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Lebensalltag, Natur und Universum Gedichte über den Lebensalltag, Universum, Pflanzen, Tiere und Jahreszeiten.

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Alt 25.10.2016, 16:04   #1
weiblich Unar die Weise
 
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Beiträge: 4.958

Standard Tage im Regen

Durch graue Augen, des Lebens so satt...
Du hast längst schon alles Schöne verdrängt,
blickst du durch trübe Scheiben heraus.

Ein grauer Schleier, liegt über der Stadt.
Die Wolken ganz dicht zusammengedrängt,
sie schütten die nassen Gedanken aus.

Auf grauen Asphalt, legt Schwere sich matt,
sie fühlt sich von losen Blättern beengt
und drückt sich durch Gassen zur Welt hinaus.

Nur graue Menschen, die Seelen so glatt...
In all ihrem Streben so angestrengt,
verschwinden in Fluren vom Reihenhaus.

Am grauen Fenster klebt ein Lindenblatt.
Daran hat sich dein Blick nun aufgehängt,
und eilt in Tagträumen der Wahrheit voraus.
Unar die Weise ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 03.11.2016, 09:57   #2
männlich urluberlu
 
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Dabei seit: 07/2014
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Beiträge: 2.268

Das eintönige Reimschema mit den harten Zeilenendungen lässt ein wenig an das zeitlose, anfang- und endlose klopfen von regentropfen auf vordächern aus wellplastik oder so denken. Es verbreitet eine tristesse, die eher schlecht zu der ebenso romantischen wie abstrakten ausdrucksweise passt.
Diese starre, schematische Schreibweise macht es enorm schwierig, Sätze einzubauen, die sowohl "schöne, bedeutungsvolle Wörter" wie auch eine angenehme, vernünftig klingende Satzmelodie besitzen. Und so plätschert der Inhalt für meine Augen und Ohren wie ein Fremdkörper durch die Strophen.
LG Url
urluberlu ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 03.11.2016, 10:26   #3
weiblich Unar die Weise
 
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Dabei seit: 10/2016
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Beiträge: 4.958

Danke lieber Urluberlu,
Das Klopfen von Regentropfen, das du das rausgehört hast...
Genau dieses Geräusch in seiner Monotonie hat mich auf die Zeilen gebracht.Ganz bewusst habe ich mich mitziehen lassen.
In eine harte einsame triste Stimmung.
Mir ist bewusst, das dieses Gedicht alles andere als wohlklingend ist, ja, gar feindlich. Mir haben sich die Sätze ehr aufgedrängt, keifend und immer mit einem Unterton "Sieh hin!"
Es ist nicht melodisch, da hast du recht.
Die "romantische" Ausdrucksweise, ist der letzte Zipfel von Schönem an einem Regentag- Melancholie.
Danke für deine ausführliche Kritik. Liebe Grüße zurück, Unar.
Unar die Weise ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 03.11.2016, 11:35   #4
männlich dr.Frankenstein
 
Benutzerbild von dr.Frankenstein
 
Dabei seit: 07/2015
Ort: Zwischen den Ostseewellen ertrunken
Alter: 37
Beiträge: 4.370

Klingt wie der Anfang eines intressanten Theaterstücks.

Jetzt müsste nur was passieren, jemand fasst von hinten auf die Schulter und sagt was zu dem Lindenblatt.
dr.Frankenstein ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 03.11.2016, 16:10   #5
weiblich Unar die Weise
 
Benutzerbild von Unar die Weise
 
Dabei seit: 10/2016
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Alter: 37
Beiträge: 4.958

Oder, irgendjemand kommt vorbei, macht das Fenster auf, und putzt mal die Scheibe. Dann scheint wieder die Sonne, und derjenige, der immer nur am Fenster geschaut hat, geht raus und fegt endlich mal das Laub auf.
Und jeden grauen Menschen ,der vorübergeht, grüßt er freundlich.

Deine Idee mit dem Theaterstück, finde ich großartig.
Dankeschön.
Unar die Weise ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 10.11.2016, 12:08   #6
männlich alfvonschubeck
 
Dabei seit: 09/2016
Beiträge: 24

Sehr gelungen!!
alfvonschubeck ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 10.11.2016, 12:10   #7
weiblich Unar die Weise
 
Benutzerbild von Unar die Weise
 
Dabei seit: 10/2016
Ort: in einem sagenhaften Haus
Alter: 37
Beiträge: 4.958

Herzlichen Dank, das freut mich sehr.
Unar die Weise ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 10.11.2016, 13:48   #8
männlich Nöck
 
Benutzerbild von Nöck
 
Dabei seit: 12/2009
Ort: In den Auen des Niederrheins
Beiträge: 2.005

Liebe Unar,

bis auf den Schluss (da steht statt den Terzetten üblicherweise ein Quartett) handelt es sich bei deinem Gedicht um eine Villanelle. Und da ist das Reimschema nun mal so.

Was nach meinem Empfinden etwas stört, sind die banalen Vers-Endungen mit "aus". Ansonsten verbreitet dein Gedicht eine triste Novemberstimmung mit einer Anspielung auf das menschliche Dasein.

Gerne gelesen und sinniert.

Liebe Grüße
Nöck
Nöck ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 10.11.2016, 23:17   #9
weiblich Unar die Weise
 
Benutzerbild von Unar die Weise
 
Dabei seit: 10/2016
Ort: in einem sagenhaften Haus
Alter: 37
Beiträge: 4.958

Danke lieber Nöck,

für die freundlichen Worte und die willkommene fachliche Aufklärung.
Ich werde die Begriffe zeitnah googeln und mich weiterbilden.

Liebe Grüße ,Unar.
Unar die Weise ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 20.11.2016, 23:18   #10
weiblich Ex-Letreo71
abgemeldet
 
Dabei seit: 01/2014
Ort: Niedersachsen
Beiträge: 4.052

Liebe Unar,

mir gefällt es. Als Titel könnte ich mir auch sehr gut "Graue Tage" vorstellen.

Lieben Gruß

Letreo
Ex-Letreo71 ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 21.11.2016, 00:25   #11
weiblich Unar die Weise
 
Benutzerbild von Unar die Weise
 
Dabei seit: 10/2016
Ort: in einem sagenhaften Haus
Alter: 37
Beiträge: 4.958

Danke liebe Letreo,

ich habe mich sehr gefreut.
Der Titel "Graue Tage" gefällt mir gut.

ich wünsche dir alles Liebe, Unar
Unar die Weise ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 21.11.2016, 22:41   #12
männlich Wolfmozart
 
Benutzerbild von Wolfmozart
 
Dabei seit: 04/2012
Alter: 55
Beiträge: 1.267

Hallo Unar,

also an diesem Gedicht paßt für mich alles.

Der Reim konseqent durchgezogen, was in diesem Fall nicht so leicht ist
Die Wiederholung des grauen,
Die Ausdrücke und Wortkombinationen sind hohes Niveau,
Das Gedicht weist einige philosophische Aussagen über das Menschliche auf, welche mir sehr gefallen,
Eine ausgefallene interessante Metrik und
Ein guter Abschluß.

Kommt zu meinen Favoriten.

Liebe Grüße

wolfmozart
Wolfmozart ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 22.11.2016, 01:01   #13
weiblich Unar die Weise
 
Benutzerbild von Unar die Weise
 
Dabei seit: 10/2016
Ort: in einem sagenhaften Haus
Alter: 37
Beiträge: 4.958

Standard Lieber Wolfmozart,

vielen Dank für deine lobenden Worte.

Das es auf deine Liste kommt, ehrt mich sehr.

ganz, ganz liebe Grüße, von Unar

Dieses Gedicht ist aus meiner eigenen Angst entstanden, die mich Jahr für Jahr heimsucht, wenn der Sommer gegangen ist.
Unar die Weise ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 08.12.2016, 18:54   #14
männlich curd belesos
 
Benutzerbild von curd belesos
 
Dabei seit: 04/2013
Ort: Lübeck
Alter: 74
Beiträge: 1.126

Standard Villanelle

Liebe Unar,

die Tristess eines Regentages hast du gut rübergebracht. Daher widerspreche ich Urluberlu, wenn er schreibt,

Zitat:
Es verbreitet eine tristesse, die eher schlecht zu der ebenso romantischen wie abstrakten ausdrucksweise passt.
da gerade die von dir gewählte sehr schwierige und wirklich seltene Gedichtform ideal zu dem verdichteten Gedanken passt.

Nöck hat es bereits angesprochen, dass der Schlussvers ein Quartett sein sollte.

Doch das wirst du bei deinem nächsten Gedicht berücksichtigen, nehme ich an, denn das was du hier geschrieben hast ist ein sehr guter Auftakt, der mir gefällt.

Einen regennassen Gruß aus den grauen Niederungen der Trave

CB
curd belesos ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 08.12.2016, 19:10   #15
weiblich Unar die Weise
 
Benutzerbild von Unar die Weise
 
Dabei seit: 10/2016
Ort: in einem sagenhaften Haus
Alter: 37
Beiträge: 4.958

Lieber Curd, einen reifüberzuckerten Gruß, aus dem Thüringer Wald, für dich.

Danke, für deinen Kommentar. Über dieses Lob freue ich mich außerordentlich.

Wenn ich ehrlich bin, habe ich mich noch nicht mit der Villanelle beschäftigen können.
Aber, da bleibe ich dran.
Ich habe in diesem Forum schon viele interessante Anregungen bekommen.
Und theoretisches Wissen angesammelt.

Deshalb, besonderen Dank an dich und die restliche fleißige begabte Poetry-Gemeinde.

Unar
Unar die Weise ist offline   Mit Zitat antworten
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Stichworte
menschen, regen, wolken

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