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Sonstiges und Experimentelles Andersartige, experimentelle Texte und sonstige Querschläger.

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Alt 30.04.2025, 17:53   #1
weiblich Ilka-Maria
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Standard Erste Abschnitte einer Erzählung und ...

... was daraus werden kann.

Eine Geschichte beginnt z.B. so:
Ich gehe gerne über Friedhöfe. Dort blüht immer etwas, das ganze Jahr hindurch. Eichhörnchen kreuzen meinen Weg, laufen vor mir davon zu den Fichten und krallen sich in Windeseile auf der Rückseite der Stämme hoch, versteckt vor meinem Blick. Bis auf das Zwitschern entfernter Vögel herrscht Stille. Ein friedlicher Ort.

Ich lese die Namen auf den Grabsteinen, die Geburts- und die Sterbejahre. Die Jahreszahlen kommen mir gefährlich nahe, aber noch bin ich nicht tot. An einem Grabstein halte ich inne. Auf ihm steht: Thorsten Brandeis, *1946 +2017. Darunter: Lady Hamilton, *1955 ...
Habt ihr auch solche Anfänge? Und eine Idee, was daraus werden könnte?

Jeder, der schreibt, hat ständig Anfänge im Kopf. Wichtig ist, sie festzuhalten und für später zu bewahren, bis sie reif sind, weitererzählt zu werden.
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Alt 02.05.2025, 12:25   #2
männlich dunkler Traum
 
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... bei mir sind es meist Verszeilen, die ich dann alle Jahre wieder mal in Augenschein nehme.
Meist komme ich nicht mehr in das Gefühl.

Geschichten schaffe ich höchstens eine Seite, alles längere wird mir zu schwer. Zu deinem Beginn fällt mir nichts ein, passt nicht zu mir.

beaux rêves
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Alt 02.05.2025, 17:13   #3
weiblich DieSilbermöwe
 
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Zitat:
Habt ihr auch solche Anfänge?
Eigentlich nicht. Ich bin auch gerade dabei, meinen Schreibstil umzukrempeln. So wie ich früher geschrieben habe, das stellt mich nicht mehr zufrieden und macht mir auch keinen Spaß mehr.
Eigentlich könnte ich alle bis jetzt gesammelten Anfänge, aus denen eine Geschichte werden sollte, wegwerfen -vielleicht mache ich es auch.

LG DieSilbermöwe
DieSilbermöwe ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 22.05.2025, 09:48   #4
männlich RolandK
 
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Standard Vielleich so

Zwei Namen, zwei Leben, vielleicht zwei Geschichten, die einmal miteinander verwoben waren. Ich frage mich, wer Lady Hamilton war. Eine vornehme Frau, vielleicht war es ein Spitzname, vielleicht ein geliebter Hund? Der Gedanke bringt mich zum Lächeln. Der Name klingt so weltgewandt, beinahe theatralisch – wie eine Figur aus einem alten Roman.

Ich betrachte das Grab eine Weile länger. Jemand hat frische Blumen niedergelegt, rote Tulpen, die sich aus der dunklen Erde emporstrecken wie ein stiller Gruß. In der Luft liegt ein Hauch von Erde und verblassendem Parfüm – vielleicht nur Einbildung, vielleicht Erinnerung.

Die Sonne bricht durch die Zweige einer Linde und wirft tanzende Schatten auf den Kiesweg. Ich gehe weiter, aber der Name bleibt mir im Kopf. Lady Hamilton. Wer sie auch war – sie hat Spuren hinterlassen. Wie wir alle, irgendwann.
RolandK ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 22.05.2025, 10:21   #5
weiblich Ilka-Maria
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Beiträge: 33.167

Zitat:
Zitat von RolandK Beitrag anzeigen
Ich frage mich, wer Lady Hamilton war.
Sie war die Geliebte von Lord Nelson. Verheiratet mit einem ungeliebten Mann, von dem sie den Adelsstand erwarb und sich "Lady" nennen durfte.

Genauso unglücklich, nämlich standesgemäß, war Nelson verheiratet.

Als sich die beiden kennenlernten, brachen sie mit den Konventionen und lebten in "wilder Ehe" miteineinander.

Lady Hamilton blieb deswegen bis zu ihrem Tod eine Geächtete. Lord Nelson hingegegen, der Held von Trafalgar, stieg zum Nationalhelden auf, nach dem man einen Platz in London benannte. Dort steht seine Säule, vom Kot hunderter Tauben bedüngt.

Aber was deinen Anfang zu einer Geschichte angeht: Sehr gut. Damit bekommt man einen Leser an den Haken. Du als Autor kennst natürlich die Geschichte der Lady Hamilton. Aber indem du damit beginnst, und zwar als Ahnungsloser und Fragesteller, bekommt du beide Leser an den Haken, diejenigen, die Bescheid wissen, und auch die anderen, die noch nie von dieser Lady gehört haben.

Das ist pfiffig.
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Ilka-Maria ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 22.05.2025, 11:33   #6
männlich RolandK
 
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Beiträge: 211

Standard Geht sich nicht ganz aus

Liebe Ilka,

es ist ein sehr poetischer, nachdenklicher Text. Nur die Jahreszahlen auf dem Grabstein stimmen nicht mit der von Lady Emma Hamilton überein.

Zitat: Darunter: Lady Hamilton, *1955 ...

Geboren: 26. April 1765, Ness, Little Neston, Vereinigtes Königreich
Verstorben: 15. Januar 1815, Calais, Frankreich.

Ich meine nur, deine Lady ist sicher eine Andere.

Servus
Roland
RolandK ist offline   Mit Zitat antworten
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