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Literatur und Autoren Literatur allgemein sowie Rezensionen von Büchern, Stücken und Autoren.

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Alt 17.03.2017, 19:02   #1453
weiblich Corazon De Piedra
 
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Was daran sollte neu sein?
Das Buch ist von 2016, das ist doch relativ neu.

Corazon
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Alt 17.03.2017, 19:23   #1454
männlich Ralfchen
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Daß Martin Luther ein Judenhasser und Bauernfeind war, ist schon zu seinen Lebzeiten bekannt gewesen.
Was daran sollte neu sein?
na ja die alte copd muss sich ja mit irgend etwas einen intellektuellen heiligenschein, wenn sie nachweislich schon die unheiligste vororten ist - oder - süsses romerle?
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Alt 17.03.2017, 19:49   #1455
weiblich Ilka-Maria
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Daß Martin Luther ein Judenhasser und Bauernfeind war, ist schon zu seinen Lebzeiten bekannt gewesen.
Was daran sollte neu sein?
Nix. Im Grunde reiten jetzt etliche Autoren und Verlage auf der Luther-Welle anlässlich des Jubiläums "500 Jahre Reformation" mit. So ein Geschäft muss man natürlich mitnehmen, obwohl die Zeitungen schon seit Monaten derart viel über Luther und die Reformation schreiben, dass man die Bücher gar nicht mehr zu lesen braucht.

Interessant ist jedoch, was im Zuge dieses Jubiläums über diese umbruchreiche Zeit mitgezogen wird. So ist z.B. von Klaus-Rüdiger Mai ein sehr schön illustriertes Buch mit dem Titel "Gutenberg - Der Mann, der die Welt veränderte" bei Propyläen erschienen:
Gutenberg war zwar schon einige Jahre tot, bevor Luther zur Welt kam, aber die Erfindung des Buchdrucks wurde für den wachsenden Protest gegen den bezahlten Sündenerlass insofern von Bedeutung, als Ablasszettel in immer höheren Auflagen gedruckt und unter das Volk gebracht werden konnten (ab Mitte des 15. Jh.). Die Leute brauchten nur noch ihren Namen draufzuschreiben.
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Alt 18.03.2017, 00:01   #1456
Thing
 
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C. David Heymann, "A Woman Named Jackie".

Anlässlich des Film "Jackie" mit Natalie Portman, der kürzlich in die Kinos kam, habe ich die Biografie über Jacqueline Kennedy aus dem Regal geholt, die dort schon seit vielen, vielen Jahren darauf wartete, gelesen zu werden. Das Buch ist sehr umfangreich - fast 700 Seiten - und sehr detailliert. Ich war überrascht, eine Jackie präsentiert zu bekommen, deren Wesen ich mir ganz anders vorgestellt hatte und die mir aus meiner Jugendzeit, als sie die First Lady in den Vereinigten Staat war, völlig anders in Erinnerung ist.

Das Buch, Ende der Achtziger Jahre publiziert, ist übrigens in einem sehr guten Stil geschrieben.
Das klingt interessant.
Ich hatte mir nämlich auch eine ganz bestimmte Vorstellung von Jaqueline Kennedy gemacht, die ich bis heute nicht revidierte.
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Alt 28.03.2017, 18:08   #1457
männlich mimimi
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Ich kann jeden das Buch von "Michael Schade - Irreguläre Tage" empfehlen.
Ein Künstler und Autor, der viel zu jung von uns ging.

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Alt 28.03.2017, 20:00   #1458
weiblich Ex-Richmodis
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Hitler. Eine Biografie.

von Joachim Fest.

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Alt 28.03.2017, 20:48   #1459
Thing
 
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Hitler. Eine Biografie.

von Joachim Fest.

Sehr lesenswert.
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Alt 01.06.2017, 16:28   #1460
männlich Amerdi
 
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Ich habe heute den historischen Roman "der schwedische Reiter" von Leo Perutz, aus dem Jahr 1936 ausgelesen.
Die Geschichte ist um 1700 angesiedelt, in den historischen Kontext der Eroberungsfeldzüge des Schwedenkönigs Karl XII, in einem durch den dreißigjährigen Krieg in chaotische Zustände gestoßenen Europa. Sie handelt von einem intriganten Identitätsdiebstahl, den ein landstreichender Langfinger an einem desertierten schwedischen Edelmann begeht.
Die beiden begegnen sich zufällig in einer Scheune und ziehen dann als verbrüderte Vagabunden durch Schlesien, das von Dragonersoldaten durchritten wird, die die Gesetzlosen an jeder Wegeskreuzung aufknüpfen. Ziel des Diebes sind die Steinbrüche und Brennöfen eines tyrannischen Bischofs, in die sich die Kriminellen des Landes vor dem Henker flüchten und in denen die Herumtreiber, auf deren Hals ebenfalls der Strick wartet, gegen Knochenarbeit, zumindest eine Suppe bekommen.
Plan des aus einem fremden Heer desertierten Adeligen ist es in der schwedischen Armee, unter seinem König zu dienen.

Ich will garnicht vorwegnehmen, auf welchen Wegen es nun zum Identitätswechsel kommt, kann aber versichern, dass die ganze Geschichte ausserordentlich spannend abläuft und mit einer ausgezeichneten sprachlichen Gewandtheit erzählt wird, die sich in sehr figurativen Formulierungen und immer wieder in poetischen Wendungen zeigt.

https://www.amazon.de/schwedische-Re.../dp/3423131608
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Alt 01.06.2017, 18:02   #1461
Thing
 
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Wie schön!
Leo Perutz war einer der begabtesten Schriftsteller seiner Epoche.
Von ihm außerdem sehr erfolgreich und (von mir) empfohlen:

Der Meister des jüngsten Tages
(mit Helmut Lohner und Michael Degen verfilmt) und
Wohin rollst Du, Äpfelchen...

Schön, daß er dem Vergessen hier entrissen wurde.
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Alt 01.06.2017, 21:43   #1462
weiblich Ilka-Maria
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Klaus-Rüdiger Mai: "Gutenberg" (Propyläen/Ullstein, 2016)

Für den Autor muss die Rekonstruktion der Biografie Gutenbergs eine Herkulesaufgabe gewesen sein, denn über den Erfinder des Buchdrucks ist wenig überliefert. Da galt es, Mosaiksteinchen zusammenzutragen und nach dem Motto "hätte, könnte, Konjunktiv" ineinanderzufügen.

Eins aber ist unbestritten: Gutenberg stand am Anfang einer neuen Epoche, die bis in unsere Zeit hineinwirkt. Seine Erfindung ermöglichte die Verbreitung von Wissen, und es waren Lehrbücher, die Gutenberg vervielfältigt haben wollte.

In Verbindung mit Luthers Aufwertung des Individuums (kein Priester sollte mehr die Schaltstelle zwischen Mensch und Gott sein), sowie der Übersetzung der Bibel in eine einheitliche deutsche Sprache, so dass jeder sie selbst lesen konnte, war diese Entwicklung revolutionär. Vorbei waren die Zeiten, in denen sich nur reiche Leute teure handschriftliche Kopien leisten konnten! Gutenberg und Luther öffneten den unteren Schichten das Tor zur Selbstwahrnehmung und zur Bildung.

Der Verbreitung von Wissen waren alle Bahnen freigemacht. Heute mutet der Umgang mit Zeitungen, Magazinen, Büchern, Reklamematerial etc. dermaßen normal an, dass niemand mehr einen Schimmer davon hat, was Gutenbergs Erfindung für die technische und wirtschaftliche Entwicklung des Abendlands bedeutete.
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Alt 07.06.2017, 22:45   #1463
männlich Amerdi
 
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Ja, Thing! Ich hoffe, dass Perutz wieder mehr Popularität findet.



Gestern las ich Alexander Lernet-Holenias kleinen Roman "Ein Traum in Rot".

Günther Fischer schreibt in der Zeitschrift "Der Tagesspiegel", Berlin 8. 6. 1997, unter "K.u.K. bis ins Mark - Ein phantastischer Roman von Lernet-Holenia wieder aufgelegt":

..."Der vorliegende Roman erschien 1939 zum ersten Mal. Vielleicht liegt es daran, daß dieses relativ kurze Buch, das mit 'Der Mann im Hut' (1937) und 'Mars im Widder' (1941) zu den Hauptwerken Lernet-Holenias im Bereich des Phantastischen gehört, weitgehend unbeachtet blieb. Es ist eine seltsam anrührende Arbeit. Voll elegischer Trauer über den Untergang des russischen Zarenreiches und einem weihevollen, für uns heute ungewohnt hohen Sprachduktus, erzählt es von Rosenthorpe, der nach der Oktoberrevolution auf dem polnischen Gut des Erzählers Chlodowski, eines geflohenen russischen Adeligen, eintrifft. Doch er ist nicht der, der er zu sein scheint: Er ist ein Dämon, ein Teufel, der Antichrist, der von Dschingis-Kahn abstammt. Aber, und hier wird der Roman genial doppelbödig, das Böse, das er verbreitet, erwächst ausschließlich aus seinem Wunsch, Gutes zu tun. Seine Güte erweist sich stets als tödlich, seine Schönheit führt ins Verderben, sein Kuß besiegelt den Untergang. Virtuos spielt Lernet-Holenenia hier mit Versatzstücken unserer Kultur - angefangen von Judas Verräterkuß bis hin zum tödlichen Bruderkuß der Mafia - und stellt doch eindringlich klar: Gut und Böse sind untrennbar miteinander verbunden, die Liebe zum Menschen kann zu Mord und Totschlag führen. Diesen Grundgedanken, der in der gnostischen Vorstellung von der Undenkbarkeit Gottes ohne seinen Widerpart, den Teufel, wurzelt, spricht Chlodowski, der bald unter den Trümmern seines Hofes begraben werden wird, am Ende des Romans aus: 'Denn auch das Böse kommt von Gott, es ist sein Wille, daß es die Welt läutere.'

Heute gelesen, erscheint Lernet-Holenias Roman wie ein düsteres Omen, das den unheilvollen Aufstieg Hitlers hellsichtig vorausmeldet. Von grotesker Komik sind darüber hinaus Szenen, in denen Lernet-Holenia das Leben und Überleben der Adligen nach der Revolution schildert: Als Stallknechte, Diener, Köche und Waschmägde arbeitend, schwadronieren sie über vermeintliche Heere und Generäle, die demnächst den Sieg und die Wende herbeiführen werden, das leiseste Gerücht gibt ihnen Anlaß zu abendfüllenden Spekulationen. Bitter läßt einen vor allem die Erkenntnis zurück: Die Geschichte geht unterschiedslos über den einzelnen hinweg, und mit Menschen voll verzweifelter Hoffnung hat ein leibhaftiger Dämon wie Michail Rosenthorpe leichtes Spiel."

Für mich war vorallem das rätselhaft Unheimliche des Buches ein Genuss, die Wippe zwischen Wirklichkeit und Wahn, die der Autor mit großer Sprachkunst in Schwung hält, denn Lernet-Holenia, der, mit Leo Perutz, oft als Meister des Phantastischen seiner Epoche in Österreich genannt wird, verstand es in ungewöhnlichen und eindrücklichen Formulierungen und Bildern zu schreiben.
Ich empfehle das Buch! Übrigens auch seinen "Baron Bagge", der ebenfalls ein Meisterstück der Phantastik ist.
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Alt 10.06.2017, 12:52   #1464
Thing
 
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Ich empfehle das Buch! Übrigens auch seinen "Baron Bagge", der ebenfalls ein Meisterstück der Phantastik ist.
Oh, oh, oh!
Ein Kenner!
"Der Baron Bagge" und "Der Golem" (v. Gustav Meyrink) sind die einzigen Romane, die ein Traumerlebnis schildern können.

(Hans Reimann)


Sehr zu empfehlen:
"Der Golem" von Gustav Meyrink.
Ich habe ihn mindestens zehnmal gelesen und kann manche Sätze aus dem Gedächtnis rezitieren - wenn und wo sie passen.

Rein phantastisch, trotzdem des realistischen Hintergrunds nicht entbehrend:

"Die letztze Welt"
von Christoph Ransmayr.
(Habe ich auch s e h r oft gelesen; ein Kapitelchen konnte ich aufsagen).
Nimmt vom ersten Satz an gefangen und läßt nicht wieder los.

Ich grüße sehr, sehr herzlich!

Thing
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Alt 10.06.2017, 20:43   #1465
männlich Versard
 
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Clemens J. Setz - Die Stunde zwischen Frau und Gitarre.
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Alt 12.06.2017, 17:13   #1466
männlich Amerdi
 
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Zitat:
Zitat von Thing Beitrag anzeigen
Oh, oh, oh!
Ein Kenner!
"Der Baron Bagge" und "Der Golem" (v. Gustav Meyrink) sind die einzigen Romane, die ein Traumerlebnis schildern können.

(Hans Reimann)


Sehr zu empfehlen:
"Der Golem" von Gustav Meyrink.
Ich habe ihn mindestens zehnmal gelesen und kann manche Sätze aus dem Gedächtnis rezitieren - wenn und wo sie passen.

Meyrinks Golem steht schon seit längerem auf meiner Liste. Habe bisher nur seinen weißen Dominikaner gelesen, der mir sehr gefallen hat durch seine unheimliche, rätselhafte, mit mystischer Weisheit durchmischte Atmosphäre, in deren Dunst eine wirklich spannende und rührende Liebesgeschichte sich zuträgt.
Das Buch spielt intensiv mit den Grenzen zwischen Traum, Illusion und Realität und hat darin einen solchen Eindruck auf mich gemacht, dass ich in der Nacht nach Beendigung der Lektüre tatsächlich einen luziden Traum hatte (ohne jedwede sonstige Vorbereitung). Seither gelingt mir dieser Zustand recht häufig.

"Die letzte Welt" habe ich noch nicht gelesen, Thing, ist aber nun notiert.
Merci!


liebe Grüße zurück
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Alt 24.06.2017, 11:44   #1467
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Standard Ich habe gerade gelesen und empfehle

Jorge Bucay, Geschichten zum Nachdenken.
In 2015 las ich bereits, Komm, ich erzähl dir eine Geschichte.

Beide sind toll. Ich werde nach mehr von ihm schauen.

Beste Grüße
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Alt 24.06.2017, 13:26   #1468
Thing
 
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Zitat:
Zitat von Amerdi Beitrag anzeigen
Meyrinks Golem steht schon seit längerem auf meiner Liste. Habe bisher nur seinen weißen Dominikaner gelesen, der mir sehr gefallen hat durch seine unheimliche, rätselhafte, mit mystischer Weisheit durchmischte Atmosphäre, in deren Dunst eine wirklich spannende und rührende Liebesgeschichte sich zuträgt.
Das Buch spielt intensiv mit den Grenzen zwischen Traum, Illusion und Realität und hat darin einen solchen Eindruck auf mich gemacht, dass ich in der Nacht nach Beendigung der Lektüre tatsächlich einen luziden Traum hatte (ohne jedwede sonstige Vorbereitung). Seither gelingt mir dieser Zustand recht häufig.

"Die letzte Welt"
habe ich noch nicht gelesen, Thing, ist aber nun notiert.
Merci!

liebe Grüße zurück
Im Wechsel. Immer wieder. Wie den Simplizissimus auch.
Ich werde mit Büchern vertrauter als mit manchen Menschen.
Bücher lügen nicht.

Lieben Gruß
von
Thing
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Alt 26.06.2017, 03:17   #1469
männlich Amerdi
 
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Bücher können Lügen beinhalten. Lügen die Bücher dann?

Auch den Simplizissismus will ich mir bald besorgen. Es gibt so unendlich viel Gutes...
Weswegen ich selten dazu komme ein Buch zweimal zu lesen. Meistens gehe ich lieber etwas Neues entdecken. Kann aber die Schönheit des Vertrautwerdens mit einem Buch durchaus nachempfinden.
Welche Bücher gehören denn noch zu deinen engeren Freunden? Wenn ich fragen darf.

Derzeit lese ich "Sebastian Haffner: Im Schatten der Geschichte. Historisch-politische Variationen aus 20 Jahren"
Das ist eine Zusammenstellung unterhaltsam-lehrreicher Causerien, die zum Großteil (nicht nur) europäische und deutsche Geschichte und Politik zwischen etwa 1845 und 1970 zum Inhalt haben (Kapitelüberschriften sind zB: "Preußens kurze Geschichte", "Bismarcks Reichsgründung", "Sedantag", "die Pariser Kommune", "Hitlers Machtergreifung" etc). Es sind auch einige sehr interessante biografische Entwürfe enthalten über Lenin, Mao, Stresemann, Adenauer, Churchill.
Haffners Stil ist anschaulich, von großer Klarheit und substanziellem Inhalt, dadurch lehrreich und gleichzeitig aber angenehm gelassen und locker. Wie ein sprachgewandter Freund dir eine spannende Geschichte aus seinem Lebensfeld erzählen würde, so erzählt Haffner Geschichte. Man fühlt, dass ihn der Stoff fesselt und fasziniert.
Auch lässt er, zu den geschichtlichen Vorkommnissen, immer wieder anregende Gedanken allgemeinerer Art fallen, über deren universelle Bedeutung. Manchmal wirft er kleine, intelligente Spekulationen ein (was wäre passiert, wenn...), woran man wiederum merkt wie ihn selber die Inhalte beflügeln. Sympathisch. Ein leidenschaftlicher Gelehrter.

Ich kann diese Sammlung wärmstens dem empfehlen, der sich für kurzweilige Historiographie interessiert. Auch andere Bücher von Haffner will ich nennen: "Anmerkungen zu Hitler", "Von Bismarck zu Hitler: Ein Rückblick"



Davor habe ich "der Immoralist" von André Gide gelesen (von 1901).
Ein ausgezeichneter kleiner Entwicklungsroman von enormem psychologischem Tiefgang.
Nachdem ich so viel zu Haffner gesagt habe, will ich es dabei erstmal belassen und euch nur noch zur Lektüre des Buches raten.
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Alt 27.06.2017, 08:07   #1470
weiblich Ilka-Maria
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Zitat:
Zitat von Amerdi Beitrag anzeigen
Auch den Simplizissismus will ich mir bald besorgen.
Endlich mal wieder jemand wie dich, der ein paar Worte zu den Büchern sagt, die er liest. Haffner ist klasse.

Den Simplizissimus kannst du hier lesen:
http://gutenberg.spiegel.de/buch/sim...issimus-5248/1

Unten rechts ist der Link, der dich durch die Kapitel führt.

Viel Vergnügen!
Ilka-Maria ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 27.06.2017, 08:14   #1471
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Wurde mir neulich geschenkt, weil ich über meinen Bauchansatz sinnierte.
Sehr lehrreich.
"Esst endlich normal" von Udo Pollmer

https://www.amazon.de/E%C3%9Ft-endli...endlich+normal
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Alt 27.06.2017, 08:23   #1472
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Zitat:
Zitat von Pit Bull Beitrag anzeigen
"Esst endlich normal" von Udo Pollmer
Habe ich vor Jahren gelesen. Ich hatte allerdings den Eindruck, dass der Autor in erster Linie den Schlankheitswahn der Frauen im Blickfeld hatte.

Männer durften schon immer ein Bäuchlein haben. Eine frühere Kollegin von mir pflegte zu sagen: "Ein Mann ohne Bauch ist ein Krüppel."
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Alt 27.06.2017, 08:27   #1473
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Zitat:
Zitat von Ilka-Maria Beitrag anzeigen
Habe ich vor Jahren gelesen. Ich hatte allerdings den Eindruck, dass der Autor in erster Linie den Schlankheitswahn der Frauen im Blickfeld hatte.
Männer durften schon immer ein Bäuchlein haben. Eine frühere Kollegin von mir pflegte zu sagen: "Ein Mann ohne Bauch ist ein Krüppel."
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Alt 27.06.2017, 08:34   #1474
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Ich wollte mal wissen, wie sich Sprache in heutigen Jugendbüchern artikuliert und griff deswegen nach einem Jugendroman:

Grit Poppe, "Abgehauen".

Es geht um einen weiblichen Teenager mit Spitznamen Gonzo, ausgebüchst aus dem Jugendwerkhof Torgau.

Schon allein die Zustände in diesem Heim, die Behandlung der Jugendlichen, lassen mir die Haare zu Berg stehen und den Hals dick werden.

Das Buch ist flott geschrieben und lässt nicht erkennen, ob es für Erwachsene oder jüngere Leser geschrieben ist. Mit anderen Worten: Über Jugendsprache konnte ich leider nichts erfahren.

Auch kommt das Thema etliche Jahre zu spät.

Trotzdem ist der Roman unterhaltsam, wenngleich der Ausgang - meine ich nach dem halben Buch - voraussehbar ist.
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Alt 08.07.2017, 19:45   #1475
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Stephen King: Mr Mercedes

Und es wundert mich, dass gegen Stephen King noch niemand eine Fatwa ausgesprochen hat.
Dürfen Dichter so etwas überhaupt?
Admins?

Gem
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Alt 09.07.2017, 13:51   #1476
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Karl Iglesias: "Emotional impact - Advanced dramatic techniques to attract, engag, and fascinate the reader from beginning to end".

Was dieses Buch von anderen Büchern über Schreibtechniken unterscheidet, ist auf der Rückseite des Buches in vier Sätzen zusammengefasst:

It's not about plot points.
It's not about act structure.
It's not about character.
It's avout EMOTION !

Von Anfang an betont Iglesias, dass viele Manuskripte in einer perfekten Technik steckenbleiben und den Leser oder Filmzuschauer deshalb nicht packen, weil in ihrer Geschichte die Emotionen fehlen. An Beispielen von Filmen, die deshalb beim Publikum ankamen (manchmal trotz großer Skepsis der Produzenten), weil sie Emotionen weckten, zeigt Iglesias, wie man es richtig machen und eine Geschichte auch denn zum Erfolg führen kann, wenn der Autor sich nicht sklavisch an die Technik gehalten hat.

Iglesias bietet seinen Lesern eine von ihm erstellte Liste über alle menschlichen Emotionen an, die er per PDF versendet. Ich habe sie mir schicken lassen.

Unter den Überschriften FEAR, HATE, ANGER, SORROW, CONFUSION, SHAME, CURIOSITY, SURPRISE, CONFIDENCE, DESIRE, LOVE und JOY hat er hunderte von Adjektiven aufgeführt, die Emotionen benennen. Die meisten davon fallen - wer hätte es anders erwartet - unter LOVE, JOY und SORROW (jeweils zwischen 80 und 90 Bezeichnungen).



https://www.youtube.com/watch?v=U9V4rEQnle8&t=50s
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Alt 19.07.2017, 16:59   #1477
männlich Amerdi
 
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Zitat:
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Endlich mal wieder jemand wie dich, der ein paar Worte zu den Büchern sagt, die er liest. Haffner ist klasse.

Den Simplizissimus kannst du hier lesen:
http://gutenberg.spiegel.de/buch/sim...issimus-5248/1

Unten rechts ist der Link, der dich durch die Kapitel führt.

Viel Vergnügen!
Das ist lieb von dir, Ilka. Allerdings lese ich am liebsten in einem echten Buch, das für meine Hände ein haptisches Erlebnis ist, das ich blättern, dessen Duft ich atmen, das ich anschauen kann als kleines viereckig-handliches Abenteuer. Und viele Bücher nebeneinander im Bücherschrank zu sehen (jedes, wie schon gesagt, als kompaktes Abenteuer empfunden, mit unzähligen Assoziationen und Erinnerungen), hat einfach einen betörenden Reiz für mich...


Aber zurück zum Thema:

Derzeit lese ich "The Psychology of Dictatorship: Based on an Examination of the Leaders of Nazi Germany" von Gustave Mark Gilbert.
Darin wird die NS-Diktatur aus der Sicht des Psychologen, der die Hauptkriegsverbrecher bei den Nürnberger Prozessen betreut hat, wissenschaftlich (dennoch leicht lesbar auch für Laien) durchleuchtet.
Das Buch ist in drei Teile parzelliert. Im ersten geht es um die Entstehung der nationalsozialistischen Diktatur, ihre geschichtlichen, kulturellen und psychosozialen Voraussetzungen. Speziell wird natürlich die Person Hitlers untersucht.
Im zweiten Teil analysiert er in Fallstudien verschiedene, von ihm während der Haft begutachtete Nazi-Funktionäre, deren Charaktere er unter anderem anhand der zahlreichen Gespräche darstellt und erklärt, die er mit ihnen führte und aus denen er immer wieder interessante Äußerungen zitiert. Ebenfalls spannend sind die Erläuterungen zu den Ergebnissen psychologischer Tests, die mit ihnen durchgeführt wurden (zB der Thematische Auffassungs- und der Rorschachtest).
Der letzte Teil heißt "Psychological Implications" und den habe ich eben erst begonnen zu lesen. Darin versucht er nun wahrscheinlich nochmal, etwas allgemeiner, die psychologischen Grundlagen und Funktionsweisen der einzelnen Elemente einer Diktatur zu erklären (kulturelle Pseudopathologie, psychopathische Charaktere, Persistenz von Vorurteilen und Stereotypen, Führerschaft und soziale Interaktion, das autoritäre Wertesystem, etc...).

Für mich ein unerhört faszinierendes Buch, das mir ein deutlich größeres Verständnis dieser Zeit gegeben hat.
Ich werde vermutlich auch gleich zu einem nächsten Werk von Gilbert übergehen - "Nürnberger Tagebuch (Die Zeit des Nationalsozialismus)". Dieses enthält die Aufzeichnungen zu den Gesprächen, die er mit den Angeklagten führte.



Ich will noch ein Buch erwähnen, das ich letztens gelesen habe: Jakob Wassermanns "Caspar Hauser oder Die Trägheit des Herzens".
Das ist ein historischer Roman, der das rätselhafte Erscheinen des "Findlings" Kaspar Hauser im Jahr 1828 in Nürnberg und dessen folgende Lebensjahre zum Thema hat.
Eines Tages steht dieser ca 16-jährige Bursche hilflos auf einem öffentlichen Platz, nur einen Zettel in der Hand, auf dem wenig mehr zu lesen ist als der Name "Caspar Hauser". Er kann ein paar Worte sprechen, scheint aber den Sinn von ihnen nicht zu wissen. Alles ist ihm fremd, nicht die gewöhnlichsten Dinge kennt er. Man ist fasziniert.
Zunächst lebt er als Kuriosität in einem Turm. Dann siedelt er in das Haus eines Lehrers über, der ihn erziehen soll. Sein Sprechen wird besser, sein Verhalten etwas menschlicher. Man kommt durch Untersuchung der Sache zu der Ansicht, dass er jahrelang in einem dunklen, kleinen Kellerloch gelebt habe, ohne Wissen von der Aussenwelt, ohne Bewusstsein seiner selbst.
Die Geschichte verbreitet sich in Deutschland und nicht alle glauben an die "Keller-Erklärung", viele halten ihn für einen Betrüger, einen armen Bauern, der sich ein parasitäres Abhängigkeitsverhältnis ergattern, die Gutherzigkeit anderer Menschen ausnutzen will.
Mit der Zeit entstehen sogar Verschwörungsgerüchte, nach denen der Findling ein aus dem Weg geräumter Thronerbe sein soll. Ein populärer Verfechter dieser Theorie ist der Staatsrat von Feuerbach, der ein Schirmherr Hausers wird und, nebenbei erwähnt, der Vater Ludwig Feuerbachs war.
Bevor ich zu viel verrate, will ich meine Beschreibung hier einstellen und mit einer dringenden Empfehlung des Buches enden!
Eine fesselnde und bewegende Geschichte, von Golo Mann als der schönste Krimi der Welt bezeichnet.

Geändert von Amerdi (19.07.2017 um 18:28 Uhr)
Amerdi ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 22.07.2017, 13:47   #1478
männlich urluberlu
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Gianni Rodari: "Das fliegende Riesending", original "La torta in cielo"

Weil ich etwas suchte, was meinen Text "Le gâteau ivre" halbwegs rechtfertigen kann.

Und siehe da. In Rodari finde ich eine Art verwandter Seele... Naja, eine Art von...

Urluberlu

P.S. Das Buch ist witzig, kurz gehalten, in gutes Deutsch übersetzt. Und nicht nur für Kinder.
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