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Düstere Welten und Abgründiges Gedichte über düstere Welten, dunkle und abgründige Gedanken.

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Alt 03.07.2018, 18:31   #1
gummibaum
 
Dabei seit: 04/2010
Alter: 67
Beiträge: 10.909

Standard Das alte Haus

Das Haus ist still, die Ställe leer,
denn außer mir wohnt niemand mehr
auf diesem großen Areal.
Ich gehe hin und wieder mal
im Hof umher und dann zum Garten.

In angebauten Schuppen warten
rund um die Scheune alte Pflüge
und Walzen, die die fromme Lüge
der Auferstehung rosten lässt.
Auf einem Schleifstein und dem Rest

von einem Rad wächst hohes Gras,
als ob die Zeit sie längst vergaß.
Doch zeigt ihr Anblick mir verschwommen,
wie nah ich selbst der Zeit gekommen,
in der ich, wie ich langsam fasse,

für immer dieses Haus verlasse…

Geändert von gummibaum (03.07.2018 um 19:55 Uhr)
gummibaum ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 03.07.2018, 19:57   #2
gummibaum
 
Dabei seit: 04/2010
Alter: 67
Beiträge: 10.909

Danke, lieber Eisenvorhang. Ich freue mich.

LG gummibaum
gummibaum ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 03.07.2018, 20:07   #3
weiblich Schnulle Köhn
 
Dabei seit: 05/2017
Ort: am Ende der Welt
Alter: 59
Beiträge: 929

Lieber Gummibaum,
aus diesem Gedicht strömt so eine wunderbare Melancholie, eine in Worte getauchte Wehmut, die aber doch so ganz gefasst das Begreifen der Vergänglichkeit beschreibt. Ganz nach meinem Geschmack.
Wenn ich auf dem Friedhof bin, gehts mir ähnlich.

Wenn ich über'n Friedhof geh'
und auf all die Gräber seh',
zieht in mich der tiefe Frieden,
der den Toten nun beschieden,
und ich denk' im Innern mir,
irgendwann lieg' ich auch hier
und die ander'n werden stehen
und sich still mein Grab besehen.

Wieder sehr, sehr gern gelesen
freudige Grüße
Schnulle
Schnulle Köhn ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 03.07.2018, 23:07   #4
gummibaum
 
Dabei seit: 04/2010
Alter: 67
Beiträge: 10.909

Liebe Schnulle,

deine einfühlsame Antwort freut mich sehr. Dein Gedicht passt gut und gefällt mir.

Danke und liebe Grüße
gummibaum
gummibaum ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 03.07.2018, 23:12   #5
weiblich Unar die Weise
 
Benutzerbild von Unar die Weise
 
Dabei seit: 10/2016
Ort: in einem sagenhaften Haus
Alter: 38
Beiträge: 5.045

Das ist auch ganz nach meinem Geschmack, lieber Gummibaum.
Hat doch die Wiedereinnahme des Menschenwerks, durch die Natur, auch etwas wild romantisches. Der nahende Abschied, der aus deinen Zeilen winkt, ist mitreißend traurig.

Wieder sehr gern in deine Bilder Flut getaucht,
grüßt dich die Unar.
Unar die Weise ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 03.07.2018, 23:13   #6
weiblich Ex-Letreo71
abgemeldet
 
Dabei seit: 01/2014
Ort: Niedersachsen
Beiträge: 4.026

Sehr traurige Zeilen, lieber gummibaum und doch hab ich sie mehrmals gelesen.

Lieben Nachtgruß

Letreo
Ex-Letreo71 ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 04.07.2018, 00:57   #7
männlich Kulturbanause
 
Benutzerbild von Kulturbanause
 
Dabei seit: 04/2018
Alter: 27
Beiträge: 73

Jetzt muss ich überlegen, wie ich das folgende Lob erkläre, ohne dass es als Beleidigung interpretiert werden kann.

Es beeindruckt mich, wie du es in diesem Gedicht geschafft hast, ohne großartig exotische Wortwahl solch eine Atmosphäre entstehen zu lassen. Das Gedicht weist keine besondere Technik oder ausgefeilte Reime auf, aber lässt ein sehr konkretes Gefühl im Leser, jedenfalls in mir, entstehen.

Zitat:
In angebauten Schuppen warten
rund um die Scheune alte Pflüge
und Walzen, die die fromme Lüge
der Auferstehung rosten lässt.
Wie auch die Pointe des Gedichts einfach Klasse formuliert.
Kulturbanause ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 04.07.2018, 15:47   #8
gummibaum
 
Dabei seit: 04/2010
Alter: 67
Beiträge: 10.909

Liebe Unar,

vielen Dank. Ja, Romantik und Trauer sind im Gleichgewicht.


Liebe Letreo,

danke für mehrmaliges Lesen. So traurig finde ich es nicht. Es ist der Lauf der Dinge.


Lieber Kulturbanause,

danke für den interessanten Kommentar. Einfache Worte und schlichte Reime mag ich am besonders.


Euch alles Liebe
gummibaum
gummibaum ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 05.07.2018, 07:30   #9
männlich Laie
 
Benutzerbild von Laie
 
Dabei seit: 04/2015
Ort: Oberpfalz
Alter: 29
Beiträge: 846

Ganz, ganz großartig, lieber gummibaum!

Die Schlichtheit in der Wortwahl lässt den Gefühlen einfach viel mehr Raum. Das mag ich sehr

Genüsslich gelesen!

Gruß,
Laie
Laie ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 05.07.2018, 08:09   #10
männlich Ex-MiauKuh
abgemeldet
 
Dabei seit: 08/2017
Beiträge: 2.047

Bis auf die Unbetonung des "rund" ein perfektes Gedicht.

Toll, gummibaum. Lob ist kürzer als Tadel :-)

Applaus!
Ex-MiauKuh ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 05.07.2018, 21:08   #11
gummibaum
 
Dabei seit: 04/2010
Alter: 67
Beiträge: 10.909

Danke, lieber Laie und lieber MiauKuh.

"Die Scheune rundend" geht aber aucht nicht. Vorschlag?

LG gummibaum
gummibaum ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 11.07.2018, 11:14   #12
männlich fsami
 
Benutzerbild von fsami
 
Dabei seit: 03/2013
Beiträge: 263

Zitat:
Zitat von MiauKuh Beitrag anzeigen
Bis auf die Unbetonung des "rund" ein perfektes Gedicht.
Ist die Unbetonung schlecht? Mich stört es nicht. Sehr gern gelesen Gummibaum. Bitte verlasse dieses dieses Haus noch nicht so bald.
fsami ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 12.07.2018, 19:39   #13
gummibaum
 
Dabei seit: 04/2010
Alter: 67
Beiträge: 10.909

Liebe fsami,,

ich danke dir herzlich. Schön, dass du mal wieder vorbeigeschaut hast.

LG gummibaum
gummibaum ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 12.07.2018, 22:14   #14
männlich dr.Frankenstein
 
Benutzerbild von dr.Frankenstein
 
Dabei seit: 07/2015
Ort: Zwischen den Ostseewellen ertrunken
Alter: 37
Beiträge: 4.468

Ach desshalb heißt es der Friedhof, aber selbst da hat jeder seine gemietete Parzelle. Warum gibt es keine Friedhofs WG... Ich suche für gemütliches Grab mit W-lan noch 2 Mitbewohner die sich still verhalten.

Es ist sehr real, fast wie das letzte Album von Jonny Cash.

Die schönste Vorstellung für mich wäre, dort umzukippen und dann wächst das Gras auch so um einen rum.

Naja wahrscheinlich musst du noch bis 90 warten, das sind noch 25 Jahre, dann kommt der Pflegedienst und irgendwann ein Heim, wo man dann schwer krank wird und abreißt, als wöllte man zu Hause nicht das Licht ausmachen.
dr.Frankenstein ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 19.07.2018, 13:25   #15
männlich Georg C. Peter
 
Benutzerbild von Georg C. Peter
 
Dabei seit: 03/2017
Ort: Karlsruhe
Beiträge: 413

In angebauten Schuppen warten
rund um die Scheune alte Pflüge
und Walzen, die die fromme Lüge
der Auferstehung rosten lässt.


Lieber Gummibaum,

auch ich bin sehr begeistert von Deinem atmosphärisch starken Gedicht (und das "rund" stört mich nicht).
Ich habe lediglich eine Verständnisfrage:
Trotz mehrmaligem Lesen stehe ich bei der "frommen Lüge" und der "Auferstehung" auf dem Schlauch. Ist damit die "Zeit" gemeint?

Viele liebe Grüße,
Georg
Georg C. Peter ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 19.07.2018, 13:47   #16
gummibaum
 
Dabei seit: 04/2010
Alter: 67
Beiträge: 10.909

Danke, lieber Georg.

Das ist vom Menschlichen auf die Dinge übertragen. Sie warten auf den Jüngsten Tag, an dem sie wieder hervorgeholt und gebraucht zu werden.

LG gummibaum
gummibaum ist offline   Mit Zitat antworten
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