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Alt 17.08.2024, 13:56   #1
männlich dyfso
 
Dabei seit: 12/2023
Ort: Aus dem Hause Satans
Beiträge: 30

Standard Der Nebel des Lebens

Wochen vergehen und die Tage fließen ineinander, werden zu Wochen, dann zu Monaten. Alles verschwimmt.

Doch morgen, ja morgen, da wartet ein neuer Tag auf mich. Vielleicht darf ich ihn erleben, vielleicht nicht. Jede Nacht könnte meine letzte sein, und was dann aus mir wird, bleibt ungewiss. Diese Frage halte ich mir offen – besser so, als mich einem Glauben anzuschließen, der in meinen Augen nicht mehr ist als eine Sekte.

In wenigen Tagen treffe ich meine Freunde wieder. Bald habe ich meinen Abschluss in der Tasche, dann beginnt ein neues Kapitel an einer neuen Schule. Irgendwann, in ein paar Jahren, treffe ich vielleicht meine zukünftige Frau, bekomme Kinder, baue ein Haus. Und eines Tages werden meine Kinder ausziehen. Vielleicht werde ich dann Enkelkinder haben, mit Sicherheit sogar. Irgendwann werde ich Rentner sein, und dann… ja, dann habe ich es geschafft. Dann habe ich alles durchlebt.

Wo sind nur die vergangenen Jahre geblieben?

Der letzte Ausflug mit den Freunden scheint ewig her, die Liebe, die ich einst empfand, ist wie ein Schiff aufs Nebelmeer hinausgetrieben. Doch jeden neuen Tag kann ich wieder lachen, nur um nachts still zu hoffen und zu weinen – hoffen, dass mir noch ein weiterer Tag geschenkt wird.

Von schroffen Felsen tropft ein wenig Glück. Wie sehr sehne ich mich nach einer Heimat, einem Ort, an dem ich einfach ich selbst sein kann. Nicht dieses Wesen, das irgendjemand in diese farblose Welt geworfen hat, die nur in Kontrasten denkt. Ich bin nur so bunt, wie andere mich sehen. Wenn sie nur Hell und Dunkel unterscheiden, dann bin ich für sie eben genau das – nichts weiter.

Aber es gibt Ausnahmen, Menschen, die noch immer in Farben sehen. Manche verlieren diese Fähigkeit, stumpfen ab, doch die allerwenigsten erkennen erst die Kontraste und dann die Farben. Diese Menschen, die die Farben wahrnehmen können, sind die wahren Freunde und sehen mich wie ich bin.
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