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Rollenspiele und Bühnenstücke Eigene Bühnenstücke, Rollenspiele und Dialoge.

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Alt 09.04.2026, 15:57   #1
männlich Schere
 
Dabei seit: 10/2017
Beiträge: 28

Standard Rausch und Ritus

Rausch und Ritus
(Nietzsche trifft Konfuzius)

Nietzsche sprach:
Konfuzius, du Gartenkünstler!
Du beschneidest das wuchernde Dickicht des Lebens
und machst daraus eine Landschaft im Topf.
Zweig um Zweig geschniegelt –
jedes Blatt weiß, wann es fallen darf.
Ein Zuchthaus aus grüner Seide –
wo die Wurzeln verkümmern,
damit die Krone nicht zittert.

Konfuzius sprach:
Der Himmel hat seine Zeit,
die Erde ihre Gaben,
der Rohling seine Schönheit
und der Handwerker sein Geschick.
Nietzsche, ein Jadeblock kann sich nicht selbst schleifen.
Es braucht Steine von anderen Bergen.
Wer gegen die Maserung schnitzt,
zerstört den Stein.

Nietzsche sprach:
Einen anderen Stein berühre ich nur,
um Funken zu schlagen!
Sieh mich an, Konfuzius.
Mich formten die Gipfel,
die Blitze
und die Einsamkeit.
Lieber ein roher Stein sein,
der schneidet,
als ein Ziegel,
der in eure Mauer passt!

Konfuzius sprach:
Der Gelbe Fluss überschwemmt das Land,
doch die Dämme geben ihm Maß.
Das Korn nickt dem Himmel zu.
Sind die Felder bestellt
und die Speicher gefüllt,
so ruhen die Alten
und singen die Jungen.
Wenn jeder Stein schneidet –
wer baut die Brücke,
die viele trägt?

Nietzsche sprach:
Du würgst den Fluss,
nur damit das Vieh nicht nass wird.
Doch ich bin kein Hirte, Konfuzius.
Ich bin das Seil über dem Abgrund.
Wer wachsen will,
muss den Hunger lieben!
Sag mir, Meister der Jade:
Wo ist das wilde Feuer des Lebens geblieben?
Deine Steine sind kühl. Und stumm.

Konfuzius sprach:
Nietzsche, wer das Leben wilder machen will,
ist wie ein Mann aus Song,
der an seinen Halmen zog,
um sie schneller wachsen zu lassen.
Er fand nur verwelktes Stroh.
Sag mir:
das lodernde Feuer, das den Himmel mit Rauch füllt,
oder das stille Wasser, das ihn widerspiegelt –
was wiegt schwerer?

Nietzsche sprach:
Was schwerer wiegt?
Der Abgrund, Konfuzius!
Das ist dein Schicksal:
Dass du am Ufer deines stillen Wassers sitzt
und die Spiegelung der Luft anbetest.
Nur wo noch Chaos im Innern brennt,
kann ein tanzender Stern geboren werden!

Konfuzius sprach:
Der Abgrund unter mir
und der Himmel über mir
tragen dasselbe Blau.
Wer seinen Platz kennt,
findet ruhe.
Darum gleicht ein Edler dem Polarstern:
unbeweglich in seiner Mitte
ordnet er die Bahnen der übrigen Sterne.

Nietzsche sprach:
Eine Moral der Schwerkraft!
Der Kaiser sitzt unbeweglich in der Mitte,
der Hofstaat kreist in starren Bahnen,
die Bauern beugen den Buckel.
Das nennst du Ordnung?
Ich stürze durch die Schwärze des Alls,
in die ewige Kälte.
Ein wahrer Stern braucht kein Gefolge!

Konfuzius sprach:
Der Lauf des Himmels ist beständig.
Er besteht nicht wegen eines Weisen
und vergeht nicht wegen eines Tyrannen.
Nietzsche, Essen ist wichtiger als der Kaiser.
Sag mir:
das stolze Wildkraut, das für sich allein wuchert,
oder der bescheidene Reis, der vielen dient –
was füllt die Speicher?

Nietzsche sprach:
Der Lauf des Himmels?
Sein Blick ist leer.
Er sieht nur sein eigenes, sinnloses Kreisen.
Der Reis ernährt das Volk –
doch ich spreche nicht zum Volk, Konfuzius.
Ich bereite den Boden für die einzige Pflanze,
aus der ein neuer Gott wachsen kann!
Dein Himmelreich hat nur Platz für kultivierten Reis.
Nicht für den Übermenschen.

Konfuzius sprach:
Der Himmel schuf die Zehntausend Dinge.
Seinen Weg zu verwerfen
und doch Ernte erwarten,
ist wie säen im Winter.
Ist das nicht ein Irrtum?

Nietzsche sprach:
Ich bin keiner, der dir Rechenschaft schuldet, Konfuzius.
Du willst die Jahreszeiten zur Moral machen,
doch der Übermensch schafft seine eigene Ernte!
Er wartet nicht auf das Mandat des Himmels.
Selbst im tiefsten Winter
zündet er sich seine Sonne an –
denn er ist der Geber des Lichts,
nicht sein Bettler.

Konfuzius sprach:
Ein alter Mann aus Henan lebte im Schatten zweier Berge,
die den Weg nach Süden versperrten.
Er versammelte seine Familie und sprach:
"Lasst uns gemeinsam diese Berge abtragen.
Selbst wenn wir sterben,
unsere Nachkommen werden unendlich sein.
Die Berge aber wachsen nicht.
Warum sollten wir sie nicht abtragen können?"

Nietzsche sprach:
Du glaubst, ihr bewegt die Welt?
Ich habe das Ende gesehen, Konfuzius.
Alles kommt wieder.
Auch der Berg wird wieder da sein.
Massiv und hämisch,
als wäre dein winziges Leben nie gewesen.

Konfuzius sprach:
Ist der Himmel ein Rad,
so ist meine Ehre
eine Speiche zu sein,
die hält.

Nietzsche sprach:
Ein Blitz sein,
der den Himmel zerreißt –
das ist Leben!

Konfuzius sprach:
Die Königin der Nacht
blüht für einen kurzen Moment;
der Himmel wird davon nicht berührt.
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