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Gefühlte Momente und Emotionen Gedichte über Stimmungen und was euch innerlich bewegt.

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Alt 01.08.2017, 11:22   #1
weiblich Ilka-Maria
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Ort: Arrival City, auf der richtigen Seite des Mains
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Standard Am Steg

Nichts mehr da, das dich erschreckt,
dich zur Wachsamkeit ermahnt,
Furcht und Vorsicht in dir weckt,
sich den Weg zur Argwohn bahnt.

Keinen Zoll breit für Respekt
dem, der sitzt auf hohem Ross,
breiter Backen, blankgeleckt,
als auf Zeit ernannter Boss.

Nichts zu beichten Papst und Pfaff:
Raus mit Gott und seinem Schleim
aus dem heuchlerischen Kaff,
das zu lange war dein Heim!

Mach dich auf den letzten Weg,
setz in Ruhe Schritt vor Schritt,
ich erwarte dich am Steg
mit der Bitte: „Nimm mich mit!“

01.08.2017
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Alt 01.08.2017, 12:27   #2
gummibaum
 
Dabei seit: 04/2010
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Liebe Ilka,

hier redet Charon. Der Angesprochene zeigt sich ihm in der zweiten und dritten Strophe als jemand, der seine Angst vor irdischen und überirdischen Potentaten verloren hat und so auch den Tod nicht mehr fürchten braucht.

Sehr gern gelesen.

LG gummibaum
gummibaum ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 10.08.2017, 07:02   #3
weiblich Ex-Letreo71
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Beiträge: 4.054

Starker Text, Ilka.

LG Letreo
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Alt 10.08.2017, 07:42   #4
männlich AndereDimension
 
Benutzerbild von AndereDimension
 
Dabei seit: 06/2009
Beiträge: 3.352

Inhaltlich anspruchsvoll, aber die Ausführung unausgegoren - da hst Du dir vermutlich zu wenig Zeit genommen.

[QUOTE]Nichts mehr da, das dich erschreckt,
dich zur Wachsamkeit ermahnt,
Furcht und Vorsicht in dir weckt,
sich den Weg zur Argwohn bahnt.[/
QUOTE]

Die beiden ersten Zeilen sind gut (Einstieg gelungen)....die zwei Zeilen danach jedoch verunglückt...inhaltlich und sprachlich...wobei hier das eine das andere bedingt. Beide Zeilen eine Inversion..zudem kann man sich nur einen... aber nicht den Weg bahnen. Wäre es der...dann wäre dieser schon da...müsste man ihn nicht mehr bahnen/ebnen. Z3 läuft auch ins Leere...denn hinter "in dir weckt" steht ein wer oder was? Gemeint hast Du: In dir wurden Furcht und Voricht geweckt...doch geschrieben hast Du etwas anderes. Ist einfach zu lösen:

Furcht und Vorsicht sind geweckt,
ein Weg zur Argwohn wird gebahnt

Zitat:
Keinen Zoll breit für Respekt
dem, der sitzt auf hohem Ross,
Z1 macht überhaupt keinen Sinn
Z2 wieder eine Inversion

Du schreibst Zoll breit...und redet damit von der Maßeinheit - doch ist es das Zoll.../keinen funktioniert also nicht

Zitat:
Nichts zu beichten Papst und Pfaff:Raus mit Gott und seinem Schleim
aus dem heuchlerischen Kaff,
das zu lange war dein Heim!
Sorry, aber auch das ist semantischer Murks
Der Doppelpunkt macht keinen Sinn...und statt dein müsste es euer heißen

Gruß, A.D.
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Alt 10.08.2017, 08:10   #5
weiblich Ilka-Maria
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Ort: Arrival City, auf der richtigen Seite des Mains
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Danke für die hilfreichen Hinweise, AnDi, die verständlich bei mir angekommen sind. Du warst sehr gründlich, damit kann ich eine Menge anfangen.

Besten Gruß
Ilka
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Alt 10.08.2017, 08:40   #6
männlich dr.Frankenstein
 
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Beiträge: 4.319

Die doppelte deutigkeit vom Zoll macht doch Sinn.
Das muss ja jemand sein der oder die ziemlich lustig drauf war,
deswegen ebnet sie den Weg, erfindet das Rad neu, als Parodie.
Zeigt sich ja auch im anderen, die Heuchelei kann nur jemand mit Humor auf die Schippe nehmen um fröhlich drauf zu gehen.
Den Weg gibt es ja schon.
Trotzdem muss ihn sich jeder selbst ebnen, wer mutig ist zu Mindest.
Andere werden von einer unsichtbaren Macht dahin geschoben und heulen dabei vor Angst.
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Alt 10.08.2017, 09:00   #7
weiblich Ilka-Maria
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Über "den Weg" oder "einen Weg" kann man durchaus streiten, dies aber durch eine andere Formulierung vermeiden. Mit dem Zoll liegt AnDi aber richtig, das war eine Nachlässigkeit von mir.
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Alt 10.08.2017, 10:57   #8
gummibaum
 
Dabei seit: 04/2010
Alter: 66
Beiträge: 10.929

Hallo AndereDimension,

ich kann keinen Fehler finden. Dem Hauptsatz folgen vier Nebensätze, finite Verben am jeweiligen Ende. Inhaltlich wird ausgesagt, dass etwas verschwunden ist, das bisher ein Gefühl der Bedrohung ausgelöst hat. Die Anzeichen waren erschreckt sein, Wachsamkeit, Furcht, Vorsicht und der Weg zur Arwohn.

Die Ersetzung der Nebensätze durch Haupsätze ("Furcht und Vorsicht sind geweckt" usw.), dreht den Sinn um. Der (verkürzte) Hautsatz "(Es ist) nichts mehr da" verliert seine Einwirkung der Negation auf das nachfolgend Gesagte, da er Hauptsätzen gegenüber nicht mehr übergeordnet ist.

LG g
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Alt 10.08.2017, 16:57   #9
männlich Heinz
 
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Beiträge: 5.185

Hallo Ilka-Maria,
ist das eine vorauseilende Herbstdepression? Wenn es so ist. dann ist sie in ein stimmungsvolles Gedicht verpackt, dessen Niveau tatsächlich an den griechischen Fährmann erinnert, auf den das LI am Stege wartet.
Ich schau mal die erste Strophe an:

Nichts mehr da, das dich erschreckt,
dich zur Wachsamkeit ermahnt,
Furcht und Vorsicht in dir weckt,
sich den Weg zur Argwohn bahnt.

Über den dritten Vers stolpere ich ein bisschen:

"Furcht und Vorsicht in dir wecken", sagt mein Sprachgefühl. Solltest Du mir Recht geben, wäre der Reim zum ersten Vers zu retten:

Nichts mehr, das dich könnte schrecken,
dich zur Wachsamkeit ermahnt,
Furcht und Vorsicht in dir wecken,
sich den Weg zur Argwohn bahnt.

Wenn ich das Gedicht richtig verstehe, dann ist es entweder ein innerer Monolog oder eine Ansprache Charons an den Kandidaten für die Überfahrt.
Verwirrend ist in beiden Fällen der Schluss der letzten Strophe:

Mach dich auf den letzten Weg,
setz in Ruhe Schritt vor Schritt,
ich erwarte dich am Steg
mit der Bitte: „Nimm mich mit!“

Spricht hier der "Kandidat"? Dann müsste es im ersten Vers heißen:

(Ich) mach mich auf den letzten Weg,
...

Spricht Charon? Dann stimmt der letzte Vers nicht.

Kann aber auch sein, dass ich auf einem falschen Dampfer unterwegs bin.

Heinz
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Alt 10.08.2017, 17:19   #10
weiblich Ilka-Maria
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Allmählich bin ich beeindruckt, welches Echo mein Gedicht ausgelöst hat. Habt alle Dank für eure Auseinandersetzung damit, ich weiß es zu schätzen und werde mir über eure Analysen Gedanken machen.

LG
Ilka
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Alt 10.08.2017, 17:42   #11
weiblich DieSilbermöwe
 
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"Furcht und Vorsicht in dir weckt" ist grammatisch mE richtig. Wieviel Dinge erweckt werden, auch wenn diese dann Plural sind, spielt dafür keine Rolle.

Sonst hätte ich jetzt auch schreiben müssen: "wieviel Dinge erwecken werden" und das ist ganz schön falsch.

LG DieSilbermöwe
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Alt 10.08.2017, 18:37   #12
weiblich Ilka-Maria
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Zitat:
Zitat von DieSilbermöwe Beitrag anzeigen
"wieviel Dinge erwecken werden"
Von der Syntax her ist das aber ganz anders und als Vergleich nicht geeignet.

Es stimmt schon, dass bei meinem Gedicht der Plural richtig gewesen wäre. Nur: Ein Großteil namhafter Dichter hat sich daran auch nicht gehalten, und niemanden hat es gestört. Andererseits kann ich einem Sprachpuristen keinen Vorwurf daraus machen, dass er auf korrekte Grammatik besteht.

Egal, wie herum man es dreht: Ich muss mich mit meinem Gedichtchen nochmal befassen.
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Alt 10.08.2017, 18:58   #13
männlich Heinz
 
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Beiträge: 5.185

mach bitte keinen Puristen aus mir. Purist, das klingt sehr nach Korinthenkacker, der sich vor allem an der Verwendung fremdsprachlicher
Begriffe in der deutschen Sprache stört.
Ich bin, wie ich sagte, ein bisschen gestolpert.
H.
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Alt 10.08.2017, 19:31   #14
gummibaum
 
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"Weckt" ist korrekt, da das Verb vom Indefinitpronomen "nichts", dem Subjetkt im Hauptsatz, abhängt ("Nichts, das ... weckt"). Verben in Relativsätzen (hier sind es vier Stück) werden immer vom Subjekt im Hauptsatz gebeugt, da ein Relativpronomen (der, die das) am Anfang des Nebensatzes dies Subjekt ersetzt.
gummibaum ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 10.08.2017, 19:42   #15
weiblich Ilka-Maria
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Zitat:
Zitat von Heinz Beitrag anzeigen
mach bitte keinen Puristen aus mir. ...

An dich hatte ich dabei gar nicht gedacht, sondern an AnDi. ER ist der strenge Meister. Ich hatte das allgemein festmachen wollen, nicht nur an dem Plural-Problem. Oder anders gesagt: Ich habe eure Kritiken gleichermaßen ernst genommen.
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Alt 19.08.2017, 11:38   #16
männlich Wolfmozart
 
Benutzerbild von Wolfmozart
 
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Beiträge: 1.245

Für mich eine Abrechnung mit negativen Realitäten und mit einer versöhnlichen Schluss-Strophe.

LG wolfmozart
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