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Alt 31.08.2025, 02:53   #1
weiblich Ilka-Maria
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Standard Frauen und Männer

Frauen denken, handeln und entscheiden anders als Männer. Aber sie kommen immer an das gleiche Ziel, nur eben auf anderen Wegen. Weil Frauen aber anders denken als Männer, nämlich verzweigt, nach links und rechts schauend und alles mitbedenkend, was am Wegrand steht, auch innehaltend, um Zwischendurch eine Aufgabe zu erledigen, die sich als wichtig aufdrängt, und weil sie, anstatt wie die Männer, die mit Tunnelblick voranschreiten und schnurstracks von A nach B gehen, um auf kürzestem und effizientestem Weg das Zielband mit vorgeworfener Brust zu durchschneiden, haftet den Frauen der Ruf an, ewige Kinder und dumme Gänse zu sein.

So kam es, dass Mendelssohn-Bartholdys Schwester ihre Kompositionen unter seinem Namen aufführen lassen musste. Dass George Sand, unglücklich in Chopin verliebt, sich einen männlichen Namen zulegte, um in der literarischen Welt Anerkennung zu finden. Dass Rahel Varnhagen, die einen erfolgreichen Salon für Intellektuelle führte, den Freitod wählte, wie auch Virginia Woolf, die ins Wasser ging.

Was wäre mancher Mann ohne die Frau an seiner Seite gewesen? Napoleon wäre ohne Josephine nicht Feldherr und Kaiser geworden und Perikles ohne Aspasia nicht Herrscher über Athen. Goethe war egal, dass Christiane ungebildet und unbelesen war, er gab ihr trotzdem seine Manuskripte zu lesen, weil er ihr intuitives Urteil schätzte. Darauf konnte er sich verlassen.

Männer sind die eine Hälfte. Sie haben ihren Wert, stark wie sie sind und imstande, den Pelion auf den Ossa zu türmen. Dafür lieben Frauen die Männer. Es braucht Muskelkraft, um die Mülltonnen zu stemmen und einen Umzug über die Bühne zu bringen. Aber, ihr Männer der Welt, hört zuweilen auf eure Frauen! Sie kennen die Tiefen des Lebens, die euch auf ewig verschlossen sind. Und oftmals wärt ihr gut beraten, auf eure Frauen zu hören.

Ihr Männer schaut in Strecken, wobei es von A nach B geht. Das können Kilometer, aber auch nur Meter sein. Frauen denken vernetzt. Sie schlagen Haken wie aus ihrer Sasse aufgeschreckte Hasen. Je mehr Haken, desto höher die Chance, nicht getroffen zu werden.

Männer gehen auf Konfrontation: Es gilt, den Stier bei den Hörnern zu packen, ihn in die Knie zu zwingen und ihm den Todesstoß zu versetzen. Frauen setzen alles daran, den Stier zu zähmen. Insgeheim wissend, dass Frauen nicht Konkurrenz, sondern Ergänzung sind, trotzdem den Männern unheimlich, fast bedrohlich. Sie sind Hexen wie Circe, die Odysseus lähmte und seine Kameraden in Schweine verwandelte. Sie sind Spinnen, die ihre Liebhaber nach der Begattung klebt und fesselt und sie an ihre Kinder verfüttert. Jede Frau ist eine Kali, eine Göttin mit einem fruchtbaren Schoß, die eine Kette aus Menschenschädeln auf der Brust trägt.

Frauen sind besonders. Sie sind schmerzempfindlicher als Männer, das ist naturgegeben, trotzdem halten sie mehr aus, jammern weniger und haben weniger Angst beim Zahnarzt. Frauen müssen akzeptieren, Schmerzen auszuhalten, sonst bekämen sie keine Kinder. Doch Frauen, die Kinder haben wollen, haben keine Option. Da müssen sie durch.

Wozu braucht man Männer? Frauen wollen keine Kinder mehr gebären, und für alles, was Kraft braucht, um erledigt zu werden, gibt es die Technik. Selbst Frauen, die Kinder gebären wollen, brauchen hernach keinen Mann mehr. Männer sind Drohnen, die man aus dem Bau wirft, nachdem sie ihre Schuldigkeit getan haben. Nichts als Befruchtungsmaschinen, bestenfalls Zuchthengste.

So zumindest ist der Klang der Zeit. Frauen sind weit davon entfernt, eigenständig zu sein, dicke Batzen zu verdienen und ein Aktiendepot zu verwalten. Sie lehnen noch immer an der Schulter des starken Mannes, der bei naher Betrachtung ein Würstchen ist. Derweil lackieren sie sich ihre Fingernägel, legen Lidschatten auf und tuschen sich die Wimpern. Schön sein für den Mann! Für ein Würstchen.

Schon Adam war ein Würstchen, ein Versager und leicht Verführbarer.

Seit Adam und Eva hat sich nichts geändert.
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Alt 31.08.2025, 10:56   #2
männlich Epilog
 
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Standard Hallo Ilka

... obwohl keinesfalls auf irgendwelchen Paragraphen herumreiten möchte, wundert mich doch, warum Du diesen Text im Lyrikbereich unter "Düstere Welten" positioniert hast (obwohl er sicherlich viel "Abgründiges" enthält, vor allem zum Ende hin). Die eindeutig in Prosa formulierten Gedankengänge würden doch sicher eher in die "Philosophen-Lounge" gehören - oder, wenn wir sie doch nicht "ganz so ernst" nehmen wollten, unter Small Talk. Naja, ist vielleicht auch gar nicht so wichtig.

Inhaltlich hat mich gewundert, dass einige der Kernaussagen aus diesem Text nach meinem Verständnis im Widerspruch zu einigen ansonsten von Dir propagierten Eigenschaften stehen, die auch Lyrik oder Literatur im Ganzen auszeichnen sollte: "Komm auf den Punkt!" - "Keine Abschweifungen!" - "Auf alle blumigen Beschreibungen verzichten!" - "So und nicht anders statt sowohl als auch!" - "Nicht alle anderen Möglichkeiten und Bedenken in Betracht ziehen!". Das wäre demnach ja eindeutig männliches Handeln und Schreiben, während die weibliche Sichtweise das "Wichtige am Wegesrand" bemerkt sowie ein jedes Für und Wider mit berücksichtigt. Mein eigenes Geschreibsel (und ich denke, man bezieht solche Gedankengänge fast automatisch auf die eigene Textproduktion) wäre demnach extrem "weibliche Lyrik", die verschiedene Perspektiven einnimmt und mit mehrdeutigen Begrifflichkeiten arbeitet, statt auszuposaunen "So, ich sag euch jetzt, wo`s langgeht!". (Wobei Du selbst ja meines Erachtens auch nicht in dieser Form schreibst).

Wahrscheinlich habe ich das mit dem Textbezug mal wieder überinterpretiert - aber vielleicht magst Du ja doch noch einige Gedanken dazu äußern.

Beste Grüße für einen schönen Sonntag

Epilog
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Alt 31.08.2025, 11:19   #3
weiblich Ilka-Maria
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War ein Versehen. Natürlich ist es Prosa.
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Alt 01.09.2025, 17:58   #4
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Nett geschrieben, technisch einwandfrei. Inhaltlich gar nicht mein Ding. Wusstest du eigentlich, dass es Studien gibt, die belegen, dass es bzgl. Unterschiede im Denken innerhalb der Geschlechter mehr Unterschiede gibt, als dazwischen?
Dein Text ist voll von Stereotypen, Übertreibungen und Pauschalisierungen und schwankt stark zwischen Feminismuskarikatur und Misandrie. Bietet 0% argumentative Substanz.
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Alt 01.09.2025, 18:22   #5
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Zitat:
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Wusstest du eigentlich, dass es Studien gibt, die belegen, dass es bzgl. Unterschiede im Denken innerhalb der Geschlechter mehr Unterschiede gibt, als dazwischen?
Ja, weiß ich (mir ist nur nicht klar, was du mit "als dazwischen" meinst). Habe ich ab Absatz fünf beschrieben, nur in anderen Worten. Ich weiß, dass das Gehirn von Männern anders strukturiert ist als das von Frauen, deshalb denken Männer und Frauen anders. Hätte mehr darüber schreiben können, zumal ich mich seit Jahren mit Gehirnforschung befasse, aber für einen so kurzen Essay fand ich das, was ich ausgewählt hatte, genug.

Keine Sorge, ich kenne die Ergebnisse der letzten Jahrzehnte Gehirnforschung recht gut, fast alle Vorträge von Gerald Hüther, Manfred Spitzer, Reinhard Haller, Joachim Bauer, Manfred Lütz und noch etlicher anderer, und habe mich auch im Rahmen meines Lehrgangs in Allgemeiner Psychologie mit der Funktion von Gehirnzellen ausgiebig befassen müssen.

Im übrigen ist der Text nicht männerfeindlich, sondern die letzten Sätze sind reine Ironie - oder meinetwegen, wie du schreibst, karikaturesk. Deshalb bezog ich mich auf den "Klang der Zeit". Der Mensch handelt nämlich oft ganz anders, als er denkt oder ideologisch drauf ist. Ambivalenz und Widerspruch gehören eben auch zu seinem Wesen.

Dennoch danke für deinen Kommentar.

Besten Gruß
Ilka

P.S.:
Zum Thema "Klang der Zeit" empfehle ich den Film "Was ist Liebe wert - Materialists", der gerade im Kino läuft. Er trifft den Nagel auf den Kopf.
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Alt 01.09.2025, 19:33   #6
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Ja, sorry, habe die Ironie nicht erkannt. Ich habe leider auch eine recht festgefahrene Vorstellung von deinem vermeintlichen Weltbild, daher deute ich solche Inhalte möglicherweise etwas vorschnell.
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Alt 01.09.2025, 19:42   #7
weiblich Ilka-Maria
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Zitat:
Zitat von fsami Beitrag anzeigen
Ja, sorry, habe die Ironie nicht erkannt. Ich habe leider auch eine recht festgefahrene Vorstellung von deinem vermeintlichen Weltbild, daher deute ich solche Inhalte möglicherweise etwas vorschnell.
Macht doch nichts. Deine Meinung ist eben deine Meinung.
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