wolle,
dein Text hat mich überrascht. Er lässt Talent für das Schreiben von Prosa erkennen, wie ich es eher selten bei Hobby-Textern antreffe. Der Einstieg - und darauf kommt es an - ließ mich aufmerken und veranlasste mich, weiterzulesen: Zitat:
Der zweite Satz: "Wie leise es doch weht", haut nicht mehr richtig hin, denn ein gerolltes, noch junges Blatt weht nicht. Es ist der Wind, der weht. Ein Blatt beugt sich dem Wind oder wiegt sich in ihm. Das "es" ist wohl anders gemeint, aber irreführend. Gemeint scheint zu sein: Wie leise der Wind die Luft bewegt. Ein paar Kleinigkeiten wären noch zu bedenken: Frösche sind nicht nur tagaktiv. Ich wohnte mal in der Nähe eines Weihers, und da quakten die Frösche die ganze Nacht hindurch. Auch müssen sie nicht nach Insekten springen, sondern sie holen sie mit ihrer langen Zunge blitzschnell aus der Luft. Die Sache mit den Belehrungen über die Wirksamkeit von Heilpflanzen hätte ich anders formuliert, in deinem Text lesen sich zu sehr wie der Eintrag in einem Lexikon. So könnte es bei Wikipedia stehen. Aber du hast ein Gefühl für anschauliches Schreiben, das ist klar ersichtlich. Besten Gruß Ilka |
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#3 |
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Dabei seit: 02/2020
Ort: Niederrhein
Beiträge: 117
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Freue mich, dass es dir gefällt, liebe Inka
Herzlich grüßt Wolfgang |
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