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Alt 25.03.2008, 14:09   #1
männlich Benni125
 
Dabei seit: 03/2008
Ort: Schmalkalden
Alter: 30
Beiträge: 26


Standard André und Julian (noch nicht fertig)

Ich habe mich mal ein paar Stunden vor den Computer getzt und diese Zeilen getippt. Keine Weltliteratur. Ich wäre über Kritik sehr froh:

1. Kapitel: "Die Begegnung"
[...]

André springt in das kühle Treppenhaus. Er ist ein wenig aufgeregt. Wie werden die Neuen nur sein? Sind sie freundlich? Hat es sich gelohnt für sie diesen Blumentopf für 9,80 pardon 9 EURO zu kaufen oder war das nur raus geschmissenes Geld? Er geht langsam die Treppenstufen hinauf, um die Kühle des Hausflures noch ein wenig zu genießen. Als er das 3. Stockwerk erreicht, schaut er auf die Klingel. Bruckener steht darauf. Er fasst seinen Mut zusammen und klingelt. Ab jetzt gibt es kein zurück mehr. Egal wie schüchtern André sonst fremden Menschen gegenüber ist. Es polltert kurz. Dann öffnet sich langsam die Türe. Der Junge, den André auf sein Alter geschätzt hatte, steht vor ihm. Er hat blondierte, kurze und nach oben gestellte Haare. Er hat eine von der Sonne gebräunte Haut. Eine natur-braune Haut. Nicht diese Solariumbräune, die André auf den Tod nicht ausstehen kann. Er ist von der selben Statur wie André. Vielleicht etwas schlanker. André fasziniert vom ersten Augenblick, die Art, wie er sich kleidet.
„Hallo!“, sagt André schüchtern. „Ich wohne mit meinen Eltern in der Wohnung über ihnen und wir wollten sie herzlich Willkommen heißen.“
Der Junge scheint geschockter als André zu sein. Er starrt André einfach nur an. Mit einen etwas geöffneten Mund. „Verstehe.“, sagt er schließlich. Er dreht den Kopf weg. „Mama. Hier ist einer aus der Wohnung über uns.“. Es scheint als habe der Junge überhaupt nicht verstanden, was André eigentlich von ihm wollte. Ihm einfach nur den Blumentopf geben und ab. Mehr nicht. Jetzt kommt die Herrin des Hauses. Sie macht einen sehr freundlichen Eindruck. „Guten Tag.“, sagt sie mit einem Lächeln und glänzenden Augen. „Ich – also wir – also meine Mutter und ich wollten sie einfach als Nachbarn begrüßen. Nachbarn – naja auch wenn sie unter uns wohnen.“ 'War das blöd' dachte André. Sie lacht. „Ja. Nachbarn. Ja.“, sagt sie, während sie auf den Blumentopf starrt. Den hatte André ja ganz vergessen. „Hier.“, sagt er völlig neben sich stehend. „Hier. Als kleines Präsent.“
„Oh. Vielen Dank. Das wäre doch nicht – Wollen sie nicht herein kommen und einen Tee mit uns trinken. Ich habe ihn gerade angesetzt. Das wäre sehr freundlich von ihnen.“
André zögert erst. Aber sie bittet ihn ein weiteres Mal und deshalb hält er es für besser auf die Bitte einzugehen, um nicht unhöflich zu wirken. Er betritt die Wohnung, als würde er die Schwelle zu einer anderen Welt überqueren. Er schaut sich unsicher um. Die Gastgeberin bringt in höflich in einen Raum, der wohl später mal das Wohnzimmer werden soll. Sie bietet André einen Platz auf der Couch an. Er setzt sich und der Junge mit den blonden Haaren setzt sich ihm gegenüber auf einen Sessel. Frau Bruckener verlässt den Raum und geht in die Küche. Anscheinend hatte sie gelogen, als sie sagte, sie habe den Tee schon aufgesetzt, denn es beginnt ein Klappern in der Küche. André schaut sich im Raum um, stehts beobachtet von seinem Gegenüber. „Ich heiße André.
André Dupont.“, sagt er endlich.
„Ich heiße Julian. Kommst du aus Frankreich?“
„Ja. Also nein. Meine Großeltern.“
Julian nickt.
„Sprichst du französisch?“, fragt Julian weiter.
„Naja. Es reicht. Ich bin nicht zweisprachrig aufgewachsen, falls du das meinst.“
André ist es immer ein wenig peinlich darüber zu reden, weil viele Leuten einen dann komisch behandeln, als wäre man ein Sonderling. Er hat mit Frankreich nicht viel zu tun, außer vielleicht seinem Vor- und Nachname und das er Französisch bei seiner Großmutter gelernt hat. Seine Mutter hält nicht viel von dem Französisch. Sie spricht lieber deutsch.
„Wo kommt ihr her?“, fragt André.
„Aus der Nähe von Dortmund.“
„Und von da hat es euch hierher hin verschlagen?“
„Ja. Meine Mutter hat hier eine Anstellung bekommen. In irgendeinen Betrieb. Produktionsleitung oder so. In dieser Getränkefirma.“
André weiß welche Firma er meint. Neben Bratwürsten, das einzige bekannte an seiner Stadt.
„Wie alt bist?“, fragt André. Er will es genauer wissen.
„15. Du?“, sagt er einsilbig.
„Ebenfalls 15.“
Julian lächelt und schaut zu André auf.
„Gibt es hier in der Nähe irgendwas, was man unternehmen kann. Ich hab ja jetzt noch ein paar Tage frei.“
André ist ein wenig verstört von der plötzlichen Offenheit seines Gesprächspartners, der ihn die ganze Zeit ein wenig desinteressiert angeschaut hat.
„Ja...“, André stottert. „Ja. Es gibt hier in der Nähe einen Badesee. Da ist es immer recht leer, weil die meisten hier in das Schwimmbad gehen.“
„So, so... Könnte man ja vielleicht mal hin gehen. Also wenn du Lust und Zeit hast und dir das nicht zu aufdringlich erscheint. Also ich mein du musst nicht...“
„Ja klar!“, fällt André ihm ins Wort.
Was sollte André machen. Julian war ja schließlich neu hier und sucht Anschluss. „Wie wäre es mit morgen Mittag?“, fragt André. Einen weiteren Tag Schulfrei, würde er sicher bei seiner Mutter noch raus schlagen können. „Klar. Klingt gut.“, antwortet Julian mit leuchtenden Augen. 'Der freut sich ja wie ein Schneekönig' denkt André.
Frau Bruckener bringt den Tee herein und hat ihre Tochter noch im Schlepptau. Sie gibt ihr einen leichten Stoß. „Guten Tag.“, sagt das Mädchen darauf, mit einem gelangweilten Unterton und lässt sich auf einen anderen Sessel fallen. „Warmer Tee ist gesund. Auch bei solchen Temperaturen.“, sagt Frau Bruckener, während sie Tee in die Tassen gießt.

Am Abend sitzen, wie immer, André und seine Mutter am Tisch und essen gemeinsam Abendbrot.
„Und? Hast die Blumen vorbei gebracht.“, fragt seine Mutter. Sie hat dabei das Essen auf eine Wangenseite geschoben und spricht dadurch sehr undeutlich. Außerdem muss sie aufpassen, dass sie nicht einen Teil ihres Genusses auf Andrés Teller spuckt.
„Nein.“, antwortet der.
„Wie, nein?“
„Ich habe den Blumentopf sogar rein gebracht.“
„Ha, ha. Wie witzig.“, sagt sie nachdem sie aus gekaut hat. „Wie waren sie?“
„Nett. Sehr nett. Sie haben mich sogar noch zu einem Tee eingeladen. Ach.“, er überlegt, „Kann ich morgen vielleicht noch Daheim bleiben? Ich habe mich nämlich mit dem Jungen, also er heißt Julian, zum Schwimmen verabredet.“ Erwartungsvoll schaut André seine Mutter an.
„Wenn das alle Wünsche meines geliebten Sohnes sind? Freitags macht ihr ja eh nichts Sinnvolles mehr in der Schule. Ja. Aber lass dich nicht von irgendeinem Lehrer erwischen. Ihr geht doch ins Schwimmbad, oder?“
„Nein. Zum See.“
„Naja. Das wird schon klar gehen.“
André freut sich. Auch wenn er etwas aufgeregt ist wegen morgen. Schließlich kennt er Julian ja gar nicht richtig. Er bedankt sich und gibt seiner Mutter einen Kuss auf die Wange.

[...]
Benni125 ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 12.08.2008, 22:25   #2
Elemmire
 
Dabei seit: 08/2008
Beiträge: 21


Standard RE: André und Julian (noch nicht fertig)

Hallo, ich bin neu hier und lese mich quer durchs Forum. Ich möchte gerne ein paar erste Eindrücke mit Dir teilen, die mir beim Lesen Deiner Geschichte gekommen sind.

1. Die Geschichte ist unvollendet, hat also noch keinen Anfang und noch kein Ende. Leider erweckt die Erzählung bisher noch nicht die nötige Spannung, dass man sich einen Anfang oder ein Ende wünschen würde. Ich frage mich, ob etwas anderes dem Ganzen vorausgehen könnte, als dass die Mutter einen Blumentopf kauft, oder ob es ein anderes Ende geben kann, als dass Andre und Julian einen schönen Tag am See verbringen und sich ineinander verlieben. Aber vielleicht ist der Abriss, den Du hier eingestellt hast zu kurz, um diese Spannung aufzubauen.

2. Ich kann manche Handlungsweisen der Charaktere nicht ganz nachvollziehen. Beispiele:
* Warum denkt der schüchterne Andre nur an die 9 Euro, als er nach unten geht. Die hat doch bestimmt seine Mutter bezahlt. Ich hätte eher erwartet, dass er sich mit seiner Nervosität auseinandersetzt oder sich über seine Mutter ärgert, die ihn solch einer Situation aussetzt.
* Warum fühlt Andre nichts, als er den fremden Jungen von oben bis unten mustert? Das macht er doch nicht mit jedem und sicherlich nicht alle Tage.
* Warum lockt, die fremde Mutter Andre scheinbar unter Vortäuschung falscher Tatsachen in die Wohnung? Sie hätte ihm doch einfach eine Limo anbieten können.
* Wieso ist Julian zuerst "geschockt" und kurz darauf wieder völlig gefasst und gelassen? Diese Wandlung hätte ich gerne näher erläutert.

3. Die Personen, Szenarien und Orte werden nicht ausreichend beschrieben.
* Ich frage mich beispielsweise, welchen Eindruck die Wohnung der neuen Mieter auf Andre macht. Sind es Neureiche, Akademiker, arme Leute oder "Normalos"?
* Wie unterscheiden sich die beiden Mütter: die eine, die mit vollem Mund spricht und ihrem Sohn einfach so schulfrei gibt, weil freitags ohnehin nichts Sinnvolles unterrichtet wird; die andere, die Gästen stilvoll Tee serviert und als Produktionsleiterin in einer bekannten Getränkefirma arbeitet.

4. Die Dialoge sind größtenteils monoton hintereinander gereiht. So stelle ich mir ein Regiebuch für eine Daily-Soap vor. Der Inhalt der Dialoge besteht aus Smalltalk, auf die Welt zwischen den Zeilen oder gar auf die Gefühlswelt wird fast gar nicht eingegangen. Du hättest den Inhalt der Dialoge ein wenig glätten können. Auch wenn man beim Sprechen, oft rumdruckst, sich korrigiert und Füllwörter einstreut, kann man diese sprachlichen Mängel in einer Geschichte aus dem Dialog bereinigen und dafür erklärendes Beiwerk um die Dialoge rum spinnen. Man kann z.B. erklären, dass sich der Sprecher verhaspelt, sich ungeschickt ausdrückt, sich wünscht, etwas galanter zur Sprache gebracht zu haben, usw.

5. "Teil ihres Genusses auf Andrés Teller spuckt" Diese Stelle fand ich etwas ungelenk formuliert und ein bißchen eklig.

Da Du Dich einfach so vor den Rechner gesetzt und drauflosgeschrieben hast, gehe ich davon aus, dass Du die Geschichte vor Dir gesehen hast, wie einen Film, den man nur noch abtippen muss, aber dabei nicht tief genug geschaut hast. Wesentliches fehlt, anderes scheint im Überfluss vorhanden.

So nehme ich als Neuling Dein unvollendetes Werk wahr. Ich hoffe, Du kannst mit meinen Anmerkungen und den Fragen, die sich mir beim Lesen stellten, etwas anfangen.

Viele Grüße
Elemmire
Elemmire ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 22.08.2008, 02:07   #3
männlich Benni125
 
Dabei seit: 03/2008
Ort: Schmalkalden
Alter: 30
Beiträge: 26


5. "Teil ihres Genusses auf Andrés Teller spuckt" Diese Stelle fand ich etwas ungelenk formuliert und ein bißchen eklig.

War auch eklig gemeint.
Nunja - du hast recht. Diese Geschichte ist in sich etwas (sehr) platt und sehr einfach zu durch schauen. Aus heutiger sicht (ist ja schon eine ganze weile her, dass ich ds geschrieben habe) würde ich vieles anders machen.

1) Spannung erhält die Geschichte durch andere Komponenten, die drum herum ablaufen.
- die Krankheit von André`s Vater
- das eigentliche Problem, dass sie sich verlieben und die innere
Gefühlswelt, die in großen Teilen der Geschichte sehr genau
beleuchtet wird

2) Das mit den 9 Euro resultiert aus einer anderen Stelle der Geschichte. Das macht es auch wichtig, dass es genau 9 Euro sind. Außerdem denkt er ja nicht darüber nach, dass er einen Blumentopf für 9 Euro gekauft hat, sondern, ob sich das auch gelohnt hat. Die richtige Nervosität beginnt erst als er auf die Klingel drückt. André fühlt nichts, weil er im Grunde genommen nicht schwul ist oder ähnliches. (Vielleicht nehme ich da ein wenig vorweg.) Ihm ist einfach die Situation unangenehm.
Das mit dem Tee... da könnte man sich im nach hinein noch Gedanken machen und das auflösen, aber so genau habe ich mich das nie gefragt. Danke für den Tipp.
Das mit der Julian ist wahrscheinlich meinen Allmachtsphantasien zu zuschreiben. Keine Ahnung.

3.)

Was die Familie Bruckener ist, wird an einer anderen Stelle erklärt.
Und warum André`s Mutter ihm schulfrei gibt, wird auch erklärt. Ich finde aber, dass man es hier mit zwei völlig unterschiedlichen Müttern zu tun hat. Ich finde sie sogar recht gegensätzlich, was aber nicht heißt, dass die Eine gut und die Andere schlecht ist.

Abschließend zu sagen ist, dass ich die Geschichte persönlich mies finde, und es war mein erster Versuch in diese Richtung. Deswegen empfehle ich dir, meine zweite hier gepostete Geschichte zu lesen. Ich denke, dass ich da einen weiten Schritt nach vorne gemacht habe. Würde mich freuen, auch da eine Kritik zu erhalten. (Ist mir wichtig )

Der Benni
Benni125 ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 22.08.2008, 09:22   #4
Elemmire
 
Dabei seit: 08/2008
Beiträge: 21


Hi Benni,

mit den Andeutungen, die Du in Deiner Beschreibung fallen lässt, gewinnt die Handlung der Geschichte auf jeden Fall mehr an Spannung und lässt einen tieferen Hintergrund vermuten, diese Andeutungen müssten dann eben aber auch in der der Geschichte selbst verankert werden und den Leser "anteasern".

Wie es scheint, hast Du ja bereits ein komplettes Storykonzept im Kopf, das nur darauf wartet ausformuliert und "zu Papier" gebracht zu werden. Ich werde die Geschichte auf jeden Fall weiterverfolgen, falls Du Dich wieder einmal gemüsigt siehst, an ihrer Fortsetzung zu arbeiten, und entsprechend wieder mit Kritik aufwarten.

Vielleicht werden dann auch die Charaktere mehr Farbe und die Atmosphäre mehr Dichte erlangen. Gerne regenbogenbunt, rosablassblaukariert oder staubgrau, hauptsache mit Leben und Geist gefüllt.

Ich werde in Deine anderen Stories reinschauen und würde mich auch sehr über Dein Feedback zu meiner Geschichte freuen.

Bis bald,
Elemmire
Elemmire ist offline   Mit Zitat antworten
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