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Alt 30.08.2018, 17:55   #1
weiblich DieSilbermöwe
 
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Standard Vielleicht für immer

Er trat aus dem Haus und zog sich den Hut tief ins Gesicht. Cornelia hatte gelacht, als er sich den Hut kaufte.
"So ein altmodisches Ding trägt kein Mensch mehr!" hatte sie gesagt und er hatte den Hut im hintersten Winkel der Garderobe versteckt, wohl wissend, dass er ihn noch einmal brauchen würde.
Er ging zu seinem Auto und stieg ein. Ihm war, als würde seine Haut noch nach Yvonne riechen und sofort erwachte sein Verlangen erneut. Doch es war unsinnig, sie jetzt noch einmal aufzusuchen. Vielleicht schlief sie auch schon. Er nahm sein Handy und schrieb:"Es war wunderschön mit dir", doch dann schickte er die SMS nicht ab, weil ihm die Wörter zu abgeschmackt erschienen.

Zuhause schlich er sich auf Zehenspitzen ins Schlafzimmer, doch er hatte Pech: Cornelia war noch wach.
"Schon wieder Überstunden? Ich glaub, ich muss deinem Chef mal die Meinung sagen."
"Er bezahlt sie mir ja."
"Wäre trotzdem schön, wenn die Kinder dich vor dem Schlafengehen sehen würden."
"Morgen komme ich rechtzeitig, versprochen. Ich gehe noch duschen."
"Dann bis gleich." Cornelia drehte sich auf die Seite und plötzlich regte sie ihn auf mit ihrer Arglosigkeit, ihrem albernen Vertrauen.

Als das Wasser an ihm herunter lief, war ihm, als würde Yvonne ihn an den Stellen noch einmal berühren, als würde seine Haut explodieren, als würde sie leibhaftig neben ihm stehen.

Er ging ins Schlafzimmer und betrachtete seine schlafende Frau oder besser gesagt, er versuchte es. Dann schloss er die Augen und Yvonne war bei ihm, würde bei ihm sein bis zum nächsten Morgen.
Oder vielleicht sogar für immer.
DieSilbermöwe ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 05.09.2018, 16:45   #2
wolfgang
 
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Beiträge: 180


Ein Mann zwischen zwei Frauen, das ist fein getroffen, aber schon oft behandelt worden. Ich vermisse einen neuen Dreh.
wolfgang ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 06.09.2018, 11:02   #3
weiblich DieSilbermöwe
 
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Beiträge: 3.318


Wie schön, wolfgang ist wieder da! Und endlich bekomme ich mal wieder einen Kommentar zu meiner Geschichte

Allerdings: ein neuer Dreh zu dem Thema? Was erwartest du da?

LG DieSilbermöwe
DieSilbermöwe ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 06.09.2018, 12:28   #4
weiblich Ilka-Maria
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Beiträge: 20.183


Was hat es denn mit dem Hut auf sich, Sibermöwe? Ich dachte, der spielt in der Geschichte noch eine Rolle.
Ilka-Maria ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 06.09.2018, 15:53   #5
weiblich DieSilbermöwe
 
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Hallo Ilka,

der Hut spielt doch insofern eine Rolle, dass man den Protagonisten unter dem Hut nicht erkennen kann, in dem Moment, als er aus der Wohnung einer Frau kommt, die nicht seine eigene ist. Und den Hut hat er sich schon früher einmal gekauft, mit dem Wissen, dass er einmal fremdgehen würde.

Das Ganze soll ein Stück Kurzprosa sein. Ich lese gerade das Buch "Short Shortstorys schreiben" von Roberta Allen und das hier war eine 5-Minuten-Übung.

In dem Buch heißt es - unter dem Kapitel "Was ist eine Kürzestgeschichte" auf Seite 57:
Zitat
"Peden beschreibt eine Kürzestgeschichte als "das Öffnen oder Schließen eines Fensters, einen Augenblick von Hineinsicht."
Zitatende

Erklärungen werden also nicht geliefert; es obliegt dem Leser, sich etwas dazu zu denken.

LG DieSilbermöwe
DieSilbermöwe ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 06.09.2018, 18:39   #6
wolfgang
 
Dabei seit: 02/2005
Beiträge: 180


Hallo Silbermöwe,

ich meinte einen neuen Dreh am Ende der Geschichte, denn mir war, spätestens ab der Mitte klar, was folgen würde. Ich selbst bemühe mich immer um Wendungen, soll heißen, ich überlege mir, was der Leser erwartet, und diese Erwartung enttäusche ich, indem ich das Gegenteil passieren lasse. Das hat was von einem Schneeball-Geschichte. Beim Schneeball wird die Geschichte immer und immer schlimmer, bis es zur Lawine kommt. (Daher Schneeball.) Und dafür muss man Wendungen einbauen. Weiß man aber, dass man einen Schneeball vor sich hat, wird es langweilig, denn man weiß, dass alles in der Katastrophe enden wird. Aus dem Grund versuche ich Schneebälle zu schreiben, die nicht unbedingt in der Katastrophe enden (oder nicht so offensichtlich in der Katastrophe enden).

Interessant, dass Du Roberta Allen erwähnst, ich hatte mal (vor laaaaaaaaaanger, langer Zeit) Ihr Buch: Literatur in fünf Minuten. Hatte es aber an einen Kumpel verliehen und vergessen an wen. Seitdem ist das Buch verschollen. Ihr neues Buch kenne ich nicht, aber es klingt interessant.

Bei der Gelegenheit: Ich finde die Idee mit den fünf Minuten, als Übung, gut. Man könnte sich ein Thema überlegen, zum Beispiel ein Bild, zu dem man einen Fünf-Minuten-Text schreiben kann. Und dann vergleicht man, die Texte untereinander.

Es gibt aber noch andere Texte, die ebenso schnell gehen, man denke nur an die Anekdoten, die kann man auch innerhalb von fünf Minuten schreiben. Behandelt Allen auch Anekdoten in ihrem Buch?

Wolfgang
wolfgang ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 07.09.2018, 13:25   #7
weiblich DieSilbermöwe
 
Benutzerbild von DieSilbermöwe
 
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Beiträge: 3.318


Zitat:
ich meinte einen neuen Dreh am Ende der Geschichte,
Hallo wolfgang,

es soll ja nur eine Kürzestgeschichte sein - so etwas wie ein Einblick oder eine Momentaufnahme, keine Geschichte mit Anfang, Mittelteil und Schluss und schon gar nicht die Auflösung eines Konfliktes.

In dem von mir angesprochenen Buch von Roberta Allen werden keine Anekdoten behandelt - aber schon auch eine Romanentwicklung. Es werden auch Bilder vorgestellt, zu denen man sich Gedanken machen kann.
Ich hab das Buch noch nicht ganz durch....

LG DieSilbermöwe
DieSilbermöwe ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 15.09.2018, 15:51   #8
weiblich Mona
 
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Beiträge: 109


Hallo Die Silbermöwe,
klingt spannend, was Du da machst!!

Deine Geschichte habe ich gerne gelesen..
Fast hätte ich geglaubt, seine Frau schaut ins Handy..

Danke fürs Teilen

Liebe Grüße
Mona
Mona ist gerade online   Mit Zitat antworten
Alt 16.09.2018, 11:13   #9
weiblich DieSilbermöwe
 
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Beiträge: 3.318


Liebe Mona,

danke für deinen Kommentar!

Zitat:
.klingt spannend, was Du da machst!!
Ich bin mir gar nicht mehr so sicher, ob es eine gute Idee ist, sich soviel mit solchen Anleitungen zu beschäftigen. Früher habe ich geschrieben, weil es mir Freude gemacht hat. Wenn ich jetzt schreibe, denke ich nur die ganze Zeit daran, wie ich es richtig machen soll. Die Freude am Schreiben ist zwar nicht verlorengegangen, wird aber vom "Ehrgeiz" (???? Ich weiß nicht, ob das das richtige Wort dafür ist) überlagert und ich weiß nicht, ob das die Kreativität wirklich fördert. Aber ich freue mich, dass dir die Geschichte gefällt.

LG DieSilbermöwe

Geändert von DieSilbermöwe (16.09.2018 um 14:57 Uhr)
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