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Sonstiges und Experimentelles Andersartige, experimentelle Texte und sonstige Querschläger.

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Alt 03.07.2012, 21:14   #1
weiblich Drachenfliege
 
Dabei seit: 07/2012
Ort: Loguetown
Alter: 21
Beiträge: 2

Standard Niemals mehr

Noch lange nicht fertig Viel Spaß beim Lesen! :P



An diesem grauen Januarmorgen schien die Wintersonne noch schwächer als sonst zu sein. Langsam, aber stetig kämpfte sie sich durch Wände aus Wolken, und schaffte es dann mit letzter Kraft durch das einzige Fenster im kleinen Raum, die Wände gepolstert, und keine erkennbare Tür.
Das einzige Möbelstück, ein billiges Krankenhausbett nahm etwa ein Drittel des Raumes ein, und das darauf liegende Mädchen, nahm etwa das ganze Bett ein, wobei ihre Füße sogar nicht mehr draufpassen würden, wenn sie sich nicht so klein zusammengerollt hätte. Tiefschwarze Haare bedeckten das Kissen und ihr schmales Gesicht. Sie sah so friedlich aus, wenn sie schlief.. Goldenes Licht umhüllte ihr Gesicht sanft, wie ein Heiligenschein, und die so unendlich traurigen Augen waren geschlossen.

XY ertappte sich beim darüber nachdenken, wie sich ihre Haut anfühlen würde. Sicher weich, und so rein wie sie aussah. Er schüttelte kurz den Kopf, trank einen Schluck Kaffee, und konzentrierte sich wieder auf den vor ihm liegenden (bedenklich schwankenden) Stapel Akten. Für die Videoüberwachung war er nicht zuständig, aber endlich ein hübsches Mädchen, und dann auch noch SO hübsch und in HD… Das war die beste Videoüberwachung die er kannte, und daher liebte er den Morgendienst. Auch wenn dieser um halb sechs anfing.

Die Schlafende kniff ihre Augen zusammen, eine Schweißperle lief ihren Nacken herunter. Sie zitterte, gefangen in einem Kampf gegen sich selbst, ihren einzigen und stärksten Gegner.
Und einen Moment später, schrak sie auf, und saß kerzengerade im Bett, wobei ihr Kopf die Decke um bedenklich kleinen Abstand verfehlte. Jegliche Friedlichkeit war verschwunden, und die Sonne bereits weitergezogen. Sie war wieder allein in der Dunkelheit, wie immer, wenn sie wach war.
Das Gefühl der Freude hatte sie schon längst vergessen. Ihr Gesicht war verschlossen, und ihre Augen, die wie das tiefe Meer blau waren, voller ungekannter, uralter Trauer. Trauer, die so groß, und älter als die Welt schien. Trauer, die sie umgab und ihr folgte, wie ein Schatten seinem Herrn. Nur dass dieser Schatten dunkler war, und kleineswegs Linderung vor der Hitze versprach.

„I-ich bin wach. Ich will zum Fenster.“ Ihre Stimme klang rau, und wie die eines Kindes, das gerade das Sprechen erlernt hatte, unerfahren. Und doch so weise, so uralt. Es war das erste Mal seit Monaten, dass sie sprach. Aber heute war etwas anders. Ein unbeschreibliches Gefühl lag in der Luft, sie kannte es nicht, und doch kam es ihr so vertraut vor. Eine Tür öffnete sich irgendwo in der steril weißen, gepolsterten Wand, und jemand in demselben weißen Kittel wie das Mädchen trug kam herein. Nur dass seiner besser geschnitten war, und er Schuhe trug. „H-h-hier entlang bitte..“ Blut lief aus seiner Nase, eine neue Farbe inmitten von Weiß und Schatten. Blutrot. Sie folgte ihm den Flur entlang, wobei ihre geschmeidigen Bewegungen keinen Laut verursachten.

Der Himmel war genau wie damals. An jenem einen Tag, an dem die Trauer in ihre Augen gekommen war , und aller Freude den Platz gestohlen hatte. An jenem Tag hatte es geschneit. Bilder tauchen vorn ihren Augen auf, und verschwinden sofort wieder. Eyo, wie er lacht. Eyo, wie er sie vor einer Straßengang rettete. Die Unzähligen Male, wo sie ihn rettete. Ihr wunderschönes Katana.
Winterhimmel. Eyo, wie er am Boden liegt, Blut aus einer Wunde genau am Herzen färbt den Schnee rot. Die Farben harmonieren miteinander. Schrecklich schön, Eyos dunkelblaue Haare, die geschlossenen grauen Augen, das blasse Gesicht, Blut und Schnee. Sie sieht sich selbst, sie war jünger, gerade 10. Ein Kind, mit der Trauer von heute in den Nachthimmel-Augen. Eine einzelne Träne rinnt über ihre Wange, und verschmilzt mit dem Schnee. Ihre Augen, so kalt, zu alt für den kleinen, eher zarten Körper. Sie hält Eyos Körper in den Armen, er fühlte sich so tot an. Sie war zu langsam gewesen, hatte die Kugel nicht stoppen können. Niemand von all den Menschen sagte etwas.
Nicht einmal der Schütze, der vorher so triumphierend geguckt hatte. Er hatte einen Verbrecher getötet, aber auch ein Kind, ein Bruder, ein Freund. Er wirkte friedlich in den Armen des kleinen, ganz in schwarz gekleideten Mädchens. Ihr Gesicht so weiß wie Schnee zwischen schwarzen Haaren und Mantel. „Remy, weißt du, mein Opa hat immer gesagt, man solle leben ohne zu bereuen. Man lebt schließlich nur einmal.
das hatte Eyo ihr gesagt, weil sie immer so traurig wirkte. Und sie begann zu lachen.
Und kaum war sie glücklich, nahm das Leben ihr alles, was sie liebte.
Sie stand vor dem Fenster, lange und regungslos, aber man konnte all die Gefühle spüren, die in ihr brodelten. Trauer und Verwirrung, Wut und Angst schienen alle fast greifbar im Raum. Sie hatte ihre Hände zu so festen Fäusten geballt, dass ihre ungeschnittenen Fingernägel sich in ihre Handfläche bohrten und die zarte Haut aufrissen. Warmes Blut tropfte auf den Boden, doch sie rührte sich nicht. Sie war so blass geworden, alle Muskeln verschwunden, mehr ein Schatten ihrer selbst. Aber sexy sah sie dabei immer noch aus.. fanden jedenfalls so gut wie alle Wärter. Was sie bei den Sitzungen mit verschiedenen Therapeuten tat, wusste keiner. Auf jeden Fall sprach sie nicht. Kein Wort, kein einziges Wort. Dieser Tag war wirklich ungewöhnlich. Als sie vor 3 Monaten hier ankam, war sie angeschossen gewesen, ohne Erinnerungen, und um es mal umgangsprachlich auszudrücken: Sie hatte keinen Plan von Garnichts. Sie wusste weder wer, noch wo sie war, was sie hier sollte, und wo sie herkam.
(Sie kannte noch nicht einmal Sachen wie Kühlschränke oder Handys(!!) , was XY am schlimmsten fand, denn eine Welt ohne Handy konnte er sich nicht vorstellen.)
Als sie begann, sich zu erinnern, wurde sie unkooperativ. Sprach nicht mehr, aß nicht, sie vegitierte einfach vor sich hin. Schien auf etwas zu warten, aber keine wusste worauf. Sie bekam Alpträume, war oft geistig ganz woanders. So wie sie jetzt war.
Drachenfliege ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 03.07.2012, 21:54   #2
männlich Ralfchen
 
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Beiträge: 12.852

willkommen, lieber flyer. warsu nicht schon mal hia?


Zitat:
An diesem grauen Januarmorgen schien die Wintersonne noch schwächer als sonst. Langsam hatte sie sich durch die dichten Wolkenvorhänge gekämpft und es geschafft, durch das Fenster in den kleinen Raum, mit gepolsterten Wänden ohne erkennbare Tür, zu scheinen.

Ein eisernes Krankenhausbett zierte als gesamtes Mobilar ein Drittel des Raumes. Das darauf liegende Mädchen bedeckte fast das ganze Bett, das für ihre Füße zu kurz gewesen wäre, hätte sie sich nicht zusammengerollt. Tiefschwarze Haare verdunkelten das Kissen rund um ihr kleines Gesicht. Das Bild war friedlich, weil sie schlief. Die mageren Sonnenstrahlen erhellten ihr Gesicht sanft. Sogar die dunkel umringten geschlossen Augen.
Ralfchen ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 04.07.2012, 18:01   #3
weiblich Drachenfliege
 
Dabei seit: 07/2012
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Alter: 21
Beiträge: 2

Nee.
Ich bin das erste Mal da..

Hab ich irgendwas falsch gemacht? D:

Und ne kleine Frage am Rande, wo hast du das Zitat her?
Drachenfliege ist offline   Mit Zitat antworten
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Stichworte
emotionen, erinnerungen, irre

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