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Alt 12.08.2025, 10:14   #1
weiblich Ilka-Maria
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Standard Wir Schlaumeier

Geschichte wiederholt sich nicht. Die Zukunft der Menschheit ist nicht aus den ungesicherten Überlieferungen vergangenen Geschehens herleitbar. Wer dies dennoch glaubt, könnte genauso gut versuchen, sie aus der Konstellation der Sterne oder aus einer magischen Glaskugel herauszulesen.

Was sich jedoch wiederholt, sind die Ideologien und Dogmen, mit denen die Menschheit aus der Vergangenheit stolpert und in die Zukunft irrt. In Krisenzeiten kommen sie im Gewand einer autoritären, heuchlerischen Moral daher, die alle vorher eroberten Freiheiten auslöscht. Wer immer mehr seiner Felle davonschwimmen sieht, schreit nach einem Erlöser, einem Hirten und Heerführer, der ihn aus seiner Misere rettet und, ohne dafür kämpfen und bluten zu müssen, in einen neuen Sonnenaufgang führt.

Die Moral ist das große Thema unseres Jahrzehnts im 21. Jahrhundert. Sie mahnt zum Vermeiden von allem, was die Würde des Menschen verletzt, ihn gesellschaftlich einengt, ihn seines freien Willens beraubt und an seiner Selbstverwirklichung hindert oder ihm vor Gericht eine faire Verhandlung mit angemessenem Urteil versagt. Sie verurteilt Diskriminierung aller Art, kämpft für eine saubere Umwelt und verurteilt Krieg. Aber wie sieht die Wirklichkeit aus?

Mit Schlagworten wie „Würde“, „freier Wille“, „Selbstverwirklichung“, „Gleichbehandlung“ und „Friedensinitiative“ lassen sich gut Politik machen. Sie lenken den Bürger ab und wiegen ihn in Obhut. Derweil nimmt die Gewalt, die über die Jahrhunderte nachweislich abgenommen hat, wieder zu. Die Zeit des Kalten Krieges, vornehmlich der 70er Jahre, in denen wir vor dem fünften Reiter der Apokalypse, nämlich der atomaren Vernichtung, zitterten, betrachten wir heute als Idylle und Sicherheitsschloss. Und wie wir sehen, werden die Kriege der jüngsten Vergangenheit mit konventionellen Waffen geführt. So bekommt man das alte Zeug los und macht dabei seinen Reibach. Den Rest erledigen hochmoderne Drohnen. Die kosten wenig, treffen auch nicht immer, aber wenn sie zuweilen töten, hat sich ihr Einsatz gelohnt. Die Masse der Angriffe wird es richten.

Die Moral unserer Zeit fordert, dass Autofahrer auf E-Autos umsteigen. Von alten Gewohnheiten lassen sich Menschen aber schlecht abbringen, und deshalb betanken sie ihre alten, einstmals mit Ratenzahlungen erworbenen Karossen immer noch mit Benzin. Sie wollen von A nach B kommen, und wie ist das möglich, wenn es kaum Zapfsäulen für Strom gibt? Tankstellen findet man hingegen in jedem Kaff. Ist der Regierung aber egal, solange sie dem Volk eine neue Religion aufdrücken und sie aus dem Steuertopf finanzieren kann. Wer den Wahnsinn mitmacht, wird belohnt, der Konservative hingegen mit höheren Kosten bestraft. Trotzdem dümpelt die Autoindustrie in Deutschland vor sich hin und kann bald die Schotten dicht machen. Wer dabei auf der Strecke bleibt, fährt gar kein Auto mehr, weil er es sich nicht mehr leisten kann.

Ach ja, die Veganer. Moralisch ist, toten Tieren im Suppentopf zu entsagen. Dann gehört man zu den Guten und landet nach dem letztem Seufzer garantiert im Himmel. Es gibt aber auch Tiere, die Menschen töten, um sie zu fressen. Das sind mittlerweile nicht mehr viele, denn der Mensch steht bis auf einige Ausnahmen am Ende der Fresskette. Aber was sollte mich mit moralischen Appellen dazu bringen, industriellen Geschmacks-, Farb- und Konsistenzdreck zu essen – man lese sich mal die Zutatenliste der Fleisch- und Wurst-Ersatzprodukte durch! - wenn ich ein natürliches Stück Fleisch mit Gemüse essen kann, wofür ich weniger Geld hinblättern muss und das mir diejenigen Nährstoffe in gesunder Dichte bringt, die nur mit hohem Aufwand in den Labors der Nahrungsmittelindustrie zu Ersatzprodukten zusammengepanscht werden können? Richtig: nichts! Da können mir Umweltfanatiker über Kohlendioxid in der Erdhülle und furzende Rindviecher so viel erzählen, wie sie wollen: Nichts geht über ein saftiges Hüftsteak oder ein würziges Rindergulasch. Bisher ist mir auch nicht gelungen, eine triftige Erklärung aus diesen moralisch aufgeweichten Hirnen herauszubekommen, weshalb nur Hausrinder furzen, die anderen Milliarden an Tieren auf unserem Planeten – die Menschheit eingeschlossen – aber offensichtlich nicht.

Kommen wir zur sexuellen Revolution. Das waren die 60er. Was hat sich bis heute geändert? Die Scheidungsgesetze sind liberal geworden. Frauen malochen mehr als zuvor und für weniger Entgelt als Männer gleichen Alters, gleicher Ausbildung und gleicher Leistung. Für Hausarbeit gibt es ohnehin nichts. Im Normalfall hat die Frau das Kind/die Kinder am Bein und muss ihr Einkommen samt der Alimente des Ex (falls er zahlt) entsprechend aufteilen, während sich der Erzeuger dieser Kinder mit einer neuen Partnerin alle Kosten teilt. Wer die Ehe in den Sand gesetzt hat, spielt bei der Scheidung keine Rolle mehr. Mittlerweile sind die Frauen jedoch schlauer geworden, machen Karriere und drehen den Männern eine lange Nase, die ihnen etwas von Familiengründung und ihrem Wunsch nach Kindern faseln. Niemand gibt noch ein Versprechen, das zu halten man sich nicht zutraut, niemand bindet sich mehr auf lange Zeit, in der man hundert Jahre alt werden und sich mit der Jugendliebe irgendwann langweilen könnte. Freiheit und Selbstverwirklichung sind das Goldene Kalb unserer Zeit. Glücklicher ist dabei keins der beiden Geschlechter geworden. Orientierungslos und weder zur Hingabe, noch zur Treue fähig irren Männlein und Weiblein umher und helfen kräftig mit, Karl Marx‘ Traum von der Zerschlagung der Familie wahr zu machen. Sexualität ist kein Geschenk mehr an den geliebten Menschen, sondern Selbstbefriedigung zu zweit, darauf fixiert, zum eigenen Höhepunkt zu kommen – völlig wurst, wer sich dafür hergibt. Hauptsache, die Bedürftigen haben ihr Bakschisch erhalten.

Vielleicht ist doch etwas neu in der Geschichte, nämlich dass der Mensch über die Schnittstelle „Konsument“ zum Datenlieferanten und zur Ware geworden ist. Er konsumiert, wird aber gleichzeitig selber konsumiert. Was früher einmal das Club-Abzeichen am Revers oder an der Baseball-Mütze war, sind jetzt die Apps auf dem Mobilphone, jede davon ein aussagekräftiger Lebenslauf über seinen Träger. Vorteile werden versprochen, wenn man sich Apps auf das Mobilphone lädt, aber in Wahrheit bekommt man Haus und Hof geplündert.

Die Menschheit ist irre geworden. Wer, der noch seinen Verstand beisammen hat, wundert sich über die Zunahme von Depressionen und Verhaltensstörungen, über den Verfall der heimischen Kultur und den Niedergang an Bildung? Putin hat recht, wenn er die westliche Hemisphäre als dekadent bezeichnet. Wir haben uns ohne Not nackt, wehrlos und dumm gemacht und sind dabei noch so hirnverbrannt zu glauben, dass uns niemand etwas tut, solange wir friedlich und brav bleiben und uns Gendersternchen wichtiger sind als der Schutz unserer Grenzen. Den möchte ich sehen, der die Tür zu seiner Wohnung ständig offen hält, um jeden, der sich an seinem Kühlschrank gütlich machen und in sein Bett legen will, hereinzulassen und ihn willkommen zu heißen!

Das Erwachen wird bitter und schmerzhaft sein. Nicht die Starken, sondern die Schwachen werden angegriffen, die von einer Schein-Moral besoffenen Weltverbesserer.

12.08.2025
__________________

Workshop "Kreatives Schreiben":
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Alt 20.08.2025, 10:13   #2
männlich RolandK
 
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Alter: 62
Beiträge: 204


Servus Ilka,

du sprichst aus, was viele fühlen, aber kaum jemand offen sagt:

Die großen Worte von Moral, Freiheit und Gleichheit dienen längst mehr der Täuschung als der Wahrheit.

Hinter Schlagworten versteckt sich Heuchelei, während Ideologien alte Fehler in neuem Gewand wiederholen.

Wir haben uns an Wohlstand, Bequemlichkeit und Illusionen berauscht und merken nicht, dass wir Freiheit und Sicherheit dafür aus der Hand geben.

Das bittere Erwachen wird kommen – und es trifft zuerst jene, die blind an die Scheinmoral geglaubt haben.

Servus

Roland
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