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| Geschichten, Märchen und Legenden Geschichten aller Art, Märchen, Legenden, Dramen, Krimis, usw. |
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#1 |
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Epilog
Der Sommer war gekommen, aber in Sitka fühlte er sich nie ganz wie Sommer an. Der Himmel hing tief über dem Meer, grau wie immer, und der Wind trug den Geruch von Salz und Tang durch die schmalen Straßen. Möwen kreisten über dem Hafen, ihre Rufe klangen wie etwas, das nie zur Ruhe kam. Im kleinen Haus am Rand des Dorfes war es still. Jasmin saß am Fenster, eingewickelt in eine dünne Decke, und sah hinaus auf das Wasser. Der Wal lag in ihrem Schoß, inzwischen ein wenig abgewetzt, als wäre er schon immer da gewesen. „Papa?“ John stand in der Küche. Er hatte das Messer in der Hand, schnitt Gemüse. Gleichmäßige Bewegungen. Präzise. Fast zu präzise. „Ja?“ „Glaubst du, dass es noch mehr gibt?“ Er hielt inne. „Mehr was?“ Jasmin zuckte mit den Schultern, ohne sich umzudrehen. „So Sachen… draußen.“ Der Wind schlug gegen das Fenster. Das alte Windspiel auf der Veranda klirrte leise. John legte das Messer langsam ab. „Vielleicht“, sagte er. Stille. Dann: „Aber nicht hier.“ Jasmin nickte, als hätte sie genau das hören wollen. Maria stand im Türrahmen und beobachtete ihn. Es war nicht mehr wie früher. Nicht ganz. Er trank nicht mehr. Er schrie nicht mehr. Er war da. Intimität, erst vorsichtig, dann mit Leidenschaft. Und trotzdem— Manchmal, wenn er dachte, dass niemand hinsah, war sein Blick… anders. Tiefer. Als würde er etwas sehen, das für sie unsichtbar blieb. Oder etwas vermissen, das sie nicht kannte. „Das Essen ist gleich fertig“, sagte er. Seine Stimme war ruhig. Warm genug. Maria nickte langsam. „Gut.“ Sie ging zu Jasmin, legte ihr die Hand auf die Schulter. Das Mädchen lehnte sich leicht gegen sie, ohne den Blick vom Meer zu nehmen. Für einen Moment wirkte alles… normal. Später am Abend war das Haus dunkel. Das Licht war aus, nur das schwache Leuchten der Straßenlaterne fiel durch die Vorhänge. Der Wind hatte nachgelassen. Das Meer war ruhig geworden. John stand draußen auf der Veranda. Allein. Das Windspiel bewegte sich kaum. Nur ein leises, gelegentliches Klirren. Er sah hinaus in die Dunkelheit. Über dem Wasser lag Nebel. Dahinter— nichts. Oder zu viel. Seine Hand ruhte auf dem Geländer. Unter der Haut bewegte sich nichts mehr. Keine Unruhe. Keine Instabilität. Alles war ruhig. Fast perfekt. Ein Geräusch. Kaum hörbar. Nicht vom Haus. Nicht vom Wald. Etwas anderes. Sein Kopf hob sich leicht. Weit draußen über dem Meer— für einen kurzen Moment— ein schwaches, kaum wahrnehmbares Aufleuchten. Wie ein Stern. Zu nah. Zu schnell. Dann war es weg. Stille. John blinzelte. Sein Blick blieb auf dem Punkt, an dem das Licht gewesen war. Lange. Sehr lange. Dann atmete er langsam aus. Und sagte leise: „Zu spät.“ Ob es eine Feststellung war— oder eine Warnung— blieb offen. Drinnen drehte sich Jasmin im Schlaf leicht zur Seite. Ihre Hand glitt aus der Decke. Für einen winzigen Moment zuckte etwas unter ihrer Haut. Kaum sichtbar. Dann war es wieder still. |
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