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| Kolumnen, Briefe und Tageseinträge Eure Essays und Glossen, Briefe, Tagebücher und Reiseberichte. |
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#1 |
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Dabei seit: 07/2015
Ort: Zwischen den Ostseewellen ertrunken
Alter: 43
Beiträge: 5.552
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Ich bin der bekannte Starpiratencoach aus Somalia.
Man kennt mich aus Funk und Fernsehen. Ich habe schon den Größten beim Gang zum Klo geholfen, als Geiseln– und weißt du, was das Beste daran ist? Ich denke mir den ganzen Kladderadatsch einfach aus, den ich ihnen erzähle. Basierend auf transpirativen Studien der „Kaperclass“ inkludiert sich haki der hermetische abriegel Ansatz – nämlich dann, wenn man sich endlich als der einzige freie Geist unter Verrückten fühlen kann. Was meinst du, wie sehr sich Menschen selbst fertig machen können, nur weil sie versuchen, diesen verruchten Idealbildern der Public Relations – also dem Konzept hinter Werbung – zu entsprechen? Die Medien sind der Gegenentwurf zum Brainfuck der Kirche. Die Eliten pflanzen uns ihre Produkte als Wünsche ins Gehirn – und zwar genau dort, wo diese Wünsche entstehen. Was an sich gar nicht schlimm ist. Ich sage nicht: „Verzichte darauf, Nutella zu essen oder UFO-ähnliche Autos zu fahren, die nicht einmal fliegen können – außer vielleicht kurz vor dem schnellen Tod.“ Ich sage nur: Diese und viele andere gesellschaftliche Mechanismen zielen darauf ab, unser Selbstbild zu zerstören – nur um es durch ein für uns kreiertes Bild zu ersetzen. Doch diese Kreation hat nichts mit einer selbstständigen Lebensführung zu tun. Sie ist vielmehr an einer extremen Unzufriedenheit interessiert – gepaart mit einer hoffnungsvollen Suche nach Glück. Alles soll ein Rausch sein und gleichzeitig sicher. Eine harmonische Welt voller Action und Abenteuer. Das übertrifft sogar religiöse Vorstellungen vom Paradies. Denn meistens ist es dort entweder friedlich (wie bei den Christen) oder eine endlos gefährliche Party (wie bei den Heiden) – oder ein Verdumpfen in einer Höhle. Nun ja – außerdem muss man dafür tot sein. In der „Werbe-Religion“ aber kann man das Paradies sofort erreichen. Jeder Einkauf bringt uns dem Glück einen Schritt näher. Jede Manifestation von „Fülle“ lässt Geld, Liebe und alles Berauschende und Glückbringende auf uns herabregnen. Eigentlich ist es völlig sinnlos, sich dem elenden Leben auf dem Weg dorthin hinzugeben. Denn das haben sie von der Kirche kopiert: Dieses Leben – außerhalb der Werbewelt – ist eine unbeschreibliche Strafe, der man nur durch das Glück des Konsums entkommen kann. Selbst wenn man Nackt-Survival-Sendungen im Fernsehen schaut und sich denkt: „Wie schön, dass ich nur konsumiere.“ Und genau da ist der Punkt, an dem unsere innere Freude an der Einfachheit unseres Seins zerstört wird. Das bedeutet nicht, dass es jetzt darum geht, auf alles zu verzichten. Es geht vielmehr um das Selbstbild, in dem das einfache Leben wie wertlos wirkt – und viele empfinden es auch so. Selbst sehr erfolgreiche Menschen. Und das ist doch traurig: Nur die wenigsten können ihr Dasein als Gesamtheit wirklich genießen. Die meisten, die das tun, fliehen tatsächlich aus den paradiesischen Modellen des modernen Lebens. Und genau das legt den großen Fehler offen, der schon in der Wurzel der Public Relations liegt: Ein System, das ursprünglich von den monotheistischen Religionen erfunden wurde. Du bist ein braver Diener – dann gibt es eine saftige Belohnung. Ah – es wurde sogar schon beim Zähmen von Tieren verwendet. Darum reden sie vermutlich ständig von ihrer Schafherde. Aber das ist alles nichts Neues. Wir sind ja auch nur denkende Tiere. Erstaunlich eigentlich: Sie wendeten ein Tierdressur System an, obwohl sie glaubten, von einem großen Künstler geschaffen worden zu sein und dabei nicht im Traum an ihre Verwandtschaft mit dem Affen dachten. Wie dumm der Mensch doch eigentlich ist. Nur für ein bisschen Frieden – ohne dabei seine Stärke beweisen zu müssen. Was kommt noch dazu in unserem „Paradies“: Eigentlich interessiert dein Glück kein Schwein. Deine Siege, deine Niederlagen – angeblich gibt es eine Instanz, die dich für dieses Selbstbild liebt, wenn du es erreichst. Aber in Wahrheit sind da nur Leute, die genauso wenig wissen, was sie überhaupt tun. Eigentlich wollten sie nur gerne im Wasser sein – und plötzlich sind sie Profischwimmer. Oder der Computer vom Arbeitsamt sagte: „Geh in den Handel“ – und jetzt verkaufen sie riesige Windmühlen an Bauern. Und jeder, der nach 20 Jahren voller Begeisterung zu ihnen aufschaut, ist wie ein Geist. Darum geht es doch eigentlich: Was jemand gut kann – und wie man gleichzeitig alles andere im Leben auch zu etwas Schönem machen kann. Selbst den Regen am Strand – mit tausend anderen Touristen, die sich ärgern, die einzigen sinnvollen Tage des Jahres nicht in der Sonne verbringen zu können, um sich zu bräunen… …für die neidischen Kollegen. |
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