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| Gefühlte Momente und Emotionen Gedichte über Stimmungen und was euch innerlich bewegt. |
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#1 |
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Ich träumte, ich schritt durch den friedlichen Garten
und pflanzte ein Bäumchen und sähe es sprießen. Ich goss es und brauchte dann nur noch zu warten, um später die Süße der Frucht zu genießen. Ich schmückte den Garten mit Blumenrabatten und pflegte ihn sorgsam und hielt ihn in Ehren, egal ob bei Regen, bei Sonne, bei Schatten. Wurd' ER nicht erschaffen, um mich zu ernähren? Leider ging der Traum abrupt zu Ende, warf mich in die Wirklichkeit zurück. Was nur schufen hier die Menschenhände! Feuchte Augen trübten meinen Blick: Statt des Gartens seh ich kranke Wälder, Gifte wabern durch die dürren Bäume. Kriege fressen Menschen, Häuser, Felder, rauben uns sogar die letzten Träume! Wann werden wir Menschen es endlich verstehen, den Garten in Frieden und Ehren zu halten, uns selbst als ein Teil dieses Gartens zu sehen? Erst dann dürfen wir unsre Träume entfalten. © Norbert Rahn |
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#2 |
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Forumsleitung
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Schade drum.
Die ersten beiden Strophen sind brillant geschrieben, die Worte fließen, die Bilder breiten sich aus, die lyrische Landschaft treibt Blüten. In den Strophen drei und vier klappt das alles zusammen. Wäre das Gedicht ein Walzer, hätten wir jetzt einen Saal mit Leuten, die alle am Boden liegen, weil sie über ihre Füße gestolpert sind. Die letzte Strophe nimmt den Rhythmus der ersten beiden wieder auf, holpert aber in der dritten Zeile auch ein wenig. Die "kranken Wälder" sind die Sau, die vor Jahrzehnten durchs Dorf gejagt wurde, aber durch zahllose neue Aufreger längst in die Versenkung gedrückt wurden. Es gibt sie noch, aber die Forstwirte haben nie die Unterstützung bekommen, die sie gebraucht hätten. Auch Kriege sind seit der Entstehung der Hochkulturen 5.000 ante Christi kein Grund zum Jammern. Seither gehören sie zum Fortschritt der Menschheit. Es begann damit, dass erstmals ein Mensch ein Stück Land absteckte und erklärte: "Das gehört mir." Krieg ist der Preis für die Sesshaftigkeit, für die Unterwerfung der Tierwelt und für Ausbeutung jeglicher Art. Vielleicht erklärt man den Krieg irgendwann zum Kulturerbe. Inzwischen ist alles Kultur, was erfolgreich oder siegreich ist oder Endungen wie "ismus" oder ähnliches trägt. Die Welt, in der wir heute leben, begann damit, dass wir nicht mehr mit den Herden zogen, sondern die Erde in Kuchenstücke teilten, auf denen wir pflanzten und züchteten. Der nächste Schritt war, die Ernte und das Kalb zu verteidigen. |
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#3 |
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Dabei seit: 10/2024
Ort: mittig und großstadtnah
Alter: 42
Beiträge: 268
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Ich fing an zu lesen und dachte: Och, schöner ungewöhnlicher Takt für Norberts Gedichte. Trägt den traumgleichen Inhalt hervorragend. Dann passierte das, was Ilka schrieb. Alle am Boden.
Und ich finde: Richtig gut gemacht. Da klatscht einem die Realität mal so richtig fies ins Gesicht. Wirkung erzielt. Ich finde, die letzte Strophe hätte entsprechend auch so klatschekalt sein dürfen, dann hätte es eindringlicher nachgehallt. Aber ich bin halt die Fraktion "kalter Waschlappen", du "warmer Hoffnungsschimmer".
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#4 | |
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Zitat:
Der Effekt, den du beschreibst, ist gewollt (Stilmittel): Nach den ersten beiden (daktylisch fließenden) Strophen ist der Traum zu Ende und die Schrecken der Realität herrschen (trochäisch polternd) vor. Das ist nichts mehr für die Walzer-Schritte der Traumtänzer (denn sterbende Wälder und Kriege finde ich schrecklich - auch wenn Kriege eine Folge des Siedelns sind). Was du beschreibst, ist genau mein Mittel zum Zweck. Falls das nicht nachvollziehbar ist, ist es natürlich der Fehler des Schreiberlings, der das verbockt hat. ![]() Den Holperer in Vers 3 der letzten Strophe finde ich nicht. Liebe Grüße Norbert |
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#5 | |
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Zitat:
Ah, lieben Dank - ja, genau so war der Metrum-Wechsel natürlich gedacht. Der kalte Waschlappen klatscht den Traumtänzern ins Gesicht und kegelt sie um (prächtiges Bild übrigens ).Dein Lob geht mir runter wie Öl mit Honig! ![]() Ja, Hoffnungsschimmer & Happy End sind mehr so mein Metier (dementsprechend auch der Metrum-Wechsel wieder zurück zum Walzer). Liebe Grüße Norbert |
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#6 | |
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Zitat:
Ich denke, Krieg und tiefe Sehnsucht nach Frieden gehören schizzophrenerweise zur menschlichen Natur. Auch dazu poste ich gleich noch ein Gedicht von mir - dann allerdings eher unter "Philosophisches". Liebe Grüße Norbert |
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#7 |
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Ein sehr gut konstruiertes Gedicht wie ich finde. Zuerst das was könnte sein in einem Traum zusammengefasst, dann die Realität und in der letzten Strophe dann die Verbindung von Strophe 1 und 2 mit Strophe 3 und 4. Ich kann in dem Gedicht keine Schwächen erkennen. Meiner Meinung nach makellos gereimt.
Freundliche Grüße, Travis Beamer |
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#8 | |
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Zitat:
Ja - genau so war meine Intention. Ich glaube, es ist eines meiner ganz wenigen Gedichte wo ich einen Metrum-Wechsel so bewusst und schon etwas brutal eingesetzt habe. Und ich werde das bei geeigneter Gelegenheit sicher erneut versuchen. LG Norbert |
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