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Sprüche und Kurzgedanken Prosatexte, die einen Sachverhalt möglichst kurz und knapp schildern.

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Alt 08.08.2022, 15:30   #1
weiblich DieSilbermöwe
 
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Standard Blut in Wallung

Im Kopfe rauscht das Blut.
In gnadenloser Wut
bricht sich der Jähzorn Bahn.
Was hab ich nur getan?
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Alt 09.08.2022, 00:49   #2
männlich Heinz
 
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Liebe Silbermöwe,
Deine Frage erfordert eine Antwort:



Du hast, mein Schatz, getobt, geledert,
mein ganzes Herz dabei zerfledert
und fragst zerknirscht nun deinen Mann:
Mein Gott, was hab ich nur getan?
Was Frauen jetzt geruhn zu tun:
Sie betteln um Verzeihung nun.

Liebe Grüße,
Heinz

Geändert von Heinz (09.08.2022 um 06:19 Uhr)
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Alt 09.08.2022, 01:46   #3
weiblich Ilka-Maria
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Bei so viel Urgewalt kann man nur in Deckung gehen: Zorn, wenn er begründet ist, wäre zu ertragen und zu verstehen; aber Jähzorn, dieses Kind der Willkür, das auf jede Gelegenheit wartet, um toben zu dürfen?

Und dann auch noch Wut, dieser mit Blindheit geschlagene Berserkerzustand, bei dem der Verstand völlig aussetzt?

Puh ... drei Gewalten treffen aufeinander wie dereinst vor der Tay-Brücke. Nix wie weg!
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Alt 09.08.2022, 05:35   #4
weiblich DieSilbermöwe
 
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Zitat:
Jähzorn, dieses Kind der Willkür, das auf jede Gelegenheit wartet, um toben zu dürfen?

Und dann auch noch Wut, dieser mit Blindheit geschlagene Berserkerzustand, bei dem der Verstand völlig aussetzt?
Liebe Ilka,

ja, das ist das Schlimme daran: der Verstand setzt in so einem Zustand aus. Ich schrieb mir das Gedicht selbst zur Mahnung, auch wenn ich eigentlich kein jähzorniger Mensch bin.

Lieber Heinz,

Zitat:
Du hast, mein Schatz, getobt, geledert,
mein ganzes Herz dabei zerfledert
und fragst zerknirscht nun deinen Mann:
Mein Gott, was hab ich nur getan?
Was Frauen jetzt geruht zu tun:
Sie betteln um Verzeihung nun..
ein hübsches Antwortgedicht, es geht jedoch nicht um etwas zwischen Mann und Frau.
Es geht um schlimme Taten.

LG DieSilbermöwe
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Alt 09.08.2022, 06:22   #5
männlich Heinz
 
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Liebe Silbermöwe,
bist Du sicher?
Die sinnlose Wut, der Jähzorn, das Wallen des Blutes - warum, wieso?
Letzten Endes bleibt es bei meiner Deutung: Da steckt ein Mann dahinter.
Wenn nicht, was dann?
Liebe Grüße,
Heinz
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Alt 09.08.2022, 09:16   #6
weiblich Ilka-Maria
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Ich tappe völlig im Finstern, um was es gehen könnte. Zunächst ist Wut etwas anderes als Zorn, und Jähzorn ist wiederum eine andere Kategorie. Und die Verbindung zu einer bösen Tat kann ich aus der Aneinanderreihung dieser unterschiedlichen Begriffe bzw. Gemütszustände nicht herstellen. Es soll Leute geben, die schon wütend werden, wenn die Kondensmilch für den Morgenkaffee falsch herum aufgepiekst wurde.
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Alt 09.08.2022, 11:42   #7
weiblich DieSilbermöwe
 
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Es geht auch um keine konkrete Tat, sondern darum, wenn man spürt, dass dieser Jähzorn auftaucht, innezuhalten und eben nichts zu machen. Das Gedicht soll eine Mahnung sein, es nicht so weit kommen zu lassen, dass man sich entsetzt fragen muss: Was habe ich getan?

Ihr habt doch sicher schon mal etwas von einer Tat im Affekt gehört oder gelesen.
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Alt 12.08.2022, 15:32   #8
männlich curd belesos
 
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Standard Im Affekt

Mit diesem Satz: “Was habe ich getan“
klagt sich ein Mensch für seine Untat an.
Sein Tun jedoch, wenn auch bereut,
bedrückt die Seele alle Zeit.

….hoffe ich
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Alt 12.08.2022, 17:16   #9
weiblich Ilka-Maria
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Zitat:
Zitat von curd belesos Beitrag anzeigen
Sein Tun jedoch, wenn auch bereut,
bedrückt die Seele alle Zeit.

….hoffe ich
Das hoffe ich nicht, denn das wäre grausam. Jeder Mensch sollte das Recht zur Sühne und einen Anspruch auf Vergebung haben. Gefehlt ist schnell, und davor ist niemand gefeit. Wer weiß denn schon, in welche Situation er kommen kann, in der er schnell handeln muss ... und dann passiert etwas Schlimmes und Unumkehrbares, weil er sich gerade in einer belasteten Stimmung befunden hat. Falscher Zeitpunkt und falscher Ort für unerfüllbare Forderungen, die bereits ein ganzes Lager in Beschlag nehmen - und dann knallt die Panzerbatterie durch. Wer glaubt, das könne ihm nicht passieren, überschätzt sich. Wer von dieser Grenzerfahrung bislang verschont geblieben ist, kann trotzdem nie sicher sein, dass sie ihn doch einmal erwischt.

Wir sind doch nicht deshalb moralisch, um einen Menschen ewig zu verdammen; das Gegenteil muss der Fall sein. Wer Moral kennt, hat Verständnis für die Motive, die mit ihr unvereinbar sind, und das ist der Weg zur Vergebung und einen Menschen, der gefehlt hat, in die Gesellschaft zurückzuführen.
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Alt 12.08.2022, 20:34   #10
männlich curd belesos
 
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Standard Bedrückendes Tun

Mit diesem Satz: “Was habe ich getan“
klagt sich ein Mensch für seine Untat an.
Sein Tun jedoch, wenn auch bereut,
vergisst er schon nach kurzer Zeit.

..... dann eben so
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Alt 12.08.2022, 22:26   #11
männlich Heinz
 
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meine bescheidene Meinung ist:
Es gibt Verletzungen, beinahe tödliche Verwundungen, bei denen der Spruch aus der Bibel (Matthäus): "Da trat Petrus zu ihm und sprach: HERR, wie oft muß ich denn meinem Bruder, der an mir sündiget, vergeben? Ist's genug siebenmal? Jesus sprach zu ihm: Ich sage dir, nicht siebenmal, sondern siebenzigmal siebenmal." weltfremd zu sein scheint.
Diese Bibelweisheit habe ich mal Ralf Giordano vorgehalten, weil er einen gemeinsamen Auftritt mit Hans Peter Minetti verweigern wollte (mit dem Gegenargument, dass die Feinde seiner Feinde nicht zwangsläufig seine Freunde seien. Immerhin - es kam zu einem Treffen der beiden in Köln und Giordano gestattete es, dass Minetti sein (Giordanos) Grußwort verlas, weil er selbst wirklich unabkömmlich war (seine Frau lag im Sterben). Minetti versicherte mir, es habe ein langes Gespräch zwischen den beiden gegeben, das mit einer Versöhnung endete. Die "Wunden", die sich beide zugefügt hatten, waren heilbar und ich bin unsagbar stolz darauf, den Anstoß zu dieser späten Versöhnung gegeben zu haben.
Ist der Verletzende aber uneinsichtig und treibt sein böses Spiel fort, dann schlage ich die Bibel zu und bin nicht fähig zu verzeihen.
Heinz
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Alt 13.08.2022, 09:29   #12
weiblich DieSilbermöwe
 
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Interessante Diskussion, die sich hier aus dem kurzen Vierzeiler entwickelt hat.

Zitat:
Wer weiß denn schon, in welche Situation er kommen kann, in der er schnell handeln muss ... und dann passiert etwas Schlimmes und Unumkehrbares, weil er sich gerade in einer belasteten Stimmung befunden hat. Falscher Zeitpunkt und falscher Ort für unerfüllbare Forderungen, die bereits ein ganzes Lager in Beschlag nehmen - und dann knallt die Panzerbatterie durch. Wer glaubt, das könne ihm nicht passieren, überschätzt sich. Wer von dieser Grenzerfahrung bislang verschont geblieben ist, kann trotzdem nie sicher sein, dass sie ihn doch einmal erwischt.

Wir sind doch nicht deshalb moralisch, um einen Menschen ewig zu verdammen; das Gegenteil muss der Fall sein. Wer Moral kennt, hat Verständnis für die Motive, die mit ihr unvereinbar sind, und das ist der Weg zur Vergebung und einen Menschen, der gefehlt hat, in die Gesellschaft zurückzuführen.
Das ist sehr tröstlich.
DieSilbermöwe ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 13.08.2022, 12:22   #13
männlich curd belesos
 
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Standard Vergebung

Mit diesem Satz: “Was habe ich getan“
klagt sich ein Mensch für seine Untat an.
Wenn er jedoch sein Tun bereut,
ist zur Vergebung man bereit.

… als guter Christ
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