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Alt 31.07.2022, 23:38   #1
weiblich aprilwetter
 
Dabei seit: 07/2022
Beiträge: 1

Standard Der unerwünschte Gast

Hallo,

hast du Lust, von mir geküsst zu werden? Vielleicht auf all deine Narben und Wunden, die du hast und die du haben wirst. Es wäre für mich, als würde ich eine Blume gießen und ihre verwelkten Blüten entfernen. Du bist keine pflegeleichte Blume und deswegen möchte ich dich küssen. Doch viel mehr möchte ich, dass du die Begierde spürst, die meine Küsse ungeduldig ruft. Ich bin nicht die Zeit. Das wirst du merken, wenn sich meine Lippen von deinen Wunden verabschieden. So füge ich dir mehr Leid zu, als du schon hast. Es tut mir nicht leid, dass du das Gegenteil erwartet hast. Jetzt sehnst du dich nach mir, mehr als je zuvor. Ich verlasse dich und die verwelkten Blüten, die ich behalten habe, darfst du haben. Nicht nur deine, sondern auch meine. Ich nehme mir deine Freiheit, um mich frei zu fühlen. Morgen bin ich so verbittert von mir selbst, dass ich immer wieder zu dir zurückkehre. Ich bereue es dich kennengelernt zu haben. Du bist Schuld. Du hast mir das angetan. Wie kannst du mich jetzt alleine lassen?

Auf Wiedersehen. Immer und immer wieder.
aprilwetter ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 03.08.2022, 16:24   #2
männlich dr.Frankenstein
 
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Alter: 39
Beiträge: 4.971

Ja so sieht man sich wieder. Also nicht ich, aber die lyrischen Lyrer
dr.Frankenstein ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 04.08.2022, 19:48   #3
männlich Tristanhirte
 
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Dabei seit: 12/2021
Beiträge: 128

Hallo,

ein nicht uninteressanter Text. Womöglich hätte sich die Person gefreut, derartiges auch persönlich zu erhalten. Ich steck da ja nicht drin, aber mangelhafte (oder überhaupt gar keine) Kommunikation kann ja ziemlich problematisch enden. Zumindest hätte so vielleicht die Chance bestanden, die Person zu halten. Ich wage das mal hineinzudeuten, verzeih mir, falls ich falsch liege.

Liebe Grüße
Tristanhirte ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 04.08.2022, 20:23   #4
Paul Morphy
 
Dabei seit: 07/2022
Beiträge: 19

Hi Tristanhirte..


ich würde mich darüber nicht freuen:

"So füge ich dir mehr Leid zu, als du schon hast. Es tut mir nicht leid, dass du das Gegenteil erwartet hast"

Finde das eher Fragwürdig.


"Du bist Schuld. Du hast mir das angetan. Wie kannst du mich jetzt alleine lassen? "

Warum ist er Schuld? Was hat er gemacht?
Paul Morphy ist gerade online   Mit Zitat antworten
Alt 05.08.2022, 07:55   #5
männlich Tristanhirte
 
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Dabei seit: 12/2021
Beiträge: 128

Moin Paul Morphy

ich würde das mal als Gedankenfetzen einordnen, nicht jeder reflektiert schließlich in jeder Situation alles bis zum Ende durch. Manche leider auch über längere Abschnitte (sicher nicht an die Autorin gerichtet, ich stecke da ja gar nicht drin).
Tristanhirte ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 05.08.2022, 10:06   #6
weiblich Ilka-Maria
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Ort: Arrival City, auf der richtigen Seite des Mains
Beiträge: 27.451

Zitat:
Du bist Schuld.
Wieso wird das (auch in anderen Fäden neueren Datums) permanent groß geschrieben? Das ist ein Adjektiv, kein Substantiv.
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Workshop "Kreatives Schreiben":
http://www.poetry.de/group.php?groupid=24
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Alt 05.08.2022, 10:11   #7
Paul Morphy
 
Dabei seit: 07/2022
Beiträge: 19

Hi Ilka

"Heute wird "Schuld" immer großgeschrieben, wenn es den Charakter eines Hauptwortes hat:"

https://www.spiegel.de/kultur/zwiebe...-a-437082.html

Aber ja, In dem Fall von oben muss es klein sein.


Es ist deine Schuld! (wäre mit Schuld gross korrekt).
Paul Morphy ist gerade online   Mit Zitat antworten
Alt 05.08.2022, 12:32   #8
männlich dr.Frankenstein
 
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Ort: Zwischen den Ostseewellen ertrunken
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Beiträge: 4.971

Wenn sich jemand mit der Schuld identifiziert, ist sie Schuld. Also ein Objekt, aber wenn jemand schuld hat, besitzt er sie als Eigenschaft.
Komischerweise, wenn man das umkehrt, klappt das Gedankenspiel nicht.
Ich bin unschuldig, bleibt eine Eigenschaft.

Vermutlich wegen der Überhöhung des Negativen.
Das ist ja in Mode gekommen, schuldig sein nich mehr als eine Eigenschaft von vielen zu sehen, die das Ergebnis vieler Komponenten ist.
Nein.
Die neue Art der Erbschuld.
dr.Frankenstein ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 05.08.2022, 13:12   #9
männlich Tristanhirte
 
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Beiträge: 128

Zitat:
Zitat von dr.Frankenstein Beitrag anzeigen
[…] wenn man das umkehrt, klappt das Gedankenspiel nicht.
Ich bin unschuldig, bleibt eine Eigenschaft.
Man kann auch Unschuld „besitzen“, aber das klänge behämmert: „du bist Unschuld.“ Das Spruch er/sie/es sei die reine Unschuld hingegen ist gar nicht so ungebräuchlich. Somit wäre eine „Verobjektivierung“ auch von der anderen Seite möglich. Wobei eine Eigenschaft eigentlich kein Objekt ist, vielmehr müsste man in solchen Fällen von einer kurzfristigen Herabsetzung oder Überzeichnung sprechen. Der „Verobjektivierungscharakter“ kommt vielmehr durch die Subsumtion unter allgemein gebräuchliche Termini bei gleichzeitiger Auslassung der restlichen persönlichen Eigenschaften zustande.
Tristanhirte ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 05.08.2022, 13:36   #10
weiblich Ilka-Maria
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Ort: Arrival City, auf der richtigen Seite des Mains
Beiträge: 27.451

Zitat:
Zitat von dr.Frankenstein Beitrag anzeigen
Wenn sich jemand mit der Schuld identifiziert, ist sie Schuld.
Völlig falsch. Im Duden steht es anders herum. Nach dem, was jemand ist, fragt man "wie ist er", nämlich gut, schlecht, schuld, schuldig oder unschuldig, brav oder frech, weil das nämlich Eigenschaften sind, und deshalb sind diese Wörter Eigenschaftswörter. Deshalb steht die Redewendung "schuld sein" im Duden klein geschrieben.

Bei Schuld haben handelt es sich indessen um ein Substantiv, nämlich um ein Objekt im Akkusativ, und deshalb wird es in diesem Fall groß geschrieben. Auch im Duden.

Wenn man seine Grammatik kennt, braucht man den Duden allerdings nicht, dann kommt man von selber auf die logischen Erklärungen.

Wenn hier nicht erst kürzlich gewettert worden wäre gegen die mangelhafte "Forenkultur", hätte ich eiskalt darüber weggesehen, weil es mir eigentlich egal sein kann, wenn sich User ihre persönliche Rechtschreibung und Grammatik aus dem Blauen holen und als richtig einreden. Blöd ist halt nur, wenn der oder die Meckerer die Rechtschreibung nicht besser beherrschen als die User, die sie deswegen getadelt haben.

Von mir aus kann jeder schreiben, wie er will. Wie heißt es so schön: Die Sprache gehört dem Volk.
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Alt 05.08.2022, 15:04   #11
Paul Morphy
 
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Danke Ilka für die PM. Ich glaube, ich verstehe die Forumskultur hier inzwischen etwas besser.
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Alt 05.08.2022, 20:10   #12
männlich dr.Frankenstein
 
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Spannendes Thema, also sind Eigenschaften eigentlich das was man ist und nicht das was man hat. Ist ja dann eigentlich ein paradoxer Zwiespalt in der Sprache.
Weil man ja dann wieder sagt: ich habe Eigenschaften.
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Alt 06.08.2022, 05:18   #13
weiblich Ilka-Maria
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Zitat:
Zitat von dr.Frankenstein Beitrag anzeigen
Spannendes Thema, also sind Eigenschaften eigentlich das was man ist und nicht das was man hat. Ist ja dann eigentlich ein paradoxer Zwiespalt in der Sprache.
So isses, Frankie, sehr scharfsinnig rekrutiert: Ist-Zustände sind Eigenschaften, und das, was man hat, ist Eigentum oder Besitz (was nicht dasselbe ist, denn da gibt es einen semantischen Unterschied). Paradox oder zwiespältig ist daran überhaupt nichts, sondern die Zuordnungen, was ein Adjektiv und was ein Substantiv (auch "Nomen" genannt) ist, sind kristallklar.

Spanned ist daran ebenfalls nichts, denn was ein Adjektiv = Eigenschschaftswort ist, lernt man bereits in der Grundschule. Oder auch ein Adverb. Ein Adjektiv bezeichnet die Eigenschaft eines Subjekts oder Objekts, das Adverb die Eigenschaft einer Handlung (deshalb steht es beim Verb). Nach einem Satzteil, der ein Adjektiv oder ein Adverb enthält, fragt man: "Wie ist etwas?" bzw. "Wie wird etwas gemacht?" Das nennt man "Modalbestimmung" oder auch "Umstandsbestimmung des Wie bzw. der Art und Weise" (Lernstoff der 8. bis 9. Realschulklasse).

Umstandsbestimmungen, mit denen man Satzteile bestimmt, gibt es vier, nämlich:

Temporalbestimmung ( Wann? Wie lange? usw.)
Lokalbestimmung (Wo?/-hin?, -her? usw.)
Modalbestimmung (Wie?)
Kausalbestimmung (Warum?)

So, kleiner Exkurs in Grammatik, der hoffentlich die unnütze Debatte über die Groß- und Kleinschreibung beendet. Es ist und bleibt nun einmal ein Adjektiv, "an etwas schuld zu sein" oder "jemandem etwas schuldig zu sein", wie es auch ein Substantiv bleibt, "eine Schuld auf sich geladen zu haben".

Mein einziger Kummer ist das nicht. Es gibt ja auch ein Heer an Schreibern im Forum, die meinen, Pronomen (die gleichzeitig unbestimmte Zahlwörter sind), groß schrieben zu müssen, was kompletter Unfug ist: die anderen, die einzelnen, die vielen, die wenigen usw. sind keine Substantive, und daran ändert sich auch nichts, wenn ein Artikel davor steht. Pronomen schreibt man klein. Es käme ja auch niemand auf die Idee, er/sie/es/wir/ihr/sie groß zu schreiben - es sei denn, es handele sich um Gottheiten.

Wer sich Sprache unter den Nagel reißt, egal ob im Beruf oder als Hobby, sollte sie kennen und mir ihr umgehen können. Es steigt ja auch niemand auf ein Fahrrad, wenn er nie gelernt hat, darauf die Balance zu halten und deshalb Gefahr läuft, ständig auf die Schnauze zu fallen.
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