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Alt 27.12.2019, 15:09   #1
männlich Robert Go
 
Dabei seit: 11/2018
Ort: Chemnitz
Beiträge: 43


Standard Ein Geschenk für den Weihnachtsmann

Durch ihr Fenster konnte die kleine Sarah, den Schnee sehen.
Er fiel vom Himmel, färbte die darunter liegenden Straßen und Wege weiß. Heute ist es soweit, dachte sie. Sie freute sich auf die vielen Geschenke, die sie bekommen würde, die selbst gebackenen Plätzchen, das gemeinsame Singen mit ihrer Familie. Sie drückte ihren kleinen Plüsch-Teddy fest sich. „Stell dir vor, Bruno, heute kommt der Weihnachtsmann“, sagte sie.
„Vielleicht schenkt er dir ja, einen großen Topf Honig oder eine Teddybären-Freundin. Das würde dir bestimmt gefallen, nicht wahr?“
In diesem Moment fiel ihr etwas ein.
Der Weihnachtsmann kommt aus dem hohen Norden, nur um uns die Geschenke zu bringen. Das ist ein sehr langer Weg für ihn. Da könnten wir ihm ja auch etwas schenken. Als Dankeschön. Ja, das machen wir.“
Sie schaute auf die Uhr. Es war kurz nach acht. Sie hörte Schritte auf dem Flur. Die Zimmertür öffnete sich. Es war ihre Mutter.
.
„Guten Morgen, mein Schatz. Stehst du bitte auf. Wir wollen frühstücken.“
„Ja. Mache ich.“ Sarah stand auf, lief zum Zimmer ihrer älteren Schwester Roxanne und klopfte.
„Aufstehen, du Schlafmütze, es gibt Frühstück.“
Sie bekam keine Antwort. Leise öffnete sie die Zimmertür.
Das Zimmer war weihnachtlich geschmückt. Auf dem Fensterbrett stand ein Schwibbogen, auf dem kleinen Schrank neben ihrem Bett, eine Pyramide und von der Decke hing ein selbstgebastelter Weihnachtsstern. Doch im Gegensatz zu ihrer Schwester, hatte Roxanne ihn nicht mit Weihnachtsmotiven sondern mit Totenköpfen und Fledermäusen verziert. Sie war die einzige in der Familie, die sich die Haare gefärbt, die Nase gepierct und die Arme tätowiert hatte. Genauso wie ihr Freund Martin, der auch ein Punk war.
Ihre Eltern fanden dies zwar nicht so toll, doch Martin war ein anständiger Mensch und gehörte nicht zu denen, die ständig betrunken waren, nach Geld bettelten oder andere Menschen grundlos anpöbelten. Aus diesem Grund akzeptierten ihn ihre Eltern.
Sarah schlich zu Roxannes Bett und stellte sich auf die Zehenspitzen.
„Dein Freund ist da“, flüsterte sie. Das wirkte.
Roxanne öffnete die Augen und richtete sich auf.
„Was? Das kann doch nicht sein. Warum habt ihr mir nicht eher Bescheid gesagt?“, schimpfte sie.
„Weil er gar nicht da ist. Ich habe dich reingelegt.“
„Na warte.“ Roxanne streckte ihre Hände nach Sarah aus. Ihre Finger schoben sich unter das Schlafanzugoberteil, ertasteten die kurzen Rippen. Sarah krümmte sich auf dem Boden vor Lachen, während ihre Schwester sie auskitzelte.
Dabei verrutschte der Ärmel ihres Schlafanzugoberteiles und Sarah konnte das eintätowierte Herz mit dem Schriftzug sehen.
„Was steht denn darunter?“
Ich liebe meine Familie.“
„Liebst du mich auch?“
„Ja du Dummerchen, du gehörst schließlich zu meiner Familie.“
Sarah umarmte ihre Schwester.
„Ich habe dich auch ganz doll lieb.“
Roxanne wurde rot im Gesicht.
„Weißt, du dass Weihnachten auch das Fest der Liebe genannt wird?“
„Ja. Das hat uns die Kindergärtnerin erzählt. Sie hat auch gesagt, dass der Weihnachtsmann nur zu den braven Kindern kommt.“
„Und warst du denn ein braves Kind?“
„ja.“
„Sicher?“
„Na gut. Ich habe Opas Pralinen aufgegessen, die Jungs im Kindergarten geärgert und im Flur die weiße Wand mit Muttis Lippenstift bemalt, weil ich keine Blätter mehr hatte.“
Roxanne lachte. Das war typisch für ihre Schwester.
Ihr Vater rief nach ihnen. Schnell zogen sich die beiden Schwestern an und setzten sich an den Küchentisch.
Nach dem Frühstück schauten sie sich zuerst einen Märchenfilm an und putzten danach die ganze Wohnung. Immerhin bekamen sie heute noch Besuch. Zum Kaffeetrinken hatten sich ihre Großeltern angekündigt. Abends sollte dann, nach dem Gottesdienst die die Bescherung stattfinden.
Als Sarah dies hörte, überlege sie kurz.
„Weißt du ob wir noch eine Backmischung für Muffins da haben?“, fragte sie ihre Schwester.
„Ja. Warum?“
„Ich möchte für den Weihnachtsmann welche backen. Damit sich sein weiter Weg auch lohnt. Wenn er hier ankommt hat er bestimmt Hunger und möchte etwas essen“
„Du bist ja süß. Wenn du willst, helfe ich dir.“
„Einverstanden.“

Schließich war es soweit. Direkt nach dem Gottesdienst, bei dem auch das Krippenspiel der jungen Gemeinde aufgeführt wurde, lief Sarah mit ihrer Familie nach Hause. Dabei bestaunten sie die vielen Wohnungen, die weihnachtlich geschmückt waren. Besonders gefiel ihr ein Balkon an dem eine Lichterkette hing, die in allen Farben leuchtete. Wie ein Regenbogen, dachte sie.
Kaum dass sie wieder zu Hause waren, bereiteten die beiden Schwestern die Muffins zu. Ihre Eltern dagegen mussten im Wohnzimmer bleiben.
„Warum dürfen wir nicht in die Küche?“, hatte ihr Vater gefragt.
„Weil du eine Plaudertasche bist und dem Weihnachtsmann von der Überraschung erzählst, die wir für ihn haben“, lautete die Antwort.
Kaum hatten sie Muffins in den Backofen geschoben, da klingelte es auch schon an der Wohnungstür. Es waren ihre Großeltern.
Nach einer herzlichen Begrüßung setzten sich ins Wohnzimmer.
Dort ließen sie sich den Stollen und die Lebkuchen schmecken.
Ihr Opa nahm seine Gitarre zur Hand und gemeinsam sangen sie Weihnachtslieder. Schließlich stand ihr Vater auf und verließ das Wohnzimmer. Kurz darauf wurde dreimal kräftig von außen an die Tür geklopft. Die Mutter öffnete. Vor ihr stand der Weihnachtmann.
Er hörte sich geduldig die Lieder und Gedichte an, die ihm Sarah, Roxanne, ihre Großeltern und die Mutter vortrugen und überreichte ihnen dann die Geschenke. Sarah bekam ein neues Märchenbuch, ihre Schwester Kleidung und Ohrringe und ihre Mutter eine Karte für das König-der-Löwen-Musical in Hamburg. Die Großeltern freuten sich über eine Flasche Rotwein und einen Gutschein für einen Restaurant-Besuch.
Als alle Geschenke verteilt waren stand Sarah auf.
„nun lieber Weihnachtsmann, bekommst auch du ein kleines Geschenk.“
Verwundert blickte er sie an.
„Ach ja? Das ist aber sehr lieb von dir kleine Sarah.“
Sie stand auf und holte die Dose mit den fertigen Muffins.
„Da du den weiten Weg auf dich genommen hast, um uns zu beschenken, möchten wir dir als kleines Dankeschön, diese Muffins überreichen. Ich hoffe sie schmecken dir. Iss aber nicht alle auf einmal auf, sonst wirst zu dick und passt nicht mehr durch die Schornsteine.“ Ihre Familie lachte.
Der Weihnachtsmann bedankte sich bei ihr mit einer Umarmung.
Dann verabschiedete er sich und verließ die Wohnung.
„Das war eine gelungene Überraschung“, sagte ihre Mutter.
Über dieses Lob freute sich Sarah sehr.
Ende
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