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Alt 12.10.2019, 18:05   #1
männlich Ralfchen
 
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Standard Ausufernder Morbus Neologisma

Ausufernder Morbus Neologisma


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17. Kulturbemüher
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27. Schlächtergehen
28. Schöpfergemüt
29. Trauerraten
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31. Trüffelsehnsucht
32. viellockend
33. Wohlfühlzeit
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35. Wucherleiden
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Alt 12.10.2019, 19:18   #2
männlich Pjotr
 
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"Trüffelsehnsucht" ist ja lustig. Wo hast Du das her, Ralfchen?
Pjotr ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 12.10.2019, 23:10   #3
männlich Ralfchen
 
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all diese neos sind von hans hartmut karg - besser bekannt unter den aliases QUARGELKARG und TODESENGEL DER DEUTSCHEN SPRACHE...was sie aber noch bizarre macht ist deren katastrophal verquere anwendung inmeist völlig sinnlosen texten. denn man kann viele davon sinnmachend verwenden. etwa so:

Die Schweinin weint am klaren Gluckerbach,
denn Trüffelsehnsucht war ihr Ungemach.
Ein Pilzemännchen wichst erregt im Hintergrund,
mit einem Lollipop im rot geschminkten Mund.
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Alt 13.10.2019, 00:16   #4
männlich Pjotr
 
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Ah, hier: https://www.gedichte-oase.de/thema/satire/seite/23

Schade, so im Wald-Kontext klingts für mich nicht mehr lustig. Ich hatte einen völlig absurden Kontext erhofft, der mit Wald überhaupt nix zu tun hat. Eher so was mit Stadt und Büro.

Um beim Thema zu bleiben, hier ein Einblick in die Arbeit eines Motivations-Trainers:

"Ihr seid keine Champignons, ihr seid-äh ... ach ... ihr seid auch keine Pfifferlinge. Wisst ihr ... wisst ihr, was ihr seid? Ihr seid Trüffel!"

https://youtu.be/b3OpiiOopGw
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Alt 13.10.2019, 00:29   #5
männlich Ralfchen
 
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Die Schweinin weint am Hochhausdach,
denn Trüffelsehnsucht war ihr Ungemach.
Ein Pilzemännchen wichst im FirmenKlo,
und rimmt nem andren Schwein den Po.
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Alt 13.10.2019, 05:44   #6
weiblich Ilka-Maria
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Zitat:
Zitat von Pjotr Beitrag anzeigen
Wo hast Du das her, Ralfchen?
Manche dieser Wörter hätten auch von Goethe stammen können, der verstand sich auf solche Wortschöpfungen besonders gut, musste also auch ein begabter Todesengel der deutschen Sprache gewesen sein. Klingt vielleicht unglaubwürdig, aber dafür gibt es Beispiele. Und allein stand er damit auch nicht.

Zitat:
"Im Spätwerk werden auch gewisse stilistische Eigenheiten auffälliger, die nicht nur seine Lyrik betreffen und von ihm selbst als Ausdruck seiner Altersphilosophie eingeräumt wurden. Zu ihnen gehören einprägsame Neologismen wie „schwarzvertiefte Finsternisse“, „Wutbegier“ oder „Hoffnungslust“.
(Wikipedia)

Zitat:
Neben der Schaffung von Neologismen verhelfen die Klassiker auch fremden Neuprägungen zum "Sieg", etwa Kennerblick, Mondhof, menschenfresserisch, Langeweile, Siebenmeilenstiefel (Lehnübersetzung von französ. bottes de sept lieues durch Jean Paul, Kainz 1974, 274), Glitzertand, Lächelmund, Flatterhaare ("Faust").
(Sprachgeschichte, 4. Teilband, de Gruyter)

Zitat:
Verlorene Wörter sind auch solche, die von Schriftstellern geprägt, von anderen Autoren jedoch nicht aufgenommen wurden, wie Absonderling (Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen); Betschwesterei (Georg Christoph Lichtenberg); entdonnern (Archim von Arnim); Halbgeschmack (Johann Wolfgang von Goethe); Icher (Friedrich Gottlieb Klopstock); Schicksalssohn (Johann Gottfried Herder); vergottscheden (A. G. Kästner); Warmländer (Jean Paul); zwiesprachig (Theodor Mommsen).
(http://juttas-schreibtipps.blogspot....delt-sich.html)

Nochmal zu Goethe:

Blütendampfe
Sittentag
Liebesabsolutist
Liebestoben
liebäugeln
liebrund
liebelispeln
veloziferisch

Wer Lust hat, kann ja mal ein bisschen im Goethe-Wörterbuch stöbern, was er da noch findet, z.B. "Abendsonnenblick".
http://woerterbuchnetz.de/cgi-bin/WB...i_py?sigle=GWB

Von Jean Paul, auch ein "Fachmann" für Neologismen, stammen Wörter, die wir längst ganz selbstverständlich verwenden:

Schmutzfink
Gänsefüßchen
Angsthase
Weltschmerz

Was moderne Wortschöpfungen angeht, finden sich im Internet jede Menge Listen.
Ilka-Maria ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 13.10.2019, 11:40   #7
männlich Ralfchen
 
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toller und informativer beitrag Ilka - kompliment.

dass Goethe ein sehr intensiver Neologeur war, ist der breiten leserschaft weniger bekannt. warum? weil wer liest heutzutage noch Goethe? und das wäre eine tolle fundgrube. wieviel worte ursprünglich neos waren und in unserem sprachgebrauch eingekehrt (und das schon sehr lange) sind, ist heute nicht mehr erstaunlich. das monumentale oeuvre JWvGs und auf das von Ilka hingewiesene spätwerk ist dagegen ein anderes thema. denn er war einer großen - wenn nicht DER - grösste. somit kann man ihn als das wunder der damaligen deutschen sprache bezeichnen.

neologismen können allerdings - wenn sie sogen. - im textlichen gesamtwerk als tollpatschereien auftauchen, eher störend und lächerlich wirken. wie etwa in HHKs textformaten, wo sie in wenigen fällen als mörtel zwischen den worten kleben sondern eher als faschingskracher einen text ins lächerliche zerblasen. daher finden sich unter den aufgelisteten manch seltene amüsen und andererseits meist demüsierende karambolagen, die ein textstück wie nach einem frontal-aufprall an das bauwerk der deutschen sprache erscheinen lassen. was diese tatsache noch auffälliger macht ist das reaktive reagressive verhalten des alten HHKs auf kritiken oder amüsierte beiträge, welches sich nicht selten in seinen humorlosen und verbitterten gegenattacken zeigt. wie etwa heute in der OASE.de:

Zitat:

Einst glaubten wir

Ein Gedicht von Hans Hartmut Dr. Karg

Einst glaubten wir,
die Menschen wären fair und anständig getaktet,
natürlich waren sie dies mehrheitlich.
Doch einige, ehrgeizerkrankt,
sahen nur sich, ihren Narzissmus
und mussten weiter kränken,
weil sie nicht anders konnten,
denn dies war ihre Profession.

Sie haben in den Foren nicht begriffen,
dass sie nichts weiter sind,
als überflüssig nur.

(c)Hans Hartmut Karg
2019
(c)Hans Hartmut Karg
2019


anm.: ralfchens neos in fettdruck.
Ralfchen ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 13.10.2019, 15:16   #8
männlich Pjotr
 
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Jedes Wort hat einen Geburstag, jedes Wort kam einmal zur Welt.

Manche Wörter paaren sich und erzeugen dadurch neue Wörter. (Wie nennt man das? Wortbildung? Neologismus?)

Andere Wörter wiederum kommen direkt aus dem Saft, manchmal sogar aus dem Jandl. (Wie nennt man das? Neubildung? Wortschöpfung?)

Das Wort "Mama" gehört wohl zu den ältesten und ist weitgehend interkulturell. Ich wage zu behaupten, dass der sprechende Säugling mit diesem Wort zu allererst das Bedürfnis nach Nahrung ausdrückt: Die Lippen bewegen sich auf und zu -- "mamamam" --; das erzeugt einen "m"-Konsonanten, und bei entspannter Mundöffnung ist das "a" zwischen den Konsonanten der nächstliegende Vokal. Im ursprünglichen Sinn bedeutet "Mama" demnach so etwas wie "Tankzapfsäule".
Pjotr ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 13.10.2019, 15:51   #9
männlich Ralfchen
 
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Zitat:
Zitat von Pjotr Beitrag anzeigen
Im ursprünglichen Sinn bedeutet "Mama" demnach so etwas wie "Tankzapfsäule".
mit großer sicherheit auf den punkt gebracht
Ralfchen ist offline   Mit Zitat antworten
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