Da kommt was zusammen
Ich lebe nach der Lust. Die Krankheiten, die ich mir damit eingehandelt habe, sind mein Kapital, von der fettumgürteten Leber und einem wehleidigen Magen bis hin zu einem mörderisch hohen Blutdruck. Ich habe in meinen Körper Jahrzehnte lang investiert, und würden meine Krankheiten an der Börse gehandelt, wäre ich Millionär. Ach, was denke ich dummes Zeug! Ich wäre Milliadär!
Rechnet sich der Speck? So fragte ich mich eines Tages und prüfte nach. Fast zehn Prozent vom Brutto für die Krankenkasse, ein ziemlicher Batzen, dazu der monatliche Konsum an Wein, Cognac und Zigaretten. Da kommt was zusammen.
Die Gegenrechnung: Wie oft im Krankenhaus? Nie. Wie oft beim Arzt? Nur, wenn es sein musste oder ein Rezept für Tabletten gegen zu hohen Blutdruck gebraucht wurde. Gelegentlich eine Impfung, zum Beispiel, wie im Alter empfohlen, gegen Gürtelrose. Fazit: Für die Hunderttausende, die ich in vierundvierzig Berufsjahren in die Krankenkasse eingezahlt hatte, hätte ich selbst eine mehrstündige, komplizierte Operation locker privat bezahlen können und noch Geld zurückbehalten.
Was machen die Krankenkassen mit all dem Geld, das sie monatlich einstreichen und auf dem sie wie Fafnir sitzen? Wie kommt es, dass eine Institution, die Solidarität predigt, auf einem Milliardendefizit sitzt? Ein Schelm, dem nicht ein Verdacht kommt.
Meine Krankheiten haben mir die Lust am Leben und am Fressen und Saufen nicht genommen, denn als langjähriger Rentner fühle ich mich noch fit. So einfach geht ein Mensch nicht kaputt. Deshalb nochmal die Frage: Wohin geht das Geld, das den Krankenkassen zufließt? Was schreit da zum Himmel?
Zeit für einen Cognac, um die Gedanken zu beruhigen. Zum Wüten bin ich zu alt.
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