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Gefühlte Momente und Emotionen Gedichte über Stimmungen und was euch innerlich bewegt.

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Alt 22.05.2022, 16:54   #1
weiblich Lauri
 
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Dabei seit: 05/2022
Beiträge: 2

Standard Weiche Träume

Gib mir Raum zum Träumen
und ich träum von einem Raum.
Fang an aufzuräumen
und fang an mich zu trauen.
Träum von deinen warmen Lippen
auf meiner linken Wange,
teilen uns ‘ne Kippe
und du fällst, aber ich fang dich.

Ich kann nicht einschlafen,
mir ist viel zu warm unter den ganzen Decken
und mein Mund ist staubtrocken,
fühl mich gefühlstaub und manchmal erschrocken,
alles etwas schwer zu ertragen.
Ich guck nochmal auf mein Telefon
und merk schon,
dass es mir nicht wirklich was bringt,
aber die Angst, was zu verpassen, in mir mich nochmal zwingt,
Instagram zu refreshen.

Wünsche mir die Träume zurück,
die gestern mit Leichtigkeit kamen,
vielleicht zu leicht.
Denk an vieles, vor allem an die Worte, bei denen ich zu feige war,
um sie einfach direkt zu sagen.

Vielleicht hilft Schafe zählen,
Eins. Zwei. Drei.
Ich nehm mir eins weg, ich bin mal so frei
und leg mich erschöpft und bereit auf ein Bett aus der geschorenen Wolle,
kneif die Augen zu, ganz dolle,
mach mich breit, meine Haut wie auf einer weichwarmen Wolke,
so als sollte es so sein,
ich auf meiner Wolke.

Rieche nochmal am Lavendelkissen,
versuche dolle, jetzt nicht zu vermissen,
weil traurig lässt’s sich erst recht nicht gut schlafen.

Dann drück ich noch schnell bei Spotify auf play.
Irgendein Rauschen, damit ich statt nachzudenken,
einfach lauschen kann,
statt an irgendwas zu denken,
an nichts denken kann.

Damit ja noch was im Hintergrund läuft,
damit der Gedanke im Keim schon ersäuft
und ich träumen kann,
von dir wie du dich verläufst.
Wie wir beide im gleichen Labyrinth sind und uns nicht sehen,
wie wir immer rechts lang laufen
und uns an nichts festhalten wollen,
sonst würde es irgendwie auch nicht weitergehen.
Wie wir nochmal klicken und was kaufen, was wir nicht brauchen,
weil es sich gut anfühlt für die eine Sekunde
aber wir stecken halt trotzdem noch fest,
Stunde um Stunde.

Hallo lieber Traum,
du hast mir gefehlt,
ich hab zielsicher geworfen und doch knapp verfehlt.
Nicht das Szenario, was ich gewählt hätte.
Du zählst die Sterne und wenn du dich verzählt hättest,
dann würd ich nichts sagen,
einfach um dir das von vorne Anfangen zu ersparen.

Atme ich Träume oder atmen sie mich
und bevor ich versäume, wer in echt zu mir spricht,
leg ich mich nochmal hin und drück auf Schlummern,
weil ich noch existier’ außerhalb von wach und Kummer
und es mich irritiert, wie dein Wunsch dort verkümmert.

___________
Ein etwas freieres Gedicht. Ich freue mich über Kritik und Anregungen! 🌙
Lauri ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 22.05.2022, 20:14   #2
männlich Heinz
 
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Dabei seit: 10/2006
Ort: Reimershagen in Mecklenburg-Vorpommern, Nähe Güstrow
Beiträge: 6.635

Hallo Lauri,
Du bist neu hier und deshalb erst einmal: Herzlich willkommen!
Unter Deinem Beitrag steht, dass Du Dich über Kritik und Anregungen freust.
Nun, bei einer neuen Hobbydichterin halte ich mich mit Kritik erst einmal zurück, und ob ich jetzt schon Anregungen geben kann - wer weiß!?
Dein Beitrag erweckt bei mir den Eindruck, dass da eine junge Dame eine Art Seelenentblätterung zu Papier gebracht hat und bei mir die Frage offen lässt: Was daran ist ein "Gedicht"?
Dass sich des öfteren ein paar Verse "hinten" reimen, kann es ja nicht sein.
Da ich ein großer Goethe-Fan bin, lass ich ihn mal sprechen. Was sagt er über Gedichte?

Gedichte sind gemalte Fensterscheiben;
sieht man vom Markt in die Kirche hinein,
da ist alles dunkel und düster -
und so sieht es auch der Herr Philister,
der mag denn wohl verdrießlich sein
und lebenslang verdrießlich bleiben.
Kommt aber nur einmal herein,
begrüßt die heilige Kapelle!
Da ist's mit einmal farbig helle,
Geschicht und Zierrat glänzt in Schnelle,
bedeutend wirkt ein edler Schein.
Das wird euch Kindern Gottes taugen,
erbaut euch und ergötzt die Augen.

Du kannst ja mal ein bisschen im Forum herum wandern und schauen, was die anderen da so schreiben (und manchmal glauben, dass dann, wenn es sich am Versende reimt, ein Gedicht entstanden ist.
Ein ausführlicher Tagebucheintrag kann nicht den Anspruch erheben, ein Gedicht genannt zu werden.
Eines meiner Lieblimgsgedichte, in dem es auch um "das Gedicht" geht, ist sein Lied an die Parzen (der Fettdruck stammt von mir):

Nur einen Sommer gönnt, ihr Gewaltigen,
und einen Herbst zu reifem Gesange mir,
dass williger mein Herz,
vom süßen Spiele gesättiget,
dann mir sterbe.

Die Seele, der im Leben ihr göttlich Recht
nicht ward, sie ruht auch drunten im Orkus nicht.
Doch ist mir einst das Heilige,
das am Herzen mir liegt, das Gedicht, gelungen:

Willkommen dann, o Stille der Schattenwelt!
Zufrieden bin ich,auch wenn mein Saitenspiel
mich nicht hinab begleitet.
Einmal lebt ich wie Götter -
und mehr bedarfs nicht.

Liebe Grüße,
Heinz
Heinz ist gerade online   Mit Zitat antworten
Alt 22.05.2022, 22:53   #3
weiblich Lauri
 
Benutzerbild von Lauri
 
Dabei seit: 05/2022
Beiträge: 2

Hallo Heinz,

dankeschön für die Begrüßung und für die Zeit, die du dir genommen hast, um meinen Text zu lesen und um deine Kritik mit mir zu teilen :-) So etwas Ausführliches habe ich zu Beginn gar nicht erwartet.

Ich sehe, dass du schon viele Jahre in diesem Forum unterwegs bist und ein wahrer Poesie-Experte bist - Das finde ich toll!

Vorrangig habe ich bisher meine Inspiration aus Poetry Slams gezogen und habe - denke ich - deswegen eine sehr lockere Definition, was Gedichte angeht.
Mich würde interessieren, was du von solchen Texten und Auftritten hältst? Mich hat zum Beispiel Julia Engelmanns “Für meine Eltern” sehr berührt, das kann man sich auf Youtube ansehen.
Sind das für dich Gedichte? Was braucht ein Text genau, damit du es als Gedicht definierst?

Ich freue mich auf deine Meinung und wünsche dir noch einen schönen Abend!

Viele Grüße,
Lauri
Lauri ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 23.05.2022, 04:16   #4
männlich Heinz
 
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Ort: Reimershagen in Mecklenburg-Vorpommern, Nähe Güstrow
Beiträge: 6.635

Liebe Lauri,
ganz kurz: Ich bin für mindestens vier Wochen "außer Betrieb". Auf meine ausführlich Antwort musst Du also ein bisschen warten.
Liebe Grüße,
Heinz
Heinz ist gerade online   Mit Zitat antworten
Alt 23.05.2022, 05:51   #5
weiblich DieSilbermöwe
 
Benutzerbild von DieSilbermöwe
 
Dabei seit: 07/2015
Alter: 59
Beiträge: 5.412

Zitat:
Dass sich des öfteren ein paar Verse "hinten" reimen, kann es ja nicht sein.
Da ich ein großer Goethe-Fan bin, lass ich ihn mal sprechen. Was sagt er über Gedichte?

Gedichte sind gemalte Fensterscheiben;


Lieber Heinz,

daa ist ein toller Hinweis. Der Satz sagt eigentlich alles. Bis jetzt wusste ich nicht, dass Goethe es so beschrieben hat; vielen Dank dafür.

Liebe Lauri,

ich finde die ersten beiden Verse gut, aber ab da wackelt sozusagen der Rhythmus. Für ein Gedicht ist es noch nicht so richtig ausgereift.

Also ich meine:
Gib mir Raum zum Träumen
XxXxXx
und ich träum von einem Raum.
XxXxXxX

Aber dann geht es durcheinander mit der Metrik:
Fang an aufzuräumen
XxXxXx
und fang an mich zu trauen.
xXxXxXx

Auch in den weiteren Strophen geht es etwas durcheinander.


Schöne Grüße
DieSilbermöwe
DieSilbermöwe ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 23.05.2022, 06:38   #6
weiblich Ilka-Maria
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Ort: Arrival City, auf der richtigen Seite des Mains
Beiträge: 27.452

Zitat:
Zitat von Lauri Beitrag anzeigen
Mich würde interessieren, was du von solchen Texten und Auftritten hältst? Mich hat zum Beispiel Julia Engelmanns “Für meine Eltern” sehr berührt, das kann man sich auf Youtube ansehen.i
Guten Morgen, Lauri,

sei auch von mir willkommen bei Poetry. Zu deinem Text wurde ja schon einiges gesagt, deshalb will ich auf die zitierte Passage aus deinem Kommentar eingehen.

Der Name Julia Engelmann ist in letzter Zeit öfter als Beispiel für die Motivation, selber zu texten, genannt worden. Es ist gut, sich von Vorbildern dazu anstoßen zu lassen. Allerdings sollte man den Stars unter den Poetry Slams genau zuhören, denn es handelt sich - egal ob bei einem vorbereiteten oder frei vorgetragenen Text - um Themen, die vorher gründlich durchdacht worden sind. Auch viele Kabarettisten arbeiten so: Sie tragen zwar aus dem Stegreif vor, aber im Rahmen eines oder weniger zusammenhängender Themen, mit denen sie sich vorher gründlich auseinandergesetzt haben. Nur wenn mein sein Thema gut kennt, kann ein Text fließen, ohne dass man den Faden verliert.

Dein Text liest sich hingegen wie ein Brainstorming. Aber in diesem Fall passt es sogar, denn es geht um die Gedanken vor dem Einschlafen und dem Eintauchen in die ersten Träume. Wer kennt nicht dieses halbfertige, sprunghafte Hin und Her im Kopf bis hin zur Grübelei, bevor man vom Schlaf gnädig überwältigt wird?

Trotzdem solltest du den Text überarbeiten, ihn straffen, also auf einige Punkte beschränken und sie locker miteinander verbinden, Überflüssiges hingegen streichen.

Beste Grüße
Ilka
__________________

Workshop "Kreatives Schreiben":
http://www.poetry.de/group.php?groupid=24
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