Poetry.de - das Gedichte-Forum
 kostenlos registrieren Forum durchsuchen Letzte Beiträge

Zurück   Poetry.de > Geschichten und sonstiges Textwerk > Kolumnen, Briefe und Tageseinträge

Kolumnen, Briefe und Tageseinträge Eure Essays und Glossen, Briefe, Tagebücher und Reiseberichte.

Antwort
 
Themen-Optionen Thema durchsuchen
Alt 19.02.2017, 14:13   #1
weiblich DieSilbermöwe
 
Benutzerbild von DieSilbermöwe
 
Dabei seit: 07/2015
Alter: 56
Beiträge: 4.052

Standard An einem Abend in der Kneipe

David
Schon von ferne hörte ich die laute Musik , die mich meine Schritte schließlich in die Richtung der Kneipe lenken ließ, aus der sie kam. Es waren zum größten Teil alte deutsche Schlager, aber auch moderne deutsche Hits waren darunter. Richtig angezogen wurde ich aber hauptsächlich von dem Uralt-Song „Griechischer Wein“ von Udo Jürgens. Die Zeile im Song: „Ich hatte Zeit und mir war kalt, drum trat ich ein“ passte gerade so schön. Mir ging es ähnlich, nur stand (wie im Lied) leider niemand auf und lud mich ein, als ich eintrat. Aber das ließ sich verschmerzen. Ich setzte mich an die Theke und schaute mich erst einmal um. Außer mir waren nur Paare oder Gruppen da, zumindest entdeckte ich niemand, der allein da zu sein schien. „Auch gut“, dachte ich, „davon geht die Welt nicht unter“. In einer größeren Runde an einem Tisch in der Ecke entdeckte ich eine Frau, die mir auf den ersten Blick gefiel. Blonde, schulterlange Haare, ein liebes Gesicht, ca. 30 oder 35 Jahre alt.. Mehr konnte ich erst einmal nicht erkennen, aber um meine Fantasie anzuregen, reichte es. Ich stellte mir vor, wie ich sie ansprechen würde und wie sie erst verwundert, dann geschmeichelt sein und am Ende des Abends mit mir in die Nacht entschwinden würde. Dass sie dem Anschein nach einen Begleiter dabei hatte, tat meiner Fantasie keinen Abbruch. In meinen Träumen begann der Abend, sich von einem mittelmäßigen in einen wunderschönen zu verwandeln ….

Sophie
Der Abend in der Kneipe fing genauso an, wie ich ihn mir vorgestellt hatte. Eine größere Runde einiger Leute, die sich bis jetzt nur aus dem Internet, aber noch nicht so wirklich kannten und es dauerte ein wenig, bis man miteinander warm wurde. Jochen hatte angeboten, mich mitzunehmen. Ich sagte unter der Bedingung zu, dass er aber nicht glauben sollte, dass da was laufen würde. Er hatte nur gelacht und gesagt, dass seine Frau damit auch nicht einverstanden wäre, und so waren wir beide zufrieden mit der Regelung. Möglicherweise hielten uns Außenstehende für ein Paar – das war mir aber nicht so wichtig.
Die Gespräche plätscherten zunächst etwas mühsam dahin und es fiel mir eher schwer, etwas beizusteuern. Auf der Suche nach Ablenkung ließ ich meinen Blick in der Kneipe umherschweifen. Dabei fiel mir ein etwa 30 oder 35 Jahre alter Mann auf, dunkelhaarig, der offenbar ab und zu in meine Richtung blickte. Irgend etwas an ihm faszinierte mich. Ich versuchte, nicht allzu auffällig in seine Richtung zu schauen und musste doch immer wieder dahin blicken. Anstatt den Gesprächen am Tisch zu lauschen, verlor ich mich auf einmal in Träumen und stellte mir vor, wie ich den Mann kennenlernen würde. Der Abend fing an, wenn auch nur in meiner Fantasie, sich von einem mittelmäßigen in einen wunderschönen zu verwandeln ...

Was beide drei Stunden später dachten

David
Den letzten Cognac hätte ich wohl lieber nicht mehr trinken sollen, jetzt muss ich das Auto stehenlassen und ein Taxi nach Hause nehmen. Zu dämlich aber auch. Was macht denn die Kleine? Ah ja, sie ist immer noch da. Vielleicht hätte ich sie doch ansprechen sollen? Aber das macht man nicht, wenn jemand in Begleitung ist. Und selbst wenn nicht. Vielleicht hätte sie mir einen Korb gegeben. Das brauche ich auch nicht. Wahrscheinlich ist sie sowieso eine eingebildete Zicke. Sie hat doch gesehen, dass ich an ihr interessiert war. Sie hätte mir mal einen Wink geben soll. Jetzt hat sie ihre Chance verpasst. Selber schuld. Oder etwa doch ich?
Was für ein Scheißabend.

Sophie
Die ganze Zeit habe ich zu ihm rübergeschaut, und er hat nicht reagiert. Dabei hätte er mir doch nur mal ein kleines Zeichen geben können, ob er Interesse hat. Ach was, Interesse hatte er doch, das war ja nicht zu übersehen. Der hat doch die ganze Zeit hierhin geschaut. Oder war es nur deswegen, weil über unserer Gruppe der Fernseher hing? Nee, kann ich mir nicht vorstellen. Er hat ja in meine Richtung geschaut und nicht auf den Fernseher. Warum kommt er dann nicht in die Gänge? Männer! Wahrscheinlich denkt er noch, ich hätte ihn ansprechen sollen. Mache ich nicht, sowas, das hab ich nicht nötig. Und vielleicht hätte sich dann noch rausgestellt, dass er doch auf den Fernseher geschaut hat und ich hätte einen Korb kassiert. Das brauche ich auch nicht. Wahrscheinlich ist er ganz schön eingebildet. Na, seine Chance hat er verpasst. Selber schuld. Oder etwa doch ich?
Was für ein Scheißabend.

Geändert von DieSilbermöwe (19.02.2017 um 15:47 Uhr)
DieSilbermöwe ist offline   Mit Zitat antworten
Antwort

Lesezeichen für An einem Abend in der Kneipe

Stichworte
abend, kneipe, korb

Themen-Optionen Thema durchsuchen
Thema durchsuchen:

Erweiterte Suche


Ähnliche Themen
Thema Autor Forum Antworten Letzter Beitrag
Unter einem Regenschirm am Abend (Textus de gruppa) Ralfchen Zeitgeschehen und Gesellschaft 61 12.05.2019 17:48
Dem Abend gummibaum Lebensalltag, Natur und Universum 6 22.02.2014 16:27
In der Kneipe Titus Maria R. Geschichten, Märchen und Legenden 0 04.01.2012 22:04
Abend für Abend Abraxas Eismond Gefühlte Momente und Emotionen 0 10.08.2007 00:50


Sämtliche Gedichte, Geschichten und alle sonstigen Artikel unterliegen dem deutschen Urheberrecht.
Das von den Autoren konkludent eingeräumte Recht zur Veröffentlichung ist Poetry.de vorbehalten.
Veröffentlichungen jedweder Art bedürfen stets einer Genehmigung durch die jeweiligen Autoren.