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Alt 14.07.2019, 11:46   #1684
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Zitat:
Zitat von DieSilbermöwe Beitrag anzeigen
... habe ich mir eine Leseprobe eines anderen Buches von ihr von einer anderen Übersetzerin angesehen. Ergebnis: Der Stil ist der gleiche. Z. B.: "Gegenangriff, blindlings, erstaunlich schnell."
Auch wenn es eine andere Übersetzerin ist, bliebe ich misstrauisch. Gute Übersetzungen gibt es nämlich nur selten. Jedenfalls habe ich derart schlechte Erfahrungen mit Übertragungen ins Deutsche gemacht, dass ich englische Literatur nur noch im Original lese. Leider bin ich im Französischen nicht fit genug, um es genauso flüssig lesen zu können, da schaffe ich nur einfache Texte und ggf. die Tageszeitung.

Meine schlechten Erfahrungen mit übersetzten Texten gilt auch für Kinofilme. Was da den Schauspielern, die sich leider nicht wehren können, oftmals an Dialogen in den Mund gelegt wird, ist hanebüchen.
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Alt 18.07.2019, 21:24   #1685
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Mark Benecke: "Dem Täter auf der Spur - So arbeitet die moderne Kriminalbiologie", Bastei-Lübbe 2006.

Benecke ist hinreichend aus den Medien bekannt. Trotzdem kaufte ich das Taschenbuch, weil es mir zusätzliche Details zu enthalten schien. Es hat mich nicht enttäuscht, und besonders den ersten Teil "Gliedertiere und Leichenerscheinungen" fand ich ausgesprochen spannend. Darin geht es darum, Erkenntnise über Liegezeiten einer Leiche, Todesart, Tatort u.a.m. anhand des Insekten- und Madenbefalls zu bestimmen.

Der zweite Teil beschäftigt sich ausführlich mit dem Bereich der DNA-Typisierung und stellt hierzu verschiene Techniken vor.

Den dritten Teil, der sich mit einigen Irrlehren der Vergangenheit (Rassenlehre, Schließen von Aussehen auf Charakter) und Doping im Sport befasst, kann man sich schenken, denn da gibt es keine neuen Erkenntnisse.
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Alt 22.07.2019, 18:43   #1686
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Zitat von DieSilbermöwe Beitrag anzeigen

Ich habe jetzt Patricia Highsmiths Erstlingswerk "Zwei Fremde im Zug" gelesen. Schon beeindruckend, obwohl stellenweise auch wieder langweilig und ohne Hintergrundwissen (in jedem ihrer Bücher, die ich bis jetzt gelesen habe, gibt es einen seitenlangen Anhang darüber, was sie wann warum geschrieben hat und wird in Relation zu ihrem eigenen Leben gesetzt wie beispielsweise ihre Homosexualität) hätte ich nicht unbedingt gewusst, wozu welche Passagen gut sein sollen bzw. was die Autorin damit bezweckt. Wenn man es erstmal weiß, liest man das Buch wieder aus einem völlig anderen Blickwinkel.
Der Film wurde von Hitchcock verfilmt, schade, dass ich ihn bis jetzt noch nicht gesehen habe.


Das war meine Rezension zu „Zwei Fremde im Zug."
Den Film habe ich mittlerweile gesehen und naja, toll ist er auch nicht.
Bin jetzt mit dem Buch durch. Es ließ sich ziemlich schnell lesen. Mir fielen zunächst drei Dinge auf:

1. Highsmith legte offenbar keinen Wert darauf, dass sich der Leser mit den beiden Hauptfiguren Guy und Charles identifiziert. Obwohl sie phsychologisch ziemlich scharf gezeichnet sind, bleiben sie zum Leser distanziert.

2. Ein wenig erinnerte mich die Prämisse an Stevensons Geschichte von Dr. Jekyll und Mr. Hyde. Offensichtlich wollte Highsmith herausarbeiten, dass jeder Mensch eine helle und eine dunkle Seite in sich trägt. Wie bei Stevenson, scheint es auch hier um eine Hauptfigur und ihr alte ego zu gehen. An einigen Stellen des Romans klingt dies auch an.

3. Das wird dadurch unterstrichen, dass Highsmith das Handeln ihrer Protagonisten nicht wertet. Sie verurteilt keinen der beiden. Jeder hat für seine Entscheidungen und Handlungen ein Motiv. Das mutet beinahe schicksalshaft an und widerspricht dem Grundsatz, dass es immer auch eine andere Wahl gibt.

Nebenbei aufgefallen ist mir, dass Highsmith sich nicht gescheut hat, in einigen selten Fällen die Perspektive zu wechseln. Der weitaus größere Teil des Romans ist aus dem Blickwinkel Guys erzählt. Aber an einigen Stellen schwenkt Highsmith zu Charles über und lässt den Leser an seinen Gedanken und Gefühlen teilhaben. Das unterstützt mein Empfinden, dass es sich bei Charles um Guys alter ego handelt.

Zur Hitchcock-Verfilmung:

Von Verfilmung kann eigentlich nicht die Rede sein. Das Drehbuch hat lediglich Motive des Highsmith-Romans aufgegriffen, aber eine völlig neue Story daraus gemacht, die weitaus mehr Spannungsmomente enthält als der Roman (muss für das Kino auch so sein). Das bestätigt meine Erkenntnis, dass ein Vergleich von Buch und Film zu nichts führt, denn der Film kann eine literarische Vorlage nur adaptieren. Was wirklich verfilmt wird, ist das Drehbuch, das eine völlig eigene Handschrift trägt.
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Alt 31.07.2019, 16:33   #1687
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Wolfgang Herrndorf: "Tschick", Rowohlt 2010/2019.

Bin zu Dreiviertel durch und weiß nicht recht, was ich davon halten soll. Die Protagonisten des Jugendromans (Deutscher Jugendliteraturpreis 2011) sind zwei Vierzehnjährige, die in einer geklauten Schrottkiste durch Brandenburg brettern und allerhand Unfug anstellen. Die Sprache ist einfach und enthält viel Slang - für meinen Geschmack zu argen Slang, denn er besteht hauptsächlich aus vulgären Ausdrücken, die in dieser Heftigkeit allenfalls ein erwachsener Slumbewohner von sich geben würde. Ungefähr bei Seite 162 wurde es mir damit echt zu viel. Erschreckt hat mich auch, dass dieser Jugendroman den Weg in den Lehrstoff der Gymnasien gefunden hat und als Grundlage von Abiturprüfungsfragen dient. Ziemlich krass!

Herrndorf meinte, den klassischen Jugendromanen fehlten grundlegende Elemente (z.B. erwachsene Bezugspersonen). Dem wollte er etwas entgegensetzen. Ich halte das nicht für gelungen, denn im Gegensatz zu den Klassikern - z.B. Robinson Crusoe oder Tom Sawyer - habe ich bei seinen beiden Hauptfiguren keinerlei Entwicklung feststellen können. Die beiden sind auch nicht schicksalshaft in ihre "Abenteuer" gestürzt, um geläutert daraus hervorzugehen, sondern gewollt, obwohl sie gewusst haben, dass sie illegale Dinge tun. Eins der Lieblingswörter des Protagonisten Maik, aus dessen Perspektive der Roman erzählt wird, ist "grenzbescheuert" - und genauso kommen mir die Handlungen der beiden Protagonisten vor, obwohl sie natürlich nicht sich selbst, sondern "den Rest der Welt" für grenzbescheuert halten.

Das mag sich alles lustig lesen und vorübergehend einer angenehmen Unterhaltung dienen - aber was dieser Roman einem Jugendlichen im Endeffekt bringen soll, erschließt sich mir nicht. Nun ja, wer sie noch nicht draufhat, lernt vielleicht noch eine Reihe Vulgärausdrücke dazu oder kann sich in Zukunft "gepflegter" über sexuelle Handlungen auslassen und z.B. davon sprechen, dass sich "jemand einen von der Palme wedelt". Das erweitert den Horizont und ist absolutes Grundwissen für eine erfolgreiche Abiturprüfung.
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Alt 08.08.2019, 20:49   #1688
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In diesem Faden kommt reichlich wenig. Liest eigentlich noch jemand mal ein Buch?

Ich bin gerade an der Biografie von Wolf Biermann: "Warte nicht auf bessere Zeiten".

Nun ist die Biermann-Bio eigentlich längst gut bekannt, trotzdem ist das Buch ein Gewinn. Bei einem Umfang von ca. 500 Seiten erfährt man halt doch noch Neues. Vor allem sind die Details interessant, die Biermann über seine "Erfahrungen" mit den Funktionären der DDR machte. Sehr sympathisch kommt herüber, dass er für viele Menschen, die sich von dieser Diktatur einvernehmen ließen, Verständnis hat und selbst die noch zu seinen Freunden zählt, von denen er bespitzelt wurde. Er kennt eben die Mechanismen und ordnet sie unaufgregt ein, weil er selbst weiß, dass jeder Mensch ein Produkt seiner Erziehung, seines Umfelds und einer früh implantierten Ideologie ist.

Biermann zeigt in seiner Biografie, dass man nicht an falschen Ideologien und an Repressalien kaputtgehen muss. Und dass man nicht Freundschaften aufgeben muss, nur weil ein diktatorischer Staat sie zu zerstören versucht.

Er sieht sich nicht als Held, Revoluzzer oder Weltverbesserer, sondern im Gegenteil: Als einen Hasenfuß, der einerseits in voller Naivität die Schnauze aufgerissen, aber wenn es gefährlich wurde, sich mit "schmalem Arsch" verzogen hatte.

Eben ein Mensch.
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Alt 09.08.2019, 06:31   #1689
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Standard Hallo liebe Ilka-Maria.

Ich lese sehr viel. Ein Leben ohne Bücher ist unvorstellbar, für mich.
Ich lese jedoch so viel und parallel, dass ich mit Empfehlungen nicht hinterherkäme.
Ich könnte tolle Bücher aufzählen. Aber sie so gut beschreiben kann ich weniger.
Ich werd mich aber bemühen, versprochen, weil mir dieser Faden sehr gut gefällt.
Und es gilt ihn zu füllen.

Ein lieber Unargruß.

Jetzt nur kurz...
Zur Zeit lese ich den 4. Teil der Reihe Die besonderen Kinder, der Titel ist Der Atlas der besonderen Kinder.
https://www.droemer-knaur.de/buch/96...onderen-kinder
Zu diesen Büchern kam ich über meine Tochter, weil sie ehr die Sparte Jugendroman bedienen.
Mich hat der erste Band aber auch interessiert und letztlich gefesselt.

Es geht um Menschen mit einzigartigen Gaben. Beschrieben wird ihr Leben, wie sie im Laufe der Geschichte unter Verfolgung leideten, in Freakshows vorgeführt wurden und sich oft verstecken mussten.
Die Geschichten sind gespickt mit nachvollziehbarer Historie, Gesellschaftskritik und ganz viel Phantasie.
Ich mag die alten Fotos ganz besonders, mit denen jedes Buch daherkommt.
Sie machen die Inhalte begreifbar und geben den Protagonisten ein Gesicht.

Ransom Riggs hat mit seiner Reihe eine kleine eigene Zeitreise erschaffen.
Ich kann die Bücher jedem empfehlen, der im Herzen jung geblieben ist, auf Abenteuer aus ist, sich besonders fühlt und fantasievoll ist.

Zuletzt möchte ich erwähnen, dass der erste Teil bereits verfilmt wurde. Die Insel der besonderen Kinder
Mich hat der Film jedoch wenig begeistert, weil er zu weit vom Buch abweicht.
Schon die Hauptpersonen werden nicht exakt wiedergegeben, ihre Gaben sind vertauscht oder vermischt.
Ein No-Go für mich.
Der Nostalgiecharakter der Bücher fehlt. Der Film ist mir zu bunt, zu kitschig, zu laut.
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Alt 09.08.2019, 07:13   #1690
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Zitat:
Zitat von Unar die Weise Beitrag anzeigen
Ich könnte tolle Bücher aufzählen. Aber sie so gut beschreiben kann ich weniger.

....

Zuletzt möchte ich erwähnen, dass der erste Teil bereits verfilmt wurde. Die Insel der besonderen Kinder
Mich hat der Film jedoch wenig begeistert, weil er zu weit vom Buch abweicht.
Schon die Hauptpersonen werden nicht exakt wiedergegeben, ihre Gaben sind vertauscht oder vermischt.
Ein No-Go für mich.
Sehr schön, Unar. Du brauchst keine Rezensionen über die Bücher zu schreiben, die du liest, die kann man im Internet nachlesen. Ein wesentliches Merkmal und ein kurzer Satz, weshalb dir das Buch gefallen hat oder nicht, genügen völlig.

Was die Verfilmung angeht: Ich ziehe Vergleiche zwischen derart unterschiedlichen Medien wie Buch und Film grundsätzlich nicht. Verfilmt werden kann ein Buch nie, denn Schriftsprache funktioniert anders als Filmsprache, deshalb kann es sich immer nur um eine Adaption handeln. Was verfilmt wird, ist allein das Drehbuch (und das sieht völlig anders aus als eine Novelle oder ein Roman, mit Literatur hat es quasi nichts gemein). Regisseur, Kameramann, Ausstatter und Schauspieler erzeugen ihre Bilder und Figuren nach ihren eigenen Vorstellungen, und die können nicht so sein, wie sie im Kopf des Autors der literarischen Vorlage oder dessen Leser entstanden sind. Ein Regisseur, der sich strikt an das Ursprungswerk halten will, statt es für eine eigenständige Geschichte ins Bild umzusetzen, wird in den meisten Fällen scheitern, denn damit bringt man selten einen guten Film zustande.

Auch die Schauspieler, die je nach Popularität ein Wort mitzureden haben, können von den darzustellenden Charakteren ganz andere Vorstellungen haben als der Autor der literarischen Vorlage. Nicht selten nehmen sie noch während der Dreharbeiten Änderungen im Drehbuch vor, so dass die Figuren eine andere Färbung erhalten, als es anfangs gedacht war. Das kann soweit gehen, dass es zum Streit kommt und der Regisseur die Arbeit aufgibt. Das war z.B. bei "Spartacus" der Fall: Kirk Douglas (er war auch Produzent des Films, also quasi der Chef) moserte so lange am Set herum, bis Anthony Mann gehen musste und Stanley Kubrick übernahm.
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