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Alt 30.01.2020, 15:47   #1
weiblich Ilka-Maria
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Standard Bücherverbrennung

Im Faden des Gedichts "So herrlich die Nacht" kam das Thema Bücherverbrennung auf. Den Zusammenhang lasse ich außen vor.

Ich antwortete darauf u.a.:
Zitat:
Die einzigen Bücher, von denen ich weiß, dass sie immer noch verbrannt werden, sind die alten, zerlesenen Ausgaben des Koran.
Diese Randbemerkung fand Ralfchen interessant. Da ich jedoch nicht mit einer Erklärung den Faden des Dichters in eine andere Richtung lenken wollte, habe ich die Diskussion hierher verlegt.

Zum Koran: Ich habe darüber gelesen, dass ein Moslem den Koran als das geschriebene Wort Allahs ansieht (also nicht als Druck, sondern von Allah genuin erschaffen). Damit ein durch häufigen Gebrauch zerfledderter Koran nicht in falsche Hände gerät und noch lesbare Teile [von Ungläubigen] missbraucht werden können, hat ein Moslem die Pflicht, ihn zu verbrennen.

Ob dieser Sachverhalt stimmt, habe ich nicht geprüft, sondern ihn einfach als Information zur Kenntnis genommen.

Zum immer noch geäußerten Hinweis auf die "Bücherverbrennung" (gemeint ist die großangelegte Aktion vom Mai 1933), der heute vornehmlich als Kampfbegriff gegen Menschen eingesetzt wird, deren Meinung nicht zur eigenen Ideologie passt und die man deshalb in der Nazi-Ecke verorten möchte:

Der Begriff ist überholt, weil er nicht mehr in die Zeit passt, und deshalb kann man ihn sich ersparen. Heute begegnen Politik und Öffentlichkeit unwillkommenem Schrifttum damit, dass sie dessen Druck und Vermarktung von vornherein verhindern. Der Autor, der trotzdem einen mutigen Verlag findet, muss sich auf andere Repressalien gefasst macht als die Verbrennung seiner Bücher: Er wird zur Unperson erklärt und sein Buch von der Presse diffamiert. Dem deutschen Bundesbürger wird nicht genügend Verstand zugetraut, sich über Inhalte selbst zu informieren und sich eine eigene Meinung zu bilden. Kurz gesagt: Er ist dafür zu blöd.

Sieht man sich die Rezensionen von Lesern in Amazon an, ergibt sich aber ein anderes Bild. Dort reichen die Beurteilungen über ein Buch, das es in einen Verlag geschafft hat, von absolut positiv bis zu absolut negativ, und die meisten Leser tragen für ihre Sichtweise gute Gründe vor.

Aber dem dummen Deutschen muss trotzdem gesagt werden, was er lesen und denken darf. Deshalb wurde ein Buch von Udo Ulfkotte auf massiven Druck moslemischer Geistlicher eingestampft und wurden in der Neuauflage etliche Passagen geschwärzt. Man mag Ulfkotte den Verschwörungstheoretikern zurechnen oder nicht, das ist nicht der Punkt. Angeblich herrscht im freiheitlichen deutschen Staat das Recht, seine Meinung kundzutun, aber der Verlag beugte sich dem Druck von Interessengemeinschaften, die nur ihre Meinung gelten lassen wollten, und das war skandalös.

Das Ende vom Lied, das man auch "Leid" nennen könnte: Der Song, den die Weltverbesserer auf die Hitliste setzen wollten, ist gescheitert, weil die Autoren in Nischenverlagen und in Selbstverlagen veröffentlichen. Den großen Sektor bietet jedoch das Internet, in dem immer mehr Alternativprogramme laufen. Fazit: Die Versuche, "Andersdenkende" mundtot zu machen, waren Schüsse, die nach hinten losgingen. In dem Bestreben, Autoren an die Kette zu legen, fand ein massiver Ausbruch statt, den niemand mehr kontrollieren kann.

Und deshalb kann man sich den Begriff "Bücherverbrennung" in die Pfeife stopfen und ein Streichholz dranhalten. Was davon übrig bleibt, ist ein bisschen Rauch, den man zum Fenster rauslässt.
Ilka-Maria ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 30.01.2020, 15:51   #2
männlich Ex-Eisenvorhang
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Ich glaube, dass du die Sache mit der von mir erwähnten Verbrennung vollkommen missverstanden hast.

Seis drum.

vlg

EV
Ex-Eisenvorhang ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 30.01.2020, 15:55   #3
weiblich Ilka-Maria
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Beiträge: 23.309

Zitat:
Zitat von Eisenvorhang Beitrag anzeigen
Ich glaube, dass du die Sache mit der von mir erwähnten Verbrennung vollkommen missverstanden hast.
Darum geht es hier nicht, Eisenvorhang, deshalb hatte ich dich auch nicht als Auslöser erwähnt. Um dich geht es hier überhaupt nicht. Das eigentliche Stichwort, um diesen Faden aufzumachen, war Ralfchen, der auf meine Bemerkung zum Koran "interessant" schrieb. Und es geht mir auch um die Klarstellung, was mit unüberlegt vorgebrachten Nazi-Kampfbegriffen angerichtet wird.
Ilka-Maria ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 30.01.2020, 15:58   #4
männlich Ex-Eisenvorhang
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Ah ok, gut gut. ☺️
Ex-Eisenvorhang ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 30.01.2020, 16:28   #5
weiblich Mimii
 
Dabei seit: 11/2019
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Beiträge: 122

Zum Thema Koranverbrennung gab es mal einen
amerikanischen Pastor namens Wayne Sapp, der war ein
langjähriger Weggefährte von einem Hass-Prediger namens Terry Jones, dieser Pastor hat 2010 in einer Kirche in Florida ein Exemplar des Korans öffentlich verbrannt.
Ist klar, worum es bei solchen Aktionen geht.

Im Islam richtet sich die "sachgerechte Entsorgung" von nicht mehr lesetauglichen Koran-Exemplare je nach Rechtsschule.
Bedeutet jeder Geistliche einer bestimmten Rechtsauffassung erteilt eine Fatwa, an die sich die Anhänger, dieser Rechtsschule verbindlich halten.
Diese religiösen Rechtsschulen sind unterschiedlich, da es im Islam verschiedene Abspaltung in der religiösen Deutung gibt.
Vergleichbar mit Evangelium und Katholizismus.
Nicht alle Rechtsschulen sehen die Verbrennung als ausschließliche Vorgabe.
Da neben gibt es die Möglichkeiten der Versenkung im Wasser, gemeint ist das Meer oder Flüsse oder die einfachste Variante, nämlich das Zerkleinern, Schreddern und dann ab in die Altpapiertonne.
Es gibt noch die Variante mit dem unter der Erde begraben.
Mimii ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 30.01.2020, 16:38   #6
weiblich Ilka-Maria
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Danke für die Aufklärung.

Es ist aber doch so, wenn ich es richtig verstanden habe, dass die Vernichtung eines Korans bestimmten Regeln unterliegt.
Ilka-Maria ist offline   Mit Zitat antworten
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