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Düstere Welten und Abgründiges Gedichte über düstere Welten, dunkle und abgründige Gedanken.

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Alt 05.06.2020, 20:15   #1
männlich Epilog
 
Dabei seit: 10/2019
Ort: in den Wolken
Alter: 52
Beiträge: 154

Standard winckelmann (mord=kunst # 4)

winckelmann

der ich so lang und schwer von meinem leid genas
seh nun des lebens saft wie eine springflut schwinden
soll auch der strikte strom ins meer nun münden
der als vergeblichkeit mir auf der seele saß?

war es bewunderung, die ich in seinen augen las?
war unterschwellig nicht auch anderes zu finden?
wie leicht ließ mich der glanz des äußeren verwinden
die habgier, die voll hohn an seinem herzen fraß.

als er die hände mir fruchtlos versucht zu binden
er ihren unsichtbar geschlossenen bund vergaß
so konnte sich an seinem blick mein geist entzünden
wie an der statuen wuchs, welche mein band vermaß

doch bis zuletzt will mir sein stummer mund verkünden:
lass uns das spiel zu ende spieln. es ist nur spaß
Epilog ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 08.06.2020, 12:58   #2
männlich Sonnenwind
 
Benutzerbild von Sonnenwind
 
Dabei seit: 06/2012
Alter: 58
Beiträge: 1.422

Ehrlich gesagt, ich verstehe nur Bahnhof. Hat es was mit Archäologie zu tun?

Aber Sonette wirken beruhigend auf mich... Auch so.

Die Reime sind nicht alle ganz rein. Die Zeilen eins und vier der dritten Strophe sind mir zu holperig.

Dennoch gern gelesen!

LG
Sonnenwind
Sonnenwind ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 08.06.2020, 20:11   #3
männlich Epilog
 
Dabei seit: 10/2019
Ort: in den Wolken
Alter: 52
Beiträge: 154

Standard Hallo Sonnenwind,

herzlichen Dank für deine Aufmerksamkeit - und ja, es geht um Johann Joachim Winckelmann, den "Vater" der klassischen Archäologie" im deutschsprachigen Raum, der am 8. Juni 1768 in Triest von Francesco Arcangeli mit sieben Messerstichen getötet wurde:
https://de.wikipedia.org/wiki/Johann...im_Winckelmann
https://de.wikipedia.org/wiki/France...nn-M%C3%B6rder)

Er erholte sich zu dieser Zeit von einer tiefen Depression, die durch die Fruchtlosigkeit seiner publizistisch-wissenschaftlichen Arbeit und vor allem seiner nicht akzeptierten Homosexualität bedingt war.

Das Gedicht deutet wahrscheinlich an, dass er sich der Gefahren der Bekanntschaft mit Arcangeli bewusst war, aber andererseits am Spiel mit diesem Feuer Gefallen fand. Ich würde mir allerdings nie anmaßen, mit meinen Gedichten vermeintliche "Wahrheiten" zu verkünden, sondern allenfalls, Möglichkeiten anzudeuten und gegeneinander abzuschätzen.

Den nicht ganz sauberen Reim von inden/ünden bitte ich beim 7er-Reimpaar zu akzeptieren, sonst könnte ich das Ganze in die Tonne kloppen (Schau Dir mal an, was hier ganz regelmäßig an einem einzigen Reimpaar verbrochen wird ...).

Die dritte Quartettstrophe ist tatsächlich eine Zumutung, ich habe sie nochmals geändert und den Kreuzreim in umarmenden Reim umgeswitcht. Wahrscheinlich ändert sich so auch der Sinn, aber verständlicher wird es nicht unbedingt:

derart gefesselt, ich zu widerstehn vergaß
ganz andre mächte wollten mir die hände binden
und doch: er schien erloschne feuer zu entzünden
so kalt wie marmorstatuen, die mein band vermaß

will nicht sein stummer mund mir bis zuletzt verkünden
lass uns das spiel zu ende spieln? es ist nur spaß

PS: Dass das Gedicht beruhigend auf dich wirkt, ist angesichts dieser Thematik schon fast wieder beunruhigend Aber Du schreibst ja, dass es der Form geschuldet ist.

Einen schönen Abend wünscht

Epilog
Epilog ist offline   Mit Zitat antworten
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