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Die Philosophen-Lounge Forum für philosophische Themen, Weisheiten und Weltanschauungen.

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Alt 30.10.2021, 18:26   #1
weiblich Ilka-Maria
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Standard Ohne Sorgen in das Morgen

Wir glücklichen Kinder des dritten nachchristlichen Jahrtausends!

Wir haben keine Sorgen mehr. Themen wie Klimawandel, zunehmende Verkehrsdichte, verschmutzte Meere, versiegelte Naturböden, explodierende Weltbevölkerung und dergleichen Gemüsebeetbegradigungsdiskussionen sind gut dafür, Talk-Shows und Zeitungsspalten zu füllen, tangieren aber die gute Tageslaune des Durchschnittsbürgers keine Minute lang.

Jetzt taucht aber aus den Tiefen des Unbewusstseins ein Problem auf, das jedermann hochschrecken lässt: Gott!

„Ach, herrjeh!“ So mag es manchem Zeitgenossen ins noch so kleine und fehlbare Hirn schießen. „Den hätte ich beinahe vergessen!“

Tja, wenn da nicht die KjG (Katholische junge Gemeinde) gewesen wäre, ihn uns ins Gedächtnis zurückzurufen. Oder sollte man besser „sie“ statt „ihn“ sagen. Denn die weltbewegende Frage dreht sich um Gottes Geschlecht, und da man dieses trotz des Vaterunsers offensichtlich genauso wenig feststellen kann wie bei einem frischgeborenen Karnickel, fordert die KjG, Gott mit einem Gender-Sternchen zu schreiben.

Moment mal! Gibt es denn keine weiblichen Formen von Gott? Wir haben doch Göttinnen. Und im Englischen haben wir die Goddess. Die Franzosen nannten ein Fahrzeugmodell der fünfziger Jahre sogar liebevoll ihre Déesse.

Jaaa, schooon, erwidert der gläubige Katholik. Das seien aber nicht die Göttinnen unseres monotheistischen Gottesreiches gewesen, sondern die Ausgeburten der antiken Vielgötterei, die noch immer durch die Mythen geistern. Diese Weiberwirtschaft hat spätestens seit Moses ein Ende gehabt.

Hm, denkt man, kratzt sich am Kopf und denkt darüber nach, weshalb der Himmel männlich, die Wolke über der weiblichen Erde weiblich und das Universum neutral ist. Und weshalb, in drei Teufels Namen, jemand für Gott ein Gender-Sternchen braucht, um zu beten: „Mutter unser, die du bist im Himmel …“

Allmählich steigt der Verdacht hoch, es könne etwas mit Sprache und Grammatik zu tun haben, anstatt mit den Genitalien. Spätestens im Bett spricht man sich ohne Gender-Sternchen an, liegt sich nach dem Sex in den Armen und denkt: Wie glücklich muss der Mensch unseres Zeitalters sein, sich die Kapazitäten seines Großhirns mit ein paar Sternchen vernebeln lassen zu dürfen, ohne vorher einen schmerzhaften Schlag auf die Schädeldecke verpasst bekommen zu haben.
__________________

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Alt 19.11.2021, 19:00   #2
männlich Luigi B
 
Dabei seit: 08/2021
Ort: München
Beiträge: 82

Standard Ohne Sorgen in das Morgen

Hallo Ilka Maria,

sehe ich genauso, diese ausufernden Bemühungen mit dem Gendern würde ich sogar krankhaft bezeichnen.
Ähnlich geht es mir mit gewissen Übertreibungen im Feminismus , im Definieren von Rassismus und Sexismus.
Wenn nicht überall Geschlechter-Parität herrscht, sieht man Feuer am Dach,
wenn man einen Ausländer mit dunkler Hautfarbe nach seinen Wohnort fragt, ist man rassistisch,
im Fernsehen vernimmt man das Bemühen möglichst viele Migranten zu positionieren aus Angst Multi-Kulti nicht zu genügen
wenn man einer Frau Komplimete macht wegen ihres Aussehens oder eine pikante, aber feundliche Bemerkung oder einen Erotik-Witz macht, dann ist man Sexist, bald wird man einer Frau auch nicht mehr auf die Schulter klopfen dürfen.
Gruß
Luigi B
Luigi B ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 19.11.2021, 19:39   #3
weiblich Ilka-Maria
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Dabei seit: 07/2009
Ort: Arrival City, auf der richtigen Seite des Mains
Beiträge: 26.319

Zitat:
Zitat von Luigi B Beitrag anzeigen
... diese ausufernden Bemühungen mit dem Gendern würde ich sogar krankhaft bezeichnen.
Mit dem Begriff "krankhaft" wäre ich vorsichtig.

Es handelt sich um "Zeitgeist" oder "Mode", also um Rattenfängerei, und sie hat in der Menschheitsgeschichte immer funktioniert. Wer krank ist, gehört auf Station, bis er genesen ist. Aber was tun mit Menschen, die einem Flötenspieler hinterherlaufen, der ihnen das richtige Leben versprochen hat? Simple Antwort: Nichts.

Menschen, die sich Hoffnungen hingeben oder auf Versprechungen hereinfallen, sind nicht verrückt. Sie leben zu Tausenden unter uns und warten darauf, endlich mal ein Stück von dem Kuchen abzubekommen, den sich die Eliten täglich teilen. Dieser Gender-Wahnsinn ist nur eine der vielen Stellschrauben, uns mit Wohlverhalten zu beschäftigen, damit wir nicht auf "dumme Gedanken" kommen. Wir werden mit Verhaltensregeln schlimmer zugeplustert, als es die verpönte preußische Erziehung tat. Da durfte man noch nach eigenem Schnabel reden, dafür hatte Voltaire gesorgt. Heute wird täglich auf uns eingedroschen, was und wie wir zu denken haben.

Am schlimmsten ist die moderne Empfindlichkeit: Ständig werden Menschen schon dadurch in ihrer Würde verletzt, dass man sie anspricht, anstatt zu tun, als existierten sie nicht. Man denkt um sie einen Glorienschein, eine Aura, die man nicht durchbrechen darf. Zuwiderhandlung wäre eine Kapitalverbrechen.

Ich bin ein Kind der 50er Jahre, und wenn mir damals jemand prophezeit hätte, welche Knebel uns nach dem Jahr 2K angelegt würden, hätte ich es nicht geglaubt.
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