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Humorvolles und Verborgenes Humorvolle oder rätselhafte Gedichte zum Schmunzeln oder Grübeln.

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Alt 15.04.2018, 13:03   #1
männlich MiauKuh
 
Dabei seit: 08/2017
Alter: 33
Beiträge: 1.288

Standard Der Anwalt

Betreff: Vergehen

Herr Adressant, hier lesend zugegen:
Ich schreibe Ihnen, betreffend von wegen,
bezüglich begründend gemäß Paragraph,
befanden die Herren vom wachenden Dienst:
Sie waren beim Parken zu Hofe nicht brav.

Zu eigen gemacht sind mir ihre Akten.
Die Einsicht erbrachte belastende Fakten
betreffend der ihrigen Menschenperson.
Sie pöbelten boshaft in Richtung des Herrn
Besitzers in vorsätzlich schmerzendem Ton.

Beleidigt von Ihnen, wird Ihnen bezüglich
des Treffens im Ton, und zudem auch betrüblich,
das Rammen des Autos des Herren im Zustand
der Trunkenheit im Vorsatz zur Last gelegt
und Ihnen der Führerschein aberkannt.

Als Frist für die Antwort auf hiesiges Schreiben,
soll'n Ihnen ab Eingang zwei Wochen verbleiben.
Sie dürfen auch Schweigen, belastend womöglich.
Um Ihnen das Lesen zum Schluss zu versüßen,
verbleibe ich schließend

Mit freundlichen Grüßen,
Der Anwalt.

P.s.:

Ist Ihnen nicht möglich die Antwort zu geben,
so fürchten sie besser, um Leib und um Leben,
Bestrafungen drohen in Ihrem Fall eilig,
sie sind ja nicht Gott und auch keinesfalls heilig,
wobei ich bei Letzterem unsicher bleibe
und daher noch weitere Worte vermeide.


Antwort auf Ihr Schreiben: Vergehen

Herr Anwalt ich verzeihe Ihnen.
Sie haben im P.s geschrieben
ich wäre nicht heilig
und hatten halb Recht,
denn ich bin ihr Gott,
verhielt mich zwar schlecht
beim Herren des Hofes,
doch spreche Vergebung
und bitte bei Ihnen
um Strafenaufhebung.

Gezeichnet, der Herr,

und hier bitte sehr.

P.s:
In einigen Jahren bereden wir beide
den Vorfall im Himmel zu heimischer Bleibe.
Zwar weiß ich den Tag, doch will ihn nicht sagen,
die Zeit bis dahin werden Sie schon ertragen.

Geändert von MiauKuh (15.04.2018 um 14:23 Uhr)
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Alt 22.04.2018, 17:31   #2
weiblich Letreo71
 
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Ort: Niedersachsen
Alter: 46
Beiträge: 3.569

Die Wege des Herrn sind unergründlich. Sehr unterhaltsam, MiauKuh.

Lieben Sonntagsgruß

Letreo
Letreo71 ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 22.04.2018, 17:45   #3
männlich MiauKuh
 
Dabei seit: 08/2017
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Beiträge: 1.288

Hi Letreo

freut mich, wenn du einen Gefallen daran finden konntest. Ja, die Wege sind unergründlich *g* ... Ist schon mies, wenn man Gott vor Gericht stellen möchte

Liebe Sonntagsgrüße zurück!
MiauKuh ist gerade online   Mit Zitat antworten
Alt 26.04.2018, 20:52   #4
männlich Tim Lateiner
 
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Beiträge: 27

Also dieser Text ist genial. Das erinnert mich an einen Fall, wo wirklich versucht wurde, Gott zu verklagen. Naja die Klage musste fallengelassen werden, weil sie nicht zugestellt werden konnte.
Tim Lateiner ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 26.04.2018, 21:38   #5
weiblich Ilka-Maria
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Mir ist nicht klar, was ein "Adressant" ist. Und für das hier beschriebene Vergehen genügt der Vorwurf einer Ordnungswidrigkeit mit Anhörungsbogen, zu dessen Beantwortung es keines teuren Anwalts bedarf.
Ilka-Maria ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 26.04.2018, 21:52   #6
weiblich Letreo71
 
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Beiträge: 3.569

Der Adressant ist der Absender...

Der Rest ist einfach nur Spaß, glaub ich.

Liebe Grüße

Letreo
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Alt 26.04.2018, 22:17   #7
männlich MiauKuh
 
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Adressat natürlich. Ein "n" unterscheidet es. Wieder was gelernt.

Schön Tim, dass es dir gefällt. Danke für den Tipp Ilka.
Danke für die Unterstützung letreo??
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Alt 26.04.2018, 22:18   #8
weiblich Ilka-Maria
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Zitat:
Zitat von Letreo71 Beitrag anzeigen
Der Adressant ist der Absender...
Stimmt, ein veralteter Begriff. Aber hier wird der Adressant als Adressat angesprochen, und das ist verwirrend: "Herr Adressant, ... ich schreibe Ihnen, ..."

Der Absender schreibt sich also selbst ...

Der Rest des Textes ist kein Spaß, sondern juristischer Nonsens. Eine Klage käme in diesem Fall von einer Behörde, ein Anwalt würde zur Verteidigung hinzugezogen.
Ilka-Maria ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 26.04.2018, 22:30   #9
männlich MiauKuh
 
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Juristischer Sense ist ja auch nicht witzig...
MiauKuh ist gerade online   Mit Zitat antworten
Alt 26.04.2018, 22:36   #10
weiblich Ilka-Maria
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Strafe bezahlen, Punkte akzeptieren, auf den Anwalt verzichten und sich in Zukunft brav beim Fahren verhalten ... und alles wird gut.
Ilka-Maria ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 26.04.2018, 22:40   #11
männlich MiauKuh
 
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Zahlen bringt Frieden :-)
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Alt 26.04.2018, 22:50   #12
weiblich Ilka-Maria
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Zitat:
Zitat von MiauKuh Beitrag anzeigen
Zahlen bringt Frieden :-)
Nee, nicht immer. Dreimal habe ich mich erfolgreich gewehrt. Ohne Anwalt.
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Alt 26.04.2018, 23:09   #13
weiblich Letreo71
 
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Ich hatte es so verstanden, dass der Adressant=der Anwalt ist und er schreibt dem Angeklagten, welcher hier der liebe Herrgott ist. Der Anwalt liest den Brief vor und ist somit "hier lesend" zugegen. Naja, hab es wohl nicht verstanden.

Macht nix, mag es trotzdem.

LG Letreo
Letreo71 ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 27.04.2018, 08:08   #14
männlich MiauKuh
 
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Das Anwaltstexte einen verwirren, ist glaube ich ganz normal .... :-)
MiauKuh ist gerade online   Mit Zitat antworten
Alt 27.04.2018, 08:20   #15
weiblich Ilka-Maria
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Bei dem Anwalt, für den ich zwanzig Jahre lang gearbeitet habe, war jeder Text glasklar. Mit wirren Texten kann man keinen Richter überzeugen und keine Prozesse gewinnen.
Ilka-Maria ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 27.04.2018, 08:29   #16
männlich MiauKuh
 
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Beiträge: 1.288

Wie wahr ... (ich meinte für Laien sind Anwaltstexte oft schwer zu verstehen),

Allein wenn ich daran denke, was "grundsätzlich" juristisch bedeutet und dann im Vergleich dazu im allgemeinen mir bekannten Sprachgebrauch :s

Im Text von mir ist ja vieles mit Absicht völlig übertrieben und falsch und quer geschrieben. Nichts davon wäre irgendwie verwertbar vor Gericht .. aber Tim hat es genau getroffen, worum es ging :-)
MiauKuh ist gerade online   Mit Zitat antworten
Alt 27.04.2018, 08:40   #17
weiblich Ilka-Maria
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Zitat:
Zitat von MiauKuh Beitrag anzeigen
Wie wahr ... (ich meinte für Laien sind Anwaltstexte oft schwer zu verstehen),
Eigentlich nicht, wenn der Anwalt gut ist. Ich glaube, da existieren falsche Vorstellungen. Der Anwalt muss zunächst selbst verstehen, was sein Klient von ihm vertreten haben möchte. Dann fasst er den Fall schriftlich im Entwurf zusammen und bespricht ihn nochmal mit dem Klienten, um sicher zu sein, dass er alles richtig verstanden und nichts vergessen hat. Der Anwalt muss den fertigen Schriftsatz so verpacken, dass dann auch der Richter den Fall bis ins Detail versteht. Schließlich kann sich nicht jeder Anwalt und jeder Richter in jedem Sachgebiet bis auf den Grund auskennen, und oft überschneiden sich die Sachgebiete auch. So kann es passieren, dass man ein kompliziertes Verkaufsprojekt begleitet, z.B in der Flugzeugindustrie, und in diesem Zeitraum ein Testpilot abstürzt, so dass der Anwalt plötzlich eine Lebensversicherungsklage dazubekommt.

Richtig ist, dass manche Texte wegen der juristischen Fachbegriffe unverständlich erscheinen. Die muss der Anwalt auf Verlangen aber erklären. Das ist schon bei einer simplen Patientenverfügung so.

Natürlich ist es jedoch ein Spaß, in einem literarischen Text die Anwaltszunft auf die Schippe zu nehmen. Gründe dafür gibt es genug.
Ilka-Maria ist offline   Mit Zitat antworten
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