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Düstere Welten und Abgründiges Gedichte über düstere Welten, dunkle und abgründige Gedanken.

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Alt 23.03.2019, 20:53   #1
weiblich Zinaida
 
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Beiträge: 157

Standard Lettland

Weisst du noch?
Die frostigen Sonnenuntergänge
im Februar
Als ich zitternd die Matratze bestieg?
12 Uhr Mitternacht ertönte es
In der Uhrfabrik im Schädel.
Die Zurechnungsfähigkeit gespalten
wie das Holz für den verrusten Ofen im Keller.
Mein Körper versuchte zu vergessen.
Sabbernd und hechelnd
Schwitzte ich Überreste der Jugendgifte aus.

Alles fiel.
Weisst du noch?
Wie du mich aufgefangen hast.
Geschmeidig landete ich in deinem Griff
Auf einen abstinenten Neuanfang
Doch der Fall liess Baupläne
Von Höhen
verlust
In mir zurück.

Weisst du noch?
Wie naiv und unbeschrieben wir waren.
Und dennoch versehrt mit Überschriften
Auf Stein gezwängt.
Angetrieben von der regulativen Idee
Des kreisförmigen Kiesels?
In deiner Hand ein Fäustel
In meiner ein Meissel
Doch Koordination
Kannten wir noch nicht.

Schriftsteller wollten wir beide nicht sein.
Wandeln war cooler als Schaffen.
Jeder hielt sich für DEN Lebenskünstler,
den Gegenüber
für DEN missformten,
faden Marmorklotz.
Doch ohne die Augenbinde
War jeder von uns
Ein blinder Zögling
Der mit Schmirgelpapier spielte.
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Alt 23.03.2019, 22:44   #2
weiblich Unar die Weise
 
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Beiträge: 4.737

Standard Liebe Zinaida,

aus deinem Text lese ich werden, wachsen, weiten.
In deinen Zeilen steckt formen und schleifen.
Hier steht was von gemeinsamen Erfahrungen und getrennten Meinungen.
Alles ist interessant verpackt.

Unargruß
Unar die Weise ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 23.03.2019, 23:02   #3
weiblich Zinaida
 
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Zitat:
Zitat von Unar die Weise Beitrag anzeigen
aus deinem Text lese ich werden, wachsen, weiten.
In deinen Zeilen steckt formen und schleifen.
Hier steht was von gemeinsamen Erfahrungen und getrennten Meinungen.
Alles ist interessant verpackt.

Unargruß
Hallo Unar
Danke für deine Rückmeldung deine Beschreibung passt gut.

Liebe Grüsse
Zinaida
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Alt 24.03.2019, 00:28   #4
männlich Ralfchen
 
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Beiträge: 10.872

einfach eine runde schöne aussage über das sein - wünschen - hoffen - handeln von zwei menschen. fein ziselierte wortwahl. keine unverständlichen überhochmetzten und an den haaren herbeigezerrten metaphern. klare sprache unverfärbt, ungegerbt, aus dem leben.

vlg
r
Ralfchen ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 24.03.2019, 01:50   #5
weiblich Zinaida
 
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Beiträge: 157

Zitat:
Zitat von Ralfchen Beitrag anzeigen
einfach eine runde schöne aussage über das sein - wünschen - hoffen - handeln von zwei menschen. fein ziselierte wortwahl. keine unverständlichen überhochmetzten und an den haaren herbeigezerrten metaphern. klare sprache unverfärbt, ungegerbt, aus dem leben.

vlg
r

Hallo Ralfchen
Danke für das Feedback. Habe wirklich Mal probiert eine schlichte Wortwahl zu benutzen. Freut mich, dass es aufgefallen ist und gut ankommt

Herzliche Grüsse
Zinaida
Zinaida ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 24.03.2019, 02:04   #6
männlich Ralfchen
 
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Beiträge: 10.872

gerne liebe Z -

worüber ich kritisch elaboriere sind jene völlig verqueren wort-satz-modelle, die von einer kleinen zahl von texterInnen den lesern hier vorgesetzt werden. weil es niemand versteht werden diese texte völlig hilflos gelobt. ich bin damit nicht einverstanden. man kann sehr wohl abstraktes schreiben, aber dann ist es eben abstrakt oder auch expressionistisch. dass in literaturforen überwiegend laien, lernende und hilfesuchende unterwegs sind, ist gut und muss unterstützt werden. doch gerade die verquerungen jener texterInnen, welche den größten urkram aus dem weichen gips-schlamm ihrer fahlen zerebrien rausquetschen wie creme durch einen presser auf eine torte, zu lesen und entschlüsseln ist mühsam. WITTGENSTEIN hat das so klar ausgedrückT:

"Alles, was überhaupt gedacht werden kann, kann klar gedacht werden. Alles, was sich aussprechen lässt, lässt sich klar aussprechen."

und wenn man das eigenartige geschwurbel von einem Morgen der sich aus dem schal wickelt...liest kommen dir nur mehr anstelle von stabbuchen, die fragezeichen einer buchstabensuppe aus dem denk-schlund hoch
Ralfchen ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 24.03.2019, 02:13   #7
weiblich Zinaida
 
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Beiträge: 157

Zitat:
Zitat von Ralfchen Beitrag anzeigen
gerne liebe Z -

worüber ich kritisch elaboriere sind jene völlig verqueren wort-satz-modelle, die von einer kleinen zahl von texterInnen den lesern hier vorgesetzt werden. weil es niemand versteht werden diese texte völlig hilflos gelobt. ich bin damit nicht einverstanden. man kann sehr wohl abstraktes schreiben, aber dann ist es eben abstrakt oder auch expressionistisch. dass in literaturforen überwiegend laien, lernende und hilfesuchende unterwegs sind, ist gut und muss unterstützt werden. doch gerade die verquerungen jener texterInnen, welche den größten urkram aus dem weichen gips-schlamm ihrer fahlen zerebrien rausquetschen wie creme durch einen presser auf eine torte, zu lesen und entschlüsseln ist mühsam. WITTGENSTEIN hat das so klar ausgedrückT:

"Alles, was überhaupt gedacht werden kann, kann klar gedacht werden. Alles, was sich aussprechen lässt, lässt sich klar aussprechen."

und wenn man das eigenartige geschwurbel von einem Morgen der sich aus dem schal wickelt...liest kommen dir nur mehr anstelle von stabbuchen, die fragezeichen einer buchstabensuppe aus dem denk-schlund hoch
Ich verstehe durchaus, was du meinst Tut mir immer wieder gut, verschiedene Ansichten über Kunst / Ausdrucksweisen zu hören.

Liebe Grüsse
Zinaida
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Alt 24.03.2019, 10:30   #8
männlich Plutino
 
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Beiträge: 397

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In deiner Hand ein Fäustel
Eine hartkernige Metapher.
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