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Düstere Welten und Abgründiges Gedichte über düstere Welten, dunkle und abgründige Gedanken.

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Alt 05.06.2016, 22:26   #1
weiblich Ex-Dabschi
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Standard Seelenkleider

Seelenkleider

Warum hast Du mein Seelenkleid zerrissen?
Es war noch blütenrein und ohne Fleck,
doch Deine Wut warf es in Müll und Dreck.
Ich werde es für immer sehr vermissen.

Seitdem sind viele Jahre schon vergangen.
Ich bastelte ein neues Seelenkleid
und war für neue Wege stets bereit,
im Schatten meiner Kinderzeit gefangen.

Ich kann die trübe Kindheit nicht vergessen,
doch wäre es von mir wohl sehr vermessen,
könnt‘ ich Dir alten Frau nicht mehr vergeben.

Du bist und bleibst für immer meine Mutter
und Blut ist dicker - alles ist in Butter.
Verdank ich Dir doch immerhin mein Leben.
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Alt 05.06.2016, 22:54   #2
weiblich Ilka-Maria
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Das ist gut, richtig gut. Auch wenn der Hintergrund traurig und offensidchtlich wahr ist.

Ein Gedicht mit Ambivalenz: Es will von Vergebung sprechen, aber es ist eine Generalabrechnung. Diese Ambivalenz tut mir als Leser weh, denn sie zeigt, dass trotz aller Vergebung eins nicht möglich ist: das Vergessen.

An dieser Stelle habe ich etwas zu bekritteln:

Zitat:
Zitat von Dabschi Beitrag anzeigen
Du bist und bleibst für immer meine Mutter
und Blut ist dicker - alles ist in Butter.
Verdank ich Dir doch immerhin mein Leben.
[/CENTER]
Ein angefangener Vergleich erfordert ein Gegenüber, wie in der gängigen Redensart: Blut ist dicker als Wasser.

Deshalb hätte ich hier geschrieben:

"... und Blut ist dicker als zerlassene Butter ..."

Nur ein Vorschlag.

Lieben Gruß und gute Nacht,
Ilka

(P.S.: Lass sie los. Sie verdient dich nicht.)
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Alt 05.06.2016, 23:19   #3
weiblich Ex-Dabschi
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Danke Ilka, ich nehme Deinen Vorschlag mit einer kleinen Änderung wegen der Anzahl der Silben sehr gerne an:

Seelenkleider

Warum hast Du mein Seelenkleid zerrissen?
Es war noch blütenrein und ohne Fleck,
doch Deine Wut warf es in Müll und Dreck.
Ich werde es für immer sehr vermissen.

Seitdem sind viele Jahre schon vergangen.
Ich bastelte ein neues Seelenkleid
und war für neue Wege stets bereit,
im Schatten meiner Kinderzeit gefangen.

Ich kann die trübe Kindheit nicht vergessen,
doch wäre es von mir wohl sehr vermessen,
könnt‘ ich Dir alten Frau nicht mehr vergeben.

Du bist und bleibst für immer meine Mutter
und Blut ist dicker als zerlass'ne Butter.
Verdank ich Dir doch immerhin mein Leben.

Zitat:
(P.S.: Lass sie los. Sie verdient dich nicht.)
Kann ich nicht. Sie ist 82 und wird sicher nicht mehr lange leben ...

Liebe Grüße
Dabschi
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Alt 05.06.2016, 23:37   #4
weiblich Ilka-Maria
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Ich verstehe.

Vielleicht liebt sie Dich mehr, als ihr bewusst ist.

Gute Nacht.
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Alt 06.06.2016, 13:10   #5
weiblich DieSilbermöwe
 
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Liebe Dabschi,

ich hatte das Gedicht schon gestern gelesen und beziehe mich daher jetzt nur auf die alte Fassung. Spontan fiel mir dazu ein, dass ich es nicht vermessen fände, ihr nicht zu vergeben (habe den Faden gelesen, worauf das Gedicht wohl Bezug nimmt).

Ich finde es großherzig von dir, dass du so denkst, ich glaube nicht, dass ich es könnte. Mir wäre sie nun schon lange komplett gleichgültig.

Aber das Gedicht ist dir sehr gut gelungen.
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Alt 06.06.2016, 13:34   #6
männlich Nöck
 
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Liebe Dabschi,

eindrucksvoll und einfühlsam schilderst du Gedanken und Gefühle eines Kindes, das keine fröhliche Kindheit erlebt hat. Dass du so sachlich und ohne Hassgefühle über dein eigenes Leben schreiben kannst, ist gut. Dein innerer Frieden wird kommen, spätestens, wenn deine Mutter gestorben ist.

Die "Butter" in der letzten Strophe passt so gar nicht zu den übrigen Zeilen. Was hältst du vom folgenden Vorschlag?


Du bist die Mutter tief in meinem Herzen,
ich bleib dein Kind trotz aller Seelenschmerzen.
Verdank ich Dir doch immerhin mein Leben.


Liebe Grüße
Nöck
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Alt 06.06.2016, 14:07   #7
weiblich Ilka-Maria
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Zitat:
Zitat von Nöck Beitrag anzeigen
Dein innerer Frieden wird kommen, spätestens, wenn deine Mutter gestorben ist.
Das bezweifle ich. Der Frieden kann nur durch die Mutter kommen, während sie noch lebt. Sie ist es, die um Verzeihung bitten muss, bevor sie stirbt. Dabschi hat dagegen gar nichts zu verzeihen. Hier ist unbedingt eine Aussprache nötig, bevor die Mutter ihre Tochter mit dem ganzen Schutt im Rucksack zurücklässt. Hast Du denn nicht begriffen, worin Dabschis Kummer wirklich liegt? Sie kann diesen Konflikt nicht aus sich heraus auflösen, weil er nicht von ihr geschaffen, sondern von außen aufgedrückt wurde. Ihr Verzeihen ist nichts weiter als Resignation. Was sie wirklich will, ist Liebe. Es kann doch nicht so schwer für eine Mutter sein, zu sagen: "Tochter, ich habe meine Wut und Enttäuschung, die deinem Vater galt, an dir ausgelassen, und das tut mir leid."
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Alt 06.06.2016, 14:35   #8
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Ich habe es am eigenen Leib erfahren. Bei mir ist alles, was mich bedrückte, mitgestorben.

Dabschi kann vergeben, das wird ihr gut tun.


Zitat:
Zitat von Ilka-Maria
Es kann doch nicht so schwer für eine Mutter sein, zu sagen: "Tochter, ich habe meine Wut und Enttäuschung, die deinem Vater galt, an dir ausgelassen, und das tut mir leid."

Wir wissen nicht, was die Mutter so hat werden lassen. Nicht viele Menschen können zugeben, dass sie im Leben so massiv versagt haben.
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Alt 06.06.2016, 15:07   #9
weiblich Ilka-Maria
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Zitat:
Zitat von Nöck Beitrag anzeigen
Wir wissen nicht, was die Mutter so hat werden lassen. Nicht viele Menschen können zugeben, dass sie im Leben so massiv versagt haben.
Dabschis Informationen sind ziemlich konkret. Man nennt das, was die Mutter gemacht hat, Verschiebung. Da sie den Vater bzw. den Liebhaber, der ihr gegenüber sein Versprechen brach und sie sitzen ließ, nicht bestrafen konnte und offenbar auch wütend auf sich selbst war, dass sie in den alten Zustand zurückkehrte, ließ sie ihren Frust an Dabschi aus. Sie hatte aber eine Alternative, nämlich sich ein eigenes Leben mit ihrer Tochter aufzubauen und das Kind als das Produkt ihrer Liebe anzunehmen - trotz der Enttäuschung über den Geliebten. Statt dessen hat sie sich erniedrigt, indem sie zu ihrem Mann zurückkehrte. Dabei spielt es keine Rolle, ob dieser Ehemann Verständnis für seine Frau hatte oder einfach nur die Familie zusammenhalten wollte, vielleicht auch noch immer seine Frau liebte. Jedenfalls brauchte Dabschis Mutter jemanden, den sie noch mehr erniedrigen konnte, als sie sich selbst erniedrigt fühlte. Das ist eines Erwachsenen nicht würdig, sich an jemandem auszulassen, der eindeutig in der schwächeren Position ist, schon gar nicht an einem Kind.

Niemand muss ein Fachmann sein, um das zu erkennen. Tut mir leid, aber mir geht in dieser Hinsicht jedes Verständnis ab. Wir reden hier nicht über gelegentliche Ausraster oder mal eine Ohrfeige aus der Situation heraus, was jedes robuste Kind leicht wegsteckt. Wir reden über jahrelange Folter durch Liebesentzug, über die Unberechenbarkeit der Mutter, über Hass, dass ein Kind wie Dabschi es überhaupt gewagt hat, zu existieren. Begreifst Du denn nicht, was das heißt, von einer Mutter nur als Ballast und Beweis ihres Fehltritts behandelt zu werden? Mir treibt es die Tränen in die Augen, wenn ich das bis zum Ende durchdenke. Solche Kinder reißen sich - verzeih mir die Worte - den Arsch auf, um ein bisschen Anerkennung von der Mutter zu bekommen - völlig für die Katz! Spiel das mal durch, bevor Du so großherzig von Verzeihung sprichst! Da solche Mütter sich ihrer Fehler gar nicht bewusst sind, ist ihnen jegliche Verzeihung völlig egal, das begreift ein solcher Mensch nicht.

Mit dem Tod der Mutter legt niemand automatisch den Hass-Rucksack ab. Der muss weiter getragen werden, die Frage ist nur, ob erhobenen Hauptes oder mit gebeugtem Rücken.

Dabschi kann nur eines tun: loslassen. Sie kann ja damit warten, bis ihre Mutter das Zeitliche gesegnet hat. Der richtige Weg erscheint mir aber, dass sie sich selbst auf die Schulter klopft, weil sie trotz dieser Widrigkeiten zu dem Menschen geworden ist, der sie ist, nämlich liebesfähig, warmherzig, aufgeschlossen ihren Kindern und Enkeln gegenüber und - das meine ich bisher rausgelesen zu haben - ein Dreh- und Angelpunkt in der Familie. Sie hat einfach begriffen, wie sie es besser machen kann. Sie braucht niemandem zu verzeihen, weil sie es längst besser macht als ihre Mutter. Mit dem Wert, den ihr die Mutter versagt hat, ist sie längst gekrönt, und deshalb sollte sie inzwischen so stark geworden sein, dass es ihr leicht fällt, den Rucksack so zu tragen, als ob er völlig leer wäre.
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Alt 06.06.2016, 17:04   #10
männlich Nöck
 
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Liebe Ilka-Maria,

ich glaube, wir reden ziemlich aneinander vorbei. Von "großherzig verzeihen" war bei mir ja gar nicht die Rede. Ich sprach von "vergeben", weil das dem Vergebenden den inneren Frieden bringt. Nur das hilft, endlich einen Schlussstrich zu ziehen.

Dabschi spricht in ihrem Gedicht doch selbst davon, dass sie das tun möchte:

Zitat:
Zitat von Dabschi
doch wäre es von mir wohl sehr vermessen,
könnt‘ ich Dir alten Frau nicht mehr vergeben.
Lieben Gruß
Nöck
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Alt 06.06.2016, 17:08   #11
weiblich Ex-Thrud
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Ich hab jetzt nicht alle Kommentare gelesen. Ich denke, die Reaktionen sind so unterschiedlich, wie die Menschen es sind. Ich wurde von meiner Mutter 40 Jahre lang wissentlich getäuscht. Gespürt hab ich das immer, aber sie hat es geleugnet und mich für dumm verkauft. Sie konnte mich nicht so lieben, wie man eine Tochter lieben sollte, schuld daran war mein Vater. Ich musste mit ausbaden, was er mir angetan hatte. Als ich erfuhr, was damals wirklich passiert ist, zog das mir den Boden total unter den Füßen weg.
Seither sind fast 20 Jahre vergangen. Ich hab meinen Eltern verziehen; ich liebte sie und tue das heute immer noch. Aber der Schmerz bleibt. Es tut einfach weh, daran zurück zu denken, die Lügen, der Hass in meiner Familie, die verpassten Chancen.
Aber wenigstens hab ich meinen Frieden halbwegs gefunden.
Also, um mich auf das Gedicht zu beziehen: Das Verzeihen ist richtig und gut.

Liebe Grüße

Thrud
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Alt 06.06.2016, 17:25   #12
weiblich Ilka-Maria
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Zitat:
Zitat von Nöck Beitrag anzeigen
ich glaube, wir reden ziemlich aneinander vorbei. Von "großherzig verzeihen" war bei mir ja gar nicht die Rede. Ich sprach von "vergeben", weil das dem Vergebenden den inneren Frieden bringt. Nur das hilft, endlich einen Schlussstrich zu ziehen.
Zwischen verzeihen und vergeben ist kaum ein Unterschied. Das ist im Grunde auch egal, denn ich bin sicher, dass dies nur eine Form der Selbstaufgabe ist, die mit dem Gewinn eines inneren Friedens nichts zu tun hat, denn eine Verzeihung und/oder Vergebung ist nichts wert, solange sie nicht von dem Menschen, dem man dies anbietet, angenommen worden ist. Einseitig ist das wie ein Schlag ins Leere. Schon allein die Tatsache, dass Dabschi - wie viele andere Menschen auch - nicht aufhören kann, sich mit ihrer Mutter-Tochter-Beziehung auseinanderzusetzen, zeigt doch, dass es mit dem Verzeihenwollen nicht genug ist. Es bleibt eine einseitige, unbefriedigende Angelegenheit. Ihre Mutter ist alt, sie wird in absehbarer Zeit sterben, und noch immer gibt es keine Aussicht, die Sache ins Gleichgewicht zu bringen. Es wäre möglich, aber ohne die Mutter funktioniert es nicht. Das genau ist Dabschis Problem: Ihre Mutter steuert auf das Grab zu und wird Dabschi einen Scherbenhaufen hinterlassen, wenn nicht wenigstens ein Wort der Liebe kommt.

Verzeihung ist eine ziemlich wertlose Währung. Jeder Besen, mit dem man diesen Scherbenhaufen beseitigen kann, ist besser.

Kennst Du den Film "Jenseits von Eden"? Der greift genau dieses Problem auf. Dort brauchte der Vater auch sein Sterbebett, ehe er seinem Sohn sagen konnte, dass er ihn geliebt hat.
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Alt 06.06.2016, 22:05   #13
weiblich Ex-Dabschi
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@ Liebe Silbermöwe,

ich verstehe Dich, denke aber, dass ich mich selbst viel mehr bestrafen würde, wenn ich ihr nicht vergeben könnte. Vor einigen Jahren hatten wir wegen einer Auseinandersetzung, wo es aber nicht um meine Kindheit ging, über einige Monate keinen Kontakt. Meine größte Befürchtung war, dass sie stirbt und wir uns nicht mehr vertragen haben. Ich weiß auch nicht, warum das so bei mir ist. Vielleicht tut sie mir leid, weil sie, solange ich denken kann, schon krank ist und selbst kein glückliches Leben führte.

Zitat:
Aber das Gedicht ist dir sehr gut gelungen.
Dankeschön.

@ Lieber Nöck,

ich denke, dass ich meinen inneren Frieden längst gefunden habe. Die Gedanken an meine Kindheit kann ich nicht einfach wegwischen und hin und wieder spiegeln sie sich in meinen Gedichten wider. Es ist aber nicht so, dass diese Gedanken mich ständig begleiten. Abgesehen von den Schlägen, die ich oft körperlich und seelisch erleiden musste, war ich ein Kind, das mit den vielen anderen Kindern, die in der Nachbarschaft wohnten, fröhlich und ausgelassen draußen bei Wind und Wetter spielte.

Zitat:
Die "Butter" in der letzten Strophe passt so gar nicht zu den übrigen Zeilen.
Da hast Du Recht. Mir gefiel dieser Vers eigentlich auch nicht, hatte aber keine bessere Idee. „Alles in Butter“ heißt ja so viel wie „Alles in Ordnung“. Und in Ordnung ist es ja nun wirklich nicht, was meine Mutter mir angetan hat. Deshalb fand ich Ilkas Vorschlag gut und treffend ausgedrückt.

Zitat:
Was hältst du vom folgenden Vorschlag?

Du bist die Mutter tief in meinem Herzen,
ich bleib dein Kind trotz aller Seelenschmerzen.
Verdank ich Dir doch immerhin mein Leben.
Deinen Vorschlag finde ich auch gut. Dankeschön.

@ Liebe Ilka,

herzlichen Dank für Deine einfühlsamen Zeilen, die mich sehr berührten. Deine Einschätzung, warum meine Mutter so gehandelt hatte, ist logisch und nachvollziehbar. Soweit hatte ich nie gedacht aber genauso wird es gewesen sein.

Ich wünschte mir wirklich, sie könnte es zu Lebzeiten einmal über ihre Lippen bringen, dass es ihr Leid tut, was damals passierte. Seit damals wird dieses Thema tot geschwiegen und ich traue mich nicht, dieses Thema anzusprechen aus Angst, dass sie sich aufregt, umfällt und stirbt. Das könnte ich mir nie verzeihen. Schon als Kinder mussten wir oft miterleben, dass unsere Mutter bei der geringsten Aufregung verkrampft am Boden lag und wir Kinder den Notarzt rufen mussten usw. Es sind ihre Nerven, hieß es immer. Ach, da ist noch so viel mehr passiert, was ich hier nicht erzählen möchte …

Wie ich schon mal an anderer Stelle erwähnte, begann mein Selbstwertgefühl vor 20 Jahren langsam an zu wachsen. Heute bin ich ein fröhlicher und glücklicher Mensch. Meinen Mann traf ich vor 20 Jahren und er kam im „Komplettpaket“ daher. Gutaussehend, lieb, fürsorglich, einfühlsam, treu, fleißig ... Ich wünschte, er wäre der Vater meiner beiden Kinder aber das sollte wohl nicht sein. Auch nach 20 Jahren gibt er mir täglich das Gefühl, dass ich der wertvollste und wichtigste Mensch für ihn bin. Das Aschenputtel hatte ihren Prinzen gefunden ...

Unser Altersunterschied ist das Einzige, worüber ich mir ab und zu Gedanken mache. Mein Mann ist 8 ½ Jahre jünger als ich, was zum jetzigen Zeitpunkt noch keine Rolle spielt. Doch wenn ich 80 bin und er 71 ½ … Aber es kommt, wie es kommen soll …

@ Liebe Thrud,

was Dir damals den Boden unter den Füßen weggezogen hat, lässt Schlimmes erahnen.

Ich habe die Hoffnung inzwischen aufgegeben, meinen Vater lebend zu finden. Ich habe noch nicht mal ein Foto von ihm und weiß nur, dass ich ihm sehr ähnlich sehen soll. Meine Mutter erwähnte einst vor vielen Jahren, dass mein Vater damals, als sie sich in ihn verliebte, eine große Ähnlichkeit mit dem Schauspieler Horst Buchholz hatte.

Manche Menschen sind der Meinung, dass es überbewertet wird, Näheres über den leiblichen Vater in Erfahrung bringen zu wollen. Das finde ich nicht. Ich weiß z.B. noch nicht mal, welche Erkrankungen mein Vater hatte und ob ich ein erhöhtes Risiko für schlimme Erkrankungen trage.

Zitat:
Das Verzeihen ist richtig und gut.
Ja, das finde ich auch.

Vielen Dank für Eure Gedanken und Kommentare zu meinem Gedicht.

Herzliche Grüße
Dabschi
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Alt 06.06.2016, 22:47   #14
weiblich Ex-Letreo71
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Liebe Moni,

wieder ein schönes und gelungenes Sonett von dir, wenn auch, mit einem sehr ernsten und traurigem Thema. Schön, dass du vergeben kannst. Ich kenne dich und deshalb weiß ich, dass du eine rundum gelungene Person bist und das hast du ganz allein dir zu verdanken.

Liebe Grüße

Manu

Mach weiter so!
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Alt 07.06.2016, 16:01   #15
gummibaum
 
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Hallo Dabschi,

wirklich schönes Gedicht. Gern gelesen.

LG gummibaum

(Ich habe auf Mutter mal Futter gereimt und im Hinblick auf die Seele den Doppelsinn von Nahrung und Auskleidung ins Bild gesetzt. Butter ist also nicht die einzige Möglichkeit. )
gummibaum ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 07.06.2016, 22:08   #16
weiblich Ex-Dabschi
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@ Liebe Manu,

vielen Dank für Deinen herzlichen Kommentar.

Zitat:
Ich kenne dich und deshalb weiß ich, dass du eine rundum gelungene Person bist und das hast du ganz allein dir zu verdanken.
Früher wäre ich beim Lesen dieser Zeilen rot angelaufen und total verunsichert gewesen. Ich hätte mich ins „Schneckenhaus“ zurückgezogen, weil ich es nicht für möglich gehalten hätte, dass ich es wert bin ...

Heute kann ich mich über solche lieben Zeilen nur freuen und mich herzlich dafür bedanken.

Liebe Grüße
Moni

@ Lieber Gummibaum,

Zitat:
wirklich schönes Gedicht. Gern gelesen.
Dankeschön.

Zitat:
(Ich habe auf Mutter mal Futter gereimt und im Hinblick auf die Seele den Doppelsinn von Nahrung und Auskleidung ins Bild gesetzt. Butter ist also nicht die einzige Möglichkeit. )
Interessant, da fällt mir noch mehr zu ein.

Wie wäre es mit:

Du bist und bleibst für immer meine Mutter
und Blut ist dicker als der dicke Luther.

Nee – jetzt bin ich zu weit gegangen: „Dabschi, kusch …“

Liebe Grüße
Dabschi
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Alt 23.06.2016, 21:57   #17
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Da freut man sich doch Vaterfigur zu sein.
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Alt 23.06.2016, 23:25   #18
weiblich Ex-Dabschi
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Hallo Poesieger,

ich bin ehrlich und gebe es gerne zu, dass ich auf Deine Kommentare keinen Wert lege, weil mir Deine Sprüche zu dummschwätzerisch rüber kommen.

Dennoch freue ich mich sehr, dass Du meine zerschlissenen Kleider in den Tiefen von Poetry gefunden hast. Ich hoffe, dass sich der Finderlohn in Grenzen hält. Ich hatte meine Seelenkleider schon so sehr vermisst.

Zitat:
Da freut man sich doch Vaterfigur zu sein.
Jepp. Herzlichen Glückwunsch …

Und sorry, dass ich Deine Freundschaftsanfrage abgelehnt habe - ist nicht persönlich gemeint ...
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Alt 19.02.2018, 00:31   #19
weiblich Ex-Dabschi
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R.I.P.
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Alt 19.02.2018, 00:56   #20
männlich fsami
 
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Zitat:
Zitat von Dabschi Beitrag anzeigen
R.I.P.
Ist jemand tot oder was soll das?
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Alt 19.02.2018, 01:04   #21
weiblich Ex-Dabschi
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Zitat:
Zitat von fsami Beitrag anzeigen
Ist jemand tot oder was soll das?
Ich hatte damals hier ein Gedicht in die weite Welt gepostet und es war mir heute, nachdem meine Mutter gestern beerdigt wurde, ein Bedürfnis es mitzuteilen. Sie soll in Frieden ruhen …
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Alt 19.02.2018, 01:21   #22
gummibaum
 
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Mein Mitgefühl, liebe Dabschi.

Liebe Grüße und alles Gute
gummibaum
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Alt 19.02.2018, 05:29   #23
männlich Pit Bull
 
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Mein aufrichtiges Beileid liebe Dabschi.
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Alt 19.02.2018, 10:33   #24
Thing
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Liebe Dabschi!

Auch von mir ein inniges, tief empfundesnes Beileid!
Wir können uns über zwei Gräber die Hand reichen.

Immer:
Thing
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Alt 19.02.2018, 11:06   #25
weiblich Unar die Weise
 
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Standard Liebste Dabschi,

Ich schließe mich an.
Mein herzliches Beileid.

Unar
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Alt 19.02.2018, 15:52   #26
weiblich Ex-Letreo71
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Hallo Dabschi,

auch von mir, ein aufrichtiges Beileid.

Lieben Gruß

Letreo
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Alt 19.02.2018, 21:31   #27
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Liebe Forenmitglieder,

im Namen von Dabschi möchte ich euch liebe Grüße und ein herzliches Dankeschön für eure Beileidsbekundungen übermitteln.
Sie hätte sich gern selbst bedankt, aber wie ihr ja sehen könnt, ist dies nicht möglich.

Mit freundlichen Grüßen

Letreo
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Alt 19.02.2018, 21:46   #28
weiblich Ilka-Maria
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Zitat:
Zitat von Letreo71 Beitrag anzeigen
Sie hätte sich gern selbst bedankt, aber wie ihr ja sehen könnt, ist dies nicht möglich.
Es wäre durchaus möglich gewesen, wenn sie es gewollt hätte. Sie hatte sich abgemeldet, aber die Abmeldung nicht zurückgenommen, sondern einen Doppelaccount angelegt. Doppelaccounts entsprechen nicht der Forenregel.

Deshalb habe ich ihre Neuanmedung mit dem alten Account verbunden, da ich davon ausgehen musste, dass sie Ex-Dabschi bleiben will.
Ilka-Maria ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 19.02.2018, 22:10   #29
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Ach Ilka, es gab und gibt hier so viele Doppelaccounts und ausgerechnet in so einem Fall berufst du dich auf die Regeln. Das ist traurig.

Letreo
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Alt 19.02.2018, 22:15   #30
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Zitat:
Zitat von Letreo71 Beitrag anzeigen
Ach Ilka, es gab und gibt hier so viele Doppelaccounts und ausgerechnet in so einem Fall berufst du dich auf die Regeln. Das ist traurig.

Letreo
Du bist auf dem Holzweg. Dabschi ist von selbt gegangen und hätte jederzeit wieder kommen können. Der Umweg wäre nicht nötig gewesen.
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Alt 19.02.2018, 22:34   #31
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Vielleicht war ihr das unter den Umständen gar nicht bewusst.
Du hättest sie trotzdem stehen lassen können. Es hätte keinem geschadet!
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Alt 19.02.2018, 22:41   #32
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Zitat:
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Vielleicht war ihr das unter den Umständen gar nicht bewusst.
Du hättest sie trotzdem stehen lassen können. Es hätte keinem geschadet!
Nein, geschadet hätte es nicht. Aber richtig war es trotzdem nicht, im Groll zu scheiden, Poetry runterzumachen und sich dann durch die Hintertür reinzumogeln. Ein Wort hätte genügt, und sie könnte wieder da sein, ohne dass olle Kamellen aufgewärmt worden wären.
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Alt 20.02.2018, 00:04   #33
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Oh, jetzt lese ich das erst.
Das wusste ich nicht.
Mein Beileid Dabschi.

Gem
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