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Alt 15.05.2019, 16:08   #1
männlich Robert Go
 
Dabei seit: 11/2018
Ort: Chemnitz
Beiträge: 33


Standard Bodo der kleine Kobold - ein Krokodil beim Zahnarzt

Der Vollmond erstrahlte hell an dem wolkenlosen Nachthimmel.
Die Tiere, Kobolde und Elfen, die im Zauberwald wohnten, lagen in ihren Betten und schliefen tief und fest.
Der kleine Kobold Bodo träumte gerade von einem riesigen Stück Schokoladentorte,
mit viel Sahne, bunten Streuseln und einer Kirsche obendrauf.
Ihm lief das Wasser im Mund zusammen.
Da riss ihn ein lautes Jammern aus dem Schlaf.
Er stand auf, lief zum geöffneten Fenster und lauschte. Da hörte er es wieder: ein lautes, schmerzerfülltes Jammern.
Er schlüpfte in seine kleinen Pantoffel und lief zum nahe gelegenen Regenbogenmeer.
Dort wohnte, außer den vielen Meerjungfrauen und Fischen, auch das Krokodil Danny. Er galt als freundlich und hilfsbereit und war einer von Bodos besten Freunden.
„Was hast du denn?“, fragte Bodo besorgt.
„Zahnschmerzen“, klagte Danny.
Bodo brachte ihn zu dem Zahnarzt Dr. Specht und dessen Assistentin Frau Fuchs.
Die beiden hörten sich Dannys Beschwerden an und baten ihn auf einer aus Holz angefertigten Liege Platz zu nehmen. Denn aufgrund seiner gewaltigen Körpergröße hätte das Krokodil nicht auf einen Zahnarzt-Stuhl gepasst. Als er sein Maul mit den rasiermesserscharfen Zähnen öffnete, wären Dr. Specht, Fräulein Fuchs und Bodo fast in Ohnmacht gefallen.
Denn Danny hatte fürchterlichen Mundgeruch.
„Wann hast du dir denn das letzte Mal die Zähne geputzt?“
„Vor vier Wochen.“
So riecht es auch, dachte der Zahnarzt
Er nahm eine Maulsperre aus einem Schrank. Diese bestand aus zwei Metallhaken mit Spitzen aus Kunststoff. Am Ende der Haken waren Gummibänder befestigt.
Er steckte sie in Dannys Mundwinkel und band die Gummibänder an zwei Halterungen, an der Kopfstütze fest. Dann zog er einen Rolltisch zu sich heran. Darauf lagen ein Kratzer für das Zahnfleisch, ein Bohrer, eine Zange, Zahnseide und ein Handspiegel.
Beim Anblick des Bohrers wurde Danny blass im Gesicht.
Hoffentlich benutzen sie ihn nicht, dachte er.
Bodo, der neben Fräulein Fuchs stand, nickte ihm aufmunternd zu.
Dr. Specht band sich einen Mundschutz um und schaltete seine Kopflampe ein.
Doch das Licht war nicht ausreichend, denn Dr. Specht konnte zwar die vorderen Zähne bei Danny erkennen, jedoch nicht die restlichen.
„Bitte geben Sie mir doch mal die Grubenlampe, Fräulein Fuchs!“.
Die Füchsin ging zu einem Regal und öffnete die unterste Schublade.
Darin befand sich eine alte Grubenlampe, so wie sie die Bergleute benutzen.
Sie zündete sie an und hielt sie über Dannys geöffnetes Maul.
Schon besser, murmelte Dr. Specht.
Er sah sich jeden einzelnen Zahn gründlich an und entdeckte schließlich die Ursache für Dannys Schmerzen:
einer der vorderen Zähne war verfault.
„Diesen Zahn müssen wir ziehen. Danach solltest du keine Schmerzen mehr haben“, erklärte Dr. Specht. „Das wird nicht wehtun“, beruhigte er Danny, als er in dessen blasses Gesicht sah. „Wir betäuben dich vorher. So verspürst du keine Schmerzen.“
Seine Assistentin nahm einen Lappen und hielt ihn unter Dannys Nase.
„Bitte tief einatmen!“.
Danny gehorchte.
Das Betäubungsmittel, welches Fräulein Fuchs auf dem Lappen aufgetragen hatte, wirkte innerhalb von Sekunden.
Dr. Specht nahm die Zange vom Rolltisch, führte sie in Dannys Maul ein. Die Metallgreifer des Zangenkopfes schlossen sich um den Zahn.
Es gelang ihm zwar mit einem kräftigen Ruck, den Zahn aus dem Maul zu entfernen, doch dabei verlor er das Gleichgewicht und landete unsanft auf seinem gefiederten Hintern.
Peinlich, dachte er. Zum Glück war Danny bewusstlos, sonst hätte er sich über den Zahnarzt kaputt gelacht.
Die Wirkung des Betäubungsmittels hielt nicht lange an und Danny wachte kurz darauf wieder auf.
Der Zahnarzt entfernte die Maulsperre und räumte sie mit der Grubenlampe in den Schrank zurück.
„Wie fühlst du dich?“, fragte er.
„Besser. Vielen Dank, Herr Doktor.“
Froh darüber, dass er nun keine Schmerzen mehr hatte, umarmte er zuerst den Zahnarzt, führte mit Fräulein Fuchs einen Freudentanz auf, bis ihr schwindelig wurde und schüttelte Bodos Hand so kräftig, dass der kleine Kobold auf-und ab hüpfte wie ein kleiner Gummiball.
Zum Abschied drückte ihm Dr. Specht eine große Zahnbürste in die Hand. Sie hatte einen langen Stiel und einen großen Borstenkopf.
„Damit kannst du deine Zähne ordentlich putzen“, erklärte Dr. Specht und gab ihm noch eine Zahnpasta mit.
Gemeinsam verließen die beiden Freunde die Zahnarztpraxis und kehrten nach Hause zurück.
Seit diesem Tag hatte Danny keine Zahnschmerzen mehr.

Ende

© by Robert Gottschalk
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Alt 15.05.2019, 16:28   #2
weiblich Ilka-Maria
Forumsleitung
 
Benutzerbild von Ilka-Maria
 
Dabei seit: 07/2009
Ort: Arrival City, auf der richtigen Seite des Mains
Beiträge: 21.109


Eine Geschichte aus dem Alltag, die jeder kennt - denn wer hat kein mulmiges Gefühl, wenn er den Zahnarzt aufsuchen muss. Das ganze ins Reich der Tiere gepackt, die in einem paradiesischen Umfeld zu leben scheinen, in dem es keine Feindschaft und kein Beutemachen gibt. Das macht den Leser neugierig.

Der Text ist rund: Er hat einen Anfang und einen Schluss. Was ein bisschen fehlt, ist der Spannungsbogen. Zwar fällt der Zahnarzt bei der Aktion, den Zahn zu ziehen, auf den Allerwertesten, aber eine komische Situation ist für einen Spannungsbogen, der zu einem Höhepunkt führen soll, zu wenig. Hier hatte ich erwartet, dass der Zahn zu fest sitzt, um von dem schmächtigen Zahnarzt gezogen werden zu können, mit dem "Erfolg", dass er stattdessen abgebrochen und der Zahnstumpf umso schwieriger zu ziehen gewesen wäre. Das alles unter Zeitdruck, denn das Krokodil würde bald aufwachen oder müsste eine weitere Betäubung erhalten.

Auch bei dir stelle ich eine Verliebtheit in Adjektive fest, die überflüssig sind. Zum Beispiel im ersten Satz "hell": Das kann gestrichen werden, denn dunkel erstrahlt nichts. Bei der großen Zahnbürste muss nicht wiederholt werden, dass der Bürstenkopf groß ist, und statt des Allerweltworts "groß" könnte man ein bildhafteres Wort wählen, z.B. "gewaltig" oder "riesig". Aus der "aus Holz gefertigten Liege" hätte ich eine "Holzliege" gemacht.

Dies nur mal zur Anregung, es gibt im Text noch mehr solcher Kleinigkeiten. Vielleicht hast du ja Lust, ihn zu überarbeiten.

Besten Gruß
Ilka
Ilka-Maria ist offline   Mit Zitat antworten
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