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Alt 23.07.2017, 18:36   #1
weiblich DieSilbermöwe
 
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Standard Verzauberte Nacht, Teil I - Tina sucht die Liebe, Teil 10

Hendriks Mutter lachte.
„Das ging aber schnell! Und wer spielt die Julia?“
„Keine Ahnung, vielleicht die, mit der ich heute geprobt habe.“
Hendrik nestelte an seiner Hosentasche herum, dann durchfuhr es ihn siedendheiß.
„Mist! Ich hab mein Notizbuch im Theater vergessen!“
„Macht doch nix. Das kannst du doch morgen abholen“, sagte seine Mutter.
Aber Hendrik schüttelte wie wild den Kopf.
„Nee. Da stehen Sachen drin, die muss wirklich keiner wissen. Verdammt, das kann ich nicht liegenlassen. Ich muss noch mal zurück.“
„Ach Hendrik.“ Seine Mutter seufzte.
„Dann geh es in Gottes Namen halt holen. Kommst du denn jetzt nochmal ins Theater rein?“
„Ich hoffe.“
Hendrik sah auf seine Armbanduhr. Es war 22.20 Uhr.
„Ich glaube, bis 23.00 Uhr ist da noch irgend jemand, es stand irgendwo ein Schild, dass die Putzfrauen nach der Probe noch kommen, wir aber trotzdem keinen Saustall hinterlassen sollen.“
Als er das verständnislose Gesicht seiner Mutter sah, erklärte er: „Natürlich nicht wörtlich. Aber es stand so ungefähr da, dass der Raum nach der Probe immer geputzt wird, für die Putzfrauen aber alles so hinterlassen werden soll, dass man ihnen keine zusätzliche Arbeit macht.“
„Kann man ja auch verstehen.“
„Klar, bin aber heilfroh, dass noch jemand da sein muss. Ich muss das Notizbuch unbedingt wieder haben.“
Kaum hatte er die Worte ausgesprochen, drehte er sich um und sprintete fast zur Haustür heraus. Seine Mutter zuckte resignierend die Achseln. Lieber wäre ihr gewesen, Hendrik wäre zuhause geblieben und hätte diese Aktion auf den nächsten Tag verschoben. Aber was brachte es, einem 17-, fast 18-jährigen noch etwas vorschreiben zu wollen? Und eine Glucke war sie sowieso noch nie gewesen. Zudem würde es ja wohl nicht die ganze Nacht dauern, bis er wieder da war, und sein Handy hatte er ja sowieso immer dabei.
Seufzend ging sie ins Wohnzimmer und setzte sich vor den Fernseher.

Tina hatte fast 20 Minuten lang am selben Fleck gestanden, an dem Cassie sich verabschiedet hatte und über den Abend, die Probe, Cassies neuerliches merkwürdiges Interesse an ihr und über diesen Hendrik nachgedacht, dann beschloss sie, jetzt endlich nach Hause zu gehen. Nachdenken konnte sie auch dort, obwohl die Sommernacht einen eigentümlichen Reiz auf sie ausübte. Wie es wohl sein müsste, in einer solchen Nacht einen Jungen zu küssen? In einer solchen Nacht war sicher Romeo zu Julia über den Balkon geschlichen und sie hatten sich ihrer Leidenschaft hingegeben ….
„Es war die Nachtigall und nicht die Lerche“, kam ihr in den Sinn. Ja, in einer solchen Nacht konnte man nur hoffen, dass die Lerche niemals auftauchte …. Sie merkte, dass sie in eine romantische Stimmung geriet, als sie jemand ziemlich unsanft an ihrem linken Arm anrempelte.
„Ach Verzeihung!“ Hendrik war ziemlich außer Atem. „Sorry, ich hab's sehr eilig, hab dich fast übersehen.“
„Fast?“ Tina rieb sich den linken Arm. „Dafür hast du meinen Arm aber gut getroffen.“
„Wie gesagt, tut mir leid, aber ich muss weiter. Ich muss unbedingt nochmals ins Theater.“
Und flugs war er an ihr in Richtung Theater vorbeigeeilt.
„Da hat er aber Glück, dass die Putzfrauen noch da sind“, dachte Tina, aber jetzt war ihre Neugier geweckt. Was wollte Hendrik denn jetzt noch dort? Sie sah von ihrem Standort aus zu, wie Hendrik nochmal im Theater verschwand. Nun, die paar Minuten, bis er wieder auftauchte, konnte sie nun auch noch mit dem Nachhausegehen warten. Sie musste nicht lange warten – Hendrik tauchte fast genau 6 Minuten später wieder auf, und war, soweit sie das erkennen konnte, über irgend etwas sichtlich erleichtert. Er lächelte vor sich hin. Jetzt wollte sie aber wissen, was los war und da er sowieso nochmal auf der Straße an ihr vorbei musste, nahm sie sich vor, ihn einfach zu fragen. Eine Minute später war es soweit – er wollte in die andere Richtung wieder an ihr vorbei, ging jetzt aber betont langsam und sagte, als er sie sah: „Immer noch hier?“
„Wie du siehst“, gab Tina zurück.
„Was hast du denn jetzt noch im Theater gewollt?“ platzte sie dann unverblümt heraus.
„Hatte was vergessen.“ Hendrik lächelte. Ob er wusste, dass sein Lächeln einfach jedes Mädchen umwerfend fand?
„Wohnst du hier in der Nähe?“ fragte er dann.
„Nicht weit von hier weg“, sagte Tina, „es sind nur zwei Straßen weiter.“
„Und was machst du jetzt noch hier?“
„Hab noch keine Lust, nach Hause zu gehen“, antwortete sie.
„Ja, es ist eine schöne Sommernacht. Weißt du was, wir könnten noch ein wenig spazierengehen, und ich bring dich dann nach Hause.“ Die Worte waren heraus, ehe Hendrik selber wusste, war er da redete. Eigentlich ging ihn diese Tina doch gar nichts an?

Tina dachte dasselbe. Im Grunde genommen kannte sie diesen Hendrik so gut wie gar nicht, ganz oberflächlich vielleicht seit dem heutigen Tag. Warum wollte er mit ihr spazierengehen und sie dann nach Hause bringen? Andererseits: Warum sollte sie ihn daran hindern?

„Okay“, sagte sie deshalb, „wo willst du denn hin?“

„Wir könnten noch ein wenig an der Isar entlang gehen“, schlug Hendrik vor. „Ich mag es immer sehr, am Wasser herumzulaufen.“
„Mag ich auch“, sagte Tina und dann schlenderten sie zusammen Richtung Isar, während die Sterne am Himmel leuchteten und Tina hoffte, dass Hendrik jetzt nicht etwas Unromantisches über den Großen Wagen oder die Michstraße bemerken würde. Aber ihm ging etwas ganz anderes im Kopf herum.
„Spielst du schon lange Theater?“ fragte er.
„Schon einige Jahre.“
„Hast du die Julia schon mal gespielt?“
Tina schüttelt den Kopf.
„Das ist das erste Mal, dass Kurt das Stück überhaupt aufführen will.“


- Fortsetzung folgt -
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Alt 26.07.2017, 14:28   #2
weiblich Ilka-Maria
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Liebe Silbermöwe,

diese Folge finde ich nicht so stark wie die vorhergehenden. Der Dialog zwischen Hendrik und seiner Mutter ist zu detailliert. Es interessiert den Leser nicht, wie die Putzarbeiten im Theater organisiert sind. Wichtig ist nur, dass Hendrik überhaupt eine Chance hat, so spät noch in das Theater reinzukommen.

Die Frage stellt sich, ob das Theater unbedingt am selben Abend nach der Probe geputzt werden muss. Morgens ist normaler Schulunterricht, da wird die Bühne nicht genutzt und es könnte den ganzen Vormittag über geputzt werden.

Hier hätte man einen Hausmeister einschalten können, der am Abend nach Ende der Probe nochmal einen Rundgang macht und prüft, ob die Lichter aus und alle Türen abgeschlossen sind, eventuell auch, ob alle Requisiten, falls verwendet, an ihren Platz zurückgestellt wurden.

Es wäre ohnehin spannender, wenn sich Hendrik in dieser Situation auf das Glück verlassen müsste und nicht mit Sicherheit wüsste, dass noch jemand im Theater ist. Das ließe umso neugieriger werden, was wohl in dem Notizbuch steht, das so brisant sein könnte, dass es niemand lesen darf.

LG
Ilka
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Alt 26.07.2017, 17:47   #3
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Liebe Ilka,

das ist echt lustig. Ich hielt diesen Teil für einen meiner besten, weil ich hier Hendrik und Tina zusammengeführt habe. Interessant für mich ist dabei, dass ich das ursprünglich gar nicht so vor hatte. Dann kam es mir gelegen, dass Tina zufällig noch vorm Theater steht und sie sich so begegnen. Ich stimme dir aber zu, dass es viel zu bequem für Hendrik war, so einfach ins Theater zu kommen. Er hätte Tina vor dem Theater fragen können, wie er hinein kommt, dann hätten sie gemeinsam einen Weg finden und Hendrik das geheimnisvolle Notizbuch vor Tina verstecken können....

Die verzauberte Nacht ist aber auch noch nicht vorbei.....
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Alt 26.07.2017, 18:23   #4
weiblich Ilka-Maria
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So kann es gehen, Silbermöwe . Es ist nicht falsch, Tina und Hendrik zusammenzubringen - das wir ja allmählich Zeit dafür.

Pass auf, dass deine Dialoge nicht abflachen. Bisher hast du gut damit gelegen, aber hier sind sie etwas blutleer. Und vermeide Verben des Sagens, Vorschlagens, Erkärens usw., wenn sie selbstverständlich sind und aus dem Kontext hervorgeht, wer gerade spricht.

Vorschlag:

Zitat:
Tina dachte dasselbe. Im Grunde genommen kannte sie Hendrik so gut wie gar nicht. Warum wollte er mit ihr spazierengehen und sie dann nach Hause bringen? Andererseits: Warum nicht? Er hatte eben Manieren.

„Okay. Wohin?“
„An die Isar. Wasser fasziniert mich.“
„Mich auch.“
Gemeinsam schlenderten sie zum Ufer der Isar. Am Himmel blinkten die Sterne, und Tina hoffte, dass Hendrik jetzt nicht etwas Unromantisches über den Großen Wagen oder die Milchstraße von sich geben würde. Aber ihm ging ganz anderes durch den Kopf.
„Seit wann spielst du Theater?“
„Einige Jahre.“
„Schon mal die Julia gespielt?“
Kopfschütteln.
„Es ist das erste Mal, dass sich Kurt an das Stück traut.“
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Alt 27.07.2017, 08:34   #5
weiblich DieSilbermöwe
 
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Die Geschichte ist ja hauptsächlich für Jugendliche gedacht. Ich hatte als Kind/Jugendliche tatsächlich immer Probleme, beim Lesen von längeren Dialogen auseinander zu halten, wer gerade spricht und musste öfters nachzählen, stellte dabei mehr als einmal fest, dass
sich der Autor selbst verzettelt hatte. Deswegen bin ich da so "gründlich".

Aber ich denke, dafür gibt es dann auch andere Wege, z. B. Namen einstreuen.

Jetzt liegt die Latte für die nächste Fortsetzung hoch. Aber genau das facht ja auch den Ehrgeiz an.

Danke für deinen Kommentar

LG DieSilbermöwe
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Lesezeichen für Verzauberte Nacht, Teil I - Tina sucht die Liebe, Teil 10

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jugend, liebe, theater

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