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#1 |
Dabei seit: 08/2021
Ort: München
Beiträge: 123
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Nicht, weil es die NATO gibt, handelt Putin so, wie er agiert,
sondern die NATO gibt es, weil der Machtapparat Russlands so denkt und handelt, wie er es tut. |
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#2 |
Putin verkörpert im Wesentlichen eine Verschmelzung von Ivan Ilyin (Ivan Iljin) und Aleksandr Gelʹevič Dugin.
Die Ideologie Ilyins strebt die Umgestaltung der Gesellschaft an, indem sie die Mittelklasse gänzlich zerschlägt, um eine winzige Aristokratie und eine beträchtliche Menge von Leibeigenen zu schaffen. Dugin wiederum hegt die ambitionierte Vision eines reinrassigen und unterdrückten Eurasiens. Wenn man bedenkt, dass die Hingabe an seine Ideologie bis zur Opferung eines Familienmitglieds reichen kann, ruft dies bei mir Ekel hervor. Bei einer noch weiteren Rückverfolgung der russischen Wurzeln, abseits des Kiewer Rus, stoßen wir auf Skandinavien und die Wikinger und ich frage mich, woher das nationale und vor allem sehr radikalisierte Gedankengut rührt? Ein Mangel an Bildung und Intelligenz kann es nicht sein. Ich schätze aber, dass Russland keine zentrale Rolle spielt und die Machtbesetzten einen Jim Jones nacheifern. Es scheint, als würde Putin ein Spiel mit dem Westen treiben und alle mit seinen "Schachzügen" blenden. Hinsichtlich Deutschlands hegt Putin ohnehin noch eine offene Rechnung, da er im Vergleich zu seinen Eltern, die keinen Groll gegen Deutschland hegten, nie die Art von Versöhnung oder Vergebung begreifen konnte. Wie jedoch verhält sich der Westen? Sie verspotten Putin, unterschätzen ihn und behaupten, er sei verzweifelt. Hier sehe ich eine erhebliche Gefahr, denn die Geschichte scheint sich zu wiederholen. Die derzeitigen Reaktionen, insbesondere von Baerbock, sind zweischneidig. Ihre Äußerungen sind entweder übermäßig mutig oder schlichtweg dumm. Es scheint, als habe die USA ihre Position gegenüber Selenskiy, zumindest bei den Republikanern, grundlegend geändert. Es bleibt abzuwarten, wie die Demokraten darauf reagieren werden. |
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#3 | |
Forumsleitung
Dabei seit: 07/2009
Ort: Arrival City, auf der richtigen Seite des Mains
Beiträge: 30.501
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Zitat:
Zu Beginn des Einmarschs der Russen in die Ukraine hatte der Schweizer Kultur-Sender SFR ein Interview mit Michel Eltchaninoff geführt, Autor des Buchs "In Putins Kopf", in dem er u.a. über die "Kreml-Philosophen" um Putin herum berichtete, die großen Einfluss auf den Präsidenten haben. Das Buch, damals vergriffen, erschien kurze Zeit später in einer Neuauflage in deutscher Übersetzung (als Taschenbuch). Hab's damals gelesen und kann es weiterempfehlen. Hier der Link zur Fernsehsendung: https://www.youtube.com/watch?v=ASXAkkHTIG0&t=1389s Putins Märchen von der "Umzingelung" Russlands durch die NATO kann man wegwischen, auch das ist reine Propaganda. Angesichts einer russischen Außengrenze von ca. 58.000 km sind die läppischen 1.600 km der an Russland angrenzenden NATO-Verbündeten ein Witz. Davon ist die längste, denke ich, die Grenze zu Finnland, und der Beitritt dieses Landes ist erst aufgrund des Ukraine-Kriegs erfolgt. So kann man sich ins eigene Knie schießen. Der Russlandexperte Michael Thumann spricht gar von nur 1.400 km, weil er die drei Balkanländer nicht dazurechnet, denn diese dürften Putin nicht interessieren. Jedenfalls kann von einer "Umzingelung" keine Rede sein. Auf der einen Seite betont Putin die Bedeutung Russlands als Weltmacht und dem Westen (in seinen Augen dekadent) haushoch überlegen - immerhin hat Russland fünf Zeitzonen! -, andererseits tut er so, als müsse das ganze Land aus Angst vor dem Westen zittern. Was denn nun? |
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#4 | |
Zitat:
1949, nach dem zweiten Weltkrieg, sah die Welt ganz anders aus als heute. Putin war übrigens damals weder an an der Macht noch überhaupt geboren. Dein Satz macht irgendwie nicht den geringsten Sinn. |
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#5 | |
Forumsleitung
Dabei seit: 07/2009
Ort: Arrival City, auf der richtigen Seite des Mains
Beiträge: 30.501
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Zitat:
Gegründet wurde die NATO jedoch nicht wegen eines gegnerischen "Machtapparetes", sondern aus Sorge vor einer Infiltrierung des Stalinismus und Kommunismus. Der Kommunismus war jedoch nicht auf die UdSSR begrenzt. |
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#6 | |
Zitat:
Ich besitze nicht dein umfassendes politisches und geschichtliches Wissen, trotzdem erscheint mir das Verhalten von Putin als wenig verständlich. Die Reaktion des Westens darauf macht für mich noch weniger Sinn. Jedenfalls das westliche Volk scheint total verblödet zu sein. Es wird behauptet, Putin verfüge über keine modernen Waffen und sein Arsenal bestehe zu 80-90 Prozent aus veralteter Technologie. Dennoch setzt er diese in der Ukraine ein. Russland war jedoch schon immer im Wettrüsten mit den USA involviert. Es wäre unklug anzunehmen, dass die Russen technologisch rückständig sind. Wenn der Russe wettrüstet - und das tut er - dann kann er nicht rückständig sein. Sind die alle denn total behindert? Putin entsendet scheinbar die unterste Schicht seiner Bevölkerung in die Ukraine - Kriminelle, Söldner aus der Wagner-Gruppe und Menschen aus prekären und verarmten Verhältnissen (Ivan Iljin+Dugin Ideologie, "Reinigung des Volkes"). Währenddessen sitzt Putin entspannt in seinem Sessel und bewahrt sein Pokerface, während der Westen der Ukraine praktisch alles an moderner Ausrüstung schickt, was verfügbar ist. Das schwächt doch den Westen, oder? Kann der Westen so viel nach produzieren, um das Defizit an versendeten Waffen auszugleichen? Wir schicken ja auch keinen Schrott, sondern modernen Shit. Und was ist mit den Russen, die in Deutschland oder generell in Europa leben und Putin verehren? Manchmal denke ich mir, dass dich sich aus dem Stillen wunderbar aktivieren lassen. Würde Putin den Westen angreifen, gäbe es nicht nur eine Front. Dann hätten wir auch Fronten in allen Städten, bevor Putin am westlichen Tor anklopfte. Es wäre sehr klug erst den Bürgerkrieg zu entzünden (durch Gewalt) und dann anzugreifen. Ich weiß nicht, Putin ist berechnend und klug. Ich gebe es ungerne zu, aber ich halte Putin für weitaus klüger als den gesamten Westen. Der Typ ist sau gefährlich in meinen Augen. Danke für die Buchempfehlung. Ich schaue mal, ob ich es bekomme. |
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#7 | |||
Zitat:
Zitat:
Zitat:
https://www.stern.de/politik/ausland...-33843060.html |
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#8 | |
Forumsleitung
Dabei seit: 07/2009
Ort: Arrival City, auf der richtigen Seite des Mains
Beiträge: 30.501
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Zitat:
https://www.youtube.com/watch?v=YVWDBugPUu8&t=3188s (Zeit mitbringen, es dauert ca. 3 Stunden lang.) Ich glaube, es kommt nicht darauf an, Putin verstehen zu können oder zu wollen. Kein Mensch handelt in allen Situationen nur rational, sondern auch emotional und ambivalent. Für "entspannt" halte ich Putin nicht, sondern für äußerst wachsam. Nicht ohne Grund hat er eine persönliche Garde mit hochbezahlten Soldaten im Kreml (darüber gibt es eine Doku auf youtube), sozusagen eine treu ergebene Elitetruppe. Dort würde gerne jeder junge Mann, der zum Dienst verpflichtet wird, einziehen, denn beim "normalen" Militär geht es schlimm zu. Jede Mutter hat Angst um ihren Sohn, wenn er in die Ausbildung gehen muss, denn viele von ihnen überleben die Misshandlungen nicht oder kommen als Krüppel nach Hause zurück. Man muss die Bilder von Putin in den Filmausschnitten der Nachrichten genau anschauen: Wer so zusammengesunken im Sessel sitzt und sich bei den Gesprächen mit seinen Generälen mit beiden Händen an der Tischkante festhält, wirkt alles andere als selbstsicher. Er kann noch so ein starkes Pokerface aufsetzen: Körpersprache ist nie vollständig beherrschbar, selbst der beste Schauspieler schafft das nicht auf Dauer. Auch der scheinbar selbstsichere Gang, mit dem Putin durch den Kreml wandelt, ist antrainiert und nur mit Disziplin aufrechtzuerhalten; in seiner Anfangszeit bewegte sich Putin nicht halb so selbstsicher. Ohne Zweifel hat Putin - intelligent hin, intelligent her - psychopathische Züge an sich, was ihn so schwer einschätzbar macht. In vielen Dingen widerspricht er früheren politischen Aussagen, er ist von Dugin und noch ein, zwei anderen "Hofphilosophen" beeinflusst, er glaubt, alles besser zu wissen als seine Generäle (wie einst Hitler, der das Oberkommando an sich riss und damit die Niederlage gegen die Alliierten beschleunigte), und er liest zwar viel, aber nur solche Bücher, deren Inhalte zu seiner Ideologie passen. Für rationale Argumente ist er unzugänglich, ihm fehlt jegliche Fähigkeit zur Empathie (soweit er herzlich aufzutreten scheint, ist auch dies nur angelernt), und er überschätzt sich bis zum Größenwahnsinn. Wie nötig er es hat, den starken Molly zu spielen, sah man an seiner Selbstdarstellung in Judoanzug, beim Reiten, beim Präsentieren seines nackten, durchtrainierten Oberkörpers, beim Angelsport und dergleichen. Vielleicht bewundert ihn sein Volk in diesen Posen, auf mich wirkt es lächerlich. Gleichwohl hast du recht: Der Typ ist hochgefährlich. |
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#9 |
Auf seine Körpersprache muss ich mal ein Auge werfen. Das ist ein interessanter Aspekt, den ich bisher noch nicht in Betracht zog. Trotzdem glaube ich nicht, dass Putin verzweifelt sei, so wie es der Westen gern behauptet. Nunja, vielleicht liege ich auch falsch.
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#10 |
Dabei seit: 08/2021
Ort: München
Beiträge: 123
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Wie Ilka richtig festgestellt hat, habe ich bewusst das Wort "Machtapparat" gewählt, um über die Putinzeit hinaus zugreifen. Da meine Aussage von Anfang der NATO bis in die Gegenwart zu Putin gilt, sollte das von mir gewählte Präsens erlaubt sein. Aber Ilka hat Recht, ich hätte zu "Russland" hinzufügen sollen "bzw. die Sowjetunion".
Ilkas Beschreibung der Person Putin hat mich beeindruckt, in der psychologischen Einschätzung gehe ich konform. Es ist kein Widerspruch, wenn ich bei Putin sogar von Komplexen spreche, denn Komplexe werden gerne mit Einbildung, Hybris und Macht überkompensiert. |
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