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Tanka-, Haiku- & Senryu-Gedichte Ursprünglich japanische Gedichtformen mit wachsender Beliebtheit.

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Alt 16.03.2011, 13:00   #1
männlich Fridolin
 
Dabei seit: 04/2010
Beiträge: 1.021

Standard Noch ein Haiku(versuch)

Wir fällen Bäume
und verbreitern die Straßen
Schneller ins Grüne
Fridolin ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 16.03.2011, 13:35   #2
Ex-Odiumediae
abgemeldet
 
Dabei seit: 07/2010
Beiträge: 1.152

Der Widerspruch ist genial zusammengefasst. Allerdings finde ich, dass das Haiku hierfür nicht die richtige Gedichtform ist. Sie ist eher dazu geeignet, ein Gefühl der Verbundenheit mit der Natur oder einer Emotion in einer Momentaufnahme festzuhalten.

Natürlich kann ich auch etwas missverstanden haben. Hast du vielleicht diese Ironie durch die Wahl des Haikus als Gedichtform unterstreichen wollen? Denn immerhin ist der Inhalt auch in zynischer Weise ironisch.

Nichtsdestotrotz, ich finde die Wortwahl, den Ausdruck und die Informationsfülle, besonders in Anbetracht der wenigen zur Verfügung stehenden Silben, geradezu perfekt.
Ex-Odiumediae ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 16.03.2011, 13:56   #3
männlich PeterB
abgemeldet
 
Dabei seit: 11/2010
Beiträge: 236

Ich sehe das ähnlich wie Odiumediae. Technisch ist das ein Haiku, aber dennoch ist es kein Haiku. Gerade in der japanischen und chan-buddhistischen Lyrik kenne ich mich aufgrund einiger sehr guter Freunde aus diesem Kulturkreis recht gut aus. Kein japanischer Haiku-Dichter käme auf die Idee, Gesellschaftskritik in ein Haiku zu packen. Es würde ihn schütteln.

Wie gesagt: Technisch richtig, gut, sauber; auch der lakonische Schlußsatz gefällt mir. Aber es ist kein Haiku. Auch kein "New haiku" ;-)

Gruss

P.
PeterB ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 16.03.2011, 15:16   #4
männlich Fridolin
 
Dabei seit: 04/2010
Beiträge: 1.021

Ich sehe das genauso. Ich habe mich mit dieser Gedichtform noch nicht so eingehend befasst, fand es aber interessant, eine mir vorschwebende Aussage auf solche Art zu verdichten.

Also kein Widerspruch.

LG Fridolin
Fridolin ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 16.03.2011, 15:20   #5
weiblich marlenja
 
Dabei seit: 11/2010
Beiträge: 3.206

Gefällt mir diese Art von Gedicht: Kurz und bündig.

Darf ich auch mal versuchen, hier bei Dir ?

Nächtlicher Himmel
Funkelst tonlos uns herab
Verborgenes Wort
marlenja ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 16.03.2011, 18:41   #6
männlich Ex-Schamanski
abgemeldet
 
Dabei seit: 12/2010
Beiträge: 2.884

Marlenja!

Ein Haiku soll den Geist des ZEN atmen. Nicht den Heiligen.

(Grenzenlos offen! Nichts Heiliges!)
Ex-Schamanski ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 16.03.2011, 19:04   #7
Thing
R.I.P.
 
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Dabei seit: 05/2010
Alter: 74
Beiträge: 35.127

Halli Hallo, Fridolin -

ich selbst habe mich hin und wieder am Haiku versucht.
Meine "Vorgabe" war:

Eine Beschreibung einer Momentbetrachtung in der Flora.

Ohne Faunisches. Obwohl ich dort auch Faltermäßig sehr versucht war.
Wie streng die Regeln heute sind, weiß ich nicht.

Aber ein Schmetterling, der in meinen Augen selbst Blüte ist, wenn er ruht, ist m.E. als "Accesoire" schön!

Thing
Thing ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 16.03.2011, 19:43   #8
männlich PeterB
abgemeldet
 
Dabei seit: 11/2010
Beiträge: 236

Lieber Thing,

gewisse Tiere dürfen sein ;-) Selbst Meister Matsuo Bashō (1644–1694) machte den "Frosch" unsterblich.

P.
PeterB ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 16.03.2011, 20:11   #9
weiblich marlenja
 
Dabei seit: 11/2010
Beiträge: 3.206

Standard Schamansky

Seit Wochen lese ich täglich, Zen-Sprüche...*lach*

Von den Silben her, ist es ein richtiger Haiku,
das, was ich gebastelt habe, heute?
marlenja ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 16.03.2011, 21:07   #10
männlich Caliban
 
Benutzerbild von Caliban
 
Dabei seit: 02/2007
Ort: Zuhause in jeder guten Bar
Beiträge: 553

Ja, 5-7-5.
Caliban ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 16.03.2011, 22:45   #11
männlich Fridolin
 
Dabei seit: 04/2010
Beiträge: 1.021

Ich habe, wie schon gesagt, wenig Erfahrung im Umgang mit Haikus. Deshalb bin ich auch durchaus überzeugt auf die Linie von Odieumediae und PeterB. eingeschwenkt, die gesellschaftskritische Inhalte für die Haikus als Gedichtform ausschließen. Nach meinen Recherchen scheint mir diese Meinung doch etwas zu apodiktisch. Eine von mir gefundene Quelle schreibt dazu:

„Das deutschsprachige Haiku zeigt im allgemeinen deutlich weniger gesellschaftskritische, politische, soziale Elemente als das moderne japanische, soweit ich das überblicken konnte. Eine der Ausnahmen sind Haiku von Uli Becker. Im hiesigen Haiku dominiert noch immer der Bezug zur Natur (einschließlich der Jahreszeiten), sei sie intakt oder im Gegensatz zur Zivilisation oder schädlichen Einflüssen ausgesetzt.“

Einige Beispiele japanischer Haikus mit sozialkritischem oder surrealistischem Hintergrund:

Hosoya Genji (1906-1970)

Beim Turnen in der
Fabrik tritt meinen Schatten
der Vorarbeiter.


Saito Sanki (1900-1962)

Ein Maschinengewehr –
inmitten der Stirn
blüht rot eine Blume.


Kaneko Tota (geb. 1919)

Nach einer hitzigen Diskussion
gehe ich auf die Straße
und werde ein Motorrad

In der o.a. Dokumentation heiß es weiter:


„Welche Rolle spielen Natur und Jahreszeit im heutigen deutschsprachigen Haiku? Welche Tendenzen sind erkennbar? Der moderne Naturlyriker ist auf Distanz zu den Dingen der Natur, auf der Suche der Annäherung, kann Natur nur über Erinnerung wiederherstellen, findet keine Geborgenheit in ihr, findet sie statt heil zerstört. Natur hat sich in Umwelt verflüchtigt. Uli Becker deckt die Situation schonungslos auf:

Pinkel besser hier!
Bis zu Hause findest du
weder Baum noch Strauch.

Ewig nicht gemäht –
macht man sich keinen Begriff,
was da kreucht und fleucht!

Vergiss den Apfel
Die Banane ist gepellt
Ich Tarzan, du Jane

Abschließend möchte ich sagen: Ich finde die Gedichtform Haiku wegen ihrer Verdichtungsmöglichkeit so interessant, dass ich noch etwas damit experimentieren möchte, ohne die Ergebnisse als Haiku zu bezeichnen. Ist das soweit ok?

marlenja,

dein Nachthimmel ist formal in Ordnung.

Liebe Grüße
Friedhelm
Fridolin ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 16.03.2011, 22:49   #12
Ex-Odiumediae
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Dabei seit: 07/2010
Beiträge: 1.152

Zitat:
Zitat von Fridolin Beitrag anzeigen
Hosoya Genji (1906-1970)

Beim Turnen in der
Fabrik tritt meinen Schatten
der Vorarbeiter.


Saito Sanki (1900-1962)

Ein Maschinengewehr –
inmitten der Stirn
blüht rot eine Blume.
Genial. Einfach genial. Ich muss mich mit dem Thema auch einmal tiefer befassen.
Ex-Odiumediae ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 16.03.2011, 22:54   #13
weiblich Ilka-Maria
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Fridolin, das ist ja schon beinahe Stoff für eine Dissertation. Ich wußte nicht, daß sich das Haiku von der Naturebene so weit in andere Gebiete hinein begeben hat.
Ilka-Maria ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 17.03.2011, 00:18   #14
weiblich Rosenblüte
abgemeldet
 
Dabei seit: 05/2010
Beiträge: 2.164

Das war mir auch neu. Von daher ist dein Gedicht ein astreiner Haiku.
Ob Haiku oder nicht, es gefällt mir.

Lieben Gruß
Rosenblüte
Rosenblüte ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 17.03.2011, 08:33   #15
männlich PeterB
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Dabei seit: 11/2010
Beiträge: 236

Fridolin,

falls Dich diese Kurzform interessiert, googel mal nach "Chan-Lyrik". Die ist formal weniger streng, darf durchaus auch mal nur 2 oder auch 6, 7 oder 8 Zeilen haben, verdichtet aber auch sehr stark.

Ein hervorragendes Werk (3 Bände) zu diesem Thema ist von Wagner:

Die Lyrik des Chan

Gruss

P.
PeterB ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 17.03.2011, 08:52   #16
weiblich marlenja
 
Dabei seit: 11/2010
Beiträge: 3.206

Standard Friedhelm

Zitat:
Zitat von Fridolin Beitrag anzeigen
Ist das soweit ok?
Ja !

Vielleicht erkennt
der eine dann
aus Deiner Verdichtung
einen echten Haiku
und freut sich

(Danke euch beiden für eure Antwort)
marlenja ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 19.03.2011, 21:42   #17
männlich Fridolin
 
Dabei seit: 04/2010
Beiträge: 1.021

Zitat:
Zitat von PeterB Beitrag anzeigen
Fridolin,

falls Dich diese Kurzform interessiert, googel mal nach "Chan-Lyrik". Die ist formal weniger streng, darf durchaus auch mal nur 2 oder auch 6, 7 oder 8 Zeilen haben, verdichtet aber auch sehr stark.

Ein hervorragendes Werk (3 Bände) zu diesem Thema ist von Wagner:

Die Lyrik des Chan

Gruss

P.
Vielen Dank für den Buchhinweis.

Mit neuen Büchern habe ich so meine Probleme. Meine Frau hat vor ein paar Jahren eine Zeitschrift abonniert mit dem Titel "Simplify Your Life". Seither versuchen wir, die dort vorgeschlagenen Maßnahmen umzusetzen. Da bei uns die Bücherregale fast überquellen, werden neue Bücher nur angeschafft, wenn dafür andere ausgesondert werden. Wir haben übrigens die Zeitschrift nach einem Jahr wieder abbestellt und bekommen immer wieder Angebote, sie doch wieder zu abonnieren. Ich habe dem Verlag geantwortet, dass wir unser Leben inzwischen so vereinfacht haben, dass wir auch auf die Zeitschrift verzichten können.

Liebe Grüße
Friedhelm
Fridolin ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 20.03.2011, 05:15   #18
weiblich Ilka-Maria
Forumsleitung
 
Benutzerbild von Ilka-Maria
 
Dabei seit: 07/2009
Ort: Arrival City, auf der richtigen Seite des Mains
Beiträge: 21.887

Fridolin, vergiß es!

Ich bin seit einem halben Jahr dabei, mir das Leben leichter zu machen, habe aus den Kleiderschränken und Bücherregalen aussortiert und mich von nutzlosen Geschenken getrennt, mit denen man es einmal gut mit mir gemeint hatte. Ergebnis: Alles ist immer noch proppevoll. Ich verstehe es nicht!

LG
Ilka-M.
Ilka-Maria ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 20.03.2011, 09:40   #19
männlich PeterB
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Dabei seit: 11/2010
Beiträge: 236

Zitat:
Zitat von Fridolin Beitrag anzeigen
Da bei uns die Bücherregale fast überquellen, werden neue Bücher nur angeschafft, wenn dafür andere ausgesondert werden.
Das bewundere ich, und ich wünschte, ich hätte vor 30 oder 40 Jahren mit dieser Disziplin auch begonnen. Wir ziehen zur Zeit um bzw. sind in der unmittelbaren Phase vor dem Umzug: Es wird ein Umzug vom äussersten Westen NRWs in den äussersten Osten Bayerns, und wir müssen 5000-6000 Bücher und Bilder von hier nach dort transportieren lassen (600 km). Allein dafür brauchen wir einen eigenen LKW, und einen zweiten für den "Rest". Aber wir können beide nicht ohne Bücher leben. Zwei Büchersüchtige schaffen in einer fast 40jährigen Ehe meistens sogar NOCH mehr an, so dass wir in Kollegenkreisen schon fast als "diszipliniert" gelten

Deine Antwort an den Verlag ist herrlich...

Gruss

P.
PeterB ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 20.03.2011, 09:44   #20
männlich PeterB
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Dabei seit: 11/2010
Beiträge: 236

Zitat:
Zitat von Ilka-Maria Beitrag anzeigen
Fridolin, vergiß es!

Ich bin seit einem halben Jahr dabei, mir das Leben leichter zu machen, habe aus den Kleiderschränken und Bücherregalen aussortiert und mich von nutzlosen Geschenken getrennt, mit denen man es einmal gut mit mir gemeint hatte. Ergebnis: Alles ist immer noch proppevoll. Ich verstehe es nicht!
Besonders Geschenke, die es gut mit einem meinen sollten, haben die Eigenart, sich in dunklen Ecken zu vermehren. Ich glaube, sogar per Parthenogenese. Von Büchern wird so etwas auch gesagt...

Gruss

P.
PeterB ist offline   Mit Zitat antworten
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