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Alt 22.10.2019, 13:21   #1717
weiblich Ilka-Maria
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Maren Urner: "Schluss mit dem täglichen Weltuntergang - Wie wir uns gegen die digitale Vermüllung unserer Gehirne wehren", Droemer-Knaur, 2019.

Muss man nicht lesen, denn in dem Buch steht nichts, was nicht längst bekannt ist: Wir sind manipulierbar und sehen die Welt subjektiv, weil unser Gehirn auf objektive Wahrnehmung nicht ausgerichtet ist. Einige neurowissenschaftliche Erklärungen sind ganz interessant, aber mein Eindruck ist, dass die Autorin mit dem Buch hauptsächlich Werbung für ihr Online-Magazin "Perspektive Daily" machen will.

Hätte ich mir ersparen können. Wenn ich mich über Gehirnforschung schlaumachen will, schaue ich mir lieber weiterhin die Vorträge und Vorlesungen von Gerald Hüther oder die Interviews mit ihm an: https://www.youtube.com/watch?v=dzHhHs2bmvg
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Alt 22.10.2019, 13:31   #1718
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Ocean Vuong: "Auf Erden sind wir kurz grandios", Roman, Hanser 2019.

Diesen Roman zu lesen war für mich gewöhnungsbedürftig, denn er ist episodenhaft erzählt und springt zuweilen von der Gegenwart in die Vergangenheit. Es ist die Geschichte eines vietnamesischen Jungen, der in den U.S.A. aufwächst und sich nicht nur mit seiner Identität in einer fremden Kultur, sondern auch mit einer überforderten, prügelnden Mutter und einer dementen Großmutter auseinandersetzen muss. Sprachlich übertreibt es der Autor meiner Meinung nach mit zahlreichen, zu weit hergeholten Metaphern, was zuweilen nervig ist. Aber das ist Geschmacksache.
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Alt 15.11.2019, 17:50   #1719
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Da ich mich in den letzten vier Monaten mit dem journalistischen Schreiben befassen musste, habe ich das Büchlein von Kerstin Liesem über "Professionelles Schreiben für den Journalismus" gelesen (Springer Fachmedien Wiesbaden, 2015). Nach einer kurzen Übersicht über Sprache - wie schreibt man einfach und verständlich - geht die Autorin auf die Bestandteile einer Zeitschrift ein, nennt die Besonderheiten der verschiedenen Informationstexte (Meldung, Bericht, Interview, Feature, Reportage, Meinung, Glosse, Kritik) und erklärt deren Aufbau. Außerdem bietet die Autorin Übungen mit Auflösungen an.

Mich hat vor allem der Unterschied zwischen Feature und Reportage interessiert, weil das Material, das mir bis dahin zur Verfügung stand, dies nicht deutlich genug herausgearbeitet hat. Durch Liesems Buch bin ich jetzt bestens informiert.

Für Leute mit Ambitionen zum Journalismus ist das Buch ein guter Einstieg.
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Alt 02.12.2019, 20:21   #1720
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Wer sich für Dokumentation, Kunst und Geschichte interessiert, kann in:

Das Jahr 1990 freilegen

http://spectorbooks.com/de/das-jahr-...egr_IdD5tHCg-I

... reinschauen.
Vergleicht man die Jahre 1989 und 1990, zeigt sich, dass sie in der kollektiven Erinnerung höchst unterschiedlich präsent sind. Die Meisten können sich das Jahr '89 rasch ins Gedächtnis rufen. Auch mit dem Abstand von knapp dreißig Jahren fällt es leicht, die Abfolge der Ereignisse dieses Herbstes zu erzählen – alles verdichtete sich hier auf wenige, hochdramatische Wochen. 1990 dagegen wirkt in der Erinnerung wie ein blinder Fleck. Das Gedächtnis, von den sich überschlagenden Ereignissen ebenso gefordert wie von unerfüllten Wünschen und nicht eingestandenen Kränkungen fasst ein solches Jahr nur schwer. Das Jahr 1990 freilegen beschäftigt sich mit den verschiedenen Aspekten des Jahres 1990 und ihrer Aktualität. Es montiert Bilddokumente und Stimmen aus dem Jahr 1990 mit essayistischen Reflexionen und Geschichten, in denen aus der Perspektive der Gegenwart auf dieses Jahr zurückgeschaut wird.
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Alt 04.12.2019, 10:11   #1721
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Aktuell lese ich von Schopenhauer "Über Schriftstellerei und Stil", einem Teil aus seinem Buch "Parerga und Paralipomena II".
Davon erhoffe ich mir einige Gedankenanstöße zum Thema Schreiben und Stil.

Ich wusste vorher nicht, wie gut er (Schopenhauer) schreibt und wie präzise er sich ausdrückt, obwohl seine Sätze sehr viele Kommas enthalten und brauchen. Auf den ersten Blick mag das kompliziert erscheinen, aber es ist in seiner Sprache auch nötig, sich so auszudrücken.

Er kritisiert Anfangs im Buch das grade im Deutschen zu jener Zeit vorliegende Geschwafel und aufgeblasene Bla-Bla der Philosophen und so ziemlich aller anderen literarischen Gattungen. Viel Sätze um ein "Nichts" im Kern. Für ihn ist das Lesen solcher Literatur eine elende Marter und es gelingt ihm bestens, sich in vielfältiger Weise negativ über die Stümper, Lumpe, Falschmünzer und Buben der Literatur auszulassen, insbesondere auch die Literaturkritiker.

Oft fand ich, dass ich viele seiner Gedankengänge auch hier im Forum gelesen habe, von verschiedenen Kommentatoren, gerade der älteren Riege.

Wer es lesen will, kann es auch online tun:

https://www.drehbuchwerkstatt.de/Fac...hopenhauer.htm

Liebe Grüße
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Alt 04.12.2019, 10:33   #1722
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Alt 04.12.2019, 18:34   #1723
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Frank Biess: "Republik der Angst - Eine andere Geschichte der Bundesrepublik", Rowohlt, 2019.

"German Angst" ist längst zu einem stehenden Begriff geworden. Biess arbeitet in seinem Buch heraus, wie jede Dekade nach 1945 ihre eigenen Ängste bei den Deutschen hervorgebracht hat:

- Vergeltungsangst gegenüber den Siegermächten und Juden
- moralische Angst und Angst vor Abwerbern für die Fremdenlegion
- Angst vor Kommunismus und der Bombe
- Angst vor der Automatisierung
- Angst vor dem Staat (Notstandsgesetze)
- Angst vor der Revolution (Studentenbewegung)
- Angst vor Terrorismus (RAF)
- Angst vor der Aufrüstung der Weltmächte
- Angst vor der Apokalypse (Waldsterben, Klimawandel)
- Angst vor der politischen Rechten

Biess zeigt auf, dass jede "neue" Angst sich aus der Epoche davor entwickelt hat, ohne daraus aber eine Zwangsläufigkeit abzuleiten.
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Alt 06.12.2019, 12:05   #1724
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Zitat:
Zitat von MiauKuh Beitrag anzeigen
Aktuell lese ich von Schopenhauer "Über Schriftstellerei und Stil", einem Teil aus seinem Buch "Parerga und Paralipomena II".
Davon erhoffe ich mir einige Gedankenanstöße zum Thema Schreiben und Stil.

Ich wusste vorher nicht, wie gut er (Schopenhauer) schreibt und wie präzise er sich ausdrückt, obwohl seine Sätze sehr viele Kommas enthalten und brauchen. Auf den ersten Blick mag das kompliziert erscheinen, aber es ist in seiner Sprache auch nötig, sich so auszudrücken.

Er kritisiert Anfangs im Buch das grade im Deutschen zu jener Zeit vorliegende Geschwafel und aufgeblasene Bla-Bla der Philosophen und so ziemlich aller anderen literarischen Gattungen. Viel Sätze um ein "Nichts" im Kern. Für ihn ist das Lesen solcher Literatur eine elende Marter und es gelingt ihm bestens, sich in vielfältiger Weise negativ über die Stümper, Lumpe, Falschmünzer und Buben der Literatur auszulassen, insbesondere auch die Literaturkritiker.

Oft fand ich, dass ich viele seiner Gedankengänge auch hier im Forum gelesen habe, von verschiedenen Kommentatoren, gerade der älteren Riege.

Wer es lesen will, kann es auch online tun:

https://www.drehbuchwerkstatt.de/Fac...hopenhauer.htm

Liebe Grüße
Einen Großteil der Arbeiten von Schopenhauer mussten wir damals im Studium auseinander nehmen.
Schopenhauer hatte mit vielen Dingen recht, auch besaß er ein großes Talent für Schrift und Sprache. Trotz all seines Leids und seiner Klagerei, unterscheidet er sich aber nur marginal von seiner abgegebenen Kritik.
Er war scharfsinnig, führte fort was Kant nicht konnte, war aber selbst nur einer der Vielen, der sich im Wortwuchs verloren hat.

Ich finde schon, dass er dir auf deinem Weg helfen kann. Früher las ich viel über solche Dinge, ohne dabei überhaupt Ahnung von Sprache zu haben. Nach den Jahren des Fleißes, wo ich die Grundlage nahezu beherrsche, kann ich schon sagen, dass es viel gebracht hat. Er kann dir helfen dich zu lösen.

Der Link ist toll und sollte irgendwo angepinnt werden.
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Alt 15.12.2019, 10:40   #1725
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Jens Becker: "Das Drehbuch-Tool - Charaktere und Struktur gestalten mit dem Enneagramm", Vistas Verlag Leipzig, 2019.

Das Buch verfolgt zwei Ziele: Erstens soll es dem Autor ein Instrument an die Hand geben, tiefschichtige Charaktere zu entwickeln, die sowohl helle als auch dunkle Seiten haben, und deren Entwicklungsmöglichkeiten aufzeigen; zweitens stellt es den klassischen Strukturen (3-Akt-Struktur, 5-Akt-Struktur, 8-Sequenzen-Modell, 12-Sequenzen-Modell der "Heldenreise") ein 9-Sequenzen-Modell zur Seite, dessen einzelne Sequenzen die Entwicklung der Figur abbilden. Da genauere Beschreibungen den Rahmen einer Kurzvorstellung sprengen würden, füge ich für Interessierte einfach einen Link zu dem Thema ein:
http://www.enneagramm.de/enneagramm.php?aktion=typen

Das Tool eignet sich nicht nur zum Drehbuchschreiben, sondern auch zum Entwickeln belletristischer Figuren.
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Alt 18.12.2019, 13:51   #1726
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Eva-Maria Fahmüller: "Neue Dramaturgien - Zwischen Monomythos, Storyworld und Serienboom", Master School Drehbuch Edition, Berlin 2017.

Die Autorin beklagt, dass der Kinofilm zu sehr auf Handlung abstelle statt auf die Charakterisierung der Figuren und deren Wechselspiel in ihrer gesellschaftlichen Umgebung. Drehbuchschreiber für das Kino sollten sich deshalb überlegen, die Sturkturen moderner Fernseh- und Streaming-Serien zu übernehmen. In ihnen seien die Figuren vielschichtiger charakterisiert und ihr Austausch innerhalb gesellschaftlicher Gruppen stärker ausgearbeitet, was dem Zuschauer die Möglichkeit gebe, sich mit vielen Charakteren statt nur mit einem zu identifizieren ("Vielperspektive"). Das gelte auch für die Identifikation mit weniger positiv gezeichneten Charakteren.

Über diese Auffassung kann man streiten, denn im Gegensatz zu erfolgreichen Serien, die monate- und manchmal jahrelang laufen, ist ein Film in der Regel 90 bis 120 Minuten lang und daher auf eine straffere Erzählweise angewiesen. Die modernen Serien und Erzählweisen sind jedoch darauf ausgerichtet, über mehrere Medien zugleich vermarketet zu werden (PC, Smartphone, Game usw.). Der Raum ist nicht mehr eine Umgebung, in die eine Figur "hineingeboren" wird, sondern die Figuren erschaffen sich die Räume, in denen sie agieren.

Das Büchlein selbst ist in einem fachlichen Ton geschrieben und liest sich fast wie eine Dissertation. Wer sich nicht gerade beruflich mit dem Thema befasst, sollte einfach weiterhin ins Kino gehen und die Stories samt ihrer Filmhelden genießen. Ob das Kino die neuen Entwicklungen überlebt, muss man abwarten.
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Alt 28.12.2019, 00:56   #1727
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Bei meiner Beschäftigung mit dem journalistischen Schreiben bin ich auf das Büchlein "Die Bestie von Paris und andere Geschichten" von Marie-Luise Scherer gestoßen, Matthes & Seitz, Berlin, o.D.

Es handelt sich entgegen des Titels nicht um Geschichten, sondern um Reportagen, d.h., nicht um Fiktion, sondern um tatsächliche Begebenheiten. Die erste und seitenreichste Reportage behandelt den Fall des Serienmörders Paulin, der am Montmartre jahrelang alte Frauen ermordert hatte, um mit deren Geld seinen Lebensstandard zu finanzieren.

Marie-Luise Scherer gilt als die Meisterin der Reportage. Anhand des Büchleins konnte ich mich selbst von ihrem ausgefeilten sprachlichen Stil überzeugen, der nur so trotzt vor Reichtum an Wörtern und bildhafter Beschreibung - für Sprachliebhaber ein wahrer Genuss. Wer professionelles Schreiben erlernen will, tut gut daran, sich dieses Büchlein immer wieder zu Gemüte zu führen, statt es im Buchregal in Vergessenheit geraten zu lassen.
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Alt 02.01.2020, 22:10   #1728
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Ich arbeite mich gerade durch den 2. Band von Richard Davids Precht "Philosophiegeschichte" mit dem Untertitel "Erkenne dich selbst".

Der Untertitel verweist bereits auf auf das zentrale Thema der Philosophie des Mittelsalters und des Übergangs zur Neuzeit, nämlich das Körper-Geist-Problem. Der Geist ist die Basis dafür, das Sein zu erkennen (Descartes: "Ich denke, also bin ich"). Oder hatten die Vordenker recht, die behaupteten: "Der Körper ist die Basis für die Existenz des Denkens"? Spinoza wiederum kam zu der Erkenntnis: "Beides ist dasselbe, nur in zwei unterschiedlichen Erscheinungen" (Dualismus).

Ziemlich spannend.

Ich dachte bisher, es sei die katholische Lehre gewesen, die den Tieren eine Seele absprach. In Wahrheit war es Descartes, der die Tiere zu seelenlos funktionierenden Automaten deklarierte, die in Gegensatz zum Ich-Bewusstsein des Menschen stehen.
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Alt Gestern, 19:50   #1729
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Ich habe einen USB-Stick mit jeder Menge Audiobücher geschenkt bekommen und mir jetzt von Boris Palmer (Bürgermeister von Tübingen, Grünen-Partei) angehört: "Wir können nicht allen helfen." Er berichtet ausführlich darüber, wie seine Stadt mit dem Flüchtlingsproblem in der Anfangsphase umging, als sich die Verantwortlichen mit diesem plötzlich über sie hereingebrochenen Problem auseinandersetzen mussten. Dabei werden viele Details geschildert, die man eher selten aus den Zeitungen erfährt, z.B. über die Schwierigkeiten, den dringend benötigten Wohnungsbau anzukurbeln, um Wohnraum für die Zugereisten zu schaffen. Die Zustände in den Wohnzehlten und Containern, die sich oft in Aggressionen entluden, wären vermeidbar gewesen, wären die Baugenehmigungen schneller von den Behörden erteilt worden, die sich an vielerlei Vorschriften festbissen und deshalb endlos lange brauchten, bis die Sache ins Laufen kam.

Man glaubt es kaum, aber da kamen Vorschriften heraus, wie z.B.: Das Schlafzimmer einer Wohneinheit darf nicht so geplant werden, dass es dem Lärm eines benachbarten Tennisplatzes ausgesetzt ist. Deshalb muss es zur anderen Seite liegen, auch wenn dort eine Autbahn vorbeiführt. Verrückt, wie man meinen könnte, aber der Gesetzgeber sieht vor, dass "Freizeitlärm" weniger akzeptabel ist als der Lärm täglichen Lebens.

Schon wegen dieses Hintergrundwissens hat es sich gelohnt, sich das Audiobuch anzuhören. Der Titel ist darauf zurückzuführen, dass Boris Palmer, ausgehend von den Anfangszahlen der ins Land strömenden, nicht davon überzeugt war, die Aufgabe bewältigen zu können, die auf Tübingen zukam. Damals hatte er Angela Merkel öffentlich widersprochen: "Wir schaffen das nicht!" Dass es am Ende doch klappte, lag daran, dass die Zuwanderungszahlen stärker als gedacht zurückgingen und viele freiwillige Helfer mitanpackten.
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