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| Geschichten, Märchen und Legenden Geschichten aller Art, Märchen, Legenden, Dramen, Krimis, usw. |
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#1 |
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Die Glühbirne – Eine fast romantische Geistergeschichte
Es begann ganz harmlos. „Kannst du endlich die Glühbirne wechseln?“ Das waren ihre letzten Worte – zu Lebzeiten. Ich klettere auf die Leiter, sie unten mit der neuen Glühbirne. „Reich sie mir mal hoch,“ sage ich. Sie streckt die Hand aus. Unsere Finger berühren sich. Ein kurzer Blitz – Zzzzzap! Tja. Licht an, Leben aus. Und die Lampe? Brennt bis heute. Wenigstens die funktioniert jetzt. „Na wunderbar,“ sagt sie, als wir merken, dass wir Geister sind. „Tot. Wegen einer Glühbirne. Meine Mutter hatte recht: Du bist kein Heimwerker.“ „Immerhin funke ich jetzt mehr als je zuvor,“ sage ich. Wir hängen fest im Haus. Kein Schlaf, kein Hunger, kein WLAN. Nur diese verdammte Lampe. Natürlich versuchen wir, das Beste daraus zu machen. Also: Spuken. Oder zumindest – ein Versuch. Sie holt tief Luft (also das, was Geister eben tun) und ruft: „Huhuhuhuuuu!“ Es klingt… enttäuschend. Eher wie: „Huh.“ „Was war das denn?“ frage ich. „Ich übe noch!“ Ich probiere es auch – komme aber nur bis „Hu“. Sie verdreht die Augen. „Super. Zwei Geister mit Atemproblemen.“ Dann zieht ihr Bruder ein – mit Familie. „Ausgerechnet er! Der Erbschleicher!“ zischt sie. „Immerhin lebt er,“ sage ich. „Noch!“ Die Schwägerin riecht nach Lavendel und Überheblichkeit. Also beginnen wir, kleine Späße zu treiben. Mit der Zeit lernen wir, Dinge zu bewegen. Türen gehen auf, und zu. Ein kalter Luftzug, mitten im Frühstück. Und beim Sohn am Computer: Strg + Alt + Entfernen. Er kreischt. Der Bildschirm schwarz. Meine Frau lacht Tränen – na ja, Geistertröpfchen. „Wir sollten das öfters machen,“ sagt sie. „Ich nenne es pädagogische Intervention.“ Bilderrahmen zittern, Tassen fallen, Fenster gehen auf und zu. In der Dusche wird das Wasser plötzlich kalt. Die Schwägerin ruft: „Hier spukt’s!“ „Na endlich merkt sie’s,“ sagt meine Frau zufrieden. Manchmal legt sie sich aufs alte Bett – das steht noch da, seit früher. Ich lege mich daneben, und für einen Moment verschmelzen wir. Wärme, kein Schmerz. Nur ein kurzes Gefühl, dass wir wieder wir sind. Dann hören wir die Kinder im Dachgeschoss. Sie schlafen im alten Kinderbett. „Immerhin haben sie Geschmack,“ murmelt sie. Eines Abends sitzt die neue Familie im Wohnzimmer, eng zusammen, das Licht flackert (unser Werk). Der Bruder seufzt: „Manchmal glaube ich, sie sind noch hier.“ „Natürlich,“ zischt meine Frau. „Ich wohne schließlich hier. Nicht du!“ „Warum hast du dich damals eigentlich mit ihm gestritten?“ frage ich. Sie seufzt. „Er wollte das Haus verkaufen. Nach dem Tod unserer Eltern. Ich wollte, dass alles bleibt, wie es war. Und du… du hast mich nicht verteidigt.“ Ich schweige. Da sagt er unten plötzlich leise: „Ich hätte mich entschuldigen sollen. Sie hatte Recht. Das Haus sollte bleiben. Ich war nur zu stolz.“ Seine Frau legt ihm die Hand auf die Schulter. „Dann sag es. Vielleicht hören sie dich.“ Er blickt ins Dunkel. „Es tut mir leid.“ In dem Moment beginnt die Lampe über der Treppe zu leuchten – hell, warm, still. Wir sehen uns an. „War’s das?“ frage ich. Sie nickt. „Scheint so. Aber du wechselst NIE wieder eine Glühbirne.“ Das Licht wird größer, breitet sich aus. Vor uns öffnen sich zwei Wege – einer hell, einer dunkel. „Na?“ frage ich. „Wir gehen nur zusammen,“ sagt sie. „Und wohin?“ Sie schaut auf den dunklen Weg. „Der sieht gemütlicher aus. Vielleicht gibt’s da Kaffee.“ Wir treten hinein – und der Weg verschwindet einfach. Nur das helle Licht bleibt, flackernd, wie unsere alte Lampe. Sie sieht sich um, grinst und sagt: „Tja. Anscheinend gibt’s da oben auch ein Scherz-Pult.“ Ich lache. „Oder du bist wieder am Stromkasten.“ Und irgendwo, ganz leise, lacht das Licht mit. |
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