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Zeitgeschehen und Gesellschaft Gedichte über aktuelle Ereignisse und über die Menschen dieser Welt.

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Alt 04.03.2026, 15:58   #1
männlich Epilog
 
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Standard windrose (für Filmfreunde, schon wieder 70 Jahre her)

kam "der eroberer" nicht stets von osten?
von gog und magog bis zu dschingis khan?
selbst tschernobyl brach sich von dort die bahn
ließ uns den preis des guten lebens kosten

im snow canyon wehte der wind aus westen
die white sands fingen sich nicht nur im schuh
nein: "dirty harry" schlug schon früher zu
die abschreckung galt`s ausgiebig zu testen

rund siebenhundert meilen richtung norden
erwuchs aus machtspielen das angst-atom
begann die downwinder lautlos zu morden

doch wir schaun lieber wie gewünscht nach süden
und fürchten den mit meer vermischten strom.
wann wird die windrose in ihrem dreh ermüden?


https://www.spiegel.de/geschichte/de...5-109925fd6db5
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Alt 05.03.2026, 02:03   #2
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Zitat:
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kam "der eroberer" nicht stets von osten?
von gog und magog bis zu dschingis khan?
selbst tschernobyl brach sich von dort die bahn
ließ uns den preis des guten lebens kosten]
Meiner Kenntnis nach anders. Die Eroberer kamen von Westen, oder dem, was wir als "den Westen" definieren. Dieser Westen hat in der Antike die Westküste der Türkei und Länder Nordafrikas beherrscht. Der Westen hat nicht nur Eroberungsversuche der Perser abgewehrt, sondern auch wiederholte Angriffe der Türken auf Länder abgewehrt, die wir heute Westeuropa zurechnen. Okay, das war keine Eroberung, sondern Abwehr. Aber die Griechen waren unter Alexander bis zum Indus vorgedrungen, und die Römer hielten Stellungen in Nordafrika, in Ägypten und im Nahen Osten, von den Ländern in Europa abgesehen, z.B. bis nach Groß-Britannien und dem Hadrianswall. Viele Städtenamen zeugen noch davon. Es waren Waräger (Wikinger), die Kiew als Handelsplatz gründeten und einige hundert Jahre lang in den slavischen Gebieten um Kiew das Sagen hatten. Invasionsversuche aus dem Osten waren, wenn überhaupt, immer nur von kurzer Dauer (Hunnen, Hetither), ausgenommen die Zeit der Völkerwanderungen.

Es waren die Ideen des Westens, die zur Aufklärung und zu den modernen Gesetzen führten (Code Napoleon), die Entdecker über den Atlantik schickten, im Zeitalter der Nationalstaaten weltweit Kolonien besiedelten und aufgrund ihres technischen Standards die schlimmsten Kriege der Menschheitsgeschichte ausfochten: 30jähriger Krieg, amerikanischer Sezessionskrieg, 1. WK und 2. WK.

Der Niedergang der Kolonien führte zunächst nicht zur Befreiung vom westlichen Joch und einem Streben nach Westen, sondern zur Zerfleischung von Völkern, die ihrem Schicksal überlassen wurden (siehe Indien und Pakistan).

Der Aufstieg des Ostens, vor allem Chinas und Indiens, ist ein Phänomen unserer Zeit. Dort wird jetzt exerziert, was wir im Westen in unserer Sattheit und Selbstgefälligkeit hinter uns gelassen haben, nämlich Pioniergeist, Innovation und Fleiß. Eroberung findet heute anders statt als in der Vergangenheit, und dieses Mal ist der Osten vorn.

Vielleicht geht mein Sermon an dem Gedicht, insgesamt gesehen, vorbei. Aber die Aussage der ersten Strophe stimmt meiner Ansicht nach nicht.

Immerhin: Es ist ein Versuch.

Besten Gruß,
Ilka
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Alt 05.03.2026, 08:56   #3
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Standard Guten Morgen Ilka

danke für Deinen ausführlichen Kommentar.
Zitat:
Zitat von Ilka-Maria Beitrag anzeigen
Die Eroberer kamen von Westen
Ich bitte zu berücksichtigen, dass "der Eroberer" in Anführungszeichen steht und die Verse 1 und 2 mit Fragezeichen versehen sind. Ersteres deutet daraufhin, dass vor allem der unsägliche Abenteuerfilm von 1956 mit John Wayne als "grotesker Fehlbesetzung" in der Hauptrolle (die dann ja am Ende des zweiten Verses nochmals namentlich genannt wird) gemeint ist. Und die Fragezeichen sind rhetorisch zu verstehen, um die Alltagsmeinung der Kinogänger im Kalten Krieg widerzuspiegeln (die seit 2022 auch wieder sehr tonangebend sein dürfte).

Die anschließend geschilderten Umstände belehren dann (genauso wie Deine korrekten und umfassenden historischen Beispiele) diese bestenfalls verkürzte Sichtweise eines Besseren. Wichtig war mir hier vor allem, die vier Richtungen der Windrose am Ende Verse 1, 5, 9 und 12 jeweils einmal direkt aufzuführen. Dass ein irgendwie "verdrehtes" Welt- und Geschichtsbild daraus resultieren kann, liegt wohl durchaus in der Natur des Gedichts. Nicht zufällig erinnert mich zumindest die Windrose auch immer an das Glücksrad.

Viele Grüße

Epilog
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Alt 05.03.2026, 09:30   #4
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Zitat:
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Ersteres deutet daraufhin, dass vor allem der unsägliche Abenteuerfilm von 1956 mit John Wayne als "grotesker Fehlbesetzung" in der Hauptrolle (die dann ja am Ende des zweiten Verses nochmals namentlich genannt wird) gemeint ist.
Es wird wohl stimmen, dass der Film ein Fehlschlag war, obwohl ich trotz meiner Liebe zum Kinofilm diesen Film nie gesehen habe und kein eigenes Urteil abgeben kann. Auf diesem Set wurde angeblich nicht nur John Wayne verheizt, sondern eine ganze Reihe von Stars. Für die Szenen, die im Studio gedreht wurden, hatte man damals tonnenweise den nuklear verseuchten Sand aus der Wüste von Nevada herangekarrt, wo zuvor zahlreiche Atombombenversuche stattgefunden hatten, was die Öffentlichkeit nicht wusste. Es war auffällig, dass von der Filmcrew 91 Personen an Krebs starben, auch die Hauptdarstellerin Susan Hayward.

Ich glaube, jeder Star greift einmal daneben oder wird falsch besetzt. Siehe "Taras Bulba" mit Yul Brynner und Tony Curtis. Aber nicht jeder Einsatz in einer falschen Rolle war jemals so tödlich ausgegangen.

Lang ist es her, aber John Wayne ist immer wert, genannt zu werden. Einer meiner Lieblingsfilme ist "Der Sieger". John Wayne konnte durchaus gute Filme machen, auch ohne Cowboyhut.

LG
Ilka
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Alt 07.03.2026, 19:14   #5
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Standard hallo

ich beneide Euch um Euer Filmgedächtnis. Titel verwandeln sich bei mir in Schall und Rauch. Bei Gefallen hab ich noch die verdichtete Handlung im Kopf.
Selbst heute schaue ich noch Filme an, die mir nach 30 min bekannt vorkommen und ich dann rätsele, wie war der ausgegangen?

wsT
dT
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Alt 07.03.2026, 20:41   #6
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Zitat:
Zitat von dunkler Traum Beitrag anzeigen
ich beneide Euch um Euer Filmgedächtnis. Titel verwandeln sich bei mir in Schall und Rauch. Bei Gefallen hab ich noch die verdichtete Handlung im Kopf.
Völlig normal, dass man sich nicht jeden Film merkt. Am besten erinnert man sich an ihn, wenn er starke Emotionen auslöst. Das ist mit allen Erinnerungen so, egal auf welchem Gebiet. Außerdem ist meine Leidenschaft für den Film extrem und begann schon, als ich noch in den Kindergarten ging, auch wenn ich mit Märchenfilmen und Walt Disney anfing. Was gefällt, schaue ich mir mehrmals an, das verstärkt nicht nur die Erinnerung, sondern man sieht auch immer wieder neue Details, die man bis dahin übersehen hatte. Verstärkt wird das alles noch, wenn man auch die literarische Vorlagen liest oder Verfilmungen des gleichen Themas anschaut. Die Romane von Alexandre Dumas, um ein Beispiel zu nennen, sind schon so oft neu verfilmt worden wie nur wenig andere Romane.

Um auf John Wayne zurückzukommen: Der von mir erwähnte Film "Der Sieger" ist auf youtube in ordentlicher Qualität verfügbar:
https://www.youtube.com/watch?v=7fGwfmaA9ic&t=2774s

Empfehlenswert und auch auf youtube: "Die vier Söhne der Katie Elder"
https://www.youtube.com/watch?v=xGiVBgBHnkA
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Alt 07.03.2026, 23:39   #7
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Zitat:
Zitat von Ilka-Maria Beitrag anzeigen
Der von mir erwähnte Film "Der Sieger"
Jo, laut "Prisma"/Wikipedia (sorry) "einer der besten Filme aller Zeiten", erhielt 1952 immerhin den Regie-Oscar, den ich für noch etwas vielsagender halte als die Haupt- und Nebendarsteller. Sollte man sich dann doch vielleicht mal anschaun. Das Thema Irland ist für die Meisten whrscheinlich nicht so sexy, aber wenn man nur an Autoren wie J. Swift oder W,B.Yeats (siehe an anderer Stelle) denkt ... Auch Sheridan LeFanu gehört zumindest unter den Horrorschriftstellern zur unangefochtenen Sonderklasse.

Schöne Träume wünscht

Epilog
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