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Alt 22.10.2025, 09:54   #1
männlich Twiddyfix
 
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Dabei seit: 02/2012
Ort: kleines Nest in Bayern
Beiträge: 3.012


Standard Blut, so warm und so rot

Der einsame Reiter ritt von Osten in dass kleine Nest -Pueblo- ein.
Die Sonne stand bereits tief am Himmel, es würde nicht mehr lange dauern und die Nacht bricht herein.
Er war froh, endlich aus den Sattel zu kommen, etwas Essen und endlich einmal wieder in einem richtigen Bett zu Schlafen.
Vor sich, etwa in der Mitte der Dorfstraße, sah er das ersehnte Schild -SALOON-.
Als er vom Pferd stieg, erblickte er den kleinen Mexikaner Jungen, “Hier, nimm mein Pferd, reib es trocken, gib ihm dann Wasser und Futter.
Führ es dann in den Stall. Hier nimm!“ Er warf dem Jungen einen mexikanischen Silber Dollar zu.
Der fing das Geldstück geschickt auf. “Sie können sich auf mich verlassen, Mister!”

Der Fremde, sein Name war -Pedro Alvarez-, betrat den Saloon, er blickte sich um, ging dann an den Tresen.
Es waren nur wenige Gäste anwesend, alles Mexikaner, die meisten von ihnen arbeiteten auf der Rinderranch von -Guiseppe Honduras, dem größten Rancher in der Gegend.
Sie saßen alle an einem der Tische, drum herum standen noch ein paar, die nur zusehen wollten.
Am Tisch wurde gepokert.
Der Wirt fragte: “Na Mister, was möchten sie Trinken?”
“Geben sie mir ein großes, kühles Bier!”
Er nahm das Glas und trank es mit großen Schlucken leer.
“Sie hatten wohl einen langen Ritt gehabt?”
“Ja, den hatte ich!”
“So und jetzt habe ich Hunger, kann ich ein Steak haben, mit Bratkartoffel und Speck?”
“Aber ja Mister, setzen sie sich doch an einen der Tische, es dauert einen Moment!”

Es tat gut, einmal an einen richtigen Tisch zu sitzen und die Beine ausstrecken zu können.
Draußen, vor dem Saloon, ertönte plötzlich ein Geschrei, eine Männerstimme fluchte.
Dann flog die Tür auf und der kleine Mexikaner Junge stürmte in den Saloon.
“He bleib hier, verfluchter Bengel!”
Der Junge hat jetzt den Fremder erblickt. “Mister, bitten helfen sie mir, er will mir den Dollar wegnehmen, die sie mir gegeben haben!”

Pedro sah den Kerl an, der hinter dem Jungen herein gestürmt war.
“Ist das Richtig, sie wollen ihm den Dollar wegnehmen?”
“Was geht dich das an?”
“Ich habe dem Jungen den Dollar gegeben, dafür, dass er mein Pferd versorgt!”
“Ich bin sein Vater und verlange, dass er mir sofort den Dollar aushändigt!”
“Na, dann sind sie ja ein schöner Vater, schämen sie sich, ihrem kleinen Sohn, sein wohl verdientes Geld weg zu nehmen!”

“Das ist meine Sache und ich rate dir, halte dich da raus!”

“Komm mal her, mein Junge, gib mir mal den Dollar zurück, so danke, jetzt bekommst du von mir, für deine Arbeit, zwei Dollar, hier nimm!”

Zum Vater gewand… ”Wenn ich Morgen von ihrem Sohn höre, dass sie ihm sein Geld weggenommen haben, komme ich persönlich zu ihnen und werde sie durch das Dorf prügeln bis sie nicht mehr wissen, ob sie Junge oder Mädchen sind!”
Der Vater war blass geworden, hatte doch ein Jeder im Saloon gehört, was der Fremde zu ihm gesagt hat.
“So kannst du nicht mit mir Reden Bursche, komm raus vor die Tür, damit ich dir Manieren beibringen kann!”

Jetzt brachte der Wirt das Essen für Pedro.

“Kommen sie, stellen sie es für mich warm, ich muss nur noch etwas erledigen!”

Pedro schritt durch die Pendeltür und sah, der Vater stand mitten auf der Straße, er hatte die Hand am Colt, der in seinem Gürtel steckte.

“Wollen sie sich wirklich mit mir Duellieren?”

In der Eingangstür drängten sich die Gäste, keiner spielte mehr Poker.

Der Vater rief einem der Gäste zu… “Jim, zähl bis drei, dann wird geschossen!”

Sie gingen jeder sieben Schritte auseinander.
Dann zählte Jim… drei.
Der Vater war schnell, aber in der Aufregung ging sein Schuss daneben.

Verdutzt blickte er auf Pedro, der hatte seinen Colt noch immer in der Hand.
Jetzt ging er auf den Vater zu.
“So, nun steck deinen Colt weg und ich lade dich ein, mit mir einen Whisky zu Trinken!”

Pedro drehte sich um und wollte in den Saloon gehen, da fiel ein Schuss.

Die Kugel traf Pedro genau in den Rücken.

Er fiel vornüber auf den Boden.

Aus seinem Mund floss ein schmaler Blutweg, so warm und so rot.

Am nächsten Morgen, als die Sonne aufging, wurde der Vater in der Dorfmitte gehenkt.
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Alt 22.10.2025, 17:50   #2
weiblich Ilka-Maria
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Beiträge: 33.205


Mal abgesehen davon, dass du eine hanebüchene Phantasie hast, lieber Twiddy, und die abstrusesten Geschichten erzählst, obendrein mit albernen Dialogen wie auf dem Pausenhof einer Schule mitgehört, kann ich mir nicht vorstellen, dass sich eine zusammengewachsene Gruppe von Menschen eines kleinen Dorfes im Süden der USA um einen Fremden sonderlich schert. Der Arm des Gesetzes war zu der Zeit, in der die Geschichte offenbar spielt, weit weg.

Entsprechend geht deine Geschichte mit der lapidaren und im Passiv formulierten Feststellung zu Ende, dass der Vater gehenkt wurde. Von wem? Und warum erst am nächsten Morgen? Warum wurde er nicht sofort gelyncht? Und wenn nicht, wer hatte die Autorität, in einer Verhandlung Recht zu sprechen, und wie konnte ein Urteil so schnell gefunden werden, dass die Hinrichtung schon am nächsten Morgen stattfand?

Die Story wäre eigentlich erst dann, wenn der Meuchelmörder festgenommen worden wäre, interessant geworden. Wer im Dorf ist für nackte Vergeltung? Wer ist für eine Verhandlung mit rechtmäßger Urteilsfindung? Wie gerät eine Gruppe über diese Frage in Konflikt zueinander? Was treibt einen mexikanischen Vater überhaupt dazu, einen Menschen wegen einer lächerlichen Auseinandersetzung hinterrücks zu erschießen? Gibt es da eine Vorgeschichte, einen unterschwelligen Auslöser?

Man henkt einen Menschen nicht einfach so, auch nicht im Wilden Westen. Schau dir mal, falls du sie bekommen kannst, die Filme "Ritt zum Ox-Bow" oder "Der letzte Zug nach Gun Hill" an. Oder auch "Der Mann, der Liberty Valance erschoss".

Nichts für ungut und besten Gruß,
Ilka,
die immerhin deinen unermüdlichen Fleiß bewundert.
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Alt 23.10.2025, 02:36   #3
weiblich Ilka-Maria
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Alfonso beobachtete seit zehn Minuten gespannt die Staubwolke, die sich Pueblo von Osten her näherte. Fremde kamen selten in dieses verlorene Dorf, das nicht mehr als einhundertfünfzig Seelen zählte, die sich mit kargem Ackerbau und leidlicher Viehzucht über Wasser hielten.

Die Sonne stand schon tief , als der Fremde nahe genug herangeritten kam, dass Alfonso ihn deutlich sehen konnte. Er trug mexikanische Tracht, ein Bolero mit traditioneller Verzierung, eine lederne Hose, dazu Stiefel mit hohen Schäften und einen Vaquero-Hut. Er ritt einen Tiefbraunen mit einer weißen Blesse, der einer edlen Zucht zu entstammen schien. In einem Halfter an der rechten Flanke des Mounts ruhte ein Gewehr.

Alfonso eilte ihm entgegen und nahm das Pferd des sichtlich Ermüdeten am Zaum. „Wie heißt es?“

„Wie heißt SIE, solltest du fragen. Sie heißt Caramba. Eine Hölle von Stute. Lammfromm, wenn man sie gut behandelt, aber der Satan persönlich, wenn man sie reizt.“

„Na, dann will ich gut zu ihr sein“, beteuerte Alfonso, strich Caramba über die Nüstern und führte sie mit ihrer Last in die Dorfmitte zum Saloon.

"Und wie heißt du, Junge?“

„Alfonso.“

Der Fremde beugte sich zu ihm und reichte ihm die Hand. „Ich bin Pedro. Pedro Alvarez.“ Und Alfonso schlug ein. „Sorgst du für Caramba? Ein bisschen schniegeln und füttern, den Dreck aus den Hufen pulen, ihr über die Nüstern streichen und mit ihre sprechen. Du bekommst jeden Tag einen Dollar dafür.“

Noch nie hatte sich Alfonso so glücklich gefühlt. Er hatte ein Pferd und einen Verdienst. Über Nacht war er kein Junge mehr, sondern zum Mann geworden.

Er nahm den Dollar, verstaute ihn in seiner Hosentasche und hielt Alvarez den Steigbügel, als dieser mit steifen Gliedern abstieg. „Gibt es hier außer Whiskey auch Bohnen mit Speck?“

„Gewiss, Señor. Juanita hält immer einen Kessel Bohnen vor. Ich sage in der Küche Bescheid.“ Seine Dienstbeflissenheit brachte ihm einen weiteren Dollar ein.

Pedro Alvarez trat durch die Schwingtür in den Saloon, ignorierte die Pokerspieler und ging zur Theke. Der Wirt warf ihm einen Blick zu. Alvarez funkte den Blick zurück und hob zwei Finger. Das übliche Duo: Ein Bier gegen den Durst und einen Whiskey zur Entspannung.



Bis hier hätte ich die Geschichte so oder vielleicht noch anders geschrieben, aber gewiss nicht mit einem lächerlichen Dialog der nachfolgenden Art:
Der Wirt fragte: “Na Mister, was möchten sie Trinken?”
“Geben sie mir ein großes, kühles Bier!”
Er nahm das Glas und trank es mit großen Schlucken leer.
“Sie hatten wohl einen langen Ritt gehabt?”
“Ja, den hatte ich!”
“So und jetzt habe ich Hunger, kann ich ein Steak haben, mit Bratkartoffel und Speck?”
“Aber ja Mister, setzen sie sich doch an einen der Tische, es dauert einen Moment!”
Das ist urdeutsches Gastwirtschaftsgeschwätz - Wilder Westen, made in Germany. Da waren die Karl-May-Filme, mittlerweile 65 Jahre alt, schon besser gewesen.
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