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Philosophisches und Nachdenkliches Philosophische Gedichte und solche, die zum Nachdenken anregen sollen.

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Alt 18.05.2022, 06:58   #1
männlich Anaximandala
 
Benutzerbild von Anaximandala
 
Dabei seit: 05/2021
Ort: Zu Hause
Beiträge: 723

Standard Ewigkeit

Der Anfang ist ewig, denn stetig gebiert
das Werden der Dinge sich keimend ins Jetzt,
erwächst, sich entfaltend, zu Größe, zuletzt
vom Pfade des Wachsens zum Abgrund geführt.

Dem Abgrund des Daseins, wo es sich verliert,
in jeder Sekunde vom Schicksal gehetzt,
vom Kampf des vergänglichen Werdens entsetzt.
Das Ende ist ewig, und Neues passiert.

Der Wandel ist ewig, vollendet das Sein,
er wirkt durch die Kräfte und fließt durch die Zeit,
fast allgegenwärtig, beharrlich, zwar klein,
doch ewig summierend, sein Einfluss sehr weit.

Wär Anfang und Ende nicht schöpfend gepaart,
dann stände der Weltlauf, auf ewig erstarrt.
Anaximandala ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 21.05.2022, 08:23   #2
männlich ganter
 
Benutzerbild von ganter
 
Dabei seit: 04/2015
Beiträge: 2.273

Hallo Anaximadala,

Dein Ewigkeitsgedicht hast Du rhythmisch gekonnt aufs Parkett gelegt.

"Welt", denke ich, ist allumfassend.

Was wären wir mit oder ohne Ewigkeit - immer nur winzig im All.

Umfassende Grüße
-ganter-
ganter ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 21.05.2022, 09:17   #3
weiblich Ilka-Maria
Forumsleitung
 
Benutzerbild von Ilka-Maria
 
Dabei seit: 07/2009
Ort: Arrival City, auf der richtigen Seite des Mains
Beiträge: 27.452

Zitat:
Zitat von Anaximandala Beitrag anzeigen
Wär Anfang und Ende nicht schöpfend gepaart,
dann stände der Weltlauf, auf ewig erstarrt.
Guten Morgen, Anaximandala,

aus all deinen Gedichten geht hervor, dass du dir sehr viele Gedanken machst, sowohl über dein Thema als auch über die Bilder, die du schaffen willst, und über deren Umsetzung. Dieser Text wäre ein schönes Pendant zu Hesses "Stufen" gewesen - wäre es nicht wieder einmal so überbordend pathetisch und erhaben. Gut, das ist Geschmackssache, und ein Paar Verse entlang könnte ich das ertragen, aber bei einem längeren Gedicht finde ich es nervig. Ich bin mir nicht sicher, ob Pathos mit philosophischen Überlegungen überhaupt vereinbar ist oder nicht besser den Schlagersängern überlassen bleiben sollte.

Jedenfalls erinnert dein Thema an Hesses "Stufen", besonders an diese (unpathetische) Passage:

Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe
Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
In andre, neue Bindungen zu geben.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.

Man beachte, dass Hesse in diesem sechs Versen mit zwei Adjektiven ausgekommen ist und sich statt dessen auf Substantive und Verben konzentriert hat!

Vielleicht hast du ja Lust, dir das Thema noch einmal vorzunehmen und in einem neuen Gedicht deine Gedanken mehr gegen Hesses Aussagen abzugrenzen bzw. zu relativieren. Man muss ja nicht mit allem einverstanden sein, was er ausgedrückt hat. Ich könnte mir so etwas als spannend vorstellen.

Besten Gruß und ein kreatives Weiterschaffen!

LG
Ilka
__________________

Workshop "Kreatives Schreiben":
http://www.poetry.de/group.php?groupid=24
Ilka-Maria ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 22.05.2022, 17:33   #4
männlich Anaximandala
 
Benutzerbild von Anaximandala
 
Dabei seit: 05/2021
Ort: Zu Hause
Beiträge: 723

Herzlichen Dank an euch beide für die netten Worte

Zitat:
"Welt", denke ich, ist allumfassend.

Was wären wir mit oder ohne Ewigkeit - immer nur winzig im All.
Was du schreibst ist sehr treffend, Ganter


Die Frage scheint zwar riesengroß,
die Antwort ist bedeutungslos



Zitat:
Dieser Text wäre ein schönes Pendant zu Hesses "Stufen" gewesen - wäre es nicht wieder einmal so überbordend pathetisch und erhaben.
Vielen Dank für die Gegenüberstellung, Ilka. Ich muss sagen im Vergleich versteh ich sehr gut, was du meinst mit zu pathetisch und erhaben. Vor allem Pathos ist wirklich nicht, was ich ausdrücken möchte, das Erhabene mag wohl Ausdruck davon sein, dass ich viel in diese Richtung gelesen habe. Aber es wäre an manchen Stellen wirklich nicht verkehrt, ein wenig mehr zu Klarheit zu tendieren.
Vor allem, weil ja nirgendwo zwischen den Zeilen steht, was der Zweck eines Textes sein soll und irgendwelche Pseudowahrheiten mit Absolutheitsanspruch sollen es wirklich nicht werden.

Du hast schon recht, Pathos und philosophische Wahrheiten passen nicht so wirklich zusammen, vermutlich ist meine eigene Sicht doch öfters mal ein wenig zu verklärt...



Zitat:
Vielleicht hast du ja Lust, dir das Thema noch einmal vorzunehmen und in einem neuen Gedicht deine Gedanken mehr gegen Hesses Aussagen abzugrenzen bzw. zu relativieren
Ganz sicher, das hab ich, mal sehen ob ich etwas Bodenhaftung rein und Pathos raus bekomme
Und die Sache mit den wenigen Adjektiven klingt sowieso sehr interessant, das werde ich mal im Hinterkopf behalten.

Eure Kommentare haben mir am Ende echt ein bisschen Stoff zum Nachdenken gegeben, ich bin zum Beispiel nach langem wieder über das Apeiron gestolpert und ehrlich, es ist fast schon lächerlich, dass es in diesem Text keine Rolle gespielt hat. Schließlich war es das metaphysische Seinsprinzip vom Werden und Vergehen, Anfang und Ende der Dinge, Urstoff des Daseins... und ein Konzept des Vorsokratikers Anaximander^^


Habt einen schönen Sonntag und herzliche Grüße
Anaximandala ist offline   Mit Zitat antworten
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