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Lebensalltag, Natur und Universum Gedichte über den Lebensalltag, Universum, Pflanzen, Tiere und Jahreszeiten.

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Alt 24.05.2023, 12:54   #1
männlich Walther
 
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Beiträge: 1.900

Standard Carpe Diem.

Carpe Diem.

Der Ruf des Milan reißt die Ruhe aus der Stille:
Sie hängt in Fetzen aus dem Blau der drögen Schwüle.
Ich selbst weiß nichts, schon gar nicht, was ich grade fühle.
Ich weiß nur eins: Bewegung ist mein letzter Wille.

Der Schrei des Falken sticht in die Zu-Matt-Gefühle,
Die sich aus einer Platte schlängeln. Eine Rille
Je Sommerhit, der gleiche Beat, das gleiche schrille
Gekreische aus der dumpfen Strandbar, und ich wühle

In mir nach einem Mittelpunkt, der das vertreibt,
Was in mir brodelt, weil ich jenen Tag nicht finde,
Der sich durch seichtes Nichtstun abends selbst entleibt

Und feuerrot im Meer versinkt. Ob Palme oder Linde:
Der Schatten soll mich fressen, dass nichts übrigbleibt.
Ich will nicht nur der Taube sein, nein, auch der Blinde.
Walther ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 24.05.2023, 15:04   #2
weiblich Zaubersee
 
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Dabei seit: 11/2014
Ort: Das Meer ist mein Garten aus Kristallen und Träumen ...
Alter: 66
Beiträge: 2.583

Lieber Walther,


ich bin ganz verzaubert von diesem Sonett. Das Lyrische Ich ist kraftvoll in seiner Ausdrucksweise, voller sprühendem Leben; der entleibte Tag, was bleibt denn danach, wenn er so leiblos und dann auch noch feuerrot im Meer versinkt?
Das kann doch nur sein Spirit sein, dass was die wirkliche Essenz der Dinge zu sein scheint, nach dem sich das lyrische Ich sehnt.
Und weil das so nicht zu erreichen ist ... will das L.I. lieber blind und taub sein, um die Mittelmäßigkeit der nicht entleibten Dinge, nicht weiter ertragen zu müssen ...

Jedenfalls hat mich Dein Sonett auf diese Spur geführt ... Danke :-)

L.G. Mara
Zaubersee ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 25.05.2023, 16:55   #3
männlich Walther
 
Benutzerbild von Walther
 
Dabei seit: 03/2013
Beiträge: 1.900

Zitat:
Zitat von Zaubersee Beitrag anzeigen
Lieber Walther,


ich bin ganz verzaubert von diesem Sonett. Das Lyrische Ich ist kraftvoll in seiner Ausdrucksweise, voller sprühendem Leben; der entleibte Tag, was bleibt denn danach, wenn er so leiblos und dann auch noch feuerrot im Meer versinkt?
Das kann doch nur sein Spirit sein, dass was die wirkliche Essenz der Dinge zu sein scheint, nach dem sich das lyrische Ich sehnt.
Und weil das so nicht zu erreichen ist ... will das L.I. lieber blind und taub sein, um die Mittelmäßigkeit der nicht entleibten Dinge, nicht weiter ertragen zu müssen ...

Jedenfalls hat mich Dein Sonett auf diese Spur geführt ... Danke :-)

L.G. Mara
Hi Mara,
mir war nach einer große prise expressionismus. danke fürs lesen und goutieren!
lg W.
Walther ist offline   Mit Zitat antworten
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