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Alt 04.05.2014, 09:43   #1
weiblich Ilka-Maria
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Standard Eine Pendler-Geschichte

Vor ein paar Tagen in der S-Bahn: Wie jeden Spätnachmittag auf der Heimfahrt von der Arbeit stand ich in der Ecke der linken Waggontür, die geschlossen blieb, weil während der gesamten Fahrt der Zustieg durch die rechten Waggontüren erfolgte. Ich setzte mich fast nie, weil meine Fahrtzeit – wenn die Fahrt ohne Zwischenfall verlief – nur sechszehn Minuten betrug.

Auf halbem Weg stieg eine Mutter zu und schob ihren Kinderwagen in meine Richtung. Ich hörte sie in klarem, akzentfreien Deutsch sprechen: „Setzt euch dort hin oder haltet euch hier gut fest!“ Unter dem Taschenbuch, in das ich meine Nase gesteckt hatte, sah ich zunächst die Räder des Kinderwagens und dann ein kleines Mädchen mit nicht ganz heller Gesichtsfarbe und pechschwarzem Haar.

Dann wieder die Stimme der Mutter, die Anweisungen gab, so dass ich schließlich meinen Blick von meinem Buch löste, um die Szenerie zu begutachten. Etwas seitwärts von mir stand vor dem Kinderwagen eine hochgewachsene, schlanke und knochig-derbe Frau, schätzungsweise etwas mehr als einsachtzig groß. Sie hatte ein unauffälliges, ungeschminktes Gesicht und mochte Anfang dreißig sein. Gekleidet war sie in einen rostroten Frauenkaftan, der nur ihr Antlitz sichtbar ließ.

Ich tat uninteressiert, konnte mich aber auf mein Buch nicht mehr konzentrieren und spähte die Szenerie weiter aus.

Das kleine Mädchen hatte außer dem Baby im Kinderwagen noch einen älteren Bruder, etwa sechs Jahre alt, der sich mächtig für den Mechanismus der Türöffnung interessierte. Da kam von der Mutter der Befehl: „Nein, nicht drücken! Wir steigen noch nicht aus.“ Sie musste ihrer Anordnung noch zweimal Nachdruck verleihen, um den Racker zurückzuhalten. Damit war ich meines letzten Zweifels enthoben: Diese Frau im moslemischen Gewand war eine Deutsche!

Ich weiß nicht, ob ich erstaunt, geschockt oder irritiert darüber war. An der Haltestelle Offenbach-Marktplatz stieg die Frau mit ihren Kindern aus. Das war weniger verwunderlich, denn Offenbach hatte für Zuwanderer aus aller Herren Länder schon immer ein großes Herz.

Seitdem berührt mich die Frage, wie groß die Liebe einer Frau zu einem Mann sein kann, dass sie mit der eigenen Tradition bricht und sich in Kleidung hüllt, die deutschen Kindern Angst einjagt, weil sie denken, da ist ein Gespenst von einer Burg geschwebt, um Unheil anzurichten. Und wie wenig Liebe ein Mann für seine Frau hat, dass sie sich so entfremden muss.

Noch mehr treibt mich die Frage um, ob hier nicht eine Unterwanderung stattfindet, denn dies war mein dritter Fall in zwei Jahren, kaftanverhüllten Frauen zu begegnen – nur hatte ich in den ersten beiden Fällen nicht feststellen können, ob diese Frauen Deutsch sprachen.

Denn eins weiß ich genau: Die Frauen der zugewanderten Türken, Perser und sonstigen Vorder- und Mittelorientalen kleideten sich noch vor wenigen Jahren völlig normal und nach europäischem Verständnis unauffällig.

Vielleicht ist es an der Zeit, aus dem Tiefschlaf zu erwachen.

4. Mai 2014
by Ilka-Maria
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Alt 04.05.2014, 09:53   #2
weiblich Ex WEISSschwarz
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Es gibt auch muslimische Frauen, die in Deutschland geboren sind - das wäre auch eine Erklärungsmöglichkeit.

Unterwanderung , ja daran habe ich auch schon gedacht. Mehrere Bekleidungsgeschäfte hier in der Stadt führen nur noch Burkas - stell Dir vor ! Ich überlege mir, ob ich auswandern soll - nur wohin ??
Die Muslime sind doch überall.


WEISSschwarz
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Alt 04.05.2014, 10:01   #3
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Zitat:
Zitat von WEISSschwarz Beitrag anzeigen
Es gibt auch muslimische Frauen, die in Deutschland geboren sind - das wäre auch eine Erklärungsmöglichkeit.
Ja, das stimmt, und das hatte ich auch berücksichtigt. Aber diese Frau hatte nicht die fremdländische Sprachfärbung, an der man die Herkunft bzw. das Elternhaus feststellen könnte. Zum Beispiel sprechen Türken in deutscher Sprache nach einer bestimmten Intonation, und sie sprechen die Zischlaute noch stärker aus als die Deutschen.

Diese Frau in der S-Bahn sprach aber ein völlig akzentfreies Deutsch.
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Alt 07.06.2014, 20:55   #4
openminded
 
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und was, wenn diese Frau völlig freiwillig "mit der eigenen Tradition gebrochen hat" und sehr sehr glücklich in ihrem jetzigen Leben ist? Wenn sie für sich entschieden hat, dass sie ihr Lebensglück in dieser Religion findet? Vielleicht "entfremdet" diese Frau sich gern, ohne Druck ihres Partners? Wir sind alle unseres eigenen Glückes Schmied. Grundsätzlich denke ich, dass es schwierig ist über Menschen/Situationen/Dinge/Verhaltensweisen zu urteilen, ohne diese näher zu kennen.
Und mir hat diese Kleidung als "deutsches" Kind nie Angst eingejagt.
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Alt 07.06.2014, 21:34   #5
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Zitat:
Zitat von openminded Beitrag anzeigen
und was, wenn diese Frau völlig freiwillig "mit der eigenen Tradition gebrochen hat" und sehr sehr glücklich in ihrem jetzigen Leben ist? Wenn sie für sich entschieden hat, dass sie ihr Lebensglück in dieser Religion findet?
Davon gehe ich aus, dass es - oberflächlich gesehen - ihre freie Entscheidung war, sehr wahrscheinlich aus dem einfachsten Grund dieser Welt: aus Liebe zu ihrem Mann.

Von Nahem besehen ist es aber keine freiwillige Entscheidung, sondern die Voraussetzung, einen moslemischen Mann zu heiraten und mit ihm eine Familie zu gründen. Da muss schon die Frage gestattet sein, weshalb nicht der Mann mit seiner Tradition bricht, wenn er eine deutsche Frau heiraten will und gedenkt, weiterhin in Deutschland zu leben.

Offensichtlich ist Frauen mit einem übergroßen Anpassungspotential nicht bewusst, was passieren kann, wenn es in ein paar Jahren in einer solchen Ehe nicht mehr so gut läuft. Ich habe das bei einer Kollegin beobachten können, die mit einem Ägypter verheiratet ist. Als sie eines Tages mit einem zerfetzten Ohr ins Büro kam - das Ohrläppchen war abgerissen -, traute ich mich zu fragen und bekam eine verheerende Leidensgeschichte zu hören. Sie gab auf Drängen ihres Mannes den Job wieder auf und verkroch sich. Gründe: Sie fürchtete um ihr Leben und darum, dass ihr der Sohn weggenommen würde. Außer körperlichen Mißhandlungen hörte sie jeden Tag die Beleidigung: "Ihr Scheißdeutschen!" Sie war auf Gedeih und Verderb dem Familienclan ihres Mannes ausgeliefert. Das war mal eine Liebesheirat gewesen.
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Alt 07.06.2014, 22:08   #6
Thing
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Zitat:
Zitat von Ilka-Maria Beitrag anzeigen

Von Nahem besehen ist es aber keine freiwillige Entscheidung, sondern die Voraussetzung, einen moslemischen Mann zu heiraten und mit ihm eine Familie zu gründen. Da muss schon die Frage gestattet sein, weshalb nicht der Mann mit seiner Tradition bricht, wenn er eine deutsche Frau heiraten will und gedenkt, weiterhin in Deutschland zu leben.
Ganz einfach:
Weil einem eingefleischten Moslem die Frau (sowieso nicht auf seiner Stufe!) niemals sowichtig sein wird wie sein Glaube.
Niemals würde er so eines Geschöpfes wegen den Glauben an Allah "verraten"!

Ich erinnere mich an Zeiten, als die ersten türkischen "Fremdarbeiter" auch in der Provinz ankamen:
Die auch in glühender Sommerhitze fest eingewickelten Duennas mußten, mit den Aldi-Tüten oder Edeka-Tüten oder den Kaufhalle-Tüten (ist doch sowas von egal!) bepackt zwei oder drei Schritte hinter ihren Paschas herdackeln.

Antlitz zeigen?
Aber nein!
Einen kleinen Streifen der Stirn.
Die Wangen und das Kinn.
Noch ist die Burka hier kein Muß.


Und wenn ich in TV-Dokumentationen eine deutsche Muslima beteuern höre, daß sie es richtig findet, ihr Haar allen Blicken zu entziehen, weil das ein Kennzeichen wahren Glaubens ist ...
(der Anblick der Haare könnte in anderen Männern unzüchtige Gedanken wecken..)

igitt!


Übrigens:
Vor sehr vielen Jahren sah ich ein Interview mit jungen Moslems.
Sie waren sozusagen "wild" auf unverschleierte Mädels. Die darf man als Moslem auch anmachen, denn die fordern es heraus. (europäisches Freiwild)
Aber sie würden nie ein unverschleiertes Mädel, das sie "angebufft" haben, heiraten, denn das hat es nicht verdient.



Warum deutsche Frauen sich zu Muslimas machen lassen - das wird mir auf immer verschlossen und unverständlich bleiben.

Thats the Love?
Dann ist der Verstand perdu.
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Alt 07.06.2014, 22:23   #7
weiblich Ilka-Maria
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Aus Dir spricht großer Zorn - zu recht.

Aber es gibt auch Lichtblicke.

Ich hatte mal eine Kollegin, die mit einem moslemischen Türken verheiratet war. Der Typ war völlig der deutschen Lebensweise angepasst. Nur wenn die beiden zu seinen Eltern in die Türkei fuhren, musste sich meine Kollegin entsprechend "benehemen". Das war für eine absehbare Zeit bestens zu bewältigen. Schauspielkunst.

"And the winner is ... "

Der Oscar ging an meine Kollegin, denn sie hatte ihr Leben im Griff. Und ihr Mann hatte offensichtlich zwei Kulturen im Griff. Auch dafür einen Oscar!
Ilka-Maria ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 07.06.2014, 22:29   #8
Thing
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Zitat:
Zitat von Ilka-Maria Beitrag anzeigen
Aus Dir spricht großer Zorn - zu recht.

Aber es gibt auch Lichtblicke.

Ich hatte mal eine Kollegin, die mit einem moslemischen Türken verheiratet war. Der Typ war völlig der deutschen Lebensweise angepasst. Nur wenn die beiden zu seinen Eltern in die Türkei fuhren, musste sich meine Kollegin entsprechend "benehemen". Das war für eine absehbare Zeit bestens zu bewältigen. Schauspielkunst.

"And the winner is ... "

Der Oscar ging an meine Kollegin, denn sie hatte ihr Leben im Griff. Und ihr Mann hatte offensichtlich zwei Kulturen im Griff. Auch dafür einen Oscar!

Eine Ausnahme!
Sie bestätigt die Regel.
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Alt 21.06.2014, 09:07   #9
männlich TheLazyBum
 
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Beiträge: 47


Tolle Geschichte, die schön geschrieben ist!
Einzig, dass diese Aufmachung Kinder beängstigen würde, will mir nicht ganz zusagen, allerdings unterhalte ich mich leider mit Kindern nicht allzu oft über derartige Themen, also mag das wohl so sein.

Auch das daraus entstandene Gespräch finde ich interessant, ist es doch heute präsenter als sonst.
Ich finde, wenn man in einem Land lebt, sollte man sich weitestgehend anpassen, der eigene Glaube darf ja ruhig mitgebracht und ausgelebt werden, soweit er sich mit der hiesigen Kultur vereinen lässt, genauso wie die häuslichen Sitten.
Jemanden zu verletzen mag vielleicht in orientalischen Ländern aktzeptiert und üblich sein, doch hier nicht, weshalb das eine Unart ist, die in meinen Augen nicht tolleriert werden darf.

Und in den meisten Fällen ist eine deutsche Frau doch auch mit der deutschen Kultur zufrieden, wenn dem nicht so wäre, gäbe es allgemein viel mehr Ein- und Auswanderer. Man fühlt sich eben wohl in der Kultur, in der man aufwuchs.
Daher ist im ersten Moment immer der Schluss aus der Geschichte zu ziehen, dass die Frau dazu gedrängt wurde und es nicht von sich aus so handhabt.
Deshalb gefällt mir die Geschichte ebenfalls, es ist eine Situation, die einem nicht sehr unwahrscheinlich im Alltag passieren kann...
TheLazyBum ist offline   Mit Zitat antworten
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