Poetry.de - das Gedichte-Forum
 kostenlos registrieren Forum durchsuchen Letzte Beiträge

Zurück   Poetry.de > Gedichte-Forum > Fantasy, Magie und Religion

Fantasy, Magie und Religion Gedichte über Religion, Mythologie, Magie, Zauber und Fantasy.

Antwort
 
Themen-Optionen Thema durchsuchen
Alt 14.05.2018, 09:45   #1
männlich MiauKuh
 
Dabei seit: 08/2017
Beiträge: 1.535

Standard Der verwunschene Teich in Friesland

An der Nordseeküste Frieslands
stand ein Fischer nah am Wasser.
Mit der Angel in den Fluten
hoffte er auf große Fänge.

Doch die Schollen waren launisch
und der Kabeljau kaum besser.
Keine Bisse, tote Hose.
Ohne Fische ging der Fischer.

Spät am Abend stieg der Mond auf,
hell beleuchtet war ein Tümpel.
Seichte Wellen wogten drüber
und der Fischer warf die Angel.

Lange Zeit schon ohne Bisse,
zückte er zwei Regenwürmer,
hegte Hoffnung auf den größten
aller Tümpelteichbewohner.

Und tatsächlich! Die Belohnung
für das elend lange Warten
war ein schuppenhaftes Wesen,
doch mit Haaren: Gold im Mondschein.

Da begann es gar zu reden,
schwelgte süßlich von Romanzen
tief im Wasser dieses Tümpels,
wünschte Liebe in den Schlämmen.

Und des Fischers Augen glänzten,
waren gänzlich eingelullert,
dass er folgte, diesem Wesen,
um die Nacht mit ihm zu teilen.

Kurz darauf, am nächsten Morgen,
rang der Fischer schwer um Atem,
fing bedenklich an zu husten,
spuckte Brocken dicken Teichschlamms.

Das Gehuste wollt nicht enden
und dem Fischer flossen Tränen.
Sein Gesicht schon bläulich lila,
endlich rülpste er ein Sprottlein.

Wie der Fischer sich da freute!
Nicht gestorben und mit Essen,
wenn auch klein, doch besser etwas
als rein gar nichts für den Magen.

Dann Zuhause, voller Anmut,
Stolz und Grazie zur Familie,
präsentierte er das Sprottlein,
reich besetzt mit Garnituren.

Innigst schmausend, wie beim Feste,
gleichsam königlicher Speise,
rief die Ehefrau erschrocken:
“Goldne Haare hier im Essen!”

Plötzlich sprachen sie zum Fischer:
“Wer mich mitnimmt, muss mich kosten!”,
und der Fischer fühlte Nässe
von den Augenbrauen tropfen.

Sein Gesicht wurd wieder lila,
er begann nochmals zu husten,
schrecklich böse, schlimm und übel,
bis er niedersackte, leblos.

Und die langen, goldnen Haare
formten sich zu Tausendfüßlern,
krochen in des Fischers Nase
durch den Rachen in die Lunge.

Dort hing schreiend und vereinsamt
fest ein Haar des Mondscheinwesens,
wurd befreit gleich von den andren
und der Fischer kam zu Kräften.

“Bring uns bitte in den Tümpel,
leg uns dort ins dunkle Wasser.
Doch gib Acht: Tus nicht bei Vollmond,
sonst begegnest du uns wieder.”

Diese Warnung nicht beachtend,
gingen Fischer und Familie
mit den Haaren in den Händen
zu dem wundersamen Tümpel.

Als die Haare tief ins Wasser
niedersanken und verschwanden,
waren Klänge, Melodien,
wie ein Harfenspiel zu hören.

Und ein Schatten, schwarz im Mondlicht,
mit den Augen lieblich schmachtend,
sah betrübt dem Fischer folgend
hinterher um leis zu wimmern.

Wieder heim verschwanden alle
in den Betten um zu träumen
und sie taten es mit Horror,
wachten auf und jemand klopfte,

klopfte pochend an die Pforte
und die Tür flog aus den Angeln.
Holz zerbarst und lautes Stampfen
war zu hören auf den Brettern.

Vater, Mutter und die Kinder
rückten dicht an dicht zusammen
und die Tür zum Raum des Schlafens
knarzte lang und zäh wie Honig.

Aufgehellt vom Licht des Mondes,
griffen Finger um den Rahmen,
lang und hager, schwarz und glänzend,
gleich den Schuppen eines Karpfens.

Nur ein Schemen war der Schatten
mit den hundert goldnen Haaren,
einem blütengleichen Lächeln,
leider fehlten ihm die Augen..

"Schau zum Himmel, es ist Vollmond
und du warst bei mir am Tümpel.
Nun sind wir zwei fest verbunden.
Du bist mein von heut bis ewig!”

"Ohne Augen keine Blicke!
Jetzt hau ab in deinen Tümpel.
Störe nicht die Friedensruhe
hier Zuhaus auf meinem Grundstück!"

Da erzürnte sich der Schatten,
schlimm verstoßen ohne Liebe,
erst gefangen dann gekostet,
ausgesetzt und danach ringend.

"Willst nicht lieben? Oh dann leide,
wag dich niemals mehr zum Tümpel!
Er ist meiner, für den Liebsten,
der mich fängt mit Regenwürmern."

So verschloss das Ding die Türen,
zog als Schatten goldnen Haares
Richtung Tümpel, ganz alleine.
Niemand wollte mit ihm gehen.

Und am nächsten Morgen dachten
Fischer, Frau und beide Kinder:
Alles Träume, nichts gewesen –
doch ein Haar flog durch das Zimmer.

Viele dutzend Jahre später,
Frau und Fischer längst gestorben,
sprachen die erwachsnen Kinder
von dem Wasserloch in Friesland.

Sie erzählten von dem Wesen
mit Romanzenwünschen, innigst.
Wie es saß, auf Liebe und den
Regenwurm des Anglers lauernd.

Die Geschichte wurde Mythos,
mittlerweile zur Legende.
Meine Oma hat's berichtet.
Ich geh angeln, heut ist Vollmond.

Geändert von MiauKuh (14.05.2018 um 14:53 Uhr)
MiauKuh ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 14.05.2018, 11:17   #2
weiblich Unar die Weise
 
Benutzerbild von Unar die Weise
 
Dabei seit: 10/2016
Ort: in einem sagenhaften Haus
Alter: 36
Beiträge: 3.679

Goldes Haar bei mir im Essen.- das im fehlt, oder?

Das ist eine schöne Sage.
Gibt es den Teich wirklich?
Unar die Weise ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 14.05.2018, 11:20   #3
männlich MiauKuh
 
Dabei seit: 08/2017
Beiträge: 1.535

Hey

das hab ich glatt korrigiert, dankeschön Unar!!
Ne, die Sage gibt es nicht, die Geschichte habe ich gestern Abend beim Baden erfunden :s Kurz hatte ich den Fischer und seine Frau im Kopf, es ist aber etwas völlig anderes daraus geworden.
Freut mich, wenn das Geschichtlein dir gefällt :-)

Dankeschön fürs Durchlesen des sehr langen Textes (mein längstes Gedicht überhaupt)!
MiauKuh ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 14.05.2018, 11:29   #4
weiblich Unar die Weise
 
Benutzerbild von Unar die Weise
 
Dabei seit: 10/2016
Ort: in einem sagenhaften Haus
Alter: 36
Beiträge: 3.679

Ich hätte es dir glatt geglaubt.
Hätte ja der Weiher von deinem Foto sein können.

Sagen haben mich schon immer fasziniert.
Unar die Weise ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 14.05.2018, 23:45   #5
männlich Heinz
 
Benutzerbild von Heinz
 
Dabei seit: 10/2006
Ort: Hilden, NRW
Beiträge: 4.241

Lieber MiauKuh,
Dein längstes und, wie ich meine, eines Deiner besten, vielleicht sogar das beste Gedicht, das Dir aus der Feder geflossen ist. Du solltest öfter baden!
Mir gefallen diese (formalen) Atta-Troll-Klänge und die Länge des Gedichts fällt gar nicht auf - ich hab es gern und mit größtem Vergnügen gelesen!
Liebe Grüße,
Heinz
Heinz ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 16.05.2018, 07:48   #6
männlich MiauKuh
 
Dabei seit: 08/2017
Beiträge: 1.535

Lieber Heinz,

so viele Pinselei auf meinen Bauch, aber ich spüre es noch .
Quark, Spaß beiseite.

Dankeschön für das Lob, das Schreiben hat mir sehr, sehr viel Spaß bereitet und beim Baden entstehen gute Geschichten. Du wirst sehen ... noch mehr :-)

"Du solltest öfter Baden" Hat ja eigentlich eine "anrüchige" Bedeutung, hier freue ich mich aber

Liebe Grüße und bis sehr bald!
MiauKuh ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 16.05.2018, 13:28   #7
gummibaum
 
Dabei seit: 04/2010
Alter: 65
Beiträge: 10.625

Das ist eine unterhaltsame Geschichte, lieber MiauKuh.

Gern gelesen.

LG gummibaum
gummibaum ist gerade online   Mit Zitat antworten
Alt 17.05.2018, 06:45   #8
weiblich DieSilbermöwe
 
Benutzerbild von DieSilbermöwe
 
Dabei seit: 07/2015
Alter: 55
Beiträge: 3.335

Lieber MiauKuh,

ich schließe mich den anderen an: sehr unterhaltsame Geschichte, sehr gern gelesen. Hätte aber ruhig noch ein wenig gruseliger sein können
Wenn ein Gedicht so viel Spaß macht, kann es ruhig sehr lang sein.

LG DieSilbermöwe
DieSilbermöwe ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 17.05.2018, 07:06   #9
männlich MiauKuh
 
Dabei seit: 08/2017
Beiträge: 1.535

Hey gummibaum,
Na das freut mich wenn du es gern gelesen hast.

Liebe dieSilbermöwe:

Grusel war nicht, aber vielleicht und gerne beim nächsten Mal.
Es war schön das geschichtlein aufzuschreiben.

Lieben Dank euch beiden.
MiauKuh ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 18.05.2018, 23:54   #10
weiblich Letreo71
 
Benutzerbild von Letreo71
 
Dabei seit: 01/2014
Ort: Niedersachsen
Alter: 47
Beiträge: 3.823

Klasse, lieber MiauKuh! Passt, wackelt, hat Luft!

LG Letreo
Letreo71 ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 24.05.2018, 13:38   #11
männlich MiauKuh
 
Dabei seit: 08/2017
Beiträge: 1.535

Na, was bleibt mir da außer Danke zu sagen Letreo!?

Freut mich, wenn es dich unterhalten hat.

Vielleicht das nächste Mal eine Gruselgeschichte ...

- MiauKuh
MiauKuh ist offline   Mit Zitat antworten
Antwort

Lesezeichen für Der Fischer an der Nordseeküste Frieslands

Themen-Optionen Thema durchsuchen
Thema durchsuchen:

Erweiterte Suche


Ähnliche Themen
Thema Autor Forum Antworten Letzter Beitrag
Der Fischer DarkDiamond Düstere Welten und Abgründiges 6 25.08.2016 19:38
Es war einmal, ein Fischer Phönix-GEZ-frei Gefühlte Momente und Emotionen 1 03.05.2015 23:54
Der geizige Fischer im Spreewald Schmuddelkind Düstere Welten und Abgründiges 2 30.05.2011 16:50
Der Fischer Splitt Sonstiges Gedichte und Experimentelles 1 30.08.2009 16:22
Der Fischer 19slin88 Sonstiges Gedichte und Experimentelles 1 12.10.2006 22:07


Sämtliche Gedichte, Geschichten und alle sonstigen Artikel unterliegen dem deutschen Urheberrecht.
Das von den Autoren konkludent eingeräumte Recht zur Veröffentlichung ist Poetry.de vorbehalten.
Veröffentlichungen jedweder Art bedürfen stets einer Genehmigung durch die jeweiligen Autoren.