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Sprüche und Kurzgedanken Prosatexte, die einen Sachverhalt möglichst kurz und knapp schildern.

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Alt 30.11.2022, 22:15   #1
männlich Heinz
 
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Standard le seizième jour (der sechzehnte Tag)

Einer Birke braunes Herbstblatt,
hergeweht vor meinen Fuß,
bringt mit letztem Chlorophyll
Küsse und geheimen Gruß.
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Alt 30.11.2022, 22:33   #2
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Einer Birke braunes Herbstblatt,
hergeweht vor meinen Fuß,
bringt mit letztem Chlorophyll
Küsse und geheimen Gruß.

Wie bitte?

An sich ist das ein schöner Text, aber ich glaube mein Beitrag war etwas ungenau.

Chlorophyll entsteht durch das Aufnehmen von Sonnenenergie und trägt zur Grünfärbung bei.
Im Herbst werden Blätter nekrotisch, weshalb sie absterben und zu Boden geworfen werden und ihnen eine erst rötliche und dann braune Färbung zuteilwird. Da ein Baum und auch sonst jede Pflanze die durch Chlorophyll erhaltene Kraft in die Wurzeln, Knollen, Rhizome oder Nodien leitet um über den Winter zu kommen.

Was im Text als letztes Chlorophyll benannt wird, ist bereits Chlorophyll-leer und nekrotisch und wurde abgeworfen zum skelettieren.
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Alt 30.11.2022, 23:10   #3
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Zitat:
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Im Herbst werden Blätter nekrotisch, weshalb sie absterben und zu Boden geworfen werden und ihnen eine erst rötliche und dann braune Färbung zuteilwird.
Nachfrage:

Die Blätter werden aber auch gelb. Ist das eine Vorstufe zu braun? Oder was passiert da?

Braun werden sie doch erst nach dem Abfallen, wenn sie am Boden liegen. Dann trocknenen sie aus, werden spröde und rascheln, wenn man sie tritt. So kam es mir immer vor.
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Alt 30.11.2022, 23:47   #4
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das Farbspektrum reicht von grün - gelb - orange, über rot(pink) je nach blau Pigmentierung mehr pink und geht oft erneut ins orangerote. Bis es schlussendlich ins braune geht.
Aber braun ist definitiv die letzte Farbgebung und verweist eigentlich immer auf Nekrose.
Die eigentlichen Farben des Blattes (gelb, orange, rot, pink) sind grundsätzlich im Blatt vertreten, werden aber vom Grün des Blattes, welches bei der Photosynthese durch Chlorophylle im Blatt entsteht, überdeckt.
Die Pflanze baut das Chlorophyll in den Sprossachsen ab, welches zum Überwintern in die Pflanze zurück geleitet wird.
Dabei kommt es zum wechselnden Farbspektrum und letztendlich zum Abwurf des Blattes, welches dann nur noch als Eigenkompost in Laubform abgebaut und abermals dem Wurzelwerk als Nährboden zugeführt wird.

Als Florist und als Gärtner lernt man, dass die Pflanze dem Menschen in vieler Hinsicht überlegen ist. Wir können ohne sie nicht Leben.
Die Atmung einer Pflanze gibt uns Sauerstoff und reinigt sogar unser Umfeld von Giftstoffen durch Verwertung von Kohlenmonoxid, welches wir als Abfallprodukt ausstoßen.
Im Gegensatz dazu würde der Pflanze aber ohne uns überhaupt nichts fehlen.

Was aber passieren könnte, wenn es zu viel Grün auf der Erde gäbe.
Die Luftfeuchtigkeit wäre derart hoch das Gigantismus in Lebewesen keine Seltenheit wäre und zudem auch der Treibhauseffekt wesentlich höher wäre und dieses Abfallprodukt namens Sauerstoff schlussendlich das Ozon angreifen würde, da es niemand in sein System aufnehmen, abbauen und verwerten könnte, um es dem System als Kohlenstoffdioxid zurück zu führen.
Erde und Mensch stehen also in einem Schmarotzerverhältnis und wir sind dabei nicht die Guten
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Alt 01.12.2022, 00:50   #5
weiblich Ilka-Maria
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Zitat:
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Was aber passieren könnte, wenn es zu viel Grün auf der Erde gäbe. Die Luftfeuchtigkeit wäre derart hoch das Gigantismus in Lebewesen keine Seltenheit wäre und zudem auch der Treibhauseffekt wesentlich höher wäre und dieses Abfallprodukt namens Sauerstoff schlussendlich das Ozon angreifen würde, ...
Das hatten wir doch alles schon auf der Erde, bevor es die Menschen gab.
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Alt 01.12.2022, 01:57   #6
männlich Heinz
 
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Ach du lieber mein Vater, was habe ich da angerichtet.
Also - ohne tiefgreifende Kenntnisse der Naturkunde: Birkenblätter werden im Herbst bräunlich. Manchmal sind auf den abgefallenen Blättern noch kleine grüne Stellen (Reste des Chlorophyll) zu sehen.
Mein Vierzeiler
Einer Birke braunes Herbstblatt,
hergeweht vor meinen Fuß,
bringt mit letztem Chlorophyll
Küsse und geheimen Gruß.

mit der Überschrift: le seizième jour (der sechzehnte Tag) ist aus gegebenem Anlass entstanden:

Der Vierzeiler hat 16 Wörter. Am sechzehnten Tag (meiner Haft in Berlin Hohenschönhausen, die vor 40 Jahren begann) ist ein braunes Herbstblatt gefallen und vor meinen Füßen gelandet. Gefallen ist an diesem sechzehnten Tag auch mein Widerstand bei den täglichen Vernehmungen. Der kleine, grüne Rest signalisiert Hoffnung und der "geheime" Gruß einen versteckten Inhalt - nämlich den, dass der Staatssicherheitsdienst der DDR vorerst "gewonnen" hat. Das war wichtig für die Verhandlungen zwischen den zuständigen staatlichen Stellen in Bonn und Berlin.
Liebe Grüße,
Heinz
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Alt 01.12.2022, 08:54   #7
weiblich DieSilbermöwe
 
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Lieber Heinz,

ein sehr berührendes und hoffnungsfroh erscheinendes Gedicht mit oder besser gesagt aus einer bitteren Erinnerung.
Ich finde es wunderschön geschrieben.

LG DieSilbermöwe
DieSilbermöwe ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 01.12.2022, 12:13   #8
männlich Heinz
 
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Liebe Silbermöwe,
meine ersten, kaum wage ich von Gedichten zu reden, die in klösterlicher Abgeschiedenheit entstanden, sind sehr kurz, weil ich ohne Papier und Bleistift nur auf mein Gedächtnis angewiesen war. Wenn eines davon zu berühren vermag und trotz der Beengung Hoffnung transportiert, freue ich mich sehr.
Vielen Dank für deinen Kommentar!
Heinz
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