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Alt 22.05.2012, 20:00   #1
ritchey
 
Dabei seit: 05/2012
Alter: 30
Beiträge: 1

Standard Goethes Erlkönig - Fragen zur Metrik

Hallo erstmal an alle,

ich kann mir fast vorstellen, dass diese Frage schonmal gestellt wurden aber ich habe das Internet durchforstet und so richtig versteh ich es immer noch nicht. Ich bin über die spanische Poesie überhaupt erst in das Thema Metrik gekommen und nun sollen wir eine Präsentation machen. Ich wollte mir Goethes Erlkönig anschauen und die Probleme bei der Übersetzung aufzeigen.

Nun zu meinen Problemen. (Ich hoffe ich bin im richtigen Bereich)

1. Wie bestimme ich ein Versmaß?

Eigtl. sollte das kein Problem sein, wenn der Rhythmus durchgängig zB jambisch wäre, doch was ist wenn sich binäre Rhythmen mit ternären abwechseln?

Goethes Erlkönig hat ja mehrere Lesemöglichkeiten, ich habe nun die leichten und schweren Silben herausgearbeitet und würde gerne den Charakter des Verses bestimmen. Worauf muss ich achten? Welcher der erste Fuß ist? oder muss ich gucken ob jeweils die geraden Füße jambisch sind um sagen zu können dass es ein jambisches Versmaß hat?

Außerdem bin ich mit der deutschen Metrik nicht ganz vertraut, wieso wird ein Amphibrachys ausgeschlossen?

Eigtl. müsste ein jambischer Versmaß doch Daktylen zulassen aufgrund der poetischen Lizenz aber im Erlkönig sind wohl nur Anapäste vorhanden?

Naja, das ist so ziemlich mein Hauptproblem. Wenn sich Jambus und Anapäst abwechseln ist es dann einfach ein Jambus-Anapäst-Versmaß?

2. Die 5. Hebung in einem der Verse

Eigtl. gehen immer 4 Hebungen durchgängig durch das komplette Gedicht, außer in einem Vers der offenbar 5 Hebungen hat. Wieso? Weil es sich als Ballade der Musik unterordnen muss? Oder gibt es eine andere Leseart mit der ich nur 4 Hebungen hätte? Sonst müsste ich es wohl mit dem Inhalt erklären?

3. Wieso reimt sich "gehn" auf "schön"? Welche Form von unreinen Reim ist das? Ich habe zB gelesen dass sich ö durchaus auf e reimen kann, wenn die Silbe unbetont ist, in diesem Fall ist sie aber betont ...

Hier mal meine metrische Analyse:

xX|xxX|xX|xX
xX|xX|xxX|xX
xX|xX|xX|xxX
xX|xX|xxX|xX

xX|xX|xxX|xxX
xX|xX|xX|xxX
xX|xX|xxX|xX
xX|xX|xX|xX

xX|xX|xX|xX
xX|xX|xX|xxX
xX|xX|xX|xxX
xxX|xX|xX|xxX

xX|xxX|xxX|xxX
xX|xX|xxX|xxX
xX|xxX|xX
xX|xX|xX|xxX

xX|xX|xxX|xX
xxX|xX|xxX|xxX
xxX|xX|xxX|xxX
xX|xxX|xxX|xxX

xX|xxX|xxX|xxX
xX|xX|xxX|xX
xX|xX|xX|xxX
xX|xxX|xX|xxX

xX|xX|xX|xxX|xxX (!)
xX|xxX|xxX|xxX
xX|xxX|xxX|xxX
xX|xX|xxX|xX

xX|xX|xxX|xxX
xX|xX|xxX|xxX
xX|xX|xX|xxX
xX|xX|xxX|xX


Ich bedanke mich schonmal für eure Hilfe!!
ritchey ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 16.06.2013, 22:34   #2
männlich mefaust
 
Dabei seit: 06/2013
Ort: Augsburg
Alter: 23
Beiträge: 21

1. Bei so einem unregelmäßigen Versmaß ist es meistens tatsächlich Ansichtssache, wie man die Betonungen setzt. Es sollte aber, wenn möglich, die Zahl der Hebungen in jedem Vers gleich bleiben.

Zum Amphibrachys: Von diesem Versmaß höre ich zum ersten mal Ich hab mich aber schnell schlau gemacht (Wikipedia) und bin der Meinung, dass man das durchaus auf den Erlkönig anwenden kann. An vielen Stellen ist er sinnvoller. Wie gesagt finde ich hier eine Einteilung nach Versmaßen weniger entscheidend.

2. Durch die Konstellation "liebe dich mich reizt" ("lie-" und "reizt" sind auf jeden Fall betont) scheint es notwendig, dass "dich" ebenfalls betont ist und so eine fünfte Hebung entsteht. Man kann die Zeile aber auch mit Zäsur zwischen "dich" und "mich" oder aber, ganz unorthodox, mit drei Unbetonten hintereinander lesen. So wirkt der Erlkönig noch überrumpelnder und stürmischer. Womit wir beim inhaltlichen Aspekt wären. Wie auch immer man die Zeile strukturiert, sie fällt jedesmal aus dem Rahmen. Sie stellt natürlich einen dramatischen Höhepunkt dar und soll möglicherweise durch die überschüssigen Silben hervorgehoben werden. Einen Bezug zum Inhalt besteht auf jeden Fall.

3. Da gibt es meines Wissens keinen Unterschied, was bei Betonten und was bei Unbetonten "elaubt" ist. Goethe (und viele andere Dichter), soweit ich weiß, reimte - neben a/a, e/e usw. - höchstens i/ü und ö/ä/e. So halte ich es selbst auch, weil meiner Meinung nach das das Maximum ist, was die deutsche Sprache an "klangvoller Reimbarkeit" hergibt.

Da der Beitrag schon fast einen Monat alt ist, kommt meine Antwort wahrscheinlich zu spät. Wenn die Fragen trotzdem noch standen, hoffe ich, dass ich helfen konnte
mefaust ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 16.06.2013, 22:37   #3
weiblich muse
 
Benutzerbild von muse
 
Dabei seit: 06/2011
Beiträge: 444

Du hast das Jahr übersehen!
muse ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 16.06.2013, 22:46   #4
Thing
R.I.P.
 
Benutzerbild von Thing
 
Dabei seit: 05/2010
Alter: 74
Beiträge: 35.127

Wer einen Meister fragen will, muß selbst zum Meister werden!
Thing ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 16.06.2013, 23:37   #5
männlich mefaust
 
Dabei seit: 06/2013
Ort: Augsburg
Alter: 23
Beiträge: 21

Oh Ich habe mich gerdae sowieso schon gewundert, wie wenig threads zur Lyriktheorie es hier gibt.
Damit steigt das Ausmaß der Klugscheißerei ins Unermessliche. Tut mir leid, bin neu im Forum
mefaust ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 16.06.2013, 23:49   #6
Thing
R.I.P.
 
Benutzerbild von Thing
 
Dabei seit: 05/2010
Alter: 74
Beiträge: 35.127

Keine Bange!

Laß Dich von mir nicht entmutigen.
Es gibt kompetente Helfer zuhauf!

Herzlichen Gruß
von
Thing
Thing ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 14.08.2013, 22:30   #7
männlich Phönix-GEZ-frei
 
Benutzerbild von Phönix-GEZ-frei
 
Dabei seit: 06/2012
Ort: Erstwohnsitz: Der Himmel, ein Schneeweißes Wolkenbett
Alter: 58
Beiträge: 1.726

Hi ritchey,

Goethes Erlkönig - Fragen zur Metrik,
du bist auf dem richtigem Weg!


Zitat Thing:

"Laß Dich von mir nicht entmutigen.
Es gibt kompetente Helfer zuhauf!"

Nein, die gibt es nicht auf dieser Seite! Mir zu mindestens nicht bekannt!

Ich vermisse sie immer mehr! Warum?

LG Phönix
Phönix-GEZ-frei ist offline   Mit Zitat antworten
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