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Lebensalltag, Natur und Universum Gedichte über den Lebensalltag, Universum, Pflanzen, Tiere und Jahreszeiten.

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Alt 20.07.2025, 13:56   #1
weiblich Ottilie
 
Dabei seit: 05/2021
Beiträge: 455

Standard Ob Moslem, Jude oder Christ…

Ob Moslem, Jude oder Christ:
Wenn Du ein Staatenloser bist,
sieht man dich nirgends wirklich gerne,
fast jeder wünscht Dich in die Ferne.
Man macht Dir schnell und deutlich klar:
Am besten, Du wärst unsichtbar.

Nicht besser ist wohl jener dran,
der nicht an Götter glauben kann.
Ganz ohne Kirche, ohne Glaube,
bist Du ein Nichts im Alltagsstaube.
Wer diese hat, der sieht dich bloß
und nackt, fast so wie – staatenlos.

Wer also Bürger eines Staates,
der hat ein Land, und ist’s auch eng.
Dem Atheisten fehlet gänzlich
das metaphysische Terrain.
Die weder Pass noch Glaube haben,
die schubst man in den nächsten Graben.
Ottilie ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 21.07.2025, 11:59   #2
weiblich DieSilbermöwe
 
Benutzerbild von DieSilbermöwe
 
Dabei seit: 07/2015
Alter: 62
Beiträge: 7.270

Hallo Ottilie,

das ist ein aussagekräftiges Gedicht! Dass es so ist, darüber habe ich tatsächlich noch nie nachgedacht.

LG DieSilbermöwe
DieSilbermöwe ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 03.08.2025, 10:29   #3
weiblich Ottilie
 
Dabei seit: 05/2021
Beiträge: 455

Standard Die Staatenlosen...

Liebe Silbermöwe,

vielen Dank für Deinen Kommentar und - ich bitte um Entschuldigung für meine späte Antwort, ich musste erst mal meinen Pass suchen...

Das Thema der Staatenlosigkeit ist eines, das all jene nur wenig interessiert, die einem Staat zugehörig sind und dies per Staatsbürgerurkunde/Pass nachweisen können. Also die meisten von uns. Ich habe ungefähr mit Null-Reaktion auf mein Textlein gerechnet, meine Erwartung hat sich - fast - erfüllt... Staatenlosigkeit kann man durchaus auch mit der Nichtzugehörigkeit zu einer Kirche, einem offiziellen Glauben gleichsetzen. Der Staatenlose hat kein Land, der Glaubenslose kein "metaphysisches Terrain", beide sind in einer ähnlichen Lage; am schlimmsten sind jene dran, die weder das eine noch das andere haben.

Auf das Thema stieß ich übrigens durch eine hörenswerte CD, sie trägt den Titel "Der Himmel in den Pfützen", es ist die Geschichte eines polnischen Juden, der als Staatenloser nach Deutschland kam...

LG Ottilie
Ottilie ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 03.08.2025, 10:44   #4
weiblich Ilka-Maria
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Dabei seit: 07/2009
Ort: Arrival City
Beiträge: 33.279

Guten Morgen, Ottilie,

dein Kommentar wirft für mich Fragen auf. Zunächst: Wodurch genau ist Staatenlosigkeit definiert? Ich denke an den Schauspieler Gustavo Rojo, der auf einem Schiff während der Überfahrt von Lissabon nach Montevideo geboren wurde, also quasi auf staatenlosem Gebiet. Seine Mutter war Spanierin, aber er selber hatte die uruguayische Staatsbürgerschaft, blieb also nicht staatenlos. Allerdings weiß ich nicht, unter welcher Flagge das Schiff - Name: "Krefeld" - unterwegs war.

Welche Umstände führen also dazu, dass ein Bürger staatenlos ist (und bleibt)?

Was den polnischen Juden angeht, so muss er doch ein polnischer Staatsbürger gewesen sein, bevor er nach Deutschland kam. Wieso wurde er als staatenlos geführt? Gibt es auf der CD, von der du die Geschichte hast, dafür eine Erklärung? Dein Gedicht scheint darauf abzuzielen, dass hier vorwiegend religiöse Zugehörigkeiten mit der Aberkennung von Staatszugehörigkeit verbunden sind.

Besten Gruß
Ilka
__________________

Workshop "Kreatives Schreiben":
http://www.poetry.de/group.php?groupid=24
Ilka-Maria ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 04.08.2025, 08:11   #5
weiblich Ottilie
 
Dabei seit: 05/2021
Beiträge: 455

Standard Staatenlose...

Hallo Ilka-Maria,

Staatenlosigkeit scheint gar nicht so selten zu sein (vermutlich aber auch seltenener als Religionslosigkeit). Löst sich ein Staat auf, hinterlässt er Staatenlose. Palästinenser haben keinen Staat; geflüchtete Palästinenser, z.B. in Jordanien, sind nach wie vor staatenlos, weil Jordanien sie nicht einbürgert. Staatenlose sind schutzlos, keiner fühlt sich verantwortlich... Der polnische Jude, er heißt Anatol Gotfryd, wurde aus der polnischen Staatsbürgerschaft entlassen, ehe man ihn ausreisen ließ. Als er in D. ankam, galt er als Staatenloser - und hatte keine großen Chancen auf dem Arbeitsmarkt.

Schönen Tag wünscht Ottilie
Ottilie ist offline   Mit Zitat antworten
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