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Alt 08.11.2014, 20:40   #1
Buchstabentanz
 
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Beiträge: 11

Standard Monolog der Mutterliebe

NICHTSNÜTZIGER WASCHLAPPEN
Bist aber auch NEN HAPPEN DÄMLICH
Und so PEINLICH und WEICHGESPÜLT

DU BRINGST MICH NOCH INS GRAB
Sei froh wenn ich mich nicht AUFGEHÄNGT habe
Bis du trocken hinter den Ohren bist

Wer hat dich eigentlich nach DEINER MEINUNG gefragt
Jetzt wirst du mal so richtig zusammengefaltet
ICH ZIMMER DIR EINE

Solange DU die Füße unter MEINEM Tisch hast
HAST DU ZU TUN UND ZU LASSEN WAS ICH WILL
Haben WIR uns da verstanden

SIEH ZU dass du Land gewinnst
Ich habe nun wirklich genug von
DEINEN FEHLERN aus dir HERAUSGEBÜGELT

WAS FÄLLT DIR EIN EINFACH SO WEGZULAUFEN
DU HAST WIRKLICH ÜBERHAUPT KEINE ERZIEHUNG GENOSSEN
DIR WERD ICH MAL ORDENTLICHES BENEHMEN BEIBRINGEN


Das ALLES habe ich nur getan weil ich dich LIEBE
Es sollte doch etwas vernünftiges aus dir werden

UND JETZT
SIEH DICH AN
DU BIST EINE SCHANDE FÜR DIE FAMILIE



Entschuldigen Sie, Frau B., Sie sind doch die Mutter von ...
können sie sich erklären wie es zu dem Suizid ihres Sohnes kommen konnte?


Um Himmels Willen nein! Wenn ich das geahnt hätte, hätte ich doch etwas unternommen?
Es ist so schrecklich!
Aber wissen Sie, er war schon immer das schwarze Schaf der Familie, Sie können sich kaum vorstellen was ICH alles zu leiden hatte. Irgendwann musste es ja so enden.

Geändert von Buchstabentanz (08.11.2014 um 23:26 Uhr)
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Alt 08.11.2014, 23:03   #2
weiblich Ilka-Maria
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Beiträge: 21.950

Ja, so war sie, die Erziehung vor der 68er Revolution. Es muss eigentlich richtig heißen:

Zitat:
Sei froh, dass ich mich nicht AUFGEHÄNGT habe
Du hast einige widersprüchliche Erziehungsmethoden der damaligen Zeit gut auf den Punkt gebracht (der markanteste Spruch: "Solang du die Füße unter meinen Tisch streckst ...").

Allerdings vermag das Fazit, der Suizid des dominant erzogenen Jugendlichen, mich nicht zu überzeugen. Vielmehr nahm erst nach der Abrechnung mit der sogenannten "schwarzen Pädagogik" und dem Einlassen auf das "Laissez faire" und auf die antiautoritäre Erziehung gemäß Summerhill und Montessori und ähnlicher Projekte die Anzahl der Suizide bei Kindern und Jugendlichen vernehmlich zu.
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Alt 08.11.2014, 23:25   #3
Buchstabentanz
 
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Beiträge: 11

Danke für deinen Hinweis.
Werde ich mal gleich ändern.

Zitat:
Allerdings vermag das Fazit, der Suizid des dominant erzogenen Jugendlichen, mich nicht zu überzeugen.Vielmehr nahm erst nach der Abrechnung mit der sogenannten "schwarzen Pädagogik" und dem Einlassen auf das "Laissez faire" und auf die antiautoritäre Erziehung gemäß Summerhill und Montessori und ähnlicher Projekte die Anzahl der Suizide bei Kindern und Jugendlichen vernehmlich zu.
Erst das eine Extrem, dann das Andere. Ist beides suboptimal. Ich denke auch, dass Kinder feste Regeln und Grenzen kennenlernen müssen um sich gesund zu entwickeln.

Interessanter als den eigentlichen Suizid fand ich es am Ende die Reaktion der Mutter darzustellen. Einen Menschen frei von Selbstreflexion und wie sich das z.B. auf Schutzbefohlene auswirken kann... aber nicht muss.

LG Blättertanz
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Alt 08.11.2014, 23:55   #4
weiblich Ilka-Maria
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Beiträge: 21.950

Zitat:
Zitat von Buchstabentanz Beitrag anzeigen
Erst das eine Extrem, dann das Andere. Ist beides suboptimal. Ich denke auch, dass Kinder feste Regeln und Grenzen kennenlernen müssen um sich gesund zu entwickeln.

Interessanter als den eigentlichen Suizid fand ich es am Ende die Reaktion der Mutter darzustellen. Einen Menschen frei von Selbstreflexion und wie sich das z.B. auf Schutzbefohlene auswirken kann... aber nicht muss.

LG Blättertanz
So war es: Das eine Extrem und das andere Extrem. Ich bin überzeugt, dass das eine - das alte - Extrem das bessere war als das "andere". Es förderte früh die Verantwortlichkeit und Zuverlässigkeit eines Kindes innerhalb der Familie. Das funktionierte. Ich kann das behaupten, denn ich hatte eine ganze Reihe von Schulkameraden, deren Eltern berufstätig waren und die deshalb tagsüber auf sich selbst gestellt waren. Da funktionierte es auch. Wir hatten Regeln, und wir kannten die Grenzen.

Die Lockerung dieser Grenzen hat es schwierig gemacht. Genau gesagt: Die Eltern haben über Jahrzehnte hinweg immer mehr an Autorität verloren. Deswegen sehe ich Logik darin, dass die Mutter in Deinem Gedicht am Ende so verloren dasteht. Mutter und Kind sind Opfer einer völlig verunglückten Erziehungsideologie, wie sie leider seit fünfzig Jahren betrieben wird.
Ilka-Maria ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 09.11.2014, 00:24   #5
Buchstabentanz
 
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Beiträge: 11

Zitat:
Genau gesagt: Die Eltern haben über Jahrzehnte hinweg immer mehr an Autorität verloren.
Nicht nur die Eltern. Lehrer und Erzieher haben auch so gut wie keine Rechte mehr und dürfen sich lustig auf der Nase rumtanzen lassen.

Zitat:
Deswegen sehe ich Logik darin, dass die Mutter in Deinem Gedicht am Ende so verloren dasteht. Mutter und Kind sind Opfer einer völlig verunglückten Erziehungsideologie, wie sie leider seit fünfzig Jahren betrieben wird.
Vielleicht auch geschichtlich- und erfahrungsbedingt? Man greift ja in der Regel auf Methoden zurück, die einem selbst auch nicht geschadet haben, handelt damit nach bestem Wissen und Gewissen und aus Liebe zum Kind.

Stellt sich mir die Frage ob (ein Großteil) unserer heutige Gesellschaft zu "sensibilisiert" ist für potenziell schädliche Einflüsse und damit Kinder in einer "rosa Wattebauschwelt" groß werden nur um einen Schock zu bekommen wenn sie aus dem Nest fallen, sich plötzlich auf dem Boden der Tatsachen wiederfinden und damit am Ende nicht zurecht kommen.
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mutterliebe, schwarzes schaf, suizid

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