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Liebe, Romantik und Leidenschaft Gedichte über Liebe, Herzschmerz, Sehnsucht und Leidenschaft.

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Alt 05.01.2026, 21:05   #1
männlich Schmuddelkind
 
Benutzerbild von Schmuddelkind
 
Dabei seit: 12/2010
Ort: Weimar
Alter: 39
Beiträge: 5.185

Standard Auch wenn

Auch wenn ich weiß nach langem Denken,
dich zu vermissen ist verkehrt,
so muss ich mich noch damit kränken.
Doch die Erinnerung ist's wert.

Auch wenn sich mir die Sinne schwärzen,
sodass ich blind bin für die Welt -
du bleibst gewiss in meinem Herzen,
solange wohl, bis es zerschellt.
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Alt 05.01.2026, 23:46   #2
weiblich Ilka-Maria
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Dabei seit: 07/2009
Ort: Arrival City
Beiträge: 33.164

Zitat:
Zitat von Schmuddelkind Beitrag anzeigen
du bleibst gewiss in meinem Herzen,
solange wohl, bis es zerschellt.
Du verstehst es, Schmuddel, in wenige Verse viel Inhalt zu legen. Der Verlust eines Menschen quält die Emotionen, er muss gedanklich, also mit Vernunft, verarbeitet werden. Aber die Emotionen, eng verbunden mit der Erinnerung, lassen sich nicht wegdenken, zurück bleibt Kränkung.

Das erinnert mich an Chaplins letzte Frau und Witwe Oona, die Charlie nie verzieh, dass er sie verließ, indem er starb. Aber wie hätte er seinen Tod verhindern können?

Man steckt nicht drin, wer zuerst geht, sei es durch Tod oder Ausbruch. Aber ein Herz zerschellt nicht so schnell, wie es sich zunächst anfühlt. Es ist ein starker Muskel, der ein Unmaß an bittersüßer Lebenserfahrung in ein reifes Grundmotiv zu verwandeln weiß. Und oft entsteht daraus großartige Kunst.

Liebe Grüße
Ilka
__________________

Workshop "Kreatives Schreiben":
http://www.poetry.de/group.php?groupid=24
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Alt 10.01.2026, 19:01   #3
männlich Schmuddelkind
 
Benutzerbild von Schmuddelkind
 
Dabei seit: 12/2010
Ort: Weimar
Alter: 39
Beiträge: 5.185

Liebe Ilka,

vielen Dank für deinen ausführlichen Kommentar und deine Worte des Lobes und der generellen Reflexion über das Thema!

Zitat:
Du verstehst es, Schmuddel, in wenige Verse viel Inhalt zu legen.
Oh, schön, dass du das so siehst!

Zitat:
Der Verlust eines Menschen quält die Emotionen, er muss gedanklich, also mit Vernunft, verarbeitet werden. Aber die Emotionen, eng verbunden mit der Erinnerung, lassen sich nicht wegdenken, zurück bleibt Kränkung.
Nur zu verstehen, dass eine bestimmte Zeit vorbei ist oder ein lieb gewordener Mensch nicht mehr bei einem ist, reicht nicht aus. Man muss es auch emotional verkraften können und manchmal ist es eine ganze Weile trotz verstandesmäßigen Begreifens zu früh dafür. Das ist dann eine schwere Zeit, da man loslassen muss und will, aber eben nicht kann.

Zitat:
Das erinnert mich an Chaplins letzte Frau und Witwe Oona, die Charlie nie verzieh, dass er sie verließ, indem er starb. Aber wie hätte er seinen Tod verhindern können?
Komischerweise kann ich das auch irgendwie verstehen. Die Wut, die Trauer etc. - das hat alles wenig mit dem Verstand zu tun. Man kann verstehen, dass jemand tot ist und daher nie wieder kommt und man kann auch verstehen, dass derjenige daran keine Schuld trägt. Und dennoch kann ich mir vorstellen, dass man es ihm in einem kleinen Flecken seines Herzens übel nimmt. Dazu fallen mir ein paar Verse von Mascha Kaléko ein, die zwar nicht genau das beschreiben, aber irgendwie doch eine gewisse Verbitterung über das Zurückbleiben zum Ausdruck bringen:

Zitat:
Der weiß es wohl, dem gleiches widerfuhr;
– Und die es trugen, mögen mir vergeben.
Bedenkt: den eignen Tod, den stirbt man nur,
Doch mit dem Tod der andern muß man leben.
Zitat:
Man steckt nicht drin, wer zuerst geht, sei es durch Tod oder Ausbruch. Aber ein Herz zerschellt nicht so schnell, wie es sich zunächst anfühlt. Es ist ein starker Muskel, der ein Unmaß an bittersüßer Lebenserfahrung in ein reifes Grundmotiv zu verwandeln weiß. Und oft entsteht daraus großartige Kunst.
Das Herz ist eben so ein sensibles Ding, dass es schnell dazu neigt, zu meinen, es könne nicht mehr. Aber wie du geschrieben hast, ist es eben sehr viel stärker, als ihm bewusst ist. Und ja: In der Kunst gibt es fast nichts Schöneres als Traurigkeit.

Liebe Grüße
Schmuddi
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