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Gefühlte Momente und Emotionen Gedichte über Stimmungen und was euch innerlich bewegt.

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Alt 17.08.2022, 15:51   #1
Paul Morphy
 
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Standard Mathe

Mathematik kann auch schön sein.
Wie die Blüte der Blume,
die eine bestimmte Abfolge von Samen hat.
Wenn die Sonne senkrecht zum Garten steht
und die Albedo der Kerne die Wärme absorbiert,
wellt der Stängel, wie diese Kurve:

y = r³/3

Eine Kurve, die uns auch die Geschwindigkeit ihrer
Veränderung sagen kann, wie der Wachstum der Pflanze:

dy/dr = r²

Oder einfach nur amüsiert:

dy = RDRR
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Alt 17.08.2022, 18:10   #2
männlich Schmuddelkind
 
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Lieber Paul Morphy,

Poesie und Mathematik liebe ich aus denselben Gründen: Beide sind Sprachen, die uns erlauben, mit wenigen Worten so viel mehr zu sagen, als uns in der Alltagssprache in ganzen Büchern zur Verfügung stünde. Darin liegt unendlich viel Schönheit.

Musste mich kurz aus dem Off melden, um dies dazulassen, weil ich über dein hübsches kleines Mathe-Poem mit Freuden gestolpert bin.


In der Hoffnung, mehr Mathe-Gedichte lesen zu dürfen
und mit taylorreihenweise Applaus,

liebe Grüße
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Alt 17.08.2022, 18:42   #3
männlich Heinz
 
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Beiträge: 7.061

Lieber Paul Morphy,
sei mir nicht böse, wenn ich sage, dass Dein Gedicht einen unschätzbaren Vorteil hat: Schmuddelkind lebt noch!
Die Verbindung von Mathematik und Schönheit kann ich mangels mathematischer Kenntnisse nicht beurteilen, verfolge aber bei YouTube die Vorträge des Niederösterreichers Rudolf Taschner, der es fertig bringt mir ansatzweise ein anderes Verständnis für Mathematik mit ihren Verbindungen zu Natur und Musik zu vermitteln. Was er mindestens schafft, ist ein rudimetäres Gefühl der Bewunderung wach zu rufen.
Liebe Grüße,
Heinz
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Alt 17.08.2022, 21:35   #4
Paul Morphy
 
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Beiträge: 52

Hallo lieber Schmuddelkind,

ich habe schon lange das Bedürfnis, die Schönheit der Mathematik mit der Welt zu teilen, vor allem mit Menschen, die nicht viel mit Mathematik zu tun haben. Nur ist das gar nicht so einfach, selbst wenn es sich um sehr einfache Mathematik handelt. Mathematiker haben einen großen Hang zur Ästhetik, ebenso wie Dichter. Nicht umsonst gibt es Ranglisten mit den schönsten Gleichungen.
Wenn ich wieder eine Idee habe, reime ich etwas Mathe.


Hallo lieber Heinz,
das finde ich sehr schön. Ich habe mich später auch wieder in Mathe verliebt. Als ich jung war, war ich kein großer Fan von Mathe.
Ich empfehle dir diesen Film.
https://youtu.be/8WwLPep9xNg



Merci für die netten Kommentare.
Paul Morphy ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 18.08.2022, 04:24   #5
weiblich Ilka-Maria
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Für mich ist Mathematik nicht "schön", sondern auf teuflische Art faszinierend und in ihren letzten Winkeln geheimnisvoll. Sie ist ein synthetisches Gebilde, ein Kunstprodukt, das Menschen auf den Mond brachte, ohne zu wissen, ob man sie von dort wieder zurückbekommen konnte. Sie hat uns in ihrer Paarung mit der Physik die Atombombe "beschert". Sie kommt mit dem Prädikat der Logik daher, stößt aber selbst damit an ihre Grenzen. Mir geht jedenfalls bis heute nicht auf, weshalb 0 hoch 0 mathematisch eine Eins ergibt, 1 hoch 1 aber ebenfalls. Dafür gibt es komplizierte Erklärungsversuche, die allesamt nicht überzeugen. Bei all diesen Erklärungsversuchen, die zu einer Eins als Resultat führen, wird nämlich nicht die Null, sondern eine Zahl darüber als Basis gesetzt. Für mich ist das eine Mogelpackung.

Auf die mathebasierten Projekte lassen sich viele Menschen ein, ohne zu wissen, wie die Rechnung aufgeht. Genau darin liegt ihre Faszination, und deshalb lassen sich Menschen zu Abenteuern wie die Mondlandung verführen und mit Zahlen davon überzeugen, dass schon alles passt. Tut es aber nicht immer, aber das wird nicht an die große Glocke gehängt.

An der Mathematik scheitern Jahrgänge von Schülern. Für nichts, denn im Alltag spielt sie keine Rolle. Da genügen die Grundrechenarten und das kleine Einmaleins. Wenn ein Artikel um 10 Prozent reduziert ist, klickt das Gehirn sofort, ohne jemals von Algebra und der binomischen Formel gehört zu haben.

Und schon ein zweijähriges Kind weiß, ob es unter dem Sofa nach zwei oder fünf verschwundenen Kugeln suchen muss. Es hat von den Kugeln nämlich ein Bild im Kopf.
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Alt 18.08.2022, 19:02   #6
männlich Schmuddelkind
 
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Zitat:
Mir geht jedenfalls bis heute nicht auf, weshalb 0 hoch 0 mathematisch eine Eins ergibt
Das steht in vielen Lehrbüchern falsch oder zumindest missverständlich, aber tatsächlich ist null hoch null nicht eins, sondern einfach nicht definiert, weil es uneindeutig ist. Null hoch null kann man nämlich als äquivalent zu null geteilt durch null betrachten: 0^0 = 0^(1-1) = 0^1/0^1 = 0/0

Und die Aufgabe null durch null (und deswegen eben auch null hoch null) wurde daher aus der Mathematik genommen, weil da im Prinzip jedes Ergebnis möglich wäre. Man könnte ja sagen, null durch null sei eins, denn ein mal null ist null; oder null durch null sei zwei, denn zwei mal null gleich null; oder ist null durch null tausend? Schließlich ist tausend mal null auch null, usw..

Das ist also keine wirklich befriedigende Aufgabe, wenn da jede beliebige Zahl rauskommen könnte und daher wird es gemeinhin nicht definiert. Wenn ein einzelner Mathematiker aber unbedingt, um jeden Preis möchte, darf er auch null durch null (oder null hoch null) definieren, wie er möchte (schließlich könnte das Ergebnis ja theoretisch alles Mögliche sein) - meistens dann als 0^0 (bzw. 0/0) = 1, weil dies der Grenzwert nahezulegen scheint.

In vielen Lehrbüchern wird leider abgedruckt, dass n^0=1, wobei der Zusatz vergessen wird, dass n ungleich null sein muss. Wenn dieser Zusatz fehlt, kommt man leicht auf die falsche Idee, dass man für n 0 einsetzen darf und folgerichtig 0^0=1 sein müsse. Leider ist der Irrtum so weit verbreitet, dass auch viele Mathe-Lehrer diese Nuance nicht kennen und daher selbst diesen Irrtum im Unterricht verbreiten.

Zitat:
An der Mathematik scheitern Jahrgänge von Schülern. Für nichts, denn im Alltag spielt sie keine Rolle.
Das ist richtig: Im Alltag ist ein Großteil der gelehrten Mathematik irrelevant. Ich würde aber den Wert der Mathematik nicht in ihrer Alltagstauglichkeit suchen - das ist der Kampf gegen Windmühlen, den Mathe-Lehrer losgetreten haben - sondern
1. in ihrer Schönheit
und 2. darin, dass sie zu einer Reise in die eigene Ideenwelt einlädt und dadurch Kreativität, strukturiertes Denken und geistige Ausdauer stärken kann - d.h. wenn Mathematik richtig vermittelt wird, was die Lehrpläne allerdings nur sehr bedingt hergeben.
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Alt 18.08.2022, 19:57   #7
weiblich Ilka-Maria
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Zitat:
Zitat von Schmuddelkind Beitrag anzeigen
Das steht in vielen Lehrbüchern falsch oder zumindest missverständlich, aber tatsächlich ist null hoch null nicht eins, sondern einfach nicht definiert, weil es uneindeutig ist. Null hoch null kann man nämlich als äquivalent zu null geteilt durch null betrachten: 0^0 = 0^(1-1) = 0^1/0^1 = 0/0

Und die Aufgabe null durch null (und deswegen eben auch null hoch null) wurde daher aus der Mathematik genommen, weil da im Prinzip jedes Ergebnis möglich wäre. Man könnte ja sagen, null durch null sei eins, denn ein mal null ist null; oder null durch null sei zwei, denn zwei mal null gleich null; oder ist null durch null tausend? Schließlich ist tausend mal null auch null, usw..
Hörst du mein tiefes Aufatmen, Schmuddel?
Und tausend Verbeugungen gehören dir, dass du mich vor diesem Trauma befreit hast. Noch in den 90er Jahren versuchte sich ein Physiker darin, mich davon zu überzeugen, dass 0 hoch 0 eins ergibt.

Auf youtube gibt es Videos, die zu beweisen suchen, dass sich bei dieser Rechnerei tatsächlich eine 1 ergibt.
https://www.youtube.com/watch?v=1kXW7xLNWf0&t=57s

Das ist doch Irrsinn.

Wie kann , wenn man mit nichts rechnet, etwas dabei herauskommen, das mehr als null ist? Brauche ich höhere Mathematik, um zu wissen, dass ich mit null Cent im Portemonnaie nicht einen Cent mehr drin habe, wenn ich die Null mit der Null potenziere? Da reicht es völlig, den knurrenden Magen zu befragen.

Ja, die Mathematik hat eine Schönheit Die kenne ich auch, siedele sie aber in der Kunst an.

Zitat:
wenn Mathematik richtig vermittelt wird, was die Lehrpläne allerdings nur sehr bedingt hergeben.
Das ist offensichtlich die Crux. Daran bin ich in der Schule auch gescheitert. Später habe ich mir die Mathematik selber beigebracht und sogar Mathe-Unterricht gehalten.

Diese Kritik könnte man aber bei allen Fächern anführen. Und da weiß ich, wovon ich spreche und wieviele Nachhilfestunden ich leistete für bequeme Lehrer, die ihre Schüler nach Hause schickten mit dem Auftrag, mal einfach zwei Seiten im Buch zu lesen, deren Stoff sie nicht verstanden, weil er im Unterricht nie besprochen worden war.
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Alt 18.08.2022, 20:33   #8
Paul Morphy
 
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Ein dirty proof:

2^3 = 1* 2 * 2 * 2

2^2 = 1 * 2 * 2

2^1 = 1 * 2

2^0 = 1


0^3 = 1* 0 * 0 *0 = 0
..
0^1= 1 * 0 = 0

0^0 = 1


not q.e.d


aber wenn man möchte, kann man irgendwie.

Ilka, wir Ingenieure sagen auch zu pi 3, aber das ärgert die Mathematiker/Physiker. Schmuddelkind wird das nicht erfreuen. Aber diese Definition hat tatsächlich auch Vorteile und weil es die Mathematik nicht bricht, wird es verwendet.
Paul Morphy ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 18.08.2022, 21:06   #9
männlich Schmuddelkind
 
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Zitat:
Auf youtube gibt es Videos, die zu beweisen suchen, dass sich bei dieser Rechnerei tatsächlich eine 1 ergibt.
https://www.youtube.com/watch?v=1kXW7xLNWf0&t=57s
Was in dem Video gesagt wird, ist auch tatsächlich richtig. 2^0 z.B. ist wirklich 1. Am Ende des Videos erklärt er ja auch noch schnell, dass das aber für 0^0 nicht funktioniert. Der Typ im Video macht da eigentlich einen guten Job.


Zitat:
Ilka, wir Ingenieure sagen auch zu pi 3. Diese Definition hat Vorteile und weil es die Mathematik nicht bricht, wird es verwendet.
Was ich mal gerüchteweise gehört habe: Dass Ingenieure für kleine x sagen sin(x)=x. Stimmt das wirklich? Da krümmen sich mir zwar die Zehennägel, aber ich verstehe auch die Perspektive des Ingenieurs und dann ist so eine Annäherung ja auch irgendwie praktisch. Und Praktikabilität steht schließlich für Ingenieure im Vordergrund.

Das mit Pi=3 habe ich auch mal gehört, hielt es aber bis dato für einen Witz über Ingenieure. Ist das also tatsächlich auch eine Annäherung, die ihr betreibt? Ist ja krass! Könnte ich zwar auch noch verstehen (verkraften nicht, aber verstehen), aber im Widerspruch zur Mathematik steht es halt schon. Naja, als Ingenieur darf man von mir aus gerne mal Fünfe gerade sein lassen, solange nichts zusammenstürzt.
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Alt 18.08.2022, 21:46   #10
Paul Morphy
 
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pm, gehört nicht in ein poetry Forum denke ich
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Alt 18.08.2022, 22:16   #11
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Dann sollte ich meinen Post wohl auch lieber ins Private verlagern. Sorry wegen Spam, falls es jemandem quer im Magen gelegen haben sollte!
Schmuddelkind ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 18.08.2022, 22:28   #12
Paul Morphy
 
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Zitat:
Zitat von Schmuddelkind Beitrag anzeigen
Dann sollte ich meinen Post wohl auch lieber ins Private verlagern. Sorry wegen Spam, falls es jemandem quer im Magen gelegen haben sollte!
Das Video ist der Brüller.

pi^2=g

so gut


und ja, ich verstehe dich komplett
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Alt 19.08.2022, 00:30   #13
weiblich Ilka-Maria
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Mal eine Frage der Nichtfachfrau an die Fachmänner:

Wie hätte man denn früher so ein mathematisches Problem gelöst, als die Null noch nicht erfunden war? Meines Wissens war sie nämlich eine etwas verspätete Entdeckung.
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Alt 19.08.2022, 06:49   #14
männlich Schmuddelkind
 
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Ja, die Null war eine Erfindung der Inder und ist erst spät über die arabische Welt nach Europa gekommen. Wie man zu der Zeit (im Mittelalter) irgendwas hoch null gerechnet hätte? Naja, die Frage hätte sich damals vermutlich gar nicht gestellt. Das wäre wohl zu abstrakt für die damalige Auffassung von Mathematik in Europa gewesen. Und da den Leuten ja nicht nur das Zeichen, sondern die Vorstellung von "null" als Zahl gefehlt hat, wäre so eine Frage den Gelehrten der Zeit wohl als bedeutungslos erschienen.

Genau weiß ich es auch nicht, aber anders kann ich es mir kaum vorstellen.
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Alt 19.08.2022, 12:29   #15
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Zitat:
Zitat von Ilka-Maria Beitrag anzeigen
Daran bin ich in der Schule auch gescheitert.
Ich habe grundsätzlich nicht das Gefühl, dass in der Schule Mathematik gelehrt wird. Meine Wahrnehmung würde das eher als "Rechnen" bezeichnen.
Und eigentlich braucht das niemand, bis auf die Grundrechenarten und wie man sie anwendet. Hilfreicher wäre angewandte Mathematik oder Bereiche, die die kindliche Neugier fördern. (Mathematik in der Natur oder Bereiche die Mathematik im Alltäglichen aufzeigen oder auch Mathematik in Verbindung mit Kreativität und Kunst.) Man könnte mit Kindern Wanderungen veranstalten und den Druck berechnen, den es braucht, damit ein Baum Wasser befördern kann. Das ist nichts Konkretes, und dient nur als Beispiel. Viel ist es mehr Physik... Keine Ahnung. =)

Als Kind wäre ich rückblickend froh gewesen, man hätte uns auf die Steuererklärung vorbereitet, anstatt uns der Polynomendivision auszusetzen.

Von Mathematik im Allgemeinen oder höhere Mathematik habe ich nicht viel Ahnung. Jedoch bin ich jemand, der Bilder der Strömungsmechanik sammelt. (Vgl. Gary Neal, Milton van Dyke) und auch die mathematischen Gedanken dazu interessant findet und hin und wieder beschäftige ich mich mit Modellen wie das "Game of Life" (Conway) oder alles was die Geometrie und Astrophysik betrifft. Eine ordinäre Flächenberechnung mit Integralen, würde ich wohl nicht mehr schaffen.
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Alt 19.08.2022, 13:14   #16
weiblich Ilka-Maria
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Zitat:
Zitat von petrucci Beitrag anzeigen
Als Kind wäre ich rückblickend froh gewesen, man hätte uns auf die Steuererklärung vorbereitet, anstatt uns der Polynomendivision auszusetzen.
Das kann wohl kaum die Aufgabe der Schule sein, sondern das müssen einem die Eltern beibringen. Oder man kauft sich den Konz und sucht sich die Stellen, die für einen in Frage kommen, selbst heraus. Das ist für Otto Durchschnittsbürger schnell erledigt. Wenn es zu kompliziert wird, engagiert man einen Steuerberater.

Ein Realschul- oder Gymnasiallehrer kann nicht so ein Riesenthema wie Steuerrecht und Steuerpflicht für jeden möglichen Fall behandeln. Warum sollte das einen Schüler auch interessieren? In den seltensten Fällen hat er eine Vorstellung davon, ob er einmal Angestellter, Selbständiger, Unterhaltspflichtiger, Fernfahrer mit Zweitunterkunft, Immobilienbesitzer oder was auch immer sein wird.
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Alt 19.08.2022, 14:57   #17
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Zitat:
Zitat von Ilka-Maria Beitrag anzeigen
Das kann wohl kaum die Aufgabe der Schule
Wieso nicht? Eltern müssen sich um die Erziehung kümmern und gleichzeitig Geld verdienen. Wir jedenfalls hätten für sowas keine Zeit.. Für irgendwas muss die Schule ja gut sein. In meinem Leben hatte meine schulische Bildung, bis zu dem Punkt als Universität aufm Plan stand, keinen Mehrwert für mein Leben. Vielleicht sozial. Freundschaften, ja. Danach ging aber jeder seinen Weg. Wir lernten nur Dinge, die fürs Leben unnütz waren. Mathematik war da keine Ausnahme.
In der Uni war das schon anders, da wurde einiges nachgeholt..
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Alt 19.08.2022, 15:34   #18
weiblich Ilka-Maria
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Zitat:
Zitat von petrucci Beitrag anzeigen
Wieso nicht? Eltern müssen sich um die Erziehung kümmern und gleichzeitig Geld verdienen.
Für mich gehört das Fitmachen für die Dinge des alltäglichen Lebens - und dazu zähle ich das Ausfüllen von Formularen - zur Erziehung durch die Eltern dazu. Außerdem ist eine Steuererklärung kein Hexenwerk, sie ist nur unbequem und lästig. Und wer weiß denn schon, was sich an steuerlichen Regeln schon im nächsten Jahr wieder ändern wird? Ich mache meine Steuererklärung jedes Jahr selber, was immer wieder Neuorientierung bedeutet, weil die Vordrucke anders aufgebaut sind. Da wäre wenig hilfreich, so ein Ding mal vor Jahrzehnten im Schulunterricht gesehen zu haben.

Den Mathe-Unterricht möchte ich auf keinen Fall missen, auch wenn meine eigentlichen Intereressen und Stärken im sprachlichen Bereich lagen. Zwar stimmt es, dass man im Alltag wenig bis gar nichts von der höheren Mathematik mehr braucht, aber es hat noch nie geschadet, logisches Denken zu trainieren.
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Alt 19.08.2022, 15:52   #19
männlich petrucci
 
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Ein Hexenwerk ist es nicht, kann aber zu einem werden.
Deine Ausführung verstehe ich.

Ich bin ein großer Freund für mehr Musik, mehr Kunst und mehr Bewegung in Schulen. Und wenn Naturwissenschaften, dann praktikabel und relevant fürs Leben.
Vielleicht ist es abhängig vom Lehrer. Ich hörte, jüngere Lehrer seien mehr bemüht, dass System etwas zum Positiven zu drehen.
Vielleicht ist mein Blick zu kritisch oder zu kulturpessimistisch.

Mein Schulweg brachte für meine Arbeit und für mein Leben nichts. Im Studium war das anders. Da hieß es „vergesst alles, was ihr gelernt habt, wir fangen von null an“. Gefolgt von einem Vortrag über Abbrecherquoten. Alles in allem, war es aber eine gute Erfahrung.

Meine Mathe Lehrerin jedoch erlaubte keinerlei Neugier, die nichts mit dem Schulplan zu tun hatte. Das ist viele Jahre her und ich hoffe, dass Kinder heute mehr Freiraum haben. Das hielt ich damals für bedenklich und heute immer noch.
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Alt 19.08.2022, 16:46   #20
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Zitat:
Ich habe grundsätzlich nicht das Gefühl, dass in der Schule Mathematik gelehrt wird. Meine Wahrnehmung würde das eher als "Rechnen" bezeichnen.
Und eigentlich braucht das niemand, bis auf die Grundrechenarten und wie man sie anwendet. Hilfreicher wäre angewandte Mathematik oder Bereiche, die die kindliche Neugier fördern. (Mathematik in der Natur oder Bereiche die Mathematik im Alltäglichen aufzeigen oder auch Mathematik in Verbindung mit Kreativität und Kunst.)
Du nimmst mir die Worte aus dem Mund, petrucci. Mathematik wird im sogenannten Mathe-Unterricht tatsächlich kaum vermittelt. Und damit meine ich nicht, dass man die Schüler stattdessen mit "höherer Mathematik" quälen sollte. Es gibt in der Mathematik so viele Dinge, die wunderschön, total interessant oder praxistauglich sind. Was man ja auch durchaus machen könnte, wäre Mathe bezogen auf soziales Verhalten - Spieltheorie z.B., oder auch auf politische Sachverhalte (in der Demokratietheorie gibt es ganz viele spannende mathematische Erkenntnisse). Damit könnten viele unmittelbar mehr anfangen als mit den typischen Dreisatzaufgaben à la: "Bauer Schulze hat drei Kühe, die jeweils 10 l Milch am Tag geben... bla bla."

Und v.a. sollte es darum gehen, die Schüler selbst Mathe ausprobieren zu lassen. Dass sie eben mit Zahlen spielen und Muster finden, wie eben in der richtigen Mathematik. Dieses stupide Auswendiglernen und Manipulieren von Formeln bringt doch niemandem etwas. Jedenfalls wird man dadurch nicht schlauer und Spaß macht es natürlich auch nicht. Das führt nur dazu, dass Generationen von Schülern eine falsche Vorstellung von Mathematik bekommen und am Ende jeder Mathe hasst. Will gar nicht daran denken, wie viele Eulers und Cantors uns verloren gegangen sind, weil sie dachten, Mathe drehe sich um's Rechnen und nie im Leben auf die Idee gekommen wären, dieses "trockene, langweilige" Fach zu studieren.

Zitat:
und hin und wieder beschäftige ich mich mit Modellen wie das "Game of Life" (Conway)
Das wäre auch eine gute Idee für den Schulstoff - oder für alle, die die Schönheit der Mathematik noch nicht gesehen haben, denn Game of Life und manch andere mathematische Spielereien lassen erkennen, dass Mathe tatsächlich etwas Spielerisches und Ästhetisches ist, auch wenn man noch nicht so viele Vorkenntnisse hat. Von daher vielleicht mal drei Videos für alle, die sich der Mathematik bisher verschlossen haben, weil es nur graue Zahlen und kryptische Zeichen sind. Mathe kann auch ganz anders:
1. Game of Life
2. Mandelbrot'sche Menge
3. Fibonacci-Musik
Schmuddelkind ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 19.08.2022, 17:19   #21
weiblich DieSilbermöwe
 
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Ich bin an Mathe im Gymnasium gescheitert. Nachts hatte ich Alpträume vom Mathelehrer, wie er mich anschrie, ich solle aufpassen. „Wenn du nicht aufpasst, dann ..." Das danach blieb unausgesprochen. Was war ich glücklich an den Tagen, an denen ich kein Mathe hatte.

Aber das Gedicht hier und die Diskussion gefällt mir.

Zitat:
.Mathematiker haben einen großen Hang zur Ästhetik, ebenso wie Dichter. Nicht umsonst gibt es Ranglisten mit den schönsten Gleichungen.
Ich habe das schon mal gehört. Für mich recht verwunderlich. Aber wahrscheinlich nur, weil ich noch nie eine Gleichung lösen konnte. Man gab sich in meiner Schulzeit nicht gerade viel Mühe, uns den Stoff beizubringen bzw. sich darum zu kümmern, ob wir ihn auch wirklich verstanden haben.
DieSilbermöwe ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 19.08.2022, 18:09   #22
männlich petrucci
 
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Zitat:
Zitat von Schmuddelkind Beitrag anzeigen
Du nimmst mir die Worte aus dem Mund, petrucci. Mathematik wird im sogenannten Mathe-Unterricht tatsächlich kaum vermittelt. Und damit meine ich nicht, dass man die Schüler stattdessen mit "höherer Mathematik" quälen sollte. Es gibt in der Mathematik so viele Dinge, die wunderschön, total interessant oder praxistauglich sind. Was man ja auch durchaus machen könnte, wäre Mathe bezogen auf soziales Verhalten - Spieltheorie z.B., oder auch auf politische Sachverhalte (in der Demokratietheorie gibt es ganz viele spannende mathematische Erkenntnisse). Damit könnten viele unmittelbar mehr anfangen als mit den typischen Dreisatzaufgaben à la: "Bauer Schulze hat drei Kühe, die jeweils 10 l Milch am Tag geben... bla bla."

Und v.a. sollte es darum gehen, die Schüler selbst Mathe ausprobieren zu lassen.
Genau. Das weckt die Neugier und Neugier und Faszination entsteht oft aus dem Spiel heraus. Die Vorlesungen für Mathe an unserer Uni waren bombastisch. Humorvoll, einfach erklärt, kaum Redundanz und viele lebhafte Vorstellungen im Vorlesungsraum. Damals dachte ich mir: „warum war das in der Schule nicht so?“. Leicht war es trotzdem nicht. Wenn das Interesse aber vorhanden ist, lässt sich so manch steiniger Weg überwinden.

Dabei entstehen viele Missverständnisse. Die mathematische Syntax ist ein Werkzeug, eine Sprache, die dabei hilft Schönheit sichtbar zu machen.
All dies „Auratische“ wäre in meiner Kindheit wegweisend gewesen. Nun denn.

Ich denke, dass die Schulmathe viel kaputt macht und einigen Schülern ihr Talent verbaut oder alles versalzt, bis das Interesse verloren geht. Dabei ist Mathe in unserer Zeit so wichtig..

Vielen Dank für die Links, Schmuddlkind!
petrucci ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 19.08.2022, 18:23   #23
Paul Morphy
 
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Ich muss ehrlich gestehen, dass ich ein bisschen überrascht bin, wie viele hier dieses Thema besprechen. Ich hatte ein bisschen Angst, dass ich den Leuten vor den Kopf stoße, was ich nicht will, schon gar nicht mit Mathe, denn ich hatte auch einen sehr schlechten Mahtelehrer im Gymnasium, der mir gesagt hat, dass ich Mathe nie(niemals!) verstehen kann und es aufgeben soll.

Aber mit Mathe kann man echt viel machen, wie Schmuddelkind schon sagte, ist es eine Sprache, der Logik(wie Ilka richtig sagt).

Ich wollte euch einen interessanten ontologischen Beweis geben, den ihr mögen könnt oder nicht(Für Philosophen geeignet). Wenn ihr Fragen dazu habt, lmk

https://arxiv.org/abs/1308.4526

Hier ist noch etwas, falls jemand Albträume haben möchte:

https://www.symmetrymagazine.org/art...model-equation
Paul Morphy ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 01.09.2022, 16:31   #24
weiblich Donna
 
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Hi Paul Morphy,
ein interessanter Ansatz, den ich gut nachvollziehen kann. Ich liebe an der "mathematischen Ästhetik" besonders die Symetrie, die einfachen Muster eines rautierten oder karierten Papieres, wiederzuerkennen in Fengshui, Tapeten, Fliesen oder reißbrettartigem Städtebau - alles was sich mathematisch relativ einfach beschreiben lässt. Der chaotische Gegensatz wie z.B. die Nachkommastellen der Kreiszahl π gehört zu einem perfekten Kreis dazu. Letztendlich lässt sich jede physische Wirklichkeit mathematisch beschreiben und zum Schluss wird die mathematische Unordnung unendlich, bzw. für uns komplett unübersichtlich.
Zu dieser mathematischen Ästhetik gehört das wiederkehrende Verlässliche, die Proportion eines goldenen Schnitts, oder die Fibunacci - Folge (Schneckenhaus) und das scheinbar Zufällige, wie z.B. die Mandelbrot Menge (bekannt ist das Apfelmännchen). Gleiche Blätter an Bäumen, gemusterte Tiere, ein Wellenrelief stehen dem Chaos der Wolken gegenüber.
Den Verlauf einer Geraden, eines Kreises oder eines Bogens können wir theoretisch unendlich weit verfolgen, und damit Realitäten beschreiben, welche für Teleskope nicht mehr zugänglich sind. Stephen Hawking hatte dabei das mathematische Konstrukt eines ganzen Universums im Kopf - nicht soweit das Auge reicht, sondern soweit wie die mathematische Beschreibung es zulässt.
Wer weiß, was die Supercomputer unserer Zukunft noch alles ans Tageslicht befördern und welche Zahlenfolgen und Formeln dabei entdeckt werden. Dass es soetwas wie eine Weltformel gibt, bezweifel ich allerdings. Sie entspricht wohl eher der plumpen Sehnsucht nach Ordnung, der Vorhersehbarkeit und Berechenbarkeit.
Wenn auch die Buchstaben nicht vorhersagbar sind, so unterliegen die Ästhetik und Form von vielen Gedichten ebenso solchen Gesetzmäßigkeiten, die wir gemeinschaftlich als angenehm aufnehmen und begreifen können.

L.G. Donna
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