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Alt 15.10.2020, 18:03   #1
männlich Fribeka
 
Dabei seit: 01/2019
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Beiträge: 53

Standard Der Minister kommt

Der Minister kommt

In zwei Tagen - ist es soweit,
die Firma ist - zum Empfang bereit.
Es hat der Minister - sich angesagt,
jetzt werden wir alle - durch die Gegend gejagt.
Der Urlaub und die Fenster - wurden gestrichen,
und das Klo - wird mehrmals geputzt,
keiner ist - von der Stelle gewichen,
haben gesäubert, - was alles verschmutzt.

Verflucht sei der Personenkult,
die Speichelleckerei,
was soll die Obrigkeitenhuld (Vorgesetztenhuld)
und die Schleimerei.
Ich hasse dieses Possenspiel,
es sabotiert mein Ehrgefühl.


Der Chef läuft nervös - durch sämtliche Zimmer,
mit Schweiß auf der Stirn, - nichts ist wie immer.
Der Alltag wird - völlig verbogen,
alle Register - werden gezogen.
Die Statistik wird - schnell noch geschönt,
der Minister ist nämlich - erfolgsverwöhnt.
So haben alle - in diesen Tagen
zum Glanze der Firma - beigetragen

Verflucht sei der Personenkult, …

Heut haben sich alle - fein gemacht,
viele sogar - in Landestracht.
Und während der Chor - mit voller Kraft singt,
am Telefon - eine Stimme erklingt:
der Minister kommt - leider nicht,
missachtet heute - seine Pflicht,
hat die Visite - abgesagt,
in Schottland ist - Fasanenjagd.

Verflucht sei der Personenkult, …
Fribeka ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 15.10.2020, 18:24   #2
weiblich DieSilbermöwe
 
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Alter: 57
Beiträge: 4.637

Hallo Fribeka,

das finde ich klasse!

LG DieSilbermöwe
DieSilbermöwe ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 16.10.2020, 10:41   #3
männlich Fribeka
 
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Ort: Cottbus
Beiträge: 53

Danke Silbermöve, die Zeilen sind nicht ganz aus der Luft gegriffen.
Fribeka ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 16.10.2020, 11:21   #4
weiblich Ilka-Maria
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Ort: Arrival City, auf der richtigen Seite des Mains
Beiträge: 24.116

Zitat:
Zitat von Fribeka Beitrag anzeigen
... die Zeilen sind nicht ganz aus der Luft gegriffen.
Wundert mich ein bisschen. Ich erinnere mich nur an einen einzigen Politiker mit Kultstatus, und das war der Medienkanzler und gelernte Journalist Willy Brandt, der genau wusste, wie man sich in der Öffentlichkeit präsentiert. Diesen Statuis hat nicht einmal Helmut Schmidt trotz seines Charismas geschafft. Heutzutage ist es sowieso straflos erlaubt, einen Politiker übelst zu beschimpfen und zu beleidigen, wie Frau Künast erfahren musste. Wie man in Interviews oft hört, ist es außerdem üblich geworden, Politiker im Internet oder auch per E-Mail nicht nur zu beleidigen, sondern sie sogar zu bedrohen. Nach Respekt vor Autorität und nach Kultstatus hört sich das nicht gerade an. Man erinnere sich an die Torte, die Sarah Wagenknecht ins Gesicht geknallt wurde.
Ilka-Maria ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 16.10.2020, 12:05   #5
männlich Fribeka
 
Dabei seit: 01/2019
Ort: Cottbus
Beiträge: 53

Hallo Ilka-Maria, es war nicht meine Absicht eine ganze Gilde zu kritisieren. Aber den riesigen Aufwand, der bei einem solchen Besuch getrieben wurde, den habe ich erlebt. Und dass hierbei eine Scheinwelt aufgebaut wurde, nur um zu gefallen, hat mich schon gestört. Ferner kenne ich genügend Beispiele aus meinem persönlichen Umfeld, bei denen Politiker nicht zu ihrem Wort standen und betroffene Bürger mit ihren Problemen im Regen stehen ließen.
Deshalb sollte man den Text mit einem Augenzwinkern lesen.
Fribeka ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 16.10.2020, 12:20   #6
weiblich Ilka-Maria
Forumsleitung
 
Benutzerbild von Ilka-Maria
 
Dabei seit: 07/2009
Ort: Arrival City, auf der richtigen Seite des Mains
Beiträge: 24.116

Okay, schwarze Schafe findet man überall. Der lutherische Untertanengeist scheint in den Deutschen immer noch drinzustecken, aber zum Glück habe mich in den letzten dreißig Jahren in einem Umfeld bewegt, wo das nicht spürbar war. Deshalb scheint das alles weit weg von mir zu sein.

Früher, in den 60er Jahren, hatte ich noch andere Erfahrungen gemacht Während meiner Lehrzeit im Büro wurde ich Zeuge, wie der Buchhalter beim Anruf des "Alten" (der Boss des Unternehmens war wirklich alt und vom Auftreten her eine hochherrschaftliche Respektsperson) von seinem Stuhl aufsprang und im Stehen und mit eifrigem Dienern mit ihm telefonierte. Und wenn die Prüfer vom Finanzamt kamen, hatte dieses Würstchen jedesmal ehrfurchtgeweihten Schiss in der Hose. Mich hatte er immer in die Kantine geschickt, um ihm die bestellte Flasche warme Milch zu holen; nach unten geht's halt immer, den Herrn zu spielen. Bis ich diesem Katzbuckler eines Tages sagte, er könne sich seine Milch selber holen, er habe genauso junge Beine wie ich. Danach ließ er mich in Ruhe.
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